»Dieser Roman ist besser als gut. Sein wunderschön umgesetztes Lamento einer verlorenen Sprache und kultureller Nachhaltigkeit ist von universeller Relevanz.« Canberra Times
»Mein Lieblingsbuch des Jahres.« Nicole Seifert
Ein Londoner Künstler und ein französischer Linguist landen im Sommer 1979 auf einer abgelegenen irischen Insel. Der Künstler ist angereist, um die zerklüfteten Klippen im Atlantik zu malen, der Linguist, um den Niedergang der irischen Sprache zu verfolgen. Jeder der Männer will die unberührte Insel und seine Bewohner für sich allein haben: Der eine, um sie in Ruhe zu malen und endlich ein besonderes Kunstwerk zu schaffen, der andere, um eine Sprache zu retten, die gar nicht die seine ist. Die Spannung zwischen den beiden zieht im Laufe des Sommers Kreise über die gesamte Insel.
Vor dem Hintergrund Nordirlandkonflikts, erzählt der Roman vom harten Leben der Inselbewohner und von ihren Träumen – die sie über die harschen Grenzen ihrer abgeschiedenen Realität hinausführen.
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Feinfühlig
LG am 26.01.2026
Bewertungsnummer: 3025202
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
„Die Kolonie* ist einer dieser Romane, die im ersten Moment schlicht wirken, sich aber rasch zu einer vielschichtigen, historisch interessanten Geschichte über Sprache, Zugehörigkeit und Kolonialismus entwickeln. Ich bin aufgrund der großartigen Übersetzerin Nicole Seifert aufmerksam auf den Roman geworden und wurde sowohl von der Sprache als auch vom Inhalt des Romans nicht enttäuscht.
Im Mittelpunkt stehen ein englischer Maler und ein französischer Linguist, die beide auf die Insel kommen. Der eine will endlich das große Kunstwerk schaffen, der andere die irische Sprache retten. Beide ignorieren dabei konsequent die Wünsche der Menschen, deren Leben sie als „Material“ benutzen. Das beschreibt Magee mit präzisem Blick: unaufdringlich, aber eindringlich, oft leise ironisch, nah an den Figuren. Besonders stark ist der Roman deshalb, wenn es um die Inselbewohner geht. Die eingeflochtenen kurzen Sequenzen zu den Ereignissen des Nordirlandkonflikts waren für mich zusätzlich interessant.
„Die Kolonie* ist kein lauter Roman, aber feinfühlig und komplex für Leser:innen, die sich für Themen wie Kolonialismus und kulturelle Auslöschung sowie Widerstand dazu interessieren.
Grossartig, bewegend, traurig und vielseitig
Bewertung aus Weil am Rhein am 01.09.2025
Bewertungsnummer: 2583440
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Kolonie von Audrey Magee
Aus dem Englischen von Nicole Seifert
„Die irische Sprache stirbt, aber sie ist noch nicht tot. […] Es ist ein langsamer Tod, er zieht sich über Jahrhunderte, in denen die Sprechenden das Irische zugunsten des Englischen aufgeben.“
Ein mässig erfolgreicher englischer Maler und ein ehrgeiziger französischer Linguist verbringen den Sommer 1979 auf einer abgelegenen irischen Insel. Der eine benutzt die Inselbevölkerung als Modelle für seine Bilder, obwohl die Einheimischen dies nicht möchten. Der andere erhofft sich mit seinen Studien einen Doktortitel und eine Professur und würde die Bewohner am liebsten auf der Insel einsperren und ihnen verbieten, Englisch zu sprechen, um das Irische vor dem Aussterben zu bewahren. Obwohl sich die beiden Männer als Konkurrenten betrachten und einander nicht ausstehen können, ist ihnen doch gemeinsam, dass sie die Bedürfnisse und Wünsche der Insulaner missachten und sie für ihre Zwecke missbrauchen. Die daraus entstehenden Spannungen und die Reaktionen der Inselfamilie, bei der die beiden zu Gast sind, schildert die Autorin sprachlich ganz wunderbar und mit einem feinen Gespür für Zwischenmenschliches.
Neben dem Machtgehabe der beiden Männer beschreibt Audrey Magee in diesem atmosphärischen, klugen Buch auch das Leben auf der kargen Insel sehr eindrücklich. Da ist einerseits die junge Witwe Mairéad, die sich vordergründig an die Sitten der Insel hält, jedoch einen eigenen Weg findet, mit den beiden Eindringlingen umzugehen. Ihre Mutter, Bean Uí Néill, die den Fremden misstrauisch gegenübersteht, und deren Mutter, Bean Uí Fhloinn, „die letzte rein irische Muttersprachlerin, die letzte Frau, die so lebt. mit dem Tuch um die Schultern, der Tonpfeife, den gestrickten Socken.“ Und dann James, Mairéads 16-jähriger Sohn, der den Maler umschwärmt wie eine Motte das Licht. Der Englisch sprechen möchte und nicht Fischer werden wie sein Vater, sein Grossvater, sein Onkel.
Ein leises, unaufdringliches und doch unglaublich starkes Buch mit einem liebevollen, manchmal auch ironischen Blick auf seine Protagonisten. Über die Arbeit des Linguisten erfährt man viel über die Kolonisierung und Unterdrückung der Iren durch die Engländer und die perfiden Mechanismen, mit denen die katholische, irisch sprechende Bevölkerung drangsaliert und zur Aufgabe ihrer Kultur gedrängt wurde. Die immer wieder eingeschobenen kurzen Kapitel über die Opfer des Nordirlandkonflikts verleihen dem Roman zusätzlich historische Tiefe. Eine traurige, leider universelle Geschichte, wie sie auch in anderen gälisch sprechenden Gebieten der britischen Inseln stattfand und überall auf der Welt, wo kolonisierende Staaten die einheimische Bevölkerung unterwarfen, ausbeuteten oder vertrieben.
Ich habe dieses Buch unglaublich gerne gelesen – einerseits, weil es stilistisch und inhaltlich in meinen Augen ein richtig gutes Buch ist, andererseits weil mich die kleinen irischen und schottischen Inseln geradezu magisch anziehen. „Die Kolonie“ hat mich sehr bereichert und restlos begeistert. Ganz grosse Empfehlung für alle, die ruhige, anspruchsvolle und gehaltvolle Literatur mögen.
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