Kann man nur als Mutter oder auch anders glücklich werden?
»Jackie Thomaes Kunst liegt darin, große Kunst zu schaffen, ohne dass die sich groß anfühlt, einen Roman mit Anspruch, der den Anspruch nicht vor sich herträgt.« Der Spiegel
Marie-Claire, kurz MC, bekannt als die gut gelaunte Stimme aus dem Radio, bekommt mit knapp vierzig von ihrer Frauenärztin diesen Satz zu hören: Sie hatten ein Vierteljahrhundert Zeit. Und jetzt ist es zu spät oder so gut wie. Die wichtigste Deadline des Lebens: verpasst. Den im Grunde einzigen Daseinszweck: verfehlt. Oder noch nicht? Denn als MC am nächsten Morgen aufwacht, ist sie zu ihrer eigenen Überraschung das erste Mal wirklich glücklich.
Anahita ist eine wandelnde Erfolgsgeschichte: Senatorin mit nicht einmal vierzig, Medienprofi, in ein paar Jahren könnte sie in Brüssel sitzen. Doch etwas fehlt, auch wenn sich das niemand zu sagen traut. Eine Politikerin muss kompetent sein, und ist Mutterschaft nicht immer noch die wichtigste Kompetenz einer Frau?
Glück ist ein Roman über Frauen unter Druck, über die Phase im Leben, in der sie zu alt sind, um noch länger warten zu können, und zu jung, um es hinter sich zu haben. Doch was wäre, wenn diese Phase sich künstlich verlängern ließe? Wenn die Frauen, wie die Männer schon immer, einfach noch Zeit hätten?
Kundinnen und Kunden meinen
3.4/5.0
Florian
aus München
5/5
02.04.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Es wird auf dem Rücken von…
Es wird auf dem Rücken von Unpaarhufern vermutet, auf der Straße oder in den kleinen Dingen: das Glück. Mehr ein Gefühl, denn eine Tatsache. Ein Zustand, den jeder anders empfindet. Bei Jaeckie Thomae geht es ums Mutterglück, bzw. das Fehlen desselben und die Frage, ob es sich frau auch ohne erfüllten Kinderwunsch erlauben darf, sich vollständig zu fühlen. Quasi, ohne die biologische Mission der Arterhaltung vollendet zu haben. Der Roman liest sich wie eine Streitschrift, bzw. eine Bestandsaufnahme weiblicher Befindlichkeit in einer Zeit, in der Karriere ebenso wichtig ist, um sich erfüllt zu fühlen, die Zeit auf Erden sinnvoll genutzt zu haben, wie Familiengründung. Oder doch nicht? Spannend ist, wie beinahe beiläufig Thomae weibliche Topoi verhandelt. Wir folgen einer Moderatorin, die nicht auf Kriegsfuß mit ihrem Körper steht, die eine Politikerin als Gast erwartet, deren innerer Dialog ständig Szenen im Voraus durchspielt, die sich ereignen könnten - oder auch nicht. Aber man will ja vorbereitet sein, Fast zwanghaft. Und doch so vertraut. Macht man halt. Brillant ist auch, wie erzählte Figuren, die Schwester der Senatorin, die Geschwister der Journalistin plötzlich selbst zu handelnden Figuren werden. Die Kamera springt einfach über, zack, geht's im nächsten Kapitel nicht mehr um Marie-Claire, sondern um Anahitas Perspektive, obwohl beide noch im Raum sind. Man gleitet durch diesen Roman wie ein Beobachter, dessen Aufmerksamkeit mal hier, mal dort hängenbleibt. Und bekommt immer neuen Input. Mal geht's um Selbst- und Fremdwahrnehmung, mal um Männer vs. Frauen. Das bekannte Rollending inkl. Selbstzweifeln, aber auch inkl. Selbstbewusstsein. Es sind spannende Frauen, vielschichtig, reflektiert, es wird nie langweilig. Wenn man etwas bekritteln mag, dann vielleicht den idealisierende Epilog, der eine Welt ohne Vorurteile beschreibt, wie man sie sich wünschen würde. Mit Weichzeichner, alles sind lieb, verständnisvoll, Harmonie pur. Sollte es jemals so kommen, über was könnte man sich dann noch aufregen..? #netGalleyDE
Eternal-Hope
aus Österreich
5/5
20.09.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wer sind wir als erfolgreiche…
Wer sind wir als erfolgreiche Frauen ohne Kinder? "Glück", das neue Buch von Jackie Thomae, polarisiert. Das zeigt sich schon in den bisherigen Rezensionen. Vorab, wie man auch an den 5 Sternen sieht: ich bin sehr froh, das Buch gelesen zu haben! Ein tolles Buch, das mit einer schönen und treffenden Sprache den Zeitgeist eines ganz bestimmten sozialen Milieus in Bezug auf unerfüllten Kinderwunsch sehr genau einfängt! Es geht um Frauen, die sich beruflich verwirklicht haben. Sehr erfolgreiche Frauen mit Karrieren, die sich sehen lassen können, und mit genug Geld für einen sehr angenehmen Lebensstil. Marie-Claire (MC) Sturm, die als Radiomoderatorin arbeitet. Und Anahita Martini, aus einer erfolgreichen persischen Ärztefamilie stammend, die es nach einem kurzen Abstecher in die Schullaufbahn nun zur erfolgreichen Regionalpolitikerin gebracht hat. Was diesen Lebensbereich angeht, ist es für die beiden Frauen also wirklich gut gelaufen. Nun sind sie 39, partnerlos und kinderlos, und schon seit einigen Jahren quält sie dieses Thema: der aufkommende Kinderwunsch und die Frage, ob und wie sie sich diesen nun noch schnell erfüllen können, bevor "der Zug endgültig abgefahren ist". Das Buch beginnt mit einer Szene, bei der MC Sturm sich bei ihrer Gynäkologin befindet, die ihr mitteilt, dass ihre fruchtbaren Jahre fast vorbei seien: "Sie hatten 25 Jahre Zeit, Mutter zu werden, sehen Sie's mal so. Das ist ein Vierteljahrhundert." Schon da habe ich Leserin sehr stark mit Marie-Claire Sturm mitgefühlt! Was für ein Hohn diese Aussage doch ist, einer 39-jährigen gegenüber! Als ob Frauen wirklich realistisch so viel Zeit hätten, ihren Kinderwunsch zu realisieren! In dieser Zeit, in der es scheinbar noch zu früh bis in Bezug auf die Umstände schwierig gewesen wäre, Mutter zu werden, war Marie-Claire auch, wie wir schon früh im Buch erfahren, zwei Mal ungeplant schwanger, und hat die Schwangerschaften abgebrochen, was sie jetzt hinterfragt bis bereut. Auch mit Anahita Martini kann ich mitfühlen: lastet auf ihr doch der starke Erfolgsdruck ihrer Familie und hat es einige Zeit gedauert, bis sie in diesem Bereich in den Augen ihrer Familie bestehen konnte... so lange, dass währenddessen kaum Raum war, sich überhaupt damit zu beschäftigen, ob sie auch eine Seite in sich hätte, die sich Kinder wünschte! Wir begleiten also diese beiden Frauen im Buch innerlich durch diesen Konflikt, erleben mit, wie sie sich begegnen, und machen nach ca. 2/3 des Buches einen Zeitsprung um drei Jahre in das Alter 42. Zwischendurch gibt es immer wieder kürzere Kapitel, aus der Sicht weiterer Frauen im Leben der beiden, was für mich interessante weitere Perspektiven auf das Thema einbringt - natürlich aus demselben sozialen Milieu, in dem das ganze Buch spielt, es handelt sich ja um Verwandte oder Bekannte der beiden Hauptcharaktere. Was mag ich an diesem Buch? Ich finde es sehr authentisch. Und zwar für ein ganz bestimmtes soziales Milieu, das ich ebenfalls gut kenne. In anderen Rezensionen wird teilweise kritisiert, wie privilegiert die beiden Frauen seien. Ja, das sind sie, aber das ist für mich noch kein Kritikpunkt am Buch. Gute Literatur darf für mich alle sozialen Milieus schildern und es dürfen darin alle möglichen Charaktere vorkommen - ob diese Milieus nun sonderlich sympathisch und die darin vorkommenden Charaktere Sympathieträger sind oder nicht. Klar sind MC Sturm und Anahita Martini nicht repräsentativ für die Gesamtheit der Frauen mit Kinderwunsch. Aber durchaus für ihr bestimmtes soziales Milieu - das der sehr privilegierten, beruflich erfolgreichen Karrierefrauen. Um von der Lektüre profitieren zu können, braucht es ein tiefes, emotionales Sich-Einlassen auf das soziale Milieu des Buches und ein Mitfühlen mit privilegiert wirkenden Frauen, die aber dennoch an ihrer Situation leiden. Wenn man das in der eigenen Lebenssituation kann, dann ist es ein sehr gewinnbringendes Buch, wie ich finde. Dann lässt sich Einblick in ein Milieu gewinnen, das man vielleicht aus eigener Erfahrung nicht so gut kennt und auch nicht unbedingt nur schätzt, aber das dennoch interessant ist. Und es lässt sich mit den Charakteren im Buch mitfühlen, auch wenn sie nicht nur sympathisch sind. Damit erfüllt das Buch eines der Hauptkriterien, die ich an gute Literatur stelle: uns soziale Milieus samt der darin lebenden Menschen so authentisch nachfühlen zu lassen, als wären wir Teil dafür. Dadurch unsere Empathie zu schulen und unseren Horizont zu erweitern. Auch ein weiteres Kriterium guter Literatur erfüllt es für mich: es regt sehr zum Nachdenken und Diskutieren an. Über die verschiedenen Schattierungen von Feminismus, darüber, was Erfolg im Leben ist, über Partnerwahl und Familie, konservative und progressive Familienmodelle, das Wesen eines Kinderwunsches, die Erwartungen an Frauen, die Schattenseiten mancher feministischer Forderungen usw. Bei mir wird das Buch emotional und gedanklich sicher noch einige Zeit nachwirken.
Eternal-Hope
aus Österreich
5/5
20.09.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wer sind wir als erfolgreiche Frauen ohne Kinder?
"Glück", das neue Buch von Jackie Thomae, polarisiert. Das zeigt sich schon in den bisherigen Rezensionen, die die ganze Palette abdecken.
Ich habe vor dem Lesen ebenfalls sehr kontroversielle Diskussionen dazu mitbekommen, die mich erst neugierig auf das Buch gemacht haben, sodass ich es mir besorgt und gelesen habe. Vorab, wie man auch an den 5 Sternen sieht: ich bin sehr froh, das Buch gelesen zu haben! Ein tolles Buch, das mit einer schönen und treffenden Sprache den Zeitgeist eines ganz bestimmten sozialen Milieus in Bezug auf unerfüllten Kinderwunsch sehr genau einfängt!
Es geht um zwei Frauen, die den Versprechen der Feminismus gefolgt sind und sich beruflich verwirklicht haben. Zwei sehr erfolgreiche Frauen mit Karrieren, die sich sehen lassen können, und mit genug Geld für einen sehr angenehmen Lebensstil. Marie-Claire (MC) Sturm, die als Radiomoderatorin arbeitet. Und Anahita Martini, aus einer erfolgreichen persischen Ärztefamilie stammend, die es nach einem kurzen Abstecher in die Schullaufbahn nun zur erfolgreichen Regionalpolitikerin gebracht hat.
Was diesen Lebensbereich angeht, ist es für die beiden Frauen also wirklich gut gelaufen. Und nun sind sie 39, partnerlos und kinderlos, und schon seit einigen Jahren quält sie dieses Thema: der aufkommende Kinderwunsch und die Frage, ob und wie sie sich diesen nun noch schnell erfüllen können, bevor "der Zug endgültig abgefahren ist" (mit diesen und weiteren bekannten Metaphern zum Thema herannahende Menopause spielt das Buch).
Das Buch beginnt mit einer Szene, bei der MC Sturm sich bei ihrer Gynäkologin befindet, die ihr mitteilt, dass ihre fruchtbaren Jahre fast vorbei seien: "Sie hatten fünfundzwanzig Jahre Zeit, Mutter zu werden, sehen Sie's mal so. Das ist ein Vierteljahrhundert." (S. 10)
Schon da habe ich Leserin sehr stark mit Marie-Claire Sturm mitgefühlt! Was für ein Hohn diese Aussage doch ist, einer 39-jährigen gegenüber! Als ob Frauen wirklich realistisch so viel Zeit hätten, ihren Kinderwunsch zu realisieren! Welche 12- oder 14-jährige kann sich denn ernsthaft damit befassen? Ja, selbst, welche 18-, 20- oder 22-jährige aus einem sozialen Milieu, das von ihr beruflichen Erfolg und Unabhängigkeit erwartet (und dieser Druck auf junge Frauen ist in manchen Teilen der Gesellschaft mittlerweile enorm)?
Ja, die Menstruation hat im Jugendalter eingesetzt (bei Marie-Claire mit 12), doch danach hat eine Frau aus dem sozialen Milieu von Marie-Claire Sturm doch locker bis Ende 20, Anfang 30 von allen (in diesem speziellen Milieu!) gesagt bekommen, dass sie noch viel zu jung für Kinder sei und noch viel Zeit hätte... bis dann auf einmal keine Zeit mehr zu sein scheint!
In dieser Zeit, in der es scheinbar noch zu früh bis in Bezug auf die Umstände schwierig gewesen wäre, Mutter zu werden, war Marie-Claire auch, wie wir schon früh im Buch erfahren, zwei Mal ungeplant schwanger, und hat die Schwangerschaften abgebrochen, was sie jetzt hinterfragt bis bereut.
Auch mit Anahita Martini kann ich mitfühlen: lastet auf ihr doch der starke Erfolgsdruck ihrer Familie und hat es einige Zeit gedauert, bis sie in diesem Bereich in den Augen ihrer Familie bestehen konnte... so lange, dass währenddessen kaum Raum war, sich überhaupt damit zu beschäftigen, ob sie auch eine Seite in sich hätte, die sich Kinder wünschte! Ich kenne so viele Frauen, denen es ähnlich geht wie den beiden, und das hat viel mit den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und den Erwartungen gerade an Frauen, die das Potential haben, beruflich sehr erfolgreich zu sein, zu tun.
Wir begleiten also diese beiden Frauen im Buch innerlich durch diesen Konflikt, erleben mit, wie sie sich begegnen, und machen nach ca. 2/3 des Buches einen Zeitsprung um drei Jahre in das Alter 42. Zwischendurch gibt es immer wieder kürzere Kapitel, die aus der Sicht weiterer Frauen im Leben der beiden (z.B. Anahitas Schwägerin, die Mutter von drei Kindern ist; MCs jüngere Halbschwester, die ebenfalls kinderlos ist oder eine Frau, die auf einer griechischen Insel teure Privat-Retreats im 5-stelligen Bereich für Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch anbietet), was für mich interessante weitere Perspektiven auf das Thema einbringt - natürlich aus demselben sozialen Milieu, in dem das ganze Buch spielt, es handelt sich ja um Verwandte oder Bekannte der beiden Hauptcharaktere.
Was mag ich an diesem Buch? Ich finde es sehr authentisch. Und zwar für ein ganz bestimmtes soziales Milieu, das ich ebenfalls gut kenne.
In anderen Rezensionen wird teilweise kritisiert, wie privilegiert die beiden Frauen seien. Ja, das sind sie, aber das ist für mich noch kein Kritikpunkt am Buch. Gute Literatur darf für mich alle sozialen Milieus schildern und es dürfen darin alle möglichen Charaktere vorkommen - ob diese Milieus nun sonderlich sympathisch und die darin vorkommenden Charaktere Sympathieträger oder Sympathieträgerinnen sind oder nicht.
Klar sind MC Sturm und Anahita Martini nicht repräsentativ für die Gesamtheit der Frauen mit Kinderwunsch. Aber ich empfinde sie durchaus als sehr repräsentativ für ihr bestimmtes soziales Milieu - das der sehr privilegierten, beruflich erfolgreichen Karrierefrauen, dieses wird hier sehr authentisch gezeichnet.
Würde ich mich mit den beiden Frauen anfreunden wollen? Eher nicht. Beide zeigen einige Charaktereigenschaften, die sie mir nicht sehr sympathisch machen. Und auch sie selbst haben im Buch wenig tiefgehende Freundschaften, in denen beide Seiten sich gegenseitig wirklich erkennen und tiefgründig austauschen. Aber auch das ist wiederum authentisch und passt zu den Charakteren.
Worum geht es in dem Buch nicht? Es geht nicht um die ganze Palette unerfüllten Kinderwunsches. Es geht fast) nicht um Kinderwunschbehandlungen und all das Leid, aber auch die Chancen, die sie mit sich bringen. Und es geht nicht um Paare, die miteinander einen unerfüllten Kinderwunsch haben.
Wer zu diesem Thema also eigene Erfahrungen mitbringt, die möglicherweise noch sehr weh tun, der oder die lese das Buch nicht oder mit Vorsicht. Wer sich mit sehr hohen Anforderungen erfolgreicher Frauen an mögliche Partner schwer tut, betrachte das Buch ebenfalls mit Vorsicht. Denn der Hauptgrund, warum die beiden Frauen noch keine Kinder haben, ist, dass sie bis Ende 30 keinen Mann gefunden haben, der ihren Ansprüchen genügt und der mit ihnen eine Familie gründen wollte.
Um von der Lektüre profitieren zu können, braucht es ein tiefes, emotionales Sich-Einlassen auf das spezifische soziale Milieu des Buches und ein Mitfühlen mit sehr privilegiert wirkenden Frauen, die aber dennoch an ihrer Situation leiden. Wenn man das in der eigenen Lebenssituation gerade kann, dann ist es ein sehr gewinnbringendes Buch, wie ich finde. Dann lässt sich Einblick in ein Milieu gewinnen, das man vielleicht aus eigener Erfahrung nicht so gut kennt und auch nicht unbedingt nur schätzt, aber das dennoch interessant ist. Es lässt sich mit den Charakteren im Buch mitfühlen, auch wenn sie nicht nur sympathisch sind.
Damit erfüllt das Buch eines der Hauptkriterien, die ich an gute Literatur stelle: uns soziale Milieus samt der darin lebenden Menschen so authentisch nachfühlen zu lassen, als wären wir Teil dafür. Dadurch unsere Empathie zu schulen und unseren Horizont zu erweitern.
Noch ein Kriterium guter Literatur erfüllt es für mich: es regt sehr zum Nachdenken und Diskutieren an. Über die verschiedenen Schattierungen von Feminismus, darüber, was Erfolg im Leben ist, über Partnerwahl und Familie, konservative und progressive Familienmodelle, das Wesen eines Kinderwunsches (z.B. muss ich Kinder generell, auch fremde, toll finden, um einen authentischen Kinderwunsch haben zu dürfen?), die Erwartungen an Frauen, die Schattenseiten mancher feministischer Forderungen (nach Stärke, Unabhängigkeit, keinen Partner brauchen, Selbstverwirklichung,...) und vieles mehr. Bei mir wird das Buch emotional und gedanklich sicher noch einige Zeit nachwirken.
Micki
aus Köln
5/5
28.08.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Von miriam0000 Jackie Thomaes…
Von miriam0000 Jackie Thomaes Roman Glück ist eine fesselnde Erzählung, die geschickt die Leben mehrerer Charaktere verwoben darstellt und dabei tief in die menschliche Psyche eintaucht. Obwohl das Buch eine spezifische Thematik aufgreift, ist es auch für Leserinnen und Leser interessant, die sich selbst nicht unmittelbar davon betroffen sehen. Thomae gelingt es, universelle menschliche Erfahrungen und Gefühle zu schildern, die jedem nahegehen können. Ihre präzise und eindringliche Sprache schafft es, die Leserinnen und Leser auf jeder Seite zu fesseln und emotional zu berühren. Ein besonderer Aspekt, der den Roman zu einer hochaktuellen und bedeutenden Lektüre macht, ist Thomaes feministische Perspektive. Sie beleuchtet die Herausforderungen und Kämpfe, die Frauen in verschiedenen Lebensphasen und sozialen Kontexten durchleben müssen, ohne dabei in Klischees zu verfallen. Diese feministische Note gibt dem Buch eine zusätzliche Tiefe und Relevanz, die es aus der Menge vergleichbarer Romane heraushebt. Glück von Jackie Thomae ist ein meisterhaft erzählter Roman, der mir noch lange nach dem Umblättern der letzten Seite nachhallt. Ein potentieller Buchpreiskandidat für dieses Jahr, der wegen seiner komplexen Charaktere und durchdachten Erzählweise begeistert und zugleich zum Nachdenken anregt. Absolut empfehlenswert!
Lisa Nordsee
aus Hamburg
5/5
19.08.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der eigene Weg zum Glück
MG ist unglücklich. Sie wünscht sich ein Kind, doch nun ist sie Ende dreizig und es ist nicht einmal ein Mann in Sicht. Ihr Kinderwunsch nagt an der erfolgreichen Radiomoderatorin und scheint auch im Beruf ein Thema zu sein, dass sich manchmal nur schwer umgehen lässt.
Mein Start mit diesem Buch war holprig. Der Titel wirkte auf mich auf den ersten Blick wenig bedeutsam, das Cover gefällt mir so semigut. Sicherlich hat das auch mit der Farbe Lila zu tun, einfach nicht so meins.
Zuerst musste ich mich etwas durchkämpfen, als Leser*in verschwindet man sehr schnell zwischen den Gedankengängen der Figuren. Nach einiger Zeit hat mich gerade das allerdings auch fasziniert, denn ich konnte wahnsinnig stark mit den Figuren mitfühlen. Ich habe also einen Moment gebraucht, um die Figuren kennenzulernen, aber als ich dann an dem Punkt war, wollte ich sie auch ungern wieder verlassen.
Das Thema des Kinderwunsches und der 'biologischen Uhr' ist allgegenwärtig und leider auch eins, was noch nicht genug offen angesprochen wird. So kommt es auch, dass die Figuren oft aneinander anecken, obwohl ein direktes Wort vielleicht viel mehr lösen könnte. Aber das kennen wit schließlich auch alle aus dem echten Leben. Besonders bei den familiären Strukturen musste ich oft schmunzeln, das Buch fängt einfach diese Art von familiärer Liebe, die aber immer nur mal kurz durchblitzt, sehr gut ein. Was ich großartig fand: Hier werden sehr unterschiedliche Frauenfiguren erzählt, die allesamt ihre sehr tiefsinnigen Gedanken teilen. Besonders als Frau finde ich es sehr bestärkend, so nochmal mehr zu realisieren: Es gibt nicht das eine Idealbild. Jeder geht seinen eigenen Weg, mit oder ohne Kind und beides ist in Ordnung, solange es einem selbst so gefällt.
Am Ende habe ich den Titel des Buchs dann verstanden und nachfühlen können. Ich kann also nur empfehlen, dieses schöne Buch zu lesen und dort am Ende anzukommen.
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