Maria erinnert sich, wie sie in den 1960er-Jahren auf einem Bauernhof mit ihren Brüdern Josef und Franz im Dorf aufgewachsen ist. Während Josef, der Älteste, in die Fußstapfen des Vaters tritt, entzieht sich Franz, Nesthäkchen und Liebling der Mutter, den traditionellen Erwartungen des rauen Alltags. Maria ist zerrissen zwischen Anpassung und Sehnsucht. Sie träumt von einem selbstbestimmten Leben außerhalb der engen Grenzen des Dorfes, bleibt aber, heiratet Toni und bekommt ein Kind. Mittellos und in Abhängigkeit gefangen, arbeitet Maria pflichtbewusst mit, wo sie gebraucht wird, und pflegt nahe Angehörige.
Als Maria Toni eines Tages reglos am Boden vorfindet, sieht sie erstmals eine Chance, dem vorgezeichneten Leben zu entgehen.
Verena Dolovai erzählt in ihrem Roman von patriarchal geprägten dörflichen Strukturen und der Schwierigkeit, auszubrechen. Gelingt es Maria, das Dorf hinter sich zu lassen? Und wo ist eigentlich Franz?
Kundinnen und Kunden meinen
4.1/5.0
Bewertung
5/5
31.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sehr ergreifendes Schicksal
Mein Fazit:
Ich hatte das Buch bei einer Bloggerin gesehen und bin von der Geschichte fasziniert. Ich wurde nicht enttäuscht …
Wir lernen die Hauptprotagonisten Josef, Franz und Maria kennen. Drei Geschwister, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Es ist kurz nach Kriegszeit in den 60-er Jahren das Leben in einem typischen österreichischen Dorf, geprägt von Standesdünkel, harter Arbeit und Vormundschaft. Josef ist seinem Vater sehr ähnlich und erbt den geliebten Hof. Franz, das geliebte Nesthäkchen der Mutter, ist zu schwächlich und wird vom Vater daher ignoriert. Maria wächst ohne Liebe auf, da sie nur ein Mädchen ist und somit "wertlos" für den Hof. Ein hartes Leben, mit Entbehrungen, ohne Liebesbekundungen, ohne Vertrauen und Zusammenhalt der Geschwister, Verrat und ohne Hoffnung auf ein besseres Leben … her ein tragisches Schicksal zur damaligen Zeit … was aber tief unter die Haut geht.
Die Autorin lässt Maria in der Ich-Form ihr trauriges Leben erzählen. Ihr tragisches Schicksal hat mich am meisten berührt. Sie unterschreibt unwissend den Vertrag auf Erbverzicht, muss die härteste Arbeit auf dem Hof erledigen, ohne Anerkennung der Eltern und Liebe zurechtkommen, wird vom Mann hintergangen.... Wunderbare Charaktere, die den Leser mitreißen, mitfühlen lassen und einfach nur begeistern. Ich liebe Charaktere, die sich im Laufe der Geschichte entwickeln und mit denen man sich identifizieren kann, da sie glaubhaft wirken.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, modern gehalten, fesselnd und mit viel Gefühl geschrieben. Sie jongliert mit Worten, die mich tief bewegt und zum Nachdenken gebracht haben. Sie geht dermaßen in die Tiefe und bringt uns die damalige Zeit hervorragend näher. Ein Weltbild, das erschüttert und gleichzeitig fasziniert, von der Geschichte her. Das Ende ist nicht vorhersehbar, und ich frage mich, gibt es eine Fortsetzung der Geschichte um Maria? Wäre toll.
[insomnia]
5/5
18.09.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
hervorragendes Debüt Der…
hervorragendes Debüt Der Debütroman von Verena Dolovai "Dorf ohne Franz" hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Zum Teil recht nüchtern wird das Aufwachsen und Schicksale mehrerer Dorfbewohner erzählt. Wobei "nüchtern" hier nicht negativ zu sehen ist, das Landleben in den 1960ern ist nunmal auch ein wenig nüchtern, geprägt von Rollenklischees, Zuschreibungen und auch brutaler Rauheit. Die Lektüre hat mich sehr schnell über meine Eltern und Großeltern nachdenken lassen, die auch in so einem Dorf aufgewachsen und gelebt haben. Das Ausbrechen aus den Dorfmustern, das Loslösen von zugeschriebenen Rollen, all dies beschäftigt(e) viele Menschen am Land. Die Autorin schafft es mit klarer Sprache dieses Leben, insbesondere das Leben der Protagonistin Maria realitätsnah zu beschreiben. Vielleicht macht genau die Nüchternheit und das raue Dorflebenden Reiz aus, der mich von Anfang an gefesselt hat. Ein wirklich hervorragendes Debüt, die Lektüre kann ich wirklich nur empfehlen.
[insomnia]
5/5
18.09.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
hervorragendes Debüt
Der Debütroman von Verena Dolovai "Dorf ohne Franz" hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Zum Teil recht nüchtern wird das Aufwachsen und Schicksale mehrerer Dorfbewohner erzählt. Wobei "nüchtern" hier nicht negativ zu sehen ist, das Landleben in den 1960ern ist nunmal auch ein wenig nüchtern, geprägt von Rollenklischees, Zuschreibungen und auch brutaler Rauheit. Die Lektüre hat mich sehr schnell über meine Eltern und Großeltern nachdenken lassen, die auch in so einem Dorf aufgewachsen und gelebt haben.
Das Ausbrechen aus den Dorfmustern, das Loslösen von zugeschriebenen Rollen, all dies beschäftigt(e) viele Menschen am Land. Die Autorin schafft es mit klarer Sprache dieses Leben, insbesondere das Leben der Protagonistin Maria realitätsnah zu beschreiben. Vielleicht macht genau die Nüchternheit und das raue Dorflebenden Reiz aus, der mich von Anfang an gefesselt hat. Ein wirklich hervorragendes Debüt, die Lektüre kann ich wirklich nur empfehlen.
Bewertung
5/5
16.09.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bewegende Familiengeschichte, schön geschrieben!
Ein ruhiger Roman in besonderem Schreibstil ( ohne wörtliche Rede), der mich sehr bewegt hat. Marie wächst als ungeliebtes Kind einer Bauernfamilie in einem kleinen Dorf in Österreich auf. Sie ist das 2,. Kind, dazu "nur" ein Mädchen und wird bereits als Heranwachsende zu einem Erbverzicht gedrängt. Ihre beiden Brüder könnten unterschiedlicher nicht sein, der jüngere, Franz, wird abgöttisch von der Mutter geliebt und der ältere, Joseph, vom Vater gehegt, damit er den Hof übernehmen kann. Für Marie ist keine Liebe mehr übrig und es kommt wie es kommen muß, sie rutscht in eine unglückliche Ehe. Es schmerzt, diese Figur und ihren Lebensweg so unausweichlich zu begleiten. Ein schönes Buch, habe ich - trotz des Schmerzes um die Figur Marie - sehr gern gelesen.
MarcoL
aus Füssen
5/5
23.03.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ungeschönte Bilder vom…
Ungeschönte Bilder vom dörflich geprägten Leben. Wunderbar erzählt! Maria erzählt von ihrem Leben. Sie wächst auf einem Hof auf, Dorf und Land prägen ihr Leben. Bereits einer der ersten Sätze beschreibt allumfassend ihr Schicksal: S.10: „..., in der Nacht, hielt mir Papa schließlich einen Zettel unter die Nase. Unterschreib! Hinter ihm Mama, Josef, Franz und der Herr Notar. Ich sag auf das Papier. Durchlesen musst du das nicht, meinte Papa. So ein Theater wegen einer Unterschrift, dachte ich und kritzelte meinen Namen auf die punktierte Linie. Erbverzicht stand oben drüber.“ Damit ist ihre Zukunft besiegelt als Magd in der eigenen Familie. Eine Ausbildung oder Lehre wird Maria von den Eltern untersagt. Sie bleibt eine billige Arbeitskraft am Hof, später wird sie wie selbstverständlich zur Pflege der gebrechlichen Alten abgestempelt. Ihr Bruder Josef bekommt alles. Sie und Franz nichts. Franz ist das Nesthäkchen, von seiner Mutter verwöhnt, während an Maria all die Arbeit hängen bleibt. Eines Tages beschließt Franz, sich die Welt anzusehen, und geht. Das ist der Startpunkt des geistigen Verfalls seiner Mutter. Eine Mutter, die Maria gegenüber immer abweisend und böse war. Von ihrer Heirat mit Toni, von dem sie dachte, er würde eines Tages die Wirtschaft seines Vaters erben, verspricht sie sich eine besser Zukunft. Doch es kommt anders. Auf Toni, mit einem starken Alkoholproblem, ist nicht verlass, sein jüngerer Bruder Ferdinand, mit dem Maria zuerst zusammen war, bekommt das Gasthaus. Für Maria bleibt nur ein Leben mit Gelegenheitsjobs, Arbeit am Hof, und Pflege über. Sie hilft wo sie kann und muss. Kleine und größere Katastrophen, die das Leben zwangsläufig anschwemmt, bleiben an ihr hängen wie Treibholz am Ufer. Sie erträgt es auf eine stoische Weise. Eines Tages sieht sie die Chance, all dem zu entschwinden … In düsteren Bildern, so wie das Leben auf dem Land nun mal spielt, erzählt uns die Autorin sprachlich gekonnt vom patriarchal geprägtem Dorfleben. Einmal gefangen in diesen Strukturen, scheint es kein Ausbrechen zu geben. Verena Dolovai zeichnet ein ungeschöntes Bild vom Land, die (viel gepriesene) Idylle gibt es nicht. Und wenn doch, dann ist sie eine Seifenblase, die jäh zerplatzt. Das Leben wird als hart und entbehrungsreich angenommen und gelebt, eine andere Möglichkeit wird von vorn herein ausgeschlossen. Außer man macht es wie Franz, und bricht aus. Ganz große Leseempfehlung für diesen Roman von Verena Dolovai . Ihr Sprachstil ist fesselnd, direkt, auch nüchtern. Inhaltlich möchte ich gerne Vergleiche zu Helena Adler (Die Infantin trägt den Scheitel links) oder auch Monika Helfer (Die Bagage) ziehen, allerdings mit dem kleinen Einwand, dass hier das persönliche Pathos zur Seite gestellt wird. Trotz der Ich-Erzählung besteht eine gewisse Distanz, die ihre volle Berechtigung hat. Also: kauft und lest das Buch! Es lohnt sich!
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