Mit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 ist auch für den Schriftsteller Dror Mishani mit einem Schlag alles anders. Zwischen Luftalarm, Diskussionen mit den Teenagerkindern am Küchentisch, Freiwilligenarbeit auf Salatfeldern und dem Versuch, auch in Kriegszeiten Alltag zu leben und zu schreiben, hält Dror Mishani fest, wie der Gaza-Krieg die israelische Gesellschaft und seine Familie verändert - und hält daran fest, dass das Leid auf beiden Seiten aufhören muss.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Bewertung
Book Circle Community
5/5
27.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
7. Oktober 2023
Ein Buch eines israelischen Schriftstellers, das mich - wie fast alle Bücher, die Israel und Palästina zum Thema haben - wieder sehr erschüttert hat. Denn es ist ein Tagebuch ab dem 7. Okober 2023 und es wird nichts beschönigt, sondern es wird beschrieben, was es für eine israelische Familie heisst, in Tel Aviv zu leben. Und es wird darüber nachgedacht, wie Frieden gefunden werden kann zwischen zwei Parteien, bei dem keiner einen Schritt auf den anderen zu machen will. Wobei es aber eben der “hohe Machthaber” ist, denn Dror Mishani gehört zu den Individuen, die einen reflektierten Blick auf das Geschehen haben und bereit sind, sich auch einmal in die andere Partei zu denken.
Für mich ein informatives und wichtiges Buch, auch wenn es tatsächlich nicht viel Aussicht hat. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.
Ebenfalls absolut empfehlenswert, wer sich mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt auseinandersetzen und eben auch ein wenig Hoffnung haben will: Apeirogon von Colum McCann. Und ein Buch, welches ich auch wunderbar finde, dessen Titel schon alles sagt: Jeder soll von da, wo er ist, einen Schritt näher kommen von Navid Kermani.
Kaffeeelse
Thalia Book Circle Community
5/5
10.06.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mutige Sichten
Der 7. Oktober 2023. Wohl ein genauso ein in unserem Hirn festsitzendes Datum wie der 11. September 2001. Ein furchtbarer Tag! Und wenn dieser Tag schon für jeden von uns außerhalb von Israel ein furchtbarer Tag ist, wie wird es dann wohl den Israelis gehen? Dror Mishani gibt hier seine Sicht der Dinge wieder. Was ich sehr mutig finde! Denn Dror Mishanis Sicht trifft mitnichten die Sichten der dortigen Machthaber. Netanjahu und Konsorten werden da wohl andere Gedanken zu diesem Tag haben, wie man ihrem Tun unschwer anmerkt. Aber so ist das eben, so denkt halt ein pazifistischer und empathischer Mensch. Und diese Gedanken in einem Buch zu verfassen, rechne ich Dror Mishani hoch an. Denn seine Gedanken werden Netanjahu und seinen Parteifreunden in der Likud nicht gefallen. Zu was diese Likud in der Lage ist, wage ich mir nicht auszumalen. Denn schon ihr Tun in Gaza verrät viel über die Geisteshaltung dieser Partei. Denn ob dieser Partei das Leben der israelischen Geiseln in Gaza in irgendeiner Form am Herzen liegt, nun, ich wage das zu bezweifeln.
Dror Mishani beschreibt in seinem Buch „Fenster ohne Aussicht“ was so ein Terrorakt in einem Land anrichten kann, beschreibt dieses Danach. Diese Zeit danach. Nun hat Israel schon immer mit dem Terror zu kämpfen, immer wieder gab es in der Vergangenheit Terrorakte mit menschlichen Opfern. Und auch wenn so etwas nicht normal werden sollte, in irgendeiner Form wird es das aber. Denn ein Mensch wird nicht immer in dieser Habacht-Stellung verharren können. Irgendwann wird man abgeklärter, man nimmt hin was nicht zu verändern ist und lebt, lebt weiter. Doch dieser 7. Oktober 2023 hat hier etwas verändert. Klar bedingt dieses furchtbare Geschehen Antworten. Und auch kriegerische Antworten. Durchaus. Aber meiner Meinung nach werden hier Grenzen überschritten. Denn was soll dieses Tun in Gaza verändern? Soll dieser Krieg die Hamas vernichten oder werden nicht durch dieses anhaltende Töten weitere Gefolgsleute der Hamas generiert? Wann ist die Hamas vernichtet? Wenn kein Palästinenser mehr in Gaza lebt. Ist dies nicht ein weiterer Terrorakt, der dem schändlichen Tun am 7. Oktober 2023 in nichts nachsteht?
Dror Mishani richtet in seinem Buch das Augenmerk auf das Leben von sich und seiner Familie. Richtet sein Augenmerk auf die Veränderungen, die ihm und seiner Familie passieren. Dieser Terror generiert Angst und Angst lähmt. Angst beeinträchtigt. Angst verändert. Denn wenn so etwas Furchtbares einfach so passieren kann, kann es wieder passieren. An anderen Orten, zu weiteren Daten. Passiert es dann mir? Fragen, die sich die Israelis unweigerlich gestellt haben. Doch was macht so etwas mit den Menschen? Wer genau dies erfahren möchte, sollte zu „Fenster ohne Aussicht“ greifen. Ob nun jeder zu den Antworten von Dror Mishani gelangt, nun, ich wage dies zu bezweifeln. Aber eine Gesellschaft kommt nun einmal ohne kriegerische Aktivitäten weiter, denn diese kriegerischen Aktivitäten bündeln jede Menge Menschen. Menschen, die in anderen Zweigen des Landes deutlich besser und effektiver aufgehoben wären. Nur wenn dieses unsägliche Leid endlich aufhört, zieht wieder so etwas wie Normalität in Israel ein. Ein normales Leben! Und genau darauf sollte jeder auf dieser Welt seine Aufmerksamkeit richten, auf ein normales Leben! Auf den Frieden!
Lesen!
kaffeeelse
aus D
5/5
10.06.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mutige Sichten Der 7. Oktober…
Mutige Sichten Der 7. Oktober 2023. Wohl ein genauso ein in unserem Hirn festsitzendes Datum wie der 11. September 2001. Ein furchtbarer Tag! Und wenn dieser Tag schon für jeden von uns außerhalb von Israel ein furchtbarer Tag ist, wie wird es dann wohl den Israelis gehen? Dror Mishani gibt hier seine Sicht der Dinge wieder. Was ich sehr mutig finde! Denn Dror Mishanis Sicht trifft mitnichten die Sichten der dortigen Machthaber. Netanjahu und Konsorten werden da wohl andere Gedanken zu diesem Tag haben, wie man ihrem Tun unschwer anmerkt. Aber so ist das eben, so denkt halt ein pazifistischer und empathischer Mensch. Und diese Gedanken in einem Buch zu verfassen, rechne ich Dror Mishani hoch an. Denn seine Gedanken werden Netanjahu und seinen Parteifreunden in der Likud nicht gefallen. Zu was diese Likud in der Lage ist, wage ich mir nicht auszumalen. Denn schon ihr Tun in Gaza verrät viel über die Geisteshaltung dieser Partei. Denn ob dieser Partei das Leben der israelischen Geiseln in Gaza in irgendeiner Form am Herzen liegt, nun, ich wage das zu bezweifeln. Dror Mishani beschreibt in seinem Buch „Fenster ohne Aussicht“ was so ein Terrorakt in einem Land anrichten kann, beschreibt dieses Danach. Diese Zeit danach. Nun hat Israel schon immer mit dem Terror zu kämpfen, immer wieder gab es in der Vergangenheit Terrorakte mit menschlichen Opfern. Und auch wenn so etwas nicht normal werden sollte, in irgendeiner Form wird es das aber. Denn ein Mensch wird nicht immer in dieser Habacht-Stellung verharren können. Irgendwann wird man abgeklärter, man nimmt hin was nicht zu verändern ist und lebt, lebt weiter. Doch dieser 7. Oktober 2023 hat hier etwas verändert. Klar bedingt dieses furchtbare Geschehen Antworten. Und auch kriegerische Antworten. Durchaus. Aber meiner Meinung nach werden hier Grenzen überschritten. Denn was soll dieses Tun in Gaza verändern? Soll dieser Krieg die Hamas vernichten oder werden nicht durch dieses anhaltende Töten weitere Gefolgsleute der Hamas generiert? Wann ist die Hamas vernichtet? Wenn kein Palästinenser mehr in Gaza lebt. Ist dies nicht ein weiterer Terrorakt, der dem schändlichen Tun am 7. Oktober 2023 in nichts nachsteht? Dror Mishani richtet in seinem Buch das Augenmerk auf das Leben von sich und seiner Familie. Richtet sein Augenmerk auf die Veränderungen, die ihm und seiner Familie passieren. Dieser Terror generiert Angst und Angst lähmt. Angst beeinträchtigt. Angst verändert. Denn wenn so etwas Furchtbares einfach so passieren kann, kann es wieder passieren. An anderen Orten, zu weiteren Daten. Passiert es dann mir? Fragen, die sich die Israelis unweigerlich gestellt haben. Doch was macht so etwas mit den Menschen? Wer genau dies erfahren möchte, sollte zu „Fenster ohne Aussicht“ greifen. Ob nun jeder zu den Antworten von Dror Mishani gelangt, nun, ich wage dies zu bezweifeln. Aber eine Gesellschaft kommt nun einmal ohne kriegerische Aktivitäten weiter, denn diese kriegerischen Aktivitäten bündeln jede Menge Menschen. Menschen, die in anderen Zweigen des Landes deutlich besser und effektiver aufgehoben wären. Nur wenn dieses unsägliche Leid endlich aufhört, zieht wieder so etwas wie Normalität in Israel ein. Ein normales Leben! Und genau darauf sollte jeder auf dieser Welt seine Aufmerksamkeit richten, auf ein normales Leben! Auf den Frieden! Lesen!
begine
aus Lemwerder
5/5
24.07.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Tagebuch des Autors
Der israelische Schriftsteller Dror Mishani ist bekannt mit seinen Kriminalromanen.
Fenster ohne Aussicht ist ganz anders, er befindet am 7.Oktober.
Der Autor ist in Frankreich auf einer Lesereise, als er von dem Anschlag erfährt. Sein Schwiegervater hat eine Ausreise für seine Frau und die Kinder organisiert, aber die will in Tel Aviv bleiben. Dror fligt sofort zurück.
Drors Emotionen, waren mir aus der Seele gesprochen. Der 7. Oktober war katastrophal, aber wievielte Leute sind seitdem sind seitdem gestorben.
Das Tagebuch hat mich total berührt. Es ist ein empfehlenswertes eindrucksvolles Werk.
Lia48
4/5
20.09.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Terrorangriff der Hamas auf Israel & Krieg in Gaza - bedrückend, nachdenklich & informativ!
(C. N.: Terror, Massenmorde, se*uelle, körperliche & psychische Gewalt, Krieg, Entführung, Armut)
----
INHALT:
Dror Mishani befindet sich als Autor für Lesungen und Veranstaltungen in Toulouse, wo ein Krimifestival stattfindet, als von Gaza aus Raketen auf seine Heimat Tel Aviv abgefeuert werden.
Eigentlich keine Besonderheit, schließlich geschieht dies alle paar Monate und das Raketen-Abwehrsystem „Iron Dome“, gilt als relativ zuverlässig.
Dass sich die Situation diesmal deutlich ernstzunehmender darstellt, begreift er, als er die Videos und Berichte auf israelischen Nachrichtenseiten sieht und seine Frau Martha ihn aus dem Schutzbunker anruft, in dem sie sich mit den Kindern versteckt hält.
Es ist der 07. Oktober 2023, der später auch als „Schwarzer Schabbat“ in die Geschichte eingehen wird, an dem sich der schreckliche Terrorangriff der Hamas auf Israel ereignet.
Hamas-Kämpfer durchbrechen den Grenzzaun des Gazastreifens auf Motorrädern und weißen Pick-ups, tragen Maschinengewehre, Granatwerfer und Munitionsgürtel und schießen wahllos um sich. Sie begehen einen Massenmord an Zivilisten und stellen Videos von brutalen Tötungen, Vergewa*tigungen und Entführungen ins Netz.
Mishani kehrt zurück zu seiner Familie, befürchtet aber, dass Israels Antwort eine Großoffensive sein wird und sie in einen längeren und größeren Krieg schlittern könnten. Denn er als Jude, kennt „das Grauen“, „das die israelische Seele bestimmt.“
Während sich Kampf und Leid immer mehr nach Gaza verlagern und die Israelis nach und nach wieder anfangen, in den Alltag zu finden, macht sich Dror Mishani allerlei Gedanken.
Er spricht sich dafür aus, „dass das Leid auf beiden Seiten aufhören muss.“
Als er beginnt, Tagebuch zu schreiben, hält er fest, wie sich der Krieg auf die Bevölkerung auswirkt, was er auf den Straßen sieht, wem er begegnet und vor allem, was ihm dabei durch den Kopf geht.
Seine eigenen Kriminalromane erscheinen ihm plötzlich so bedeutungslos bei all dem realen Krieg auf den Straßen. Und doch findet er schließlich wieder Trost und Hoffnung durch die Literatur …
„Der Geschmack der Literatur ist jetzt stärker denn je. Die Literatur rettet dir das Leben.“
----
MEINUNG:
Es fiel mir nicht unbedingt einfach, mich nochmals mit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel zu befassen. All die Morde und brutalen Verbrechen an Menschen. Man mag sich nicht vorstellen, mit welchem Leid das für die Betroffenen und Angehörigen verbunden sein muss und wie schlimm die Zustände vor allem in Gaza noch immer sind.
Dennoch finde ich es interessant und wichtig, auch die Menschen von dort zur Sprache kommen zu lassen, ihre Geschichten und Blickwinkel kennenzulernen und politische Zusammenhänge zu verstehen.
Dazu kann auch Mishanis Buch einen kleinen Teil beitragen. Eindrücklich schildert er seine Sicht der Dinge.
Vor allem seine kreisenden Gedanken und Gefühle fand ich authentisch dargestellt.
Ich konnte gut nachvollziehen, dass er Ängste hat, was seine Kinder und die Zukunft angeht.
Auch, dass er erst so schockiert ist, dass ihm z. B. fiktive Literatur plötzlich sehr nebensächlich vorkommt, fand ich plausibel, wenn die Realität so viel schlimmer und erschreckender ist:
„Ich versuche, einen Roman zu lesen (…), schaffe es aber nicht. Er erzählt eine ausgedachte Geschichte über einen fiktiven Menschen, und die Sätze haben kein Gewicht, lösen sich in der dunklen Flugzeugkabine förmlich auf.“
Beim Lesen habe ich mich mehrmals gefragt, ob und in welcher Form wir die Auswirkungen des Terrorangriffs und des Gazakrieges in Dror Mishanis zukünftigen Büchern zu lesen bekommen werden. Ich denke, solche Erlebnisse können einen Menschen sehr prägen.
Er selbst stellt zahlreiche Überlegungen an, hadert mit seinen „bedeutungslosen“ Geschichten und bekommt das Verlangen, mehr vom echten Leben zu erzählen. Einige Ideen hält er auch in seinem Tagebuch fest, welches in die hiesige Lektüre eingebunden wurde.
Insgesamt sind es neben den Gedanken, zahlreiche kurze Szenen aus dem neuen Alltag, die einem im Buch begegnen und ein Abbild vom Leben nach dem Terroranschlag zeigen.
Mir konnte die Lektüre nicht nur die Situation in Israel näherbringen, sondern auch ein Stück weit Mishani selbst, als Person.
Ich kann mir vorstellen, dass man seine Romane danach mit anderen Augen liest, wenn man mehr über ihn und seine Geschichte weiß.
Dass er auch über Missstände und die humanitäre Katastrophe in Gaza schreibt, fand ich bemerkenswert. Mir zeigt es, dass er trotz des Terrors in Israel versucht, beide Seiten zu verstehen. Und gleichzeitig kann ich mir vorstellen, dass dies für direkt Betroffene vielleicht gar nicht möglich ist, wenn das eigene Leid so groß ist, dass man über das nackte Überleben kämpfen muss …
----
FAZIT: Dror Mishani erzählt vom Terrorangriff der Hamas auf Israel, vom Gazakrieg und von dessen Auswirkungen, vor allem auf den Alltag der Israeli, ohne dabei den Blick für „die andere Seite“ zu verlieren. Ein informatives, eher bedrückendes Buch mit kleinen Lichtblicken, welches mich sehr nachdenklich zurücklässt. 4/5 Sterne!
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.