Jeannine lebt in New York City - aber nicht in einer Welt, wie wir sie kennen: Hier hat die Weltwirtschaftskrise nie aufgehört und der Zweite Weltkrieg nie stattgefunden. Auch eine feministische Bewegung ist kaum vorstellbar.
Da taucht plötzlich, mitten auf der Straße, eine geheimnisvolle Frau auf: Janet Everson hat es von dem futuristischen Planeten Whileaway, wo alle Männer vor 800 Jahren von einer Seuche dahingerafft wurden, hierher verschlagen. Janet entführt Jeannine auf eine Reise durch Raum und Zeit, auf Welten, wo sich die Beziehungen zwischen den Geschlechtern grundlegend von allem unterscheiden, was Jeannine je zu träumen wagte.
Der zweite Band der Werkausgabe von Joanna Russ enthält ihr avantgardistisches Meisterwerk >Der weibliche Mann<, einen Essay, in dem sie sich mit dem Science-Fiction-Genre auseinandersetzt, sowie eine Auswahl ihrer Rezensionen.
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Die Geschichte der J’s - Ein Science Fiction Klassiker
Fynn Fish aus Dessau am 01.07.2025
Bewertungsnummer: 2529033
Bewertet: eBook (ePUB)
Ich habe mich riesig über die deutsche Veröffentlichung der Werkausgabe von Joanna Russ gefreut. Vor einigen Jahren habe ich ihre Romane entdeckt und auf Englisch gelesen. Selbst in der Originalsprache sind einige ihrer Werke nur noch eingeschränkt verfügbar.
Gerade bei The Female Man verlangt der Roman durch die zahlreichen Perspektivwechsel und die Sprünge zwischen den Welten einiges ab. Die deutsche Fassung erleichtert da den Zugang.
Der Roman ist keine typische Massen Science Fiction. Hier werden durchdachte Welten geboten, aber keine oberflächlichen Erläuterungen. Thematisch bleibt der Roman immer noch erschreckend aktuell.
Der Anhang mit ausgewählten Essays und einem Kommentar zum Werk von Joanna Russ ist ebenfalls sehr zu empfehlen.
Andere Welten, dieselben Muster
Bewertung (Mitglied der Book Circle Community) am 14.04.2026
Bewertungsnummer: 3109325
Bewertet: eBook (ePUB)
Der Roman, den ich hier meine, ist „Der weibliche Mann“, enthalten in „Erwachende Welten: Werke 2„. Joanna Russ hat ihn 1975 veröffentlicht, und man merkt dem Buch an, dass es aus einer Zeit kommt, in der feministische Wut nicht mehr höflich sein wollte. Das hat Kraft. Und genau diese Kraft ist es auch, die mich beim Lesen immer wieder gepackt hat.
Einfach ist dieser Roman allerdings überhaupt nicht. Am Anfang hatte ich ehrlich gesagt enorme Mühe. Die Welten wechseln, die Ich-Stimmen wechseln, und oft ist überhaupt nicht sofort klar, wer gerade spricht und wo man sich befindet. Ich habe vieles zuerst falsch gelesen, weil ich dachte, die Ich-Erzählerin bleibe dieselbe. Erst als ich begriffen hatte, dass genau das nicht der Fall ist, kam ich besser hinein. Ganz leicht wurde es trotzdem nie. Das Buch verlangt sehr viel Aufmerksamkeit und gibt einem dabei oft erstaunlich wenig Halt.
Sprachlich und formal ist das schon interessant. Joanna Russ schreibt scharf, bissig, manchmal fast geisterhaft oder zersplittert. Vieles hat Wucht. Gleichzeitig hatte ich aber auch immer wieder das Gefühl, dass nicht jede Irritation automatisch literarisch sinnvoll ist. Manche Verunsicherungen haben für mich etwas eröffnet, andere haben mich eher aus dem Text geworfen.
Inhaltlich ist der Roman klar feministisch, aber nicht sanft, nicht ausgleichend und schon gar nicht beschönigend. Männerherrschaft, Gewalt, Verachtung, Rollenzwang, sexuelle Machtverhältnisse – all das wird hier mit einer Härte gezeigt, die stellenweise fast schon unerbittlich ist. Das Buch ist darin konsequent, vielleicht sogar erschreckend konsequent. Ich würde schon sagen: Man spürt, dass hier mit Wut geschrieben wurde. Fast so, als sei die Autorin wirklich fed up gewesen mit all diesen Mustern.
Mein Problem war nur: Der Roman kehrt immer wieder auf dieselbe Achse zurück. Sexualität, männliche Macht, weibliche Verstrickung, patriarchale Skripte – das ist stark, aber auf Dauer wurde es mir zu einseitig. Nicht, weil es zu viele Sexszenen gäbe, sondern weil sich fast alles auf diese eine Grundfrage zurückbiegt. Irgendwann dachte ich: Ja, ich habe es verstanden. Aber gibt es noch ein zweites Problem? Noch eine andere Bewegung? Noch etwas anderes als immer wieder dieselbe Falle?
Dazu kommt für mich, dass der Roman in seiner Diagnose oft zu fatalistisch bleibt. Er zeigt sehr präzise, wie falsch diese Ordnung ist, aber viel seltener, was daraus folgen könnte. Mein Eindruck war immer wieder: Das Buch sagt ununterbrochen, wie kalt und nass der Regen ist, nimmt aber den Schirm nicht mit von zu Hause. Besonders deutlich wurde das für mich an Janet. Sie ist eigentlich die Figur, die zeigt, dass es anders gehen könnte. Sie kommt aus einer anderen Welt, durchschaut männliches Verhalten sofort und erkennt Übergriffigkeit als das, was sie ist. Aber obwohl die anderen Figuren Janet bewundern, lieben oder zu ihr aufschauen, scheint daraus erstaunlich wenig zu folgen. Es wird zu wenig gelernt, zu wenig bewegt, zu wenig wirklich verändert. Gerade das fand ich schade.
Trotzdem würde ich den Roman nicht schlecht nennen. Dafür ist er zu eigen, zu mutig und in manchen Passagen auch zu stark. Vor allem dort, wo er nicht einfach Frauen gegen Männer stellt, sondern zeigt, wie Macht selbst Menschen deformiert, wird er für mich wirklich interessant. Aber ich habe ihn eben nicht als befreiendes Buch gelesen, sondern als ein oft bitteres, überzeichnetes und stellenweise fast schon beklemmend fatalistisches Buch.
Am Ende bin ich froh, dass ich ihn gelesen habe. Geliebt habe ich ihn nicht. Aber er hat mich beschäftigt, gereizt, oft genervt und manchmal wirklich beeindruckt. Und vielleicht ist das bei einem Buch wie diesem schon sehr viel.
Weitere Rezensionen auf Deutsch findest du auf meinem Goodreads- und LovelyBooks-Profil
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