«So eine Sammlung habe ich mir immer gewünscht. Ich freue mich auf jede Entdeckung! Was für ein herausragendes und sinnstiftendes Buch!»Maria-Christina Piwowarski
Welches Buch liebt unsere Lieblingsschriftstellerin, welche Autorin hat ihr eigenes Schreiben begleitet, geformt, verändert? Diese Anthologie tut das, was Männer schon immer, vielleicht auch einmal zu oft gemacht haben: literarische Vorbilder feiern. In Unter Frauen werden jedoch ausnahmslos Autorinnen zelebriert. Schriftstellerinnen schreiben über Schriftstellerinnen, die prägend für ihr eigenes Werk sind, über Bücher, die wir alle lieben, und über welche, die kaum eine von uns in ihrem Bücherregal stehen hat.
Ein kleiner Kanon von großen Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Ein Manifest der weiblichen Solidarität, Bewunderung und Inspiration. A book of one's own .
Mit Beiträgen von Gabriele von Arnim, Simone Buchholz, Ulrike Draesner, Mareike Fallwickl, Yael Inokai, Rasha Khayat, Mirrianne Mahn, Daria Kinga Majewski, Jacinta Nandi, Deniz Ohde, Jovana Reisinger, Ruth-Maria Thomas, Kathrin Weßling und einem Vorwort von Maria-Christina Piwowarski.
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Eine wunderbare Anthologie schreibender Frauen über die schreibenden Frauen ihres Lebens
Bewertung am 26.05.2024
Bewertungsnummer: 2209082
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Maria Christina Piwowarski bezeichnet diese Sammlung in ihrem Vorwort als „eine feministische Doppelhelix der literarischen Entdeckungsfreude“ Man kann es nicht besser zusammenfassen! Mit jedem der 13 Beiträge schreibender Frauen ÜBER die schreibenden Frauen IHRES Lebens sehe ich diese Doppelhelix prachtvoll leuchtend vor mir aufsteigen. Sie wächst und wächst und ich dreh mich in sie hinein und bin am Ende ein Teil davon.
Risiken und Nebenwirkungen, aber wer liest schon die Packungsbeilage: Die Wunschliste! Ich verspreche Euch, es wird nicht ohne Zuwachs ausgehen und Ihr werdet gern noch mehr und noch existenzieller lesen wollen.
Wo findet Gabriele von Arnim Trost, Schönheit und Freude an den Widersprüchen des Lebens? Hätte ich mit Elizabeth Strout gerechnet? Wer hat Simone Buchholz in den „geheimen Club der dysfunktionalen, anstößigen, dabei aber extrem lustigen Frauen“ aufgenommen? Dorothy Parker! Die Frau „mit den dicksten Eiern von New York City“. Auf ganz unterschiedliche Weise verehren Autorinnen wie diese, Mareike Fallwickl, Ulrike Draesner, Jacinta Nandi uvm. ihre Heldinnen der Literatur. Mal als persönlicher Essay, mal als lyrischer gebrochener Text, mal als Dankes- oder Liebesbrief oder als weibliches Manifest. Die Perspektiven und Formen sind so unterschiedlich wie die Autorinnen selbst. Sie sind provokant, dominant, feminin, schwarz, trans, sanft, weich, kämpferisch, radikal. Manchmal kenne und bewohne ich einen Teil der Helix, manchmal nicht. Manchmal will ich eintauchen, nachspüren, „denkschreiben“ (Ulrike Draesner, S.36), manchmal nicht.
Immer leben Frauen in diesen Texten und die Frauen hinter den Frauen. Immer blüht die Vielfalt auf und die Dankbarkeit für den Weg, auf dem sie gehen, dem sie einen Stein hinzufügen dürfen. Und plötzlich ist da eine Stimme, die könnte auch meine sein. Ich bin Teil des Clubs und dieses weiblichen Erkenntniswegs.
Ich habe eine Lieblingsgeschichte, die ein Licht in meine Seele geworfen hat. Es ist die letzte des Bandes, die von Kathrin Weßling über „Ein Leben in Abwesenheit“ und ihre Verbindung zu Marlen Haushofers „Die Wand“.
„Seit zehn Jahren nehme ich etwas zum Schlafen, seit fünfzehn Jahren lese ich die WAND wieder und wieder. Ich lese sie, wenn ich Angst habe, wenn ich traurig bin, ich lese sie, wenn alles zu viel ist und nur das Wenige noch hilft.“ S.176
Frauen, die über Frauen schreiben: Eine literarische Hommage an prägende Autorinnen von gefeierten Autorinnen der Gegenwartsliteratur
xxholidayxx am 16.05.2024
Bewertungsnummer: 2202625
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
"In deinen Texten, in deiner Arbeit gibt es immer ein Du und ein Ich. Es gibt immer Raum für Gespräch, für zwei Stimmen, manchmal sogar mehr. Nie stehst du vor mir, sitzt du vor mir und hältst mir Vorträge, erzählst mir, schreibst mir vor, was ich denken oder sehen soll. Du bietest mir, deiner Leserin, ein Gespräch an. Immer kommt es mir vor, als wolltest du, ewig neugierig, wissen, was deine Leserinnen denken. Immer gibst du der Ungewissheit ihren Raum." Zitat von Rasha Khayat, S. 80 (E-Book)
"Immer wieder beneide ich Schriftsteller:innen darum, beim Schreiben mehrere Leben führen zu können. Das eigene und das ihrer Figuren. Aber Lesen ist immerhin, wie gesagt, der zweitbeste Weg zum DoppelLeben." Zitat von Gabriele von Arnim, S. 14 (E-Book)
"Unter Frauen: Geschichten vom Lesen und Verehren" ist eine vielfältige Anthologie herausgegeben von Anna Humpert und erschienen beim Rowohlt Verlag. In dieser Sammlung zelebrieren Schriftstellerinnen ihre literarischen Vorbilder und prägenden Werke, ein Manifest der weiblichen Solidarität, Bewunderung und Inspiration. Die Beiträge stammen von Gabriele von Arnim, Simone Buchholz, Ulrike Draesner, Mareike Fallwickl, Yael Inokai, Rasha Khayat, Mirrianne Mahn, Daria Kinga Majewski, Jacinta Nandi, Deniz Ohde, Jovana Reisinger, Ruth-Maria Thomas, Kathrin Weßling. Zudem gibt es ein tolles Vorwort von Maria-Christina Piwowarski.
Die Anthologie präsentiert 13 diverse Beiträge diverser Autorinnen (von denen ich von bisher 3 schon was gelesen hab) in unterschiedlichen Längen und Stilen, von klassischen Essays bis hin zu Briefen und Prosatexten.. Es bietet eine Fülle von Buchempfehlungen und stellt neue und alte bzw. vergessene Autorinnen vor, die unbedingt entdeckt werden müssen. Jeder Beitrag ist so individuell wie die Autorinnen selbst, und die verschiedenen Herangehensweisen machen die Lektüre abwechslungsreich. Persönlich haben mich besonders die Beiträge von Rasha Khayat, Jovana Reisinger, Ruth-Maria Thomas und Kathrin Weßling angesprochen. Auch die sprachliche Brillanz von Gabriele von Arnim ist hervorzuheben - eine Queen der schön ausgeschmückten und bildhaften Sprache. Ein interessantes Highlight am Ende des Buches ist die Erklärung des Covers - auch eine Wertschätzung gegenüber der Künstlerin Shara Hughes, die es entworfen hat. Zusätzlich hab ich für mich ein Podcasttipp mitnehmen können: der feministischer Literaturpodcast "Fempire – der Podcast über Frauen, die schreiben".
Insgesamt bietet "Unter Frauen" eine facettenreiche Reise durch die Welt der Schriftstellerinnen und ihrer inspirierenden Werke. Aufgrund der Vielseitigkeit der Beiträge und weil dadurch mein SUB nicht kleiner wird :P SPAß (ich freu mich schon sehr auf Elisabeth Strout, Deniz Ohde, Joan Didion, Franziska Schutzbach, Violette Leduc, McKenzie Wark, Irmgard Keun und Marlen Haushofer, die ich demnächst lesen werde ) vergebe ich voll 5 von 5 Sternen.
"Es ist auch beruhigend, dass alles, was ich schon einmal gefühlt habe, so oder so ähnlich bereits vor mir gefühlt wurde." Zitat von Ruth-Maria Thomas , S. 163 (E-Book)
"Lesen ist existentiell für unsere Seelenerkundung. Und in grausamen und zerbrechlichen Zeiten wie diesen erst recht, damit wir den Menschen in seiner Härte und Wut, seiner Verwirrtheit und auch in seiner Liebe und Güte nicht aus dem Blick verlieren." Zitat von Gabriele von Arnim, S. 12 (E-Book)
Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung dazu jedoch nicht beeinflusst.
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