Jugoslawien, 1943. Eine kleine versprengte Truppe wacher, verzweifelter Männer flieht in den Wald, nachdem sie ein Munitionsdepot der italienischen Besatzer überfallen hat. Ihre Beute: Dynamit und Zünder für den Widerstand. Einer stirbt für den anderen, damit der Rest an einem anderen Tag weiterkämpfen kann. Darunter ist der junge Andrej, dessen Dorf in Slowenien von den Faschisten dem Erdboden gleichgemacht wurde und der hier in ebenfalls versprengten Serben und Kroaten Gleichgesinnte gefunden hat. Doch die rettende Holzbrücke wurde vom Hochwasser fortgerissen und die Verfolger sind nicht mehr weit ...
Nach dem kurzen, mächtigen Roman über das Massaker von Lidice verneigt sich Kersh nun vor den Menschen des Widerstands, vor aufrechten Menschen, denen ein inneres Licht innewohnt, das in der Dunkelheit sichtbar wird und zur Hoffnung der Menschheit gerät.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
MarcoL
aus Füssen
5/5
17.07.2024
Buch (Taschenbuch)
Heftige Bilder einer kurzen…
Heftige Bilder einer kurzen Episode im Jugoslawischen Widerstand von 1943 Ohne Triggerwarnung kann ich diese Rezension nicht starten, denn es werden Gräuel von Menschen an Menschen erwähnt, wie sie nur Menschen erfinden und ausüben können. Ob Krieg oder nicht ist da beinahe schon irrelevant. Eine Gruppe von Widerstandskämpfern macht sich 1943 im ehemaligen Jugoslawien auf, um den verfeindeten italienischen Faschisten ein Waffendepot mit Dynamit zu plündern. Im Schutze des Regens und der Nacht scheint der Coup zu gelingen, doch sie werden entdeckt, erleiden bittere Verluste und müssen fliehen. Die anhaltenden Regenfälle ließen den Fluss Bistrica anschwellen, die rettende Brücke wurde fortgerissen. Die verbliebenen neun Männer saßen in der Falle, hatten maximal eine Stunde Vorsprung. Klemen, der zwar nicht das Kommando hatte, forderte seine Mitstreiter auf, mit ein paar Baumstämmen einen Behelfsübergang zu bauen. S.77: „Es war eigenartig, wie Klemen uns von seinem Platz aus über den Strom hinweg zu verstehen gab, wie die Sache nach seiner Vorstellung angepackt werden sollte. Alles arbeitete mit ihm zusammen. Ein Hirn und zehn Finger, das kam einem in den Sinn.“ Obwohl sich alle sicher waren, dass dies wohl die einzige Rettung sein dürfte, regte sich in manchen Gemüter der Wille trotz des Überlebenskampfes, bis zum bitteren Ende zu kämpfen und noch ein paar der verhassten Faschisten mit in den Tod zu reißen. Was wird wohl gelingen? Was teilweise wie ein Abenteuerroman anmutet, ist bitterster Ernst mitten im Gewimmel des Zweiten Weltkrieges. Ganze Dörfer wurden in Jugoslawien von den Italienern ausradiert. Menschen, ob Greise oder Babys, niedergemetzelt. Die Widerstandskämpfer hatten schon genug gesehen und erlebt, waren allesamt stark traumatisiert, aber sie waren eine Truppe von Slowenen, Serben, Kroaten, die für eine einzige Sache wie ein Mann einstanden. Kersh lässt abwechselnd mehrere Männer der Truppe erzählen. Der junge, siebzehnjährige Andrej erzählt, genauso wie der erfahrene Klemen. Oder Jeriza, eine junge Frau, die auf der anderen Seite der weggespülten Brücke auf die Truppe wartet. Trotz all der schwere des Themas, der Brutalität des Krieges (und ja, manchmal muss man tief durchatmen dabei) kommt die Erzählung leicht, flüssig daher, und vor allem sehr bildhaft. Die Ansichten der verschiedenen Charaktere mit all ihren Ängsten, Sorgen, Nöten, aber auch Hoffnungen und Blicke auf ihre Vergangenheit sind stilistisch ein perfektes Zusammenspiel. Während des Lesens ist man selbst an der Brücke, kennt seine Mitstreiter in und auswendig, packt an, hilft mit und hört die Kugeln um den eigenen Kopf pfeifen, während der Fluss sich zu einem brüllenden Monster aufbäumt. Ganz große Erzählkunst ist das. – und somit eine ganz große Leseempfehlung trotz oder vielleicht gerade wegen des Themas.
MarcoL
aus Füssen
5/5
17.07.2024
Buch (Taschenbuch)
Heftige Bilder einer kurzen Episode im Jugoslawischen Widerstand von 1943
Ohne Triggerwarnung kann ich diese Rezension nicht starten, denn es werden Gräuel von Menschen an Menschen erwähnt, wie sie nur Menschen erfinden und ausüben können. Ob Krieg oder nicht ist da beinahe schon irrelevant.
Eine Gruppe von Widerstandskämpfern macht sich 1943 im ehemaligen Jugoslawien auf, um ein Waffendepot mit Dynamit zu plündern. Im Schutze des Regens und der Nacht scheint der Coup zu gelingen, doch sie werden entdeckt, erleiden bittere Verluste und müssen fliehen. Die anhaltenden Regenfälle ließen den Fluss Bistrica anschwellen, die rettende Brücke wurde fortgerissen. Die verbliebenen neun Männer saßen in der Falle, hatten maximal eine Stunde Vorsprung. Klemen, der zwar nicht das Kommando hatte, forderte seine Mitstreiter auf, mit ein paar Baumstämmen einen Behelfsübergang zu bauen.
S.77: „Es war eigenartig, wie Klemen uns von seinem Platz aus über den Strom hinweg zu verstehen gab, wie die Sache nach seiner Vorstellung angepackt werden sollte. Alles arbeitete mit ihm zusammen. Ein Hirn und zehn Finger, das kam einem in den Sinn.“
Obwohl sich alle sicher waren, dass dies wohl die einzige Rettung sein dürfte, regte sich in manchen Gemüter der Wille trotz des Überlebenskampfes, bis zum bitteren Ende zu kämpfen. Was wird wohl gelingen?
Was teilweise wie ein Abenteuerroman anmutet, ist bitterster Ernst mitten im Gewimmel des Zweiten Weltkrieges. Ganze Dörfer wurden in Jugoslawien von den Italienern ausradiert. Menschen, ob Greise oder Babys, niedergemetzelt.
Die Widerstandskämpfer hatten schon genug gesehen und erlebt, waren allesamt stark traumatisiert, aber sie waren eine Truppe von Slowenen, Serben, Kroaten, die für eine einzige Sache wie ein Mann einstanden.
Kersh lässt abwechselnd mehrere Männer der Truppe erzählen. Der junge, siebzehnjährige Andrej erzählt, genauso wie der erfahrene Klemen. Oder Jeriza, eine junge Frau, die auf der anderen Seite der weggespülten Brücke auf die Truppe wartet.
Trotz all der schwere des Themas, der Brutalität des Krieges (und ja, manchmal muss man tief durchatmen dabei) kommt die Erzählung leicht, flüssig daher, und vor allem sehr bildhaft. Die Ansichten der verschiedenen Charaktere mit all ihren Ängsten, Sorgen, Nöten, aber auch Hoffnungen und Blicke auf ihre Vergangenheit sind stilistisch ein perfektes Zusammenspiel. Während des Lesens ist man selbst an der Brücke, kennt seine Mitstreiter in und auswendig, packt an, hilft mit und hört die Kugeln um den eigenen Kopf pfeifen, während der Fluss sich zu einem brüllenden Monster aufbäumt. Ganz große Erzählkunst ist das. – und somit eine ganz große Leseempfehlung trotz oder vielleicht gerade wegen des Themas.
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