Ich vermisse niemanden. Und ich brauche auch niemanden.
Die neunundzwanzigjährige Akiko lebt als Single und in selbstgewählter Einsamkeit in Tokio. Eines Abends begegnet sie zufällig Kento wieder, ihrer ersten Liebe aus Schulzeiten. Kento führt ein zurückgezogenes Leben als ein Hikikomori, der sich nur nachts auf die Straße traut. Gleichzeitig entdeckt Akiko im Nachlass ihrer Mutter eine Lebenslüge, die all ihre Gewissheiten infrage stellt. Sie muss sich eingestehen, dass sie nicht weiß, wer sie ist. Mit Kentos Hilfe begibt sich Akiko auf eine Reise zu ihrer eigenen Geschichte, die ihr Leben in unverhoffte Bahnen lenkt und sie zu den Fragen führt, die sie sich bisher nicht zu stellen wagte: Wie will ich leben? Und habe ich den Mut, jemanden zu lieben?
Ungekürzte Lesung mit Leonie Landa
2 MP3-CDs, 9h 12min
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Stilles Erwachen
Bewertung (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 09.12.2025
Bewertungsnummer: 2674096
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein japanisches Sprichwort besagt: „Der Nagel, der hervorsteht, wird eingeschlagen.“ Aus Angst, aufzufallen oder sich angreifbar zu machen, hat sich Akiko jahrelang in eine Rolle gefügt, die sie nahezu unsichtbar macht: ein unauffälliger Job, eine zurückgenommene Art, ein Leben wie hinter Milchglas, in dem sie aus Vorsicht kaum Raum für sich selbst – ihre Wünsche und Träume – beansprucht. Doch eine solche Fassade zu tragen, kostet Kraft.
Zufällig trifft sie ihren ehemaligen Klassenkameraden Kento wieder. Als Hikikomori hat er den gegenteiligen Weg gewählt und sich radikal aus der Gesellschaft zurückgezogen. Doch in seinem selbstgewählten Schutzraum bleibt er wenigstens authentisch: Er verstellt sich nicht, spielt keine Rolle, beugt sich keinen Erwartungen und fordert nichts ein. Diese ungekünstelte Wahrhaftigkeit wirkt auf Akiko wie ein Kontrastmittel. Plötzlich erkennt sie die Masken überall – bei Kollegen, Freunden, Fremden im Zug und sogar bei ihrer Mutter. Und mit jeder dieser Erkenntnisse wird ihr klarer, wie einsam sie in ihrer eigenen Rolle geworden ist und wie sehr sie sich nach einem echten, selbstbestimmten Leben sehnt. Die Begegnung mit Kento wird zum Katalysator: Er inspiriert sie, mutiger zu werden und sich wieder Raum zu nehmen.
Der Roman zeigt typische Feinheiten japanischer Alltagskultur – höfliche Distanzen, indirekte Kommunikation, das Pflichtgefühl im Berufsleben –, ohne sie je explizit zu thematisieren. Für Leser:innen, die zum ersten Mal japanische Literatur lesen, können manche Verhaltensweisen ungewohnt wirken, fügen sich hier aber stimmig in die Figurenwelt ein. Psychologisch überzeugt die Geschichte vor allem durch ihre Kerndynamik: Akiko und Kento, die auf unterschiedlichen Wegen verschwunden sind – sie in der Masse, er in der Abgeschiedenheit – und die erst durch ihre Begegnung begreifen, wie sehr Erwartungen, alte Verletzungen und falsch verstandene Rücksichtnahme das eigene Leben einengen können. Ihre Annäherung wächst in kleinen, behutsamen Momenten und wirkt gerade deshalb so wahrhaftig.
„Aber vielleicht ist es nicht nur die Frage, wie gut wir uns kennen, die entscheidet, ob wir uns einem anderen Menschen nah und verbunden fühlen oder nicht. Vielleicht genügen bei manchen nur wenige Augenblicke, um ein Gefühl der Seelenverwandtschaft zu erzeugen. Ein Lächeln. Ein Schweigen im richtigen Moment. Ein Blick, ein Satz, der uns dort erreicht, wo sonst niemand hinkommt.“ (aus Akikos stilles Glück, Jan-Philipp Sendker)
Akikos stilles Glück von Jan-Philipp Sendker ist ein zarter, zugleich eindringlicher Roman über zwei Menschen, die auf unterschiedliche Weise aus der Welt verschwunden sind – und darüber, wie heilsam es sein kann, endlich gesehen zu werden. Die Verbindung zwischen Akiko und Kento bleibt dabei wohltuend frei von Kitsch. Statt großer Liebesgesten entfaltet sich eine stille Vertrautheit, die mehr über Nähe sagt als jede Romanze. Am Ende wirkt das Buch wie eine sanfte Reflexion darüber, wie Beziehungen, Kultur und innere Blockaden uns prägen — und wie leise Glück entstehen kann, wenn man beginnt, sich selbst wieder zuzuwenden.
Faszinataion der Einsamkeit
Bewertung aus Einsiedeln am 26.11.2025
Bewertungsnummer: 2663431
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein spannender, feinfühliger Roman über Einsamkeit, Stille und Gelassenheit. Einfühlsam und spannend, wie sich die als Single lebende Akiko und der Hikikomori Kento annähern. Die Geschichte zeigt, wie wenig es brauchen kann, um sein Leben neu auszurichten, vorausgesetzt die dazu notwendigen Impulse kommen von der richtigen Person. Angereichert wird die Geschichte mit wunderschönen Haikus, wie:
Die ganze lange Nacht
Das Geräusch des Wassers sagt,
was ich denke.
Danke Jan-Philipp Sendker für ein weiteres, wunderschönes Buch!
Meinung aus der Buchhandlung
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Akiko lebt als alleinstehende Frau relativ zurückgezogen in Tokio. Eines Tages trifft sie Kento wieder, ihren Freund aus Schulzeiten. Mit seiner Hilfe gelingt es ihr, sich auf eine Reise zu sich selbst zu begeben. So schafft sie es schließlich, ihr Leben in unverhoffte Bahnen zu lenken.
Jan-Philipp Sendker erzählt mit viel Einfühlungsvermögen auf der einen Seite von einer Kultur und einer Welt, die uns in Europa fremd erscheinen. Auf der anderen Seite ist es ein Roman über die weltweit gleiche Sehnsucht und Suche nach Liebe.
Von mir eine absolute Leseempfehlung.
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Akiko hält eine Solo-Hochzeit für eine gute Idee, bis sie Kento begegnet, der ihr wichtige Fragen stellt. Kennt sie sich gut genug? Mag sie sich überhaupt? Sie geht der Sache auf den Grund, hat wichtige Erkenntnisse u. findet heraus, was sie wirklich will. Lieblingsbuchpotenzial.
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