Dies ist die autobiografische Aufarbeitung von Erlebnissen des Journalisten Boris Reitschuster, der nichts anderes tat als kritisch zu berichten, um nicht – wie andere – wegzuschauen und deshalb geächtet wurde. Ein Sittenbild Deutschlands, wo Zermürbung, Zersetzung und Vertreibung wieder zu anerkannten Mitteln im Kampf um die Meinungshoheit geworden sind.
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Wer die Wahrheit sagt braucht ein schnelles Pferd
Bewertung am 04.01.2024
Bewertungsnummer: 2101797
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Das Buch spricht für sich. Es verdeutlicht eindrücklich die Zustände in Deutschland, die als solche nicht mehr thematisiert werden dürfen und identisch verlaufen wie vor 80 Jahren, nur, dass der Frosch eben langsam erhitzt wird, statt plötzlich und somit nix merkt. Der grassierende Opportunismus von grösstenteils direkt oder indirekt Staatsabhängigen trägt ebenso sein Scherflein bei wie Bildungsferne und eine Pädagogik, die den Namen nicht mehr verdient. Wer anders über dieses Buch rezensiert, dürfte sich angesprochen fühlen…..
Trauriges Dokument des Scheiterns
Dr. Christian Rother am 27.12.2023
Bewertungsnummer: 2095378
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Boris Reitschuster war vor Jahren Russlandkorrespondent bei "Focus“. Nach seinem Jobverlust arbeitet er sich an Journalisten und Institutionen ab, denen er eine Nähe zur Regierungspolitik unterstellt. Mit vielen hatte er juristische Auseinandersetzungen, die er, wie er in seinem neuen Buch schreibt, fast alle verlor. Der Rauswurf aus der Bundespressekonferenz - den Reitschuster allen Ernstes in die Nähe eines "Berufsverbots" rückt - scheint seinen Frust auf (ehemalige) Kollegen noch mal deutlich gesteigert zu haben.
Das Buch ist der Versuch einer Abrechnung mit Menschen und Institutionen, die der Blogger schon seit Jahren als Unterdrücker von Meinungsfreiheit darstellt. Auch vor dem Hintergrund der Tatsache, dass er in sozialen Medien dafür bekannt ist, Kritik an ihm durch Blocken zu unterbinden, erscheint dies unredlich. Fast nichts an dem Buch ist neu, man kennt das Meiste von seinem Blog, was daran liegt, dass der Großteil eine Übernahme von Artikeln eben dieses Blogs ist. Wie dort schon macht der Leser auch in dem Buch wieder Bekanntschaft mit einer Reihe namenlos (!) bleibender Bekannter: "gute Freunde", "erfahrene Juristen" usw. Diese sind entweder "bestens vernetzt" oder "gut informiert" und versorgen den Blogger mit dem, was er resp. seine Leser hören wollen.
Auch an der Sprache hat sich nichts geändert. Sie erscheint gewöhnungsbedürftig: So kommt der Ausdruck "In meinen Augen" gefühlt auf jeder zweiten Seite vor. Die Angewohnheit, Haupt- und Nebensätze durch Punkt zu trennen empfinde ich als eine Unart, z.B.: „ein Wink mit dem Zaunpfahl. Der dazu führte...“ Oder: „Auch mich haben die Polizisten festgehalten. Weil sie verhindern wollten...“ Einmal findet sogar eine syntaktische Vierteilung statt: “Aber der Psychoterror erreicht Ausmaße, die ich mir vor kurzem noch nicht vorstellen konnte. Und die sich sicher sehr viele Menschen in unserem Land bis heute nicht vorstellen können. Obwohl sie nur die Spitze des Eisbergs sind. Und es anderen Kritikern der Regierung und des Zeitgeists noch viel schlimmer ergeht.“
Reitschuster geht mit missliebigen Personen nicht zimperlich um. Oftmals diffamiert er, etwa wenn er vom "Auftrags-Rufmörder Jan Böhmermann" spricht, den Journalisten Tilo Jung als "Inkarnation des rot-grünen Zeitgeists" bezeichnet und meint, "manche Kollegen" erinnerten ihn "an die Streber in meiner Schulzeit". Nicht selten ist die Sprache schlicht ungelenk, z.B. wenn er sein Buch als eine "intellektuelle Reise durch den Wahnsinn unserer Zeit" beschreibt.
Zu Beginn des Buches bezeichnet Reitschuster den Satz „Ein Journalist darf sich nie selbst in den Mittelpunkt stellen" als "eine der wichtigsten Lehren, die mir mein langjähriger Chef Helmut Markwort mit auf den Weg gegeben hat." Das klingt nicht wahrhaftig, da Reitschuster seinen Blog nach seinem eigenen Namen benannt hat, dort, in Videos und auch in seinem neuen Buch immer wieder über einen „polit-medialen Komplex“ lamentiert, dessen Opfer er sei, und Reklame für einen Shop macht, der Fanartikel zu seiner Person vertreibt.
Zurecht verwahrt sich der Autor dagegen, als Nazi beschimpft zu werden. Dieser Vorwurf ist ungerechtfertigt und wird heutzutage wie der, Faschist zu sein, inflationär benutzt. Etwas konterkariert wird Reitschusters Bemerkung allerdings dadurch, dass er selbst ständig beklagt, etwas würde ihn an finsterste Zeiten erinnern. Das Mittelalter wird er damit wohl kaum meinen. Offenbar sieht er sich selbst allerdings nicht bloß als Opfer, sondern auch als Held. Das an Wilhelm Tell gemahnende Titelbild, auf dem Reitschuster einen Apfel auf dem Kopf hat, lässt das zumindest vermuten. Der Titel selbst scheint mir übertrieben, sofern man unter "Vertreibung" in der Regel nicht einen im Grunde freiwilligen Umzug in ein anderes Land versteht.
Auf seinem Blog bewirbt Reitschuster sein Produkt übrigens wie folgt: "Die wahre Geschichte. Jetzt vorbestellen – bevor das Buch verboten wird!" In einem Video beklagt er, dass er mit diesem Buch nicht viel verdiene. Wer ihn wirklich unterstützen wolle, möge ihm doch lieber (zusätzlich) Geld spenden. Man kann natürlich auch beides unterlassen.
Dr. Christian Rother
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