Als Sönnich Petersen stirbt, ist niemand im Dorf am Watt traurig, am wenigsten seine Tochter Helma. Er war kein liebevoller Vater, der Krieg hatte ihn hart gemacht. Sein Tod fällt in eine Zeit, in der der aufkommende Tourismus neue Menschen und Gebräuche mit sich bringt. Immer mehr Inselbewohner wollen am Wohlstand teilhaben, auch Helma vermietet bald an Badegäste. Doch da ist noch etwas, was sie beschäftigt: Über ihre früh verstorbene Mutter wurde immer eisern geschwiegen. Auch um die Mutter ihres Kindheitsfreundes Rudi gibt es ein Geheimnis, sie wurde während des Krieges abgeholt und kam nie zurück. Wie konnten die Frauen einfach so verschwinden? Warum fragte niemand nach ihnen? Die Suche nach Klarheit führt Helma und Rudi in die dunkelsten Kapitel der Geschichte ihrer Insel.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
hamburg.lesequeen
aus Bargfeld-Stegen
5/5
30.03.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Für mich ein Highlight!
Dieses Buch konnte mich als Nordlicht mit seinem allerersten Satz begeistern:
„Der Himmel hatte seit Tagen das undefinierbare Grau eines alten Feudels. Aber am Morgen frischte der Wind auf, zerriss den himmlischen Putzlappen und jagte bald darauf große, kompakte Wolken über die Insel.“ (S. 7)
STUMME ZEIT
Silke von Bremen
1975:
"Sönnich Petersen war ein schweres Gewitter auf zwei Beinen, das sich in einer gewaltigen Explosion entlud.“ (S. 16) Er war ein Nazi; brutal und ungerecht, doch jetzt war er tot. Seine Tochter Helma trauert ihm nicht nach: zu oft hat er sie vor versammelter Mannschaft bloßgestellt.
Jetzt kann Helma ihr Leben leben, doch was ist ihr Leben schon?
Ihre Mutter starb im Wochenbett. Sie blieb alleine mit ihrem lieblosen Vater, der sie nie beachtete, auf einer Insel in der Bauernkate mit Reetdach zurück. Wenn es die Flüchtlingsfrau Alwine, die bei ihnen damals zwangseinquartiert wurde und die Nachbarin Lena nicht gegeben hätte, wäre ihr Leben trostlos verlaufen. Doch auch Lena verschwand ganz plötzlich. Nun hatte sie nur noch Alwine und diese blieb auf dem Hof nur für Helma. Sönnich und sie konnten sich nicht ausstehen; sie gingen einander aus dem Weg. Bei Alwine konnte sich die kleine Helma anschmiegen. Sie war es, die ihr Lieder sang und Geschichten aus der Heimat erzählte. „Alwine musste sich nun doch räuspern. Ihr Gehirn schickte Bilder von roten Sprenkeln im Schnee, zerrissenen Körpern und brennenden Menschen, deren Schreie mit ihr geflohen waren. Alles, was ihr Leben erfüllt hatte, war zurückgeblieben in Wiesenthal, aber das, worauf sie gerne verzichtet hätte, klebte an ihr wie das Harz von frisch geschlagenen Tannen.“ (S. 70)
Und heute? Kein Mann und keine Kinder - das ist die traurige Bilanz. Doch sie musste ja immer ihrem Vater helfen. Wie hätte sie da ein eigenes Leben aufbauen sollen? Und den einen, den sie mochte, hatte ihr Vater vom Hof gejagt.
Helma beschließt es den anderen Insulanern gleichzutun: Sie wird ihre Zimmer an die Touristen, die seit neuesten die Insel im Sommer belagern, vermieten.
Während des Umbaus findet sie im Schrank ihres Vaters ein Poesiealbum, das ihrer Mutter gehörte. Darin liest sie ganz fürchterliche Dinge …
Was für ein tolles Buch!
Silke von Bremen hat mich mit ihrem feinen Schreibstil verzaubert. Diese kühle Distanziertheit, das seichte Eintröpfeln des Plattdeutschen, verwoben mit wunderschönen Beschreibungen der Insel. Einfach gelungen!
Für mich war das Buch ein wahrer Pageturner und ein Highlight und deshalb möchte ich allen, die Waterkant und Familienromane lieben, dieses Buch ans Herz legen.
5/ 5
moneslesecouch
5/5
06.03.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wunderschön: Große Heimatliebe und Sprachlosigkeit in dunklen Zeiten
In ihrem Debütroman nimmt uns die Heimatforscherin Silke von Bremen mit auf „ihre“ Insel, wo wir die Familie Petersen kennenlernen, deren Tochter Helma nach und nach die Zusammenhänge ihrer Familiengeschichte aufdeckt. Ihr cholerischer und gefühlskalter Vater und Familienoberhaupt Sönnich, die zu früh verstorbene Mutter Karen und ihre Großmutter Gondel. Alles ist verwoben und vieles entspringt einer dunklen Zeit während des Krieges und danach. Erzählt wird hauptsächlich aus Helmas Sicht, aber auch ihre frühen Freunde Rudi, dessen Mutter zu während des Krieges „mitgenommen“ wurde und Dietrich, der Flüchtling und ihre große Liebe kommen zu Wort.
Der Titel zieht sich hier durch den Roman, es war eine Zeit, in der über vieles nicht geredet werden durfte aber auch eine Zeit, in der innerhalb Familie und Freunden keine Worte gefunden wurden und die Sprachlosigkeit auf den Seelen lag.
Es ist ein ganz wunderbarer Roman, der mich sehr stimmungsvoll in ein Sylt des Auf- und Umbruchs mitgenommen, der mich zum Nachdenken und Nachklingen lassen angeregt hat und der Mut macht, sich unter vielen Jahren und Jahrzehnten der Sprachlosigkeit vergrabenen Traumata zu stellen. Ein Buch, das ganz ruhig daherkommt, stimmungsvoll und voller Empathie die Gegend und die Menschen zeichnet und das viel Hoffnung macht.
Ich finde, dass hier die großes Verbundenheit der Autorin mit der Insel, der Pflege und dem Erhalt der Natur, der Bräuche und der Häuser mitschwingt.
Ich empfehle es allen, die gerne große Familienromane mit geschichtlichem Hintergrund und viel Lokalkolorit lesen. Wer gerne „Marschlande“ von Jarka Kubsova oder „Als wir an Wunder glaubten“ von Helga Bürster gelesen hat, der wird auch diesen Roman gerne lesen.
Kristall86
aus an der Nordseeküste
5/5
26.02.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Was die Zeit aus einem macht...
Klappentext:
„Als Sönnich Petersen stirbt, ist niemand im Dorf am Watt traurig, am wenigsten seine Tochter Helma. Er war kein liebevoller Vater, der Krieg hatte ihn hart gemacht.
Sein Tod fällt in eine Zeit, in der der aufkommende Tourismus neue Menschen und Gebräuche mit sich bringt. Immer mehr Inselbewohner wollen am Wohlstand teilhaben, auch Helma vermietet bald an Badegäste. Doch da ist noch etwas, was sie beschäftigt: Über ihre früh verstorbene Mutter wurde immer eisern geschwiegen. Auch um die Mutter ihres Kindheitsfreundes Rudi gibt es ein Geheimnis, sie wurde während des Krieges abgeholt und kam nie zurück. Wie konnten die Frauen einfach so verschwinden? Warum fragte niemand nach ihnen?
Die Suche nach Klarheit führt Helma und Rudi in die dunkelsten Kapitel der Geschichte ihrer Insel.“
Mit „Stumme Zeit“ hat Autorin und Heimatforscherin Silke von Bremen ihr Roman-Debüt veröffentlicht. Die Sylterin ist äußerst engagiert im Inselschutz und Denkmalschutz, Erhaltung der Insel und Bewahrung des Ursprünglichen auf der Insel Sylt. Diese kleinen Feinheiten machen sich auch in ihrer Geschichte hier mal direkt, mal versteckt zwischen den Zeilen bemerkbar. Der Buchtitel ist recht eindeutig zweideutig. Wir lernen zu Beginn Familie Petersen kenn. Familienoberhaupt ist Sönnich, seine Frau Karen ist verstorben, Tochter Helma und Großmutter Gondel. Schauplatz der Erzählung ist das alte Kapitänsdorf Keitum auf der Insel. Mit der „Zeit“ hat es von Bremen hier ganz speziell: sie nennt keine direkten Daten, wir erfahren nur aus den Erzählungen wann in etwa die oder die Geschichte sich zugetragen haben muss. Man muss klar sagen, wir erlesen uns hier Zeiten und somit auch Zusammenhänge. Man muss konzentriert lesen, da die friesischen Namen oder gar Begrifflichkeiten für mich als Nordlicht zwar klar zu verstehen sind, aber es wird Leser geben, die müssen nachschauen um was es sich handelt oder warum die Namen so klingen wie sie klingen. Es ist der Zeit geschuldet. Die Geschichte springt immer mal wieder in diesen und bietet dem Leser dadurch viel Hintergrundwissen rund um die Geschehnisse bei Familie Petersen und der Nachbarschaft. Hauptakteurin im Buch ist Helma. Ihre Kindheit war nicht leicht, geprägt von der extremen Kühle ihres cholerischen Vaters und von einer Großmutter, die ebenfalls in der Zeit festhing, da der zweite Sohn, ihr Herzenssohn, im Krieg als verschollen galt. Ein wenig Wärme bekam Helma damals, wie auch in der späteren Zeit, nur durch Oma Martin. Diese kam als Flüchtling auf die Insel und war ebenfalls von der Zeit geprägt. Rudi, der Nachbarsjunge, ist Helmas bester Freund. Beide entdecken in ihrem späteren Leben Informationen aus längst vergangenen Zeiten, die sie komplett aus der Bahn werfen. Und da ist dann auch noch Dietrich, Helmas große Liebe.
Der große Tenor dieser Geschichte ist der bestimmende Buchtitel bereits selbst. Es gibt Dinge im Leben, die kann man erzählen, da kann man nicht stumm bleiben aber es gibt auch Zeiten, wo man besser schweigt. Wo man mit sich selbst die Dinge ausmacht. Ob das gesund ist, ist eine andere Frage. Von Bremen nimmt uns hier jedenfalls in eine raue und kalte Zeit Sylts mit, wo jeder einen immens schweren Rucksack auf seinen Schultern zu tragen hatte. Die Insel war im Umbruch. Die ersten Touristen kamen und blieben, Familiengeheimnisse traten ans Tageslicht; das Alte, das Vertraute war plötzlich nicht mehr schick und sollte doch besser verhökert werden und es stellt sich immer die Frage, was sagt man dazu? Muss man etwas dazu sagen? Ist man so direkt wie Helma? Fest steht jedenfalls, man kann Helma von Buchseite zu Buchseite besser verstehen. Die Zeit hat sie gezeichnet. Genau so Sönnich, Oma Martin, Gondel, Rudi, Dietrich und allen anderen Personen im Buch. Das hat weniger mit Lebenserfahrung zu tun, sondern mit der Entwicklung eben jener Zeit. Da stecken oft noch Denkweisen von früher dahinter, Träume, Wünsche, Ideologien, Traditionen, Sitten und Bräuche…diese ändern zu wollen, diese verändern zu wollen, ist ebenso schwer wie das knacken einer harten Nuss. Genau deshalb ist der Buchtitel auch zweideutig anzusehen. Es ist oft schwer für bestimmte Dinge Worte zu finden, da helfen manchmal nur Tränen wie bei Rudi oder eben eine liebevolle Umarmung von Oma Martin.
Von Bremens Schreibstil ist sehr ausgewogen und hat einen feinen Ausdruck. Trotz der friesischen Namen etc. war der Lesefluss stets gegeben. An den passenden Stellen kommt auch der Humor nicht zu knapp. Wie bereits am Anfang geschrieben, baut von Bremen auch kleine Spitzen mit ein (Touristen etc.) welche doch immens zum nachdenken anregen. Ihr bildhafter Schreibstil lässt uns nicht nur durch Keitum wandern sondern auch an Helmas Küchentisch mit sitzen oder bei Conny in der verrauchten Kneipe stehen. In ihren Zeitenwechsel hält sie ebenfalls daran fest. Schlussendlich ist es sogar so, könnte die Geschichte überall sich zugetragen haben, denn fest steht, jeder Landstrich, jede Familie hat irgendwie solche stummen Zeiten durchgemacht.
Da ich den Werdegang von Silke von Bremen schon sehr sehr lange verfolge und die Insel Sylt als meine zweite Heimat nennen kann, war mir dieses Buch mehr als vertraut. Egal ob Namen oder Landschaftsbeschreibungen oder eben die Geschichten der Menschen hier, sie trifft die Sache im Kern. Ist dabei direkt und ehrlich. Es ist ein ruhiger Roman, der zum nachdenken anregt, und den man gebannt verfolgt, da man gerne wissen möchte ob Helma doch noch ihren Frieden mit sich und der Welt machen kann wenn sie endlich die Wahrheit kennt. Ja, das Buch hat so einige philosophische Parts dabei, denn schlussendlich fragt man sich, ob man unbedingt in alten Wunden bohren muss oder ob diese nicht doch besser ruhen sollten. Ich vergebe 5 Sterne für dieses Werk!
Kristall86
aus an der Nordsee
5/5
26.02.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mit „Stumme Zeit“ hat Autorin…
Mit „Stumme Zeit“ hat Autorin und Heimatforscherin Silke von Bremen ihr Roman-Debüt veröffentlicht. Die Sylterin ist äußerst engagiert im Inselschutz und Denkmalschutz, Erhaltung der Insel und Bewahrung des Ursprünglichen auf der Insel Sylt. Diese kleinen Feinheiten machen sich auch in ihrer Geschichte hier mal direkt, mal versteckt zwischen den Zeilen bemerkbar. Der Buchtitel ist recht eindeutig zweideutig. Wir lernen zu Beginn Familie Petersen kenn. Familienoberhaupt ist Sönnich, seine Frau Karen ist verstorben, Tochter Helma und Großmutter Gondel. Schauplatz der Erzählung ist das alte Kapitänsdorf Keitum auf der Insel. Mit der „Zeit“ hat es von Bremen hier ganz speziell: sie nennt keine direkten Daten, wir erfahren nur aus den Erzählungen wann in etwa die oder die Geschichte sich zugetragen haben muss. Man muss klar sagen, wir erlesen uns hier Zeiten und somit auch Zusammenhänge. Man muss konzentriert lesen, da die friesischen Namen oder gar Begrifflichkeiten für mich als Nordlicht zwar klar zu verstehen sind, aber es wird Leser geben, die müssen nachschauen um was es sich handelt oder warum die Namen so klingen wie sie klingen. Es ist der Zeit geschuldet. Die Geschichte springt immer mal wieder in diesen und bietet dem Leser dadurch viel Hintergrundwissen rund um die Geschehnisse bei Familie Petersen und der Nachbarschaft. Hauptakteurin im Buch ist Helma. Ihre Kindheit war nicht leicht, geprägt von der extremen Kühle ihres cholerischen Vaters und von einer Großmutter, die ebenfalls in der Zeit festhing, da der zweite Sohn, ihr Herzenssohn, im Krieg als verschollen galt. Ein wenig Wärme bekam Helma damals, wie auch in der späteren Zeit, nur durch Oma Martin. Diese kam als Flüchtling auf die Insel und war ebenfalls von der Zeit geprägt. Rudi, der Nachbarsjunge, ist Helmas bester Freund. Beide entdecken in ihrem späteren Leben Informationen aus längst vergangenen Zeiten, die sie komplett aus der Bahn werfen. Und da ist dann auch noch Dietrich, Helmas große Liebe. Der große Tenor dieser Geschichte ist der bestimmende Buchtitel bereits selbst. Es gibt Dinge im Leben, die kann man erzählen, da kann man nicht stumm bleiben aber es gibt auch Zeiten, wo man besser schweigt. Wo man mit sich selbst die Dinge ausmacht. Ob das gesund ist, ist eine andere Frage. Von Bremen nimmt uns hier jedenfalls in eine raue und kalte Zeit Sylts mit, wo jeder einen immens schweren Rucksack auf seinen Schultern zu tragen hatte. Die Insel war im Umbruch. Die ersten Touristen kamen und blieben, Familiengeheimnisse traten ans Tageslicht; das Alte, das Vertraute war plötzlich nicht mehr schick und sollte doch besser verhökert werden und es stellt sich immer die Frage, was sagt man dazu? Muss man etwas dazu sagen? Ist man so direkt wie Helma? Fest steht jedenfalls, man kann Helma von Buchseite zu Buchseite besser verstehen. Die Zeit hat sie gezeichnet. Genau so Sönnich, Oma Martin, Gondel, Rudi, Dietrich und allen anderen Personen im Buch. Das hat weniger mit Lebenserfahrung zu tun, sondern mit der Entwicklung eben jener Zeit. Da stecken oft noch Denkweisen von früher dahinter, Träume, Wünsche, Ideologien, Traditionen, Sitten und Bräuche…diese ändern zu wollen, diese verändern zu wollen, ist ebenso schwer wie das knacken einer harten Nuss. Genau deshalb ist der Buchtitel auch zweideutig anzusehen. Es ist oft schwer für bestimmte Dinge Worte zu finden, da helfen manchmal nur Tränen wie bei Rudi oder eben eine liebevolle Umarmung von Oma Martin. Von Bremens Schreibstil ist sehr ausgewogen und hat einen feinen Ausdruck. Trotz der friesischen Namen etc. war der Lesefluss stets gegeben. An den passenden Stellen kommt auch der Humor nicht zu knapp. Wie bereits am Anfang geschrieben, baut von Bremen auch kleine Spitzen mit ein (Touristen etc.) welche doch immens zum nachdenken anregen. Ihr bildhafter Schreibstil lässt uns nicht nur durch Keitum wandern sondern auch an Helmas Küchentisch mit sitzen oder bei Conny in der verrauchten Kneipe stehen. In ihren Zeitenwechsel hält sie ebenfalls daran fest. Schlussendlich ist es sogar so, könnte die Geschichte überall sich zugetragen haben, denn fest steht, jeder Landstrich, jede Familie hat irgendwie solche stummen Zeiten durchgemacht. Da ich den Werdegang von Silke von Bremen schon sehr sehr lange verfolge und die Insel Sylt als meine zweite Heimat nennen kann, war mir dieses Buch mehr als vertraut. Egal ob Namen oder Landschaftsbeschreibungen oder eben die Geschichten der Menschen hier, sie trifft die Sache im Kern. Ist dabei direkt und ehrlich. Es ist ein ruhiger Roman, der zum nachdenken anregt, und den man gebannt verfolgt, da man gerne wissen möchte ob Helma doch noch ihren Frieden mit sich und der Welt machen kann wenn sie endlich die Wahrheit kennt. Ja, das Buch hat so einige philosophische Parts dabei, denn schlussendlich fragt man sich, ob man unbedingt in alten Wunden bohren muss oder ob diese nicht doch besser ruhen sollten. Ich vergebe 5 Sterne für dieses Werk!
Lesefuchs - Bücher mit Herz
aus Bargteheide
4/5
21.03.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zeit für einen Neubeginn
Im Hamburger Abendblatt gab es vor einiger Zeit einen Artikel über die Autorin Silke von Bremen und ihren ersten Roman „Stumme Zeit“. Und dieser Artikel hatte mich sehr neugierig auf das Buch gemacht.
Silke von Bremen ist 1989 der Liebe wegen nach Sylt gezogen und arbeitet dort u,a. als Gästeführerin. Außerdem hat sie inzwischen einen Reiseführer und die „Gebrauchsanweisung für Sylt“ geschrieben.
In ihrem Roman erzählt sie die Geschichte von drei Menschen, die schon seit der Kindheit befreundet sind. Die Gegenwartshandlung spielt 1970. Nach dem Tod ihres Vaters Sönnich, kommen bei seiner Tochter alte Erinnerungen hoch. Und als ihr dann beim Aufräumen ein altes Buch ihrer früh verstorbenen Mutter in die Hände fällt, braucht sie die Hilfe ihrer beiden Freunde Rudi und Dietrich. Denn einige Notizen werfen ein ganzes Licht auf den Tod ihrer Mutter und das Verschwinden von Rudis Mutter.
Neben dieser Handlung gibt es noch eine Nebenhandlung. Ein Feuerteufel geht um, und ausgerechnet Rudi wird verdächtigt, die Brände gelegt zu haben.
Als ich angefangen habe, diesen Roman zu lesen, musste ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass der Roman nicht in unserer Gegenwart spielt, sondern 1970. Denn mir kam das Verhalten und die Art zu denken Helmas so fremd vor. Sie wirkte wie eine alte Frau. Dabei ist sie zu diesem Zeitpunkt gerade mal 34 Jahre alt. Doch dann ist mir aufgefallen, dass die Hauptpersonen sogenannte „Kriegskinder“ sind, also die Generation meiner Eltern. Von da an wurde mir dann einiges klar und ich verstand ich die Hauptpersonen deutlich besser.
Silke von Bremen nimmt uns mit in eine Zeit, wo man über die Zeit des 3. Reichs und die dazugehörigen Verbrechen nicht sprach. Der Auschwitzprozess war zwar schon vorbei, aber niemand sprach darüber. Die älteren Menschen haben einfach dicht gemacht, wenn das Gespräch auf diese Zeit kam. Aber was ist damals wirklich in den beiden Familien von Helma und Rudi passiert?
Neben der Haupthandlung zeigt die Autorin in dem Roman auch die Veränderungen auf, die in den 70er auf Sylt Einzug erhielten. Dieses Thema hatte Sabine Matthiessen hervorragend in ihren beiden Büchern „Ozelot und Friesennerz“ und „Diese eine Liebe wird nie zu Ende gehen“ beschrieben. Eine schöne Ergänzung zu dem Roman von Silke von Bremen.
Insgesamt hat mir der Roman gut gefallen und ich habe ihn sehr gerne gelesen. Die Autorin vermittelt ein sehr gutes Gespür für die ruhigen, reservierten und sehr herben Nordfriesen. Allerdings hätte ich gerne mehr über die Zeit des 3. Reichs und der Nachkriegszeit gelesen. Die ist für meinen Geschmack etwas zu kurz gekommen. Dafür hat die Autorin für meinen Geschmack zu viel In die Rahmenhandlung hineingepackt. Das hätte der Roman gar nicht gebraucht. Die Geschichte des mysteriösen Feuerteufels und die Liebesgeschichte hätten mir nicht gefehlt, wenn es sie nicht gegeben hätte.
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