Asuncion, Bogota, Buenos Aires, Bukarest, Danzig, Hanoi, Kathmandu, Montevideo, Memphis, New York, Santiago de Chile, Seoul, Tiflis, Tirana, Ulaanbaatar, Zürich – das sind nur einige der Stationen auf der Weltreise von Rainer Zitelmann. Der Historiker und Soziologe hat in 20 Monaten 30 Länder auf vier Kontinenten bereist und dabei 260.000 Kilometer zurückgelegt.
Der Autor präsentiert eine spannende Mischung aus persönlichen Reiseeindrücken, historischen Recherchen, Ergebnissen internationaler Umfragen und vor allem Hunderten von Gesprächen mit Ökonomen, Unternehmern, Journalisten, Politikern und einfachen Menschen in diesen Ländern. Dieses Hörbuch lässt die Hörer die 30 Länder gründlicher erfahren, als es jede touristische Visite vermag. Vorgestellt werden die Gesellschaften und ihre Hintergründe, die Nationen mit ihrer Geschichte und ihrer Zukunft. Aus der Perspektive eines intellektuellen Freiheitsfreundes wird gezeigt, wie Armut und Reichtum entstehen.
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Wenn ich eines bedaure, dann,…
LichtundSchatten am 31.05.2024
Bewertungsnummer: 2862077
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Wenn ich eines bedaure, dann, dass ich in meinem Leben nicht mehr Nachrichten von anderen Länder gehört habe. Der Kontrafunk mit Sitz in der Schweiz bietet heute Informationen immerhin zu drei Ländern, die zumindest von der Sprache her zusammengehören. Und doch gibt es dramatische Unterschiede, z.B. in Sachen direkte Demokratie, die bei uns in Deutschland nicht opportun ist, weil wir nicht dafür geeignet wären, so erinnere ich eine Aussage von Schäuble. Von Frankreich dagegen weiß ich so gut wie nichts, die Sprachbarriere verhindert einen guten Austausch von gegenseitigem Wissen, obwohl das Elsass so nahe ist. Demokratie bedeutet nicht zu allem Ja sagen, sondern misstrauisch zu sein. Denn die meisten Politiker in Deutschland melden sich nur kurz vor Wahlen bei ihrem Volk, zwischendrin darf man sie nicht stören und muss den vereinigten Propagandamedien lauschen. Aber in der Schweiz ist das anders, dort ist das Volk der Souverän und kann falsche Entscheidungen auch während einer Legislaturperiode korrigieren. Offensichtlich führt dies zu einer höheren Zufriedenheit aller und zu besseren Entscheidungen. „Im Index der wirtschaftlichen Freiheit steht die Schweiz zwei von 176 Ländern, nur 0,1 Punkte hinter dem Spitzenreiter Singapur.“ Das erste Reiseziel von Rainer Zitelmann war also die Schweiz, das kapitalistischste Land der Welt. In Zürich unterhält er sich mit Liberalen/Libertären, um den aktuellen Einstellungen auf die Spur zu kommen. Dr. Dr. Rainer Zitelmann hat mit eigenen Geld in allen besuchten Ländern Umfragen zum Kapitalismus durchgeführt, also zur wirtschaftlichen Freiheit und welche Zügel ihr angelegt werden bzw. was die Menschen darüber denken. Nicht alle Menschen in der Schweiz sehen die Volksabstimmungen jedoch positiv, ihre Ziele und Inhalte werden ebenso von großen Medienhäusern, NGOs etc. beeinflusst und gedreht wie das bei uns der Fall ist. Tatsächlich ist man auch in der Schweiz dem Kapitalismus gegenüber eher kritisch gestimmt. Das hat mich überrascht. Die süßen Verlockungen des Sozialismus als einem Cocktail aus Gerechtigkeit, Integration und Vielfalt ziehen überall Menschen in ihren Bann, merkwürdigerweise vor allem auch dann, wenn man vom Staat profitiert, in dem man z.B. als Beamter oder sonstiger Begünstigter (Arzt, Rechtsanwalt) relativ weit oben an der Einkommensskala steht. Hier greift bei vielen die so gut aussehende sozial anheimelnde Scheinheiligkeit bzw. das schlechte Gewissen, um den Armen etwas „zukommen zu lassen.“ Gerne auch rein verbal. Das Buch bzw. die Reisen von Rainer Zitelmann haben mich fasziniert und viele Hintergründe aufgedeckt, die ich nicht kannte. Insgesamt eine sehr gelungene Mischung aus persönlichem Erleben und dem Kampf gegen das zuckerige, immer scheiternde Gift des Sozialismus. Es ist leicht heute das Scheitern kollektiver Systeme (verbal) kennenzulernen, und doch unternehmen wenige die Reise dorthin. Alle Bücher von Rainer Zitelmann eignen sich dafür bestens, er hat Verbindungen aufgedeckt, die einfach bestechen. Empirie und persönliche Gespräche, nur so entstehen Bilder, die verdeutlichen und klar machen, wer letzten Endes die Menschheit aus der Armut geführt hat und Menschen mehr motiviert als alle Gleichmachereien. Zum Thema Russland: Rainer Zitelmann war Mitglied der Russisch Orthodoxen Kirche, ist aber mit dem Ukraine Krieg dort ausgetreten. Ich sehe das Thema nicht so schwarz-weiss und würde die Literatur von Iwan Iljin oder Alexander Dugin als Kontrast empfehlen. Wer die Russisch-Orthodoxe Kirche kennt, muss um die völlig andere Kultur wissen, die Russland prägt. Die Menschen dort wurden zweimal vom kollektiven Wahn überfallen und wehrten sich dagegen. Heute sitzen sie einem wie auch immer gearteten Staatslenker auf, der ihnen wichtige Dinge vorenthält. Trotzdem atmet die russische Seele anders, sie hat eine ganze eigene Kraft, die den Oberen oben sein lässt, im Übrigen aber tut was sie für richtig hält. Global denkende Unternehmen und Präsidenten/Kanzler wollen einen unipolare Welt, in der sich alle Menschen gleich verhalten und entsprechend mit Produkten versorgt werden können. Die russische Seele lehnt das ab und fordert, dass jede Kultur, jeder Nation die Anerkennung ihrer eigenen Wahl und Traditionen hat. Man stellt sich in der Person von Putin (über 70% der Bevölkerung steht hinter ihm) der Diktatur finanzorientierter Eliten, dem Great Reset und der verfallenden Kultur des Westens entgegen. Jeder mag dazu den letzten Eurovision Song Contest anschauen. Wichtigste Erkenntnis des Buches: „Niedrigere Steuern führen zu höherem Wachstum und im Ergebnis zu höheren Steuereinnahmen für den Staat.“ Leichte Kritik: a) Gewünscht hätte ich mir eine kurze Zusammenfassung der Reisen. b)Lifestyle/sexuelle Präferenzen oder die Anzahl der Freundinnen/Partnerinnen interessieren niemanden. Sehr gut an Dr. Dr. Zitelmann ist, dass er den fairen Austausch mit Andersdenkenden sucht und findet. Z.B. „Zitelmann und Herrmann an der Uni Tübingen.“
Inhaltlich ist das Buch…
Frank aus Bockau am 19.06.2024
Bewertungsnummer: 2866326
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Inhaltlich ist das Buch absolut interessant. Der Ansatz, im Vorfeld Umfragen zu machen und anschließend Gespräche mit den Einheimischen (im weiteren Sinne) zu führen, um die Kultur und die Geschichte der Länder und die Einstellung der Menschen zur Marktwirtschaft oder zum Sozialismus zu verstehen, ist fabelhaft. Die Art und Weise, wie Dr. Zitelmann schreibt, empfand ich etwas flach. Es ist meines Erachtens kein Kompliment, wenn man als Autor gesagt bekommt, Sie schreiben, wie man spricht. Die Anekdoten über seine Freundinnen, die Dr. Zitelmann zu seinen Reisen einlädt, lassen das ganze Buch unseriöser erscheinen, als es ist. Das ist schade, vor allem weil Dr. Zitelmann für die Umfragen und für die Reisen für das Buch viel Geld in die Hand nahm.
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