Deutschland war einst ein Moorland mit großer Vielfalt: den Salzmooren an der Küste, den Regenmooren Nordwestdeutschlands, den mächtigen Flusstalmooren im südlichen Ostseeraum, den Mooren der Mittelgebirge, des Alpenvorlandes und Alpenrandes. Über Jahrtausende erfüllten sie für den Landschaftswasserhaushalt und das Klima wichtige Funktionen. Der Großteil unserer Moore wurde durch industriellen Torfabbau und tiefgreifende Entwässerung für Saatgrasland und Ackernutzung zerstört. Wirklich ungestörte Moorlandschaften existieren nur noch vereinzelt. Vorgestellt in Wort und Bild werden naturnahe wie degradierte Moore in allen Teilen Deutschlands. Außerdem wird die Revitalisierung von Mooren thematisiert – denn nasse Moore braucht das Land!
Erstmals werden die bedeutendsten 115 Moore Deutschlands in einer Gesamtschau vorgestellt. Die Autoren haben sie alle selbst aufgesucht. Viele von ihnen im Laufe der Jahrzehnte mehrmals, sodass sie auch ihren Wandel, der zu oft mit ihrer Zerstörung oder Schädigung endete, beschreiben können.
Klimawandel, der Verlust an Lebensräumen und ein rasanter Artenschwund haben inzwischen Dimensionen erreicht, die nicht nur Naturschützer:innen in Unruhe versetzen. Das Thema ist in der Politik angekommen. Moore nehmen in diesem Kontext eine zentrale Rolle ein.
Dies ist eine aktualisierte Auflage der Erstausgabe.
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17.08.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Informativ und attraktiv - ein wunderbares Buch!
Es ist ein „monumentales“ und gewichtiges (im doppelten Wortsinn!) Buch geworden, das zweite umfassende Buch über Moore der beiden namhaften und international bekannten Wissenschaftler und Naturschützer. Mit dem riesigen Format von 24 x 29,5 cm war es möglich, Fachbuchinhalte mit fast bildbandartigen Abschnitten zu kombinieren, was dank der zahlreichen, fast ausschließlich hervorragenden Fotos auch ausgezeichnet gelungen ist. Das erste Buch der Autoren über Moore erschien 1986 im URANIA-Verlag und ich hatte es mir in einer Buchhandlung in Berlin bereits vorbestellt. Die Autoren kannte ich bereits während meines Studiums von Exkursionen und botanischen Tagungen und Michael Succow brachte mich gemeinsam mit meinen damaligen Hochschullehrern an der damaligen Sektion Ökologie der Humboldt-Universität zur Moorkunde und meinem Diplomthema, welches sich mit einem Moor in Berlin, der Krummen Laake bei Müggelheim beschäftigte. Wenige Jahre zuvor hatte Michael Succow dieses Moor nochmals erforscht und seine Veränderungen seit den ersten Untersuchungen von Kurt Hueck in den 1920er Jahren dargestellt. Für mich ein wundervolle wissenschaftliche Aufgabe, welche auch meine weitere Studien- und Berufstätigkeit prägte. Das erste Moorbuch der Autoren war nicht nur für mich prägend, war es doch das erste und einzige in Deutschland verfügbare umfassende, auf hohem wissenschaftlichen/populärwissenschaftlichem Niveau gehaltene und moderne Buch über Moore, fast ein Lehrbuch (es war übrigens auch in Westdeutschland in Lizenz erschienen!).
Es war ein langjähriger Plan der beiden Autoren, ein weiteres Buch zu Mooren zu schreiben, was aufgrund der vielen beruflichen Aufgaben der beiden dann doch dauerte, bis sie (allerdings auch schon eine Weile!) ihren beruflichen „Unruhestand“ genießen durften. Wer die beiden kennt, da gibt es nie einen wirklichen Ruhestand! Da Michael Succow zu DDR-Zeiten kein „Reisekader“ war, der sich auch Moor im westlichen Deutschland ansehen konnte, studierte er umfassend die Moore der östlichen Nachbarländer und heutigen eigenständigen Republiken der damaligen Sowjetunion. Nach 1990 bot sich auch ihm die Gelegenheit, zahlreiche Moore in vielen Regionen der Erde zu besuchen und zu studieren und oft auch zu deren Schutz beizutragen.
Das Buch führt zunächst in die wechselvolle Geschichte des Erlebens und Nutzens der Moore durch den Menschen ein, bis hin zum Raubbau durch großflächigen Torfabbbau, Entwässerung und intensive landwirtschaftliche Nutzung und zu ersten Versuchen in den 1980er Jahren in der DDR, der weiteren Vernichtung und Torfmineralisation entgegenzuwirken. Äußerst interessant sind auch die folgenden Ausführungen zur Bedeutung der Moore als vielseitiger Rohstofflieferant durch die Epochen, zur Darstellung von Mooren in der Kunst und schließlich der Erforschung der Moore.
Wichtige Kapitel für das Verständnis der landschaftsökologischen und klimatischen Bedeutung der Moore und eine umfassende, hervorragend mit Grafiken und sehr guten Fotos namhafter Naturfotografen illustrierte Moortypisierung aus ökologischer wie auch hydrologisch-genetischer Sichtweise folgen. Immer wieder fällt auf, dass Michael Succow auch in allen anderen Kapiteln aus seinem reichen Bildfundus selbst zahllose Bilder beisteuerte.
Auf über 300 Seiten werden im umfangreichsten Kapitel des Buches die verschiedenen Moorlandschaften Deutschlands dargestellt, passend überschrieben mit dem Untertitel „ausgewählte Schicksale“. Dies beginnt mit den zahlreichen, zu großen Teilen irreversibel zerstörten, großen Regenmooren Nordwestdeutschlands. Es folgt die Darstellung der Moore des „südlichen Ostseeraumes“ auf über 150 Seiten, welche auch die Moore im südlichen Brandenburg und nördlichen Sachsen umfasst, was schon auf der Übersichtskarte überrascht. Eine Untergliederung in verschiedene Räume im jahrzehntelangen „Hauptwirkungsraum“ der beiden Autoren hätte man sich hier durchaus gewünscht. Die Abhandlung aller Moore der Mittelgebirgslandschaften in einem Kapitel ist hingegen aufgrund der oft sehr ähnlichen ökologischen und vegetationskundlichen Verhältnisse gut nachvollziehbar. Die Moore des Alpenvorlandes und des Alpenrandes zeigen aufgrund ihrer ähnlichen jungen geologischen Vergangenheit und die eiszeitliche Prägung einige Pendants zu Mooren Nordostdeutschlands, dennoch sind sie anders. Vor allem konnten sich dort einige teils großflächige Moore bis heute nahezu naturnah erhalten, wie z.B. das Murnauer Moos, eines der wertvollsten Moore Deutschlands überhaupt. Und während im Nordosten Deutschlands trotz des gleichen Alters mancher Moore fast alle schon seit langer Zeit sehr seltenen Pflanzenarten oligotropher Moore längst ausgestorben sind, konnten sich dort einige Arten bis heute „retten“, wie das Karlszepter (Pedicularis sceptrum-carolinum) oder der Moor-Steinbrech (Saxifraga hirculus). Vor allem in den letzten 10 Jahren hat sich Michael Succow zahlreiche dieser Moore angesehen und deren Geschichte eindrucksvoll aufgeschrieben und mit vielen aktuellen Fotos den heutigen Zustand dokumentiert.
Kleine Fehlerchen, die dabei wohl aus Missverständnis und in der Hektik der Endredaktion entstanden sind, schmälern den hohen wissenschaftlichen Wert des Buches keinesfalls. So wird z.B. auf S. 103 wie auch an 2 weiteren Stellen die Dichtblütige Händelwurz (Gymnadenia conopsea ssp. densiflora) abgebildet statt der in der Bildunterschrift bezeichneten Duftenden Händelwurz. Auf S. 103 ist die Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera), die nicht in Mooren wächst, und nicht die Fliegen-Ragwurz abgebildet.
Mit einem eindringlichen Appell ist das 4. Kapitel übertitelt. „Nasse Moore braucht das Land“. Zusammen mit Greta Gaudig und Franziska Tanneberger wird hier die enorme Bedeutung der Moore als Kohlenstoffspeicher gerade im Rahmen der aktuellen globalen klimatischen Veränderungen dargelegt und es werden Erfordernisse und Möglichkeiten zur Renaturierung und moorschonenden oder moorerhaltenden Nutzung dargestellt.
Die abschließenden persönlichen Gedanken von Michael Succow machen nochmals deutlich, welche tiefgreifenden Kenntnisse er nicht nur über Moore in seinem langen beruflichen Wirken erlangt hat und was er alles versucht hat und auch heute nicht davon ablässt, gesamtökologische, ökosystemare Zusammenhänge zu vermitteln und auf Natur- und Umweltschutzpraxis zu übertragen.
Fazit: Unbedingte Kaufempfehlung nicht nur für Leute, die sich für Moore interessieren, auch wenn der Preis kein Schnäppchen ist, aber Inhalt, Umfang und Ausstattung rechtfertigen den Preis allemal. Und vielen, vielen Dank an Michael Succow und Lebrecht Jeschke und natürlich den Verlag Natur+Text, dass sie dieses tolle Buch in fleißiger Arbeit gemeinsam geschafft haben und ihre Kenntnisse in sehr attraktiver und informativer Form einem breiten Publikum zugängig machen.
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