Ben Oppenheim balanciert zwischen Ex-Frau, zwei Kindern und seiner Liebe zu Julia. Er hat Rückenschmerzen und Geldsorgen, aber was ihn wirklich ängstigt, ist der Krieg in Osteuropa. Getrieben vom jüdischen Fluchtinstinkt steigt er eines Morgens kurzerhand in ein Flugzeug nach Brasilien. Mitsamt Ex-Frau und Kindern, aber ohne Julia. Im Krisenmodus läuft Ben zur Hochform auf. Nur der Atomkrieg lässt auf sich warten. Ben dämmert, dass er sich ändern muss, wenn sich etwas ändern soll.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
Bewertung
5/5
07.12.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein zerrissener Hauptdarsteller
Hier hat Micha Lewinsky ganze Arbeit geleistet und ein tolles Buch gezaubert. Kurz vorweg: ich habe mit der Hauptperson mitgelitten, mitgefiebert, mitgefühlt.
Dieses Buch ist definitiv kein einfacher Roman, eher kompliziert und tiefgründig. Das Zentrum der gesamten Geschichte ist die innere Zerrissenheit der Charaktere, insbesondere des jüdischen Benjamin Oppenheims. Dieser befindet sich durchgehend in einem Konflikt mit sich selbst, der Sicherheit Zuhause und der drohenden Angst vor dem Krieg, Flucht oder Standhalten, Familie oder Liebschaft, Vergangenheit oder Zukunft, ... Benjamin steht sich teilweiße selbst im Weg um eine passende Entscheidung zu treffen.
Die ganze Geschichte wird in genau dem richtigen Tempo erzählt, sodass man mit Benjamin mitdenken und -fühlen kann.
Tolles Buch und sehr zu empfehlen!
Bewertung
5/5
25.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
ein wunderbares Buch
Das Buch hat mich immer wieder zum Lachen gebracht und gleichzeitig ist es tiefgründig und behandelt auch traurige Themen. Es geht um eine Trennung und ob die Trennung wirklich richtig war, wenn zwei Kinder im Spiel sind. Eine Hauptfigur, die zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist, aber am Ende zum Glück eine Veränderung durchmacht. aber Ein super Buch zum Verschenken oder für den Urlaub, sehr empfehlenswert!
Bewertung
5/5
14.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Über den jüdischen Fluchtreflex?
Als der Krieg in der Ukraine einen neuen Höhenpunkt erreicht, sieht Ben Oppenheimer nur noch einen Ausweg: Flucht. Er will dem möglicherweise drohenden Dritten Weltkrieg entfliehen. Während er selbst den Fluchtreflex mit der Geschichte seines jüdischen Volkes begründet, kann sein Umfeld die Entscheidung weniger nachvollziehen. Einzig seine Kinder, sowie seine Ex-Frau, zu der Ben eine recht toxische Beziehung unterhält, stehen ihm bei seiner Flucht bei und besorgen Flugtickets nach Brasilien...
Ich liebe dieses Buch. Es ist so herrlich witzig, dabei einfühlsam und einfach brandaktuell. Wir folgen Ben, einem ziemlich neurotischen und tollpatschigen jüdischen Mann, der als Drehbuchautor seine erfolgreichen Tage schon eine Weile hinter sich gelassen hat. Dadurch hat er Geldsorgen und fürchtet, den Ansprüchen seiner Kinder und Ex-Frau nicht mehr gerechtwerden zu können. Insgesamt sind alle seine sozialen Beziehungen irgendwie schwierig - seine Ex-Frau will ihn aus der Wohnung werfen und seine Eltern sind emotional distanziert. Je länger Ben flüchtet, desto stärker muss er sich damit auseinandersetzen, dass seine Flucht vielleicht weniger mit seinen jüdischen Genen und viel mehr mit seinen persönlichen Entscheidungen in der Vergangenheit zutun hat.
Auf dieser (Realitäts-)Flucht stolpert Ben in verschiedene, urwitzige und teils nachdenklich stimmende Situationen. Einen übermäßigen Spannungsbogen gibt es nicht; dafür macht Ben während der ganzen Reise eine ziemliche Charakterentwicklung durch und das Buch amüsiert großartig von Anfang bis Ende.
Ingrid
aus Erkelenz
5/5
25.09.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Überstürzte Flucht eines verunsicherten Protagonisten
Micha Lewinsky legt mit seinem belletristischen Debüt „Sobald wir angekommen sind“ eine Komödie vor, die im Plot die beiden Themen „Flüchten“ und „Getrennte Familie“ zusammenbringt. Das klingt nach tiefsinnigem Hintergrund und ist es auch, wird aber vom Autor auf eine amüsante und charmante Art und Weise dargeboten.
Der Protagonist Ben ist um die fünfzig Jahre alt und Vater von zwei Kindern. Seine Tochter rosa ist im Teenageralter, sein Sohn Moritz sieben Jahre jünger. Mit einer Noch-Ehefrau Marina lebt er das Nestprinzip, während er seit längerer Zeit mit der Künstlerin Julia eine Beziehung eingegangen ist. Der Krieg in Osteuropa beunruhigt ihn. Als es dort eines Tages zu strittigen Einschlägen kommt, kauft Marina spontan Flugtickets. Ben scheint geradezu erleichtert zu sein, dass die von ihm bereits lange in Betracht kommende Flucht, zu der er sich in jüdischer Tradition verpflichtet fühlt, nun endlich beginnt. Es bleibt ihm keine Zeit Julia zu kontaktieren, denn für ihn steht fest, dass die Sicherheit seiner Kinder an erster Stelle steht.
Bens liebster Schriftsteller ist Stefan Zweig. An ihm nimmt er sich ein Beispiel für eine gelungene Flucht und möchte auf seinen Spuren wandeln. Wie sein Vorbild schaut er nicht gerne genauer hin, wenn er sich einmal eine Vorstellung gebildet hat. Das entspricht seiner Erziehung, denn ihm wurde beigebracht, interessant zu sein, nicht interessiert. Eigentlich nimmt Ben sich gerne Vorbilder, jedoch nicht ohne deren Handeln vorher auf die Goldwaage zu legen. Mit Marina war er lange auf einer Welle, bevor die Geburten der Kinder ihre traute Zweisamkeit auf ein neues Niveau brachten. Jetzt bewundert er, wie Julia ihre Karriere vorantreibt. Seine Eltern sind für ihn Respektspersonen. Er ist unentschlossen, wie auch sonst häufig, um seinen erfolgreichen, betuchten Vater um Hilfe zu bitten, weil er eventuelle Konsequenzen fürchtet, ohne genau zu wissen, wie diese aussehen könnten.
Micha Lewinsky lässt seine Hauptfigur einige Erfahrungen sammeln, die Ben sich rückblickend lieber erspart hätte, wodurch der Roman aber sehr abwechslungsreich mit vielen überraschenden Wendungen gestaltet ist. Mit seinem Kinderbuch hatte Ben großen Erfolg gehabt, aber seitdem ist ihm kein großer Wurf mehr gelungen. Ihm ist bewusst, dass ihm der Antrieb fehlt, dennoch gibt es immer noch Personen in seinem Umfeld, die auf ihn bauen und in der Geschichte immer wieder Hoffnung aufkeimen lassen, dass Ben nicht verloren geht. Beim Nachdenken über einen neuen Roman und auch bei der Flucht, ist eine Sehnsucht in ihm zu spüren, jüdisch zu leben. Noch nie hat er sich so intensiv wie aktuell mit seiner Religion auseinandergesetzt.
An verschiedenen Stellen spricht der Autor sehr unterschiedliche kontroverse Sachverhalte wie beispielsweise die Klimakrise, Erziehung und Romantik an. Micha Lewinsky hat seinem Protagonisten den gleichen Beruf wie er selbst ihn ausübt als Schriftsteller und Drehbuchautor gegeben. Die Darstellung der Karriere seines Protagonisten mit Höhen und Tiefen, immer auf Erfolg hoffend und doch einem Misslingen ständig nah, ist realistisch und nachvollziehbar.
Der Roman „Sobald wir angekommen sind“ von Micha Lewinsky zeigt mit seiner Hauptfigur, wie eine angespannte Weltlage zu Verunsicherung führen kann. Mit amüsantem Unterton beschreibt er, wie der Autor und Schriftsteller Ben durchs Leben taumelt, bis er einige Erkenntnisse durch seine Flucht gewinnt, die sein Selbstvertrauen stärken. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung.
Bewertung
aus Nettersheim
5/5
21.09.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Feiner Humor
Ein einladend schönes Cover eines aktuellen Diogenes Buches. Der Klappentext und die aktuellen Themen der Zeit machen neugierig.
Ben Oppenheim ist der Protagonist des Romandebüts von Micha Lewinsky. Er ist noch verheiratet mit Marina und lebt dennoch mit ihr im Wechsel und den beiden Kindern in der gleichen Wohnung in Zürich, weil eine zweite Wohnung für sie nicht finanzierbar ist. Als Schriftsteller hatte er ein erfolgreiches Debüt, kommt aber nicht so recht weiter. Er hat eine Freundin, die im Gegensatz zu ihm als Künstlerin sehr erfolgreich ist.
Angesichts des Krieges in Osteuropa und einem möglichen Atomkrieg sind er und seine Ex sich einig, die Kinder in Sicherheit bringen zu müssen und so planen sie die Flucht. Als Jude sieht er sich ohnehin in der Tradition des ewig zur Flucht Verdammten.
Auf den Spuren seines Lieblingsschriftstellers Stefan Zweig wird Brasilien auserkoren. Und ehe er sich versieht, setzt Marina die Idee in die Tat um und besorgt von heute auf morgen die Flugtickets.
Gedanklich immer dem transgenerationellem Trauma ausgeliefert, in der Rolle des ewig Unterdrücktem, der sich wehren muss, dabei immer bedacht, nicht anzuecken und nicht zu verletzen und sich dennoch zu behaupten, schlingert er von einem Patzer zum anderen, malt sich ständig Szenarien aus, was die anderen denken mögen und dann reagiert er doch zurücknehmend, schließlich will er ja doch bloß Anerkennung und vor allem seinen Frieden.
Das alles ist mit einem vielleicht typischem jüdischem Humor des Unterdrückten intelligent geschrieben, mit Augenzwinkern und Selbstironie, das zu lesen mir wirklich Spaß gemacht hat. Manches mag vielleicht überzogen klischeehaft sein, dennoch überwiegt der feine Humor.
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