Sie sind zu dritt, und in dieser abgeschiedenen Villa hinter hohen Bäumen sind sie die Königinnen: die Gouvernanten. Auf die Erziehung der ihnen anvertrauten Jungen geben sie wenig, lieber lassen sie sich melancholisch durch die hellen Tage treiben. Manchmal zieht es sie zum goldenen Tor, das ihr Reich begrenzt, wo sich, wild vor Verlangen, die Männer drängeln. Erhört werden sie alle nicht, denn hier stellen die Gouvernanten die Regeln auf. Verliert sich aber ein Fremder in den Garten, gehen sie wie im Rausch auf die Jagd, richten den Ahnungslosen unerbittlich zu, mit Küssen und mit Bissen. Und all das vor den Augen des Nachbarn, der die angebeteten Frauen mit seinem Fernrohr auf Schritt und Tritt verfolgt ... Mit Eleganz und dunkler Sinnlichkeit - und durchaus mit subtiler Komik - erzählt Anne Serre in diesem fantastischen Märchen von der Macht der Blicke und von weiblichem Begehren. "Spröde und feurig, sehr schräg und sehr großartig - Die Gouvernanten ist eine Arie, und zwar eine perfekt vorgetragene." (The New York Times)
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Närrinnen und Königinnen
LiteraTüren am 27.12.2023
Bewertungsnummer: 2095635
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
In einem Mikrokosmos voller Narrheit und Königlichkeit führt uns Anne Serre mit „Die Gouvernanten“. Leben diese von der Unbeschwertheit der Jugend, beendet die Abwesenheit eines greisen Mannes die Situation.
Närrinnen und Königinnen
Es ist eine abgeschiedene Villa mit einem parkähnlichen Garten, einer Allee und einem großen Tor: Hierhin führt uns Anne Serre in ihrer Erzählungen „Die Gouvernanten“. Es sind Éléonore, Inés und Laura. Ihre Aufgabe besteht darin, auf die Jungen von Monsieur und Madame Austeur aufzupassen und ihnen gelegentlich etwas beizubringen.
Die Welt der Gouvernanten dreht sich gleichwohl außerhalb dieser Mauern. Sie sind Närrinnen wie Königinnen zugleich und wissen um ihre Rolle in diesem Mikrokosmos.
Fremde und der greise Alte
Zu diesem Mikrokosmos gehören neben Monsieur und Madame Austeur, den Jungen, auch die Hausmädchen und jene Gouvernanten. Wenn man auch meinen kann, alles dreht sich um die jungen Mädchen. Madame Austeur versucht, sie zu verheiraten.
Die drei Mädchen denken gar nicht daran. Sie leben in einer eigenen Welt. Und diese beschäftigt sich mit Männern. Manchmal verirrt sich ein Fremder in diese Welt und sie jagen ihn.
Dass sie dabei von dem greisen Alten von Gegenüber beobachtet werden, wissen sie. Sie spielen mit diesem Wissen und mit dem Greisen. Zu beider Zufriedenheit. Doch eines Tages ist der greise Alte nicht mehr da. Und Laura bekommt ein Kind. Und die Unbeschwertheit, die Närrinnen und Königinnen zugleich auszeichnet, so ist sie geblieben?
Spiel
So wie die drei Gouvernanten mit sich und den anderen spielen, so spielt Anne Serre mit der Sprache in dieser Erzählung. Sie schreibt in Präsens. Bringt uns über den Zaun direkt in das abgeschiedene Anwesen, macht uns zu Voyeuren. Ein kurzweiliger Band mit hohem literarischem Anspruch.
Anne Serre: Die Gouvernanten
Aus dem Französischen von Patricia Klobusiczky
Berenberg Verlag 2023
Ein Leser.innen Traum
Nicole Kleber aus Eisenberg am 20.11.2023
Bewertungsnummer: 2072394
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Kaum begonnen wähnt man sich bereits in einem üppigen Waterhouse Gemälde: Ein Park mit herrschaftlichem Anwesen, Madame und Monsieur stehen auf der Freitreppe und beobachten das bunte Treiben einer Horde entzückender kleiner Jungen und ihrer drei Gouvernanten ...
Éléonore, Laura und Inès sind schön und lieben das üppige Leben. Um die kleinen Jungen, die sie im Auftrag von Madame und Monsieur Austeur beaufsichtigen sollen, kümmern sie sich allerdings eher wenig. Umso mehr lieben sie aber das Feiern, das ausgiebige Flanieren und lustvolle Sonnenbaden – oft in die Richtung des anderen Hauses am Rand des Parks gewendet, in dem der Greis mit seinem Fernrohr die drei Grazien beinahe pausenlos beobachtet.
Am goldenen Tor verzehren sich die Männer nach den Schönen, doch erhört wird keiner. Nur der, der sich in den Park verirrt, über den fallen sie voller Verlangen her …
„Die Gouvernanten“ ist ein einziges großes Vergnügen! Ein Text voller Leichtigkeit und Melancholie, subtil und surreal. Wer mit wem spielt ist nie so ganz klar, alles Gekannte wird wunderbar auf den Kopf gestellt.
Kaum hält man Monsieur Austeur für den Mittelpunkt - voila:
"Er äußerste seinen Unmut und forderte ein wenig mehr Ordnung, er benutzte sogar das Wort Anstand. Aber sie hörten ihn nicht. Sie gingen weiter blind und emsig ihren Beschäftigungen nach, wichen ihm aus, wenn sie ihn kreuzten, ließen ihn somit spüren, dass er im Weg stand, keinen Nutzen hatte, eine Art Hinkelstein – dessen ursprüngliche Bestimmung längst vergessen war."
Die drei scheinen unkontrollierbar, vernachlässigen die ihnen anvertrauten Kinder, tun und lassen, was ihnen gefällt, ohne Rücksicht auf irgendjemand verschlingen sie Männer, schwingen Peitschen, klettern nackt auf Bäume.
Doch dann fühlen Éléonore, Laura und Inès sich vom goldenen Tor gefangen, träumen vom Leben draußen, brechen aber nicht aus. Denn:
"Warum sollten sie auseinander gehen? Um zu leben? Und wo? In einem Haus, in dem mehr Trubel herrscht als hier? Auch dort würde jemand die Züge von M. Austere annehmen, jemand anderes die des greisen Herren, der Fremden, der Heiratskandidaten. Überall das selbe Gartentor, der selbe Park, überall die selbe Welt."
Anne Serre entführt in einen Raum, der weiblichen Lust und Selbstermächtigung, der von einer ungeheuren literarischen Sprachmacht lebt und dabei so wahrhaftig wie poetisch ist.
Ein Leser:innen Traum! Schenkt euch das unbedingt spätestens zu Weihnachten, am Besten aber sofort! #lieblingsbuchfürimmer, Buch wie Buch muss und allerallergrößte #Leseempfehlung überhaupt!
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