Eine fesselnde Mörderjagd in der Steiermark der Kaiserzeit.
Graz, 1883. Mehrere Menschen, die auf die eine oder andere Art mit dem ältesten Gewerbe der Welt zu tun haben, werden ermordet. Für die Bevölkerung ist klar: Das ist der Preis ihres sündigen Treibens. Während Gendarm Wilhelm Koweindl mit den Schatten seiner Vergangenheit konfrontiert wird, macht sich Hauslehrerin Ida Fichte auf die Suche nach dem Täter – und gerät in einen gefährlichen Strudel, der droht, sie von Wilhelm und allem, was ihr lieb ist, wegzureißen.
Der dritte Mur-Fall ist genauso spannend wie die Vorgängerbände. Der Aufklärung von Morden zu folgen, die womöglich mit Ida und Wilhelm zu tun haben, bereitet großes Lesevergnügen. Vielschichtig ist der Roman vor allem auch wegen der lebendigen Darstellung eines Frauenlebens im späten 19. Jahrhundert, das von beinharter sozialer Ungerechtigkeit gekennzeichnet war. Diese Zustände kommen aber nicht plakativ daher, sondern sind höchst geschickt mit dem Kriminalfall verwoben, der Ida diesmal sehr viel abverlangt. Ich bin begeistert durch die Seiten gerauscht und habe mich nur sehr ungern von einer ausgesprochen sympathischen Romanheldin verabschiedet. Absolute Leseempfehlung!
Silke - Buchgespür -
5/5
04.03.2025
Buch (Taschenbuch)
Kriminalroman mit Flair
Graz, 1883 – in der Steiermark brodelt es unter der Oberfläche einer scheinbar geordneten Gesellschaft. In diesem mitreißenden historischen Kriminalroman werden mehrere Menschen brutal erschlagen, alle verbunden mit dem ältesten Gewerbe der Welt. Die Bevölkerung sieht darin den Preis für sündhaftes Treiben, während Gendarm Wilhelm Koweindl, geplagt von den Schatten seiner Vergangenheit, mit einem ungelösten Fall konfrontiert wird. Hauslehrerin Ida Fichte gerät zufällig immer wieder in den Fokus der Tatorte. Trotz gesellschaftlicher Schranken, die sie als Frau von einer intensiven Beteiligung an den Ermittlungen abhalten sollen, weckt der Mordfall ihren unbändigen Ermittlergeist. Während sich Ida und Wilhelm näherkommen und gemeinsam den Spuren des Mörders folgen, droht eine gefährliche Wendung, ein skrupelloser Mörder bringt nicht nur ihr aufkeimendes Glück, sondern auch ihr Leben in tödliche Gefahr.
„Die Mur schweigt“ von Gudrun Wieser hat sofort mein Interesse geweckt, erinnerte mich schon alleine der Romantitel an meinen Ausflug an die Mur in Graz, aber auch in Leoben.
Vorneweg: Der Krimi ist unheimlich feinfühlig und intelligent geschrieben, das Ende nicht voraussehbar. Damit bleibt er bis zur letzten Seite spannend und zog mich als Leserin komplett in seinen Bann.
Umso mehr freue ich mich, Gudrun Wieser am kommenden Dienstag bei ihrer Lesung in Darmstadt sehen zu dürfen.
Jetzt aber zum Roman:
Die Autorin entführt uns Leser in das lebendige, manchmal raue Milieu der Kaiserzeit und lässt uns in die Ermittlungen der Hauslehrerin Ida Fichte und des gutmütigen Gendarms Wilhelm Koweindl eintauchen. Bei diesem Roman handelt es sich um den dritten Band der Reihe und obwohl ich die beiden Vorgänger nicht gelesen habe, konnte ich dem Geschehen problemlos folgen, da die Bände in sich abgeschlossen sind. Mich überzeugte sowohl der authentische historische Hintergrund als auch die spannende Handlung, die ihren sofortigen Einstieg mit dem Leichenfund einer ermordeten jungen Frau an der Mur findet. Ida ist zufällig vor Ort und kann sich gegen ihren Drang eigene Ermittlungen anzustellen nicht wehren.
Idas Privatleben, die als Gesellschafterin zweier älterer Damen und als Klavierlehrerin im Hause Mandelsüß, in dem das ermordete Fräulein als Hausmädchen gearbeitet hat wird mit Witz und Lebendigkeit beschrieben. Ich konnte Ida direkt in mein Herz schließen, da sie durch die Darstellung ihrer alltäglichen Herausforderungen, Aufgaben und Sorgen nahbar erschien. Ihre Selbstbestimmtheit Ende des 19. Jahrhunderts imponierte mir, ihrem Mut ihr Leben nach ihren Vorstellungen zu leben und für ihren Unterhalt alleine aufzukommen, zolle ich Respekt. Neben Ida bleiben mir ganz sicher ihre aufgeweckten Klavierschülerinnen Mandelsüß in Erinnerung, die sich im Verlauf des Romans zu wahren Detektivinnen bei der Aufklärung der Morde entwickeln. Parallel zu Idas Leben folgt der Leser den Ermittlungen von Gendarm Wilhelm Koweindl, der nicht nur mit mysteriösen Mordfällen konfrontiert wird, sondern sich auch mit den Schatten seiner eigenen Vergangenheit auseinandersetzen muss. Einst beim Militär tätig, wird er zur Polizei versetzt und lernt nun mit Ida für seinen Chargenkursus, der ihm Aufstiegsmöglichkeiten bietet. Die beiden Handlungsstränge, die persönlichen Entwicklungen der Protagonisten und der packende Kriminalfall, ergänzen sich hervorragend und verleihen dem Roman eine eigene Dynamik, insbesondere weil Koweindl immer mehr Gefallen an Ida findet. Ihre sich zart entwickelnden Gefühle verleihen der Geschichte eine persönliche Note, die über den reinen Kriminalfall hinausgeht. Wilhelm, der sich unbeholfen in der Kommunikation mit Frauen zeigt, wuchs mir als sympathische und authentische Figur ans Herz.
Für mich besonders hervorzuheben sind Gudrun Wieser starke weibliche Charaktere, die sich gegen eine männliche Bevormundung behaupten. So wohnt Ida alleine und lässt sich auch nicht von Wilhelms dominantem Vater kleinhalten. Idas ältere Arbeitgeberinnen leben ohne Mann glücklich und zeigen ihr die Vorzüge dieses Lebens. Auch die „Engelmacherin“ lebt als Witwe unabhängig und verdient eigenes Geld. Und die beiden jungen Klavierschülerinnen tragen auf eigene Faust zur Lösung des Falles bei und zeigen schon im Teenageralter Courage und Stärke.
Die Autorin überzeugt durch einen ausgefeilten Schreibstil, der den Leser tief in die Atmosphäre der Kaiserzeit eintauchen lässt. Die präzise Beschreibung der Stadt Graz und der damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse macht die historische Kulisse greifbar. Mir gelang es Ida und Wilhelm gedanklich durch die Straßen gehen zu sehen, was für eine intensive Beschreibung der Szenerie und die Anregung meiner Phantasie spricht. Gudrun Wieser gelingt es dabei, die raue Realität der Zeit, einschließlich der moralischen Abgründe der bürgerlichen Gesellschaft, authentisch darzustellen, ohne dabei den Zauber vergangener Tage zu verlieren.
Verena B.
aus Köln
5/5
23.01.2025
Buch (Taschenbuch)
Spannend historischer Krimi mit einer Prise Humor
4-5 Sterne
"Die Mur schweigt" ist der dritte Band einer historischen Kriminalreihe. Ich hatte aber keinerlei Probleme der Handlung, der Protagonisten und deren Beziehung zueinander zu folgen.
Ida Fichte, gelernte Lehrerin, ist das, was wir als moderne, junge Frau bezeichnen würden: Ehrgeizig, tough, intelligent, unabhängig und ungebunden. Jedoch ist sie mit Wilhelm Koweindl "befreundet"; in den ersten beiden Bänden geraten sie wie in diesem dritten hier in kriminelle Machenschaften und finden so zueinander.
Wilhelm Koweindl ist wie gesagt Polizeiwachtmeister, der, dank seines Erfolgs der Verbrechensaufklärung in Band 2, eine Fortbildung machen darf, um einen höheren Dienstgrad zu erlangen. Aber das Lernen fällt ihm schwer und Ida unterstützt ihn dabei. Dies ist ihm eigentlich unangenehm, denn er weiß schon, dass Ida viel klüger ist als er. Und auch Ida weiß nicht, ob es ratsam wäre, sich auf Dauer mit jemanden einzulassen, der ihr intellektuell nicht ganz gewachsen ist. Die beiden alten Damen, denen Ida regelmäßig vorliest, sind zumindest der Ansicht, dass es nicht unbedingt einen Mann an der Seite der Frau braucht...
Ida wird Zeugin, wie eine weibliche Leiche an den Ufern der Mur geborgen wird. Wie es sich herausstellt, handelt es sich dabei um das verschwundene Hausmädchen der Familie Mädesüß, deren Töchtern Ida Klavierunterricht gibt. Die Mädchen habe aber weniger Interesse daran, sich musikalisch weiterzuentwickeln, vielmehr wollen sie zur Lösung des Falls beitragen...
Auch Ida kitzelt es natürlich in den Fingern. Als sie jedoch bedroht wird, hat sie nicht nur Angst um IHR Leben...
Mir hat dieser Krimi richtig gut gefallen! :-) Er war sehr vielschichtig und dabei von vorne bis hinten gut durchdacht. Er war spannend und mit einer feinen Note von Humor durchzogen. Neben dem Kriminalfall an sich, war es sehr interessant mehr über Wilhelms Vergangenheit zu erfahren. Schon der Prolog lässt erahnen, dass sich Wilhelm mit dieser wird auseinandersetzen müssen...
Die beiden Protagonisten fand ich auch sehr gelungen, wenngleich mir Wilhelm etwas sympathischer war als Ida; das mag an ihrer inneren Zerrissenheit liegen, ich weiß es nicht genau...Sympathisch fand ich aber Leopold, der ehemalige Untergebene von Wilhelm, der nun wiederum Leopold untersteht. Sehr angetan war ich von den beiden jungen Damen Mädesüß :-) Die haben eigentlich ein eigenes Buch verdient ;-)
Die Autorin Gudrun Wieser hat es geschafft, mich bis zum Schluss nicht durchblicken zu lassen, wer denn nun der Mörder ist. :-) Die Auflösung war aber definitiv gelungen. :-) Ich mochte und mag, wie sie die damalige Zeit darstellt und ich konnte mir alles sehr gut vorstellen, von der Umgebung bis zur Kleidung.
Bewertung
aus Bad Säckingen
5/5
19.01.2025
Buch (Taschenbuch)
Spannender Krimi aus der Kaiserzeit
Mehrere Menschen werden ermordet und sie alle verbindet, dass sie auf die ein oder andere Weise mit dem ältesten Gewerbe der Welt zu tun hatten. Haben sie deswegen den Tod verdient, wie so manch einer meint?
Hauslehrerin Ida Fichte macht sich auf die Suche nach dem Täter und wird dabei unterstützt von zwei sehr aufgeweckten Klavierschülerinnen und natürlich Gendarm Wilhelm Koweindl.
Interessant finde ich auch die Hin und Her Gerissenheit von Ida, die sich auf der einen Seite zu Wilhelm hingezogen fühlt, aber auf der anderen Seite permanent das Gefühl hat, ihre Intelligenz verbergen zu müssen, um den etwas einfach gestrickten Gendarm nicht zu blöd dastehen zu lassen.
In einer Zeit, in der Männer grundsätzlich als intelligenter angesehen wurden, während Frauen nur für Haushalt und Kinder da waren, war das besonders schwierig. Ich fühle mit Ida und überlege, wie ich mich entscheiden würde. Menschlich gesehen ist mir Wilhelm sehr sympathisch.
„Die Mur schweigt“ vermittelt mir einen realistischen Einblick in die Verhältnisse der damaligen Zeit in Graz und ich bin wieder einmal froh, im Hier und Jetzt zu leben.
Ein spannender Fall, sympathische Protagonisten und ein Hauch von Romantik, so mag ich das. Ich hoffe auf weitere Fälle für Ida und Wilhelm und bin gespannt, wie sich die persönliche Geschichte zwischen den beiden weiterentwickelt.
Sehr gerne vergebe ich 5 Sterne für diese interessante Reise nach Graz.
nirak
5/5
05.11.2024
Buch (Taschenbuch)
und wieder einfach nur spannend
Nach den letzten überstandenen Ermittlungen arbeitet Ida nun als Hauslehrerin und Gesellschafterin bei mehreren Familien in Graz. Sie verdient ihr eigenes Geld und erschafft sich damit ihre eigene Unabhängigkeit. Auch wenn es nicht immer leicht für sie ist, im Jahre 1883 als alleinstehende Frau. Doch dann werden gleich mehrere Menschen ermordet aufgefunden. Sie alle verbindet das älteste Gewerbe der Welt miteinander. Der Gendarm Wilhelm Koweindl ermittelt in diesem Fall und muss sich seiner eigenen Vergangenheit stellen. Auch Ida Fichte gerät in die Ermittlungen und schon bald suchen sie gemeinsam nach den Spuren.
Bei „Die Mur schweigt“ handelt es sich bereits um den dritten Teil dieser Reihe. Wieder sieht sich Ida Fichte vor Herausforderungen gestellt. Sie arbeitet inzwischen als Hauslehrerin und gibt zwei ziemlich aufgeweckten Mädchen Klavierunterricht. Diese jungen Damen interessieren sich mehr für die Liebschaft ihres Hausmädchens als für den Klavierunterricht von Ida. Zudem ist sie die Gesellschafterin von zwei älteren Damen, die auch so ihre Eigenarten haben. Das Leben von Ida wird authentisch erzählt. Gleichzeitig sind gerade die Szenen mit den Schülerinnen lebendig und unterhaltsam. Wie die Mädchen dann in die Geschichte involviert sind, klärt sich so nach und nach.
Der zweite Handlungsstrang erzählt aus dem Leben von Wilhelm Koweindl. Er ist nicht nur mit den Ermittlungen der Todesfälle betraut, er muss sich hier auch seiner eigenen Vergangenheit stellen. Gleichzeitig versucht er, in der Hierarchie aufzusteigen. Schließlich möchte er Ida etwas bieten können. Er ist in die Hauslehrerin verliebt, aber so richtig zeigen kann er es ihr nicht. Seine Art ist etwas unbeholfen, wenn es darum geht, mit Frauen zu kommunizieren. Alles zusammen macht die private Geschichte rund um Ida und Wilhelm zu einem Lesegenuss.
Dann kommt hinzu, dass es sich um einen Kriminalroman handelt. Gudrun Wieser hat ihre Spuren geschickt gelegt und die Handlung ist dahingehend auch nicht immer leicht zu durchschauen. Sie baut Spannung auf und lockert diese mit den Szenen rund um Ida und ihre Schützlinge immer wieder etwas auf. Ich habe gern gelesen, wie Ida und Wilhelm auch diesen Fall angehen und zusammenarbeiten. Auch wenn es sich hier um einen dritten Teil handelt, kann man die Bücher auch gut einzeln lesen. Ich finde es aber doch besser, wenn man von Anfang an gerade die Beziehung zwischen Ida und Wilhelm erlebt. Der Kriminalfall in sich ist natürlich abgeschlossen.
Fazit:
Auch der dritte Fall für die Hauslehrerin Ida Fichte und den Gendarm Wilhelm Koweindl hat für spannende Lesestunden gesorgt. Mir hat einmal mehr gut gefallen, wie die beiden zusammen den Spuren folgen. Dieser Teil ist vielleicht noch ein wenig persönlicher als die Vorgänger, da gerade rund um Wilhelm ein paar Geheimnisse gelüftet werden. Ich hatte jedenfalls vergnügliche Lesestunden und hoffe doch, es wird noch ein Wiedersehen geben mit diesen zwei Protagonisten.
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