Die junge Psychotherapeutin Kathy von Bergen kann es kaum abwarten, ihre Arbeit auf der geschützten Station der Psychiatrie zu beginnen. Doch schon bald muss sie sich nicht nur mit den Abgründen der menschlichen Psyche auseinandersetzen, sondern auch mit ihrer eigenen Vergangenheit, welche sie brutal jagt. Ein ominöser Fremder hat sich geschworen, Rache zu nehmen. An der Frau, die sein Leben zerstörte. Kathy von Bergen. Geschickt nistet er sich in ihr Leben ein, ohne dass sie es bemerkt.
Er sieht alles.
Er hört alles.
Und er ist bereit zu töten.
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Julia Müller-Späth richtet…
MisterSorglos aus Berlin am 19.02.2024
Bewertungsnummer: 2839889
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Julia Müller-Späth richtet sich, in ihrem 2023 im Karin Fischer Verlag veröffentlichten Thriller „Der Sündenbock“, an Psychiatrie-Interessierte. Die Hauptcharaktere sind die Psychotherapeutin Kathy von Bergen, ihr Vater der Psychiater Martin von Bergen, ihr Antagonist Jan und seine Schwester Lissy. In ihrer Kindheit wird Kathy von ihrem Lehrer, in den sie verliebt ist, deutlich zurück gewiesen, was sie als Kränkung erlebt. Der Rest des Buches handelt davon, wie sie versucht, einen Umgang mit dieser Kränkung zu finden, und wie die Gegenseite darauf reagiert. Die Buchhülle wirkt auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Thriller, jedoch verbirgt sich darin ein weniger kommerzielles Projekt. Der Schreibstil ist durchgehend einfach strukturiert und leicht verständlich. Spannung soll stellenweise mit Sätzen wie: „Ladys und Gentlemen, setzen Sie sich, holen Sie das Popcorn und genießen Sie die Show. Es geht los!“ oder „Es wird spannend!“ vermittelt werden. Männlichen Akteure werden kontinuierlich als negativ beschrieben, weibliche Akteure werden kontinuierlich als positiv beschrieben. Anfangs fühlte ich die Begeisterung von Julia Müller-Späth, dafür dieses Buch zu schreiben, und es machte Spaß den Geschehnissen zu folgen. Als sie begann die Handlung zu einseitig und zu subjektiv zu inszenieren, war ich etwas irritiert. Stellenweise hatte ich das Gefühl, Julia Müller-Späth erzählt aus ihrem eigenen Leben. Auffallend ist, dass einige Erzählstränge etwas wenig Relevanz für die Gesamthandlung besitzen. So beschreibt sie beispielsweise in einem kompletten Kapitel, wie Kathy von einem (männlichen) Patienten mit einem Messer verletzt und daraufhin im Krankenhaus behandelt wird. Die Gesamthandlung würde konfliktlos ohne dieses Kapitel existieren können, ebenso ist der Grundton von Julia Müller-Späth, an dieser Stelle des Buches, bereits vollumfänglich bekannt. Etwas ungewöhnlich ist beispielsweise auch, dass Kathy zusammen mit ihrem Vater Martin in derselben Einrichtung arbeitet. Eine erkennbare Relevanz für die Gesamthandlung oder zumindest eine verständliche Begründung für diese Gegebenheit lässt Julia Müller-Späth aus. Unklar ist auch ob es sich um eine eher psychotherapeutische oder doch um eine rein psychiatrische Einrichtung handelt. Viele Schreibelemente wirken kopiert, aus bekannten und aktuellen Trillern und Krimis, jedoch ohne diese vollständig ausgearbeitet zu haben, und so deren Wirkung gänzlich zur Entfaltung bringen zu können. So führt die Ambition von Julia Müller-Späth den Leser emotional abzuholen und ihm psychiatrische Realität aufzuzeigen eher zu einer eigenen Aufarbeitung und dem Ausklammern des literarischen Anspruchs. Für einen Einblick in die Autorenarbeit und eine generelle Herangehensweise an das Schreiben eines ersten eigenen Buches ist „Der Sündenbock“ für mich ein Vorbild. Abraten würde ich Lesern, die einen an den Nerven kitzelnden, kognitiv herausfordernden Thriller erwarten.
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