Zu Beginn der Fünfzigerjahre lernt die bereits verwitwete Vera in Gestalt eines hohen Verwaltungsbeamten den Mann ihres Lebens kennen und erfährt an dessen Seite einen nachhaltigen gesellschaftlichen Aufstieg. Dass die Vergangenheit ihres Mannes, insbesondere, was seine Tätigkeit im Krieg betrifft, dabei weitestgehend im Dunkeln bleibt, interessiert zu jener Zeit so gut wie niemanden.
Auch als sich zur Mitte der Sechzigerjahre der gesellschaftliche Wind zu drehen beginnt, und Veras Mann am Rande eines Prozesses unerwartet nochmals mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird, hat dies noch keine unmittelbaren Auswirkungen auf dessen Karriere. Irgendwann ist der Wandel jedoch nicht mehr zu ignorieren, und die damit verbundenen Irritationen beginnen, mit zunehmender Zeit auch im ehelichen Gefüge ihre Spuren zu hinterlassen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Annette
5/5
26.08.2025
Buch (Taschenbuch)
Sehr gutes Buch über eine Beziehung in der Nachkriegszeit
Das Buch " Die innere Ordnung " von Harald Siehl ist ein gesellschaftskritisches Buch über eine Ehe in der Nachkriegszeit.
Die Witwe Vera heiratet wieder und zwar einen Beamten, der noch Altlasten aus der Vergangenheit mit sich trägt.
Es wird die Entwicklung der Ehe und ihrer Beziehung beschrieben, wie sie vielleicht für die damalige Zeit typisch war, vor allem in diesen Kreisen. Es ist sehr lebensnah und auch leicht geschrieben,aber auch sehr ehrlich Das hat mir gut gefallen. Aus heutiger Sicht mag es befremdlich sein, aber es hilft einem manches besser zu verstehen, besonders wenn man Menschen in der Verwandtschaft hat.
Ich kann das Buch weiterempfehlen!
Bewertung
5/5
22.08.2025
Buch (Taschenbuch)
Die Rolle der Frau in den 50er und 60er Jahren
Die Kriegswitwe Vera, alleinerziehende Mutter, heiratet zu Beginn der 50er Jahre einen hohen Verwaltungsbeamten. Dass die Hochzeit nicht nur der Liebe geschuldet ist, sondern vor allem dem Gedanken, sich und ihr Kind versorgt zu wissen, ist offensichtlich. Bedenkt man jedoch wie schwer es Frauen in der damaligen Zeit, mit Kindern und alleinerziehend noch dazu, hatten ist es nur allzu verständlich welche Gedanken Vera leiten.
Nach der Hochzeit erfolgt rasch der gesellschaftliche Aufstieg mit. Eigenes Haus, Urlaube in Italien, gute Schulen und Ausbildung für Veras Sohn. Wir erleben mit Vera und Eberhard die Wirtschaftswunderjahre. Eine Zeit, die Vera sehr genießt, muss sie sich doch keine finanziellen Sorgen mehr machen. Sie zahlt dafür jedoch auch einen hohen Preis. Die Rolle der Frau in der damaligen Zeit war klar definiert: Herd, Kinder, Haushalt....und Eberhard gibt den überlegenen Patriarchen für den Frauen genau diese Rolle zu erfüllen haben und mehr nicht. Dass Vera wesentlich schlauer ist als er vermutet, auf geschickte Art und Weise seinen Anordnungen nicht immer Folge leistet.......der kluge Eberhard wird öfters hinters Licht geführt.
Dann bekommt die Fassade jedoch Schrammen: auf einmal wird Eberhards Vergangenheit während der Nazizeit wieder lebendig. Vera, die die ganze Zeit ahnte, dass Eberhard keine reine Weste hatte, dies jedoch lieber ignorierte, muss um den Wohlstand und das Ansehen fürchten. Jedoch gelingt es ihrem Mann geschickt, Beschuldigungen auszuweichen und Fragen vom Tisch zu wischen.
Doch die Zeit bleibt nicht stehen und auch Vera entwickelt sich weiter....
Für mich war es ein ungewöhnliches, ja außergewöhnliches Buch. Aufgrund des etwas gewöhnungsbedürftigen Schreibstils war ich anfangs versucht, es erst einmal wieder weg zu legen. Dann jedoch konnte ich gar nicht mehr aufhören und hatte es innerhalb eines Tages durch. Es zeigt sehr gut die Rolle der Frau in der damaligen Zeit, die Sehnsucht nach einem Versorger und die dunklen Geheimnisse der Vergangenheit auf. Eberhard bleibt für mich mysteriös, verschwommen, so wieder Mann auf dem Cover. Vera wäre in der heutigen Zeit sicher eine taffe, eigenständige Frau geworden, der niemand ein X für ein U vormachen hätte können. Gerade das Ende des Buches, Veras Umgang mit dem Tod ihres Mannes zeigt das für mich ganz deutlich.
Fazit: Sehr empfehlenswert, auch wenn man vielleicht etwas länger braucht, um sich an den Stil und die Ausdrucksweise zu gewöhnen. Es lohnt sich auf jeden Fall!
Zuckerblueten
5/5
04.05.2025
Buch (Taschenbuch)
Von der Wertigkeit des Lebens
Vera ist eine junge Mutter, die durch den Krieg ihren Mann verloren hat. Die Nachkriegsjahre erweisen sich, wie für viele andere auch, als schwierig. Sie lebt in einfachen Verhältnissen, wohnt über der Wäscherei, in der sie halbtags arbeitet und erzieht ihren Jungen mit all ihren Möglichkeiten. Durch einen Zufall lernt sie den Verwaltungsbeamten Eberhard kennen und verliebt sich in ihn. Die Heirat mit ihm verhilft ihr zum gesellschaftlichen Aufstieg.
Sie genießt ihre neue Rolle. Die Zeit des Verzichts ist vorbei. Es ist genug Geld vorhanden, um das Leben schön zu gestalten. Auch ihr gesellschaftliches Ansehen ist natürlich gestiegen. Eberhard klettert stetig auf der Karriereleiter und landet irgendwann im Direktorium. Für die Menschen ist sie die Gattin des hohen Beamten und gleichermaßen begegnen sie ihr: voller Respekt, mit gebührlichem Abstand.
Die Jahre vergehen und Vera sieht sich in ihren Wünschen erfüllt. Ihr Junge besucht die höhere Schule, studiert und macht einen entsprechenden Abschluss. Sie selbst fährt ein teures Auto, genießt Ausflüge und Reisen, kleidet sich stilvoll, zeigt sich auf Empfängen und Anlässen als lobenswerte Ehefrau. Natürlich weiß sie, dass sie Eberhard dies zu verdanken hat. Doch irgendwann kommt die Frage nach Eberhards Vergangenheit auf. Welche Schuld hat er während des Krieges auf sich geladen? Das zu hinterfragen bleibt für Vera eine Frage des Gewissens...
Zu Beginn hatte ich mir etwas anderes von diesem Buch erwartet. Ich ging davon aus, dass es deutlich mehr um Eberhards Vergangenheit und seine Stellung im Krieg gehen würde. Stattdessen taucht der Leser in das Leben, den Alltag von Vera und ihren Gedanken ein. Man begleitet sie über die Jahre und merkt rasch, wohin sich die Wertigkeiten dieser jungen Frau ab ihrer Hochzeit verschoben. Sie selbst bezeichnet Eberhard als "glückliche Fügung", sie liebt den neuen Lebensstil, nimmt ihre Rolle als perfekte Ehefrau gelungen wahr. "Die Etikette muss stimmen...", das zeigt sie mit ihren Kleidern, ihrem Auftreten, ihrem Handeln. Positiv anzumerken ist jedoch, dass sie Eberhard tatsächlich liebte, auch wenn über die Jahre hinweg die gesellschaftlichen Verpflichtungen häufig an vorderster Reihe kamen. Sie war sich ihrer Stellung sehr bewusst, ebenso der Verantwortung die damit einherging. Alles musste funktionieren.
Wahrscheinlich lassen sich damit auch der Buchtitel sowie Veras Leben am besten beschreiben. Gefühle und Emotionen blieben im Hintergrund. Der Alltag und die gesellschaftliche Stellung brachten feste Regeln mit sich. Doch für mich scheint es so, als hätte sich Vera wunderbar damit arrangiert. Das beweist sich auch am Ende des Buches.
Zugegeben, der Schreibstil erfordert an manchen Stellen viel Aufmerksamkeit. Doch es lohnt sich tatsächlich dranzubleiben, um in Veras Leben einzutauchen. Wahrscheinlich steht sie für nicht wenige Frauen der Nachkriegszeit, die sich nach einem besseren Leben und gesicherten Umständen gesehnt haben und bereit waren, dafür einen gewissen Preis zu zahlen. In meinen Augen absolut nichts Verwerfliches, da ich nicht wirklich das Gefühl hatte, das Vera etwas vermisste. Und schließlich entscheidet jeder selbst, welchen Weg er in seinem Leben gehen möchte.
Bewertung
aus Wertingen
5/5
01.05.2025
Buch (Taschenbuch)
Die innere Ordnung
Gleich eingangs muß ich sagen, dass mich dieses Buch fasziniert hat und ich total begeistert bin. Wir sind im Ruhrgebiet in den 50iger und 60iger Jahren des letzten Jahrhunderts. Deutschland ist noch am Beginn des Wirtschaftswunders. Da lernt die junge Kriegerwitwe Vera, die ihr Kind alleine großziehen muß, den höheren Beamten Eberhard kennen. Sie erkennt, dass er ihr und dem Kind ein sorgenfreies Leben bieten kann und heiratet ihn. Eberhard ist ein bestimmender Mensch, er fühlt sich seiner Frau total überlegen und betitelt sie des öfteren mit dumme Gans. Für den Sohn sorgt er, schickt ihn sogar aufs Gymnasium und läßt ihn studieren. Vera muß sich ihrem Mann total unterordnen, doch sie scheint sehr clever zu sein und umgeht oftmals seine Anweisungen. Eberhard steigt in der Karriere höher und höher bis hin zum höchsten Chefposten. Vera gefällt dieses Leben, da sie finanziell sehr gut gestellt sind und sie sich so manchen Luxus leisten kann. Berhard war zwar in Kriegsgefangenschaft, aber er schweigt über diese Zeit total. Doch dann in den späten 60iger Jahren wird er mit seiner Vergangenheit konfrontiert und er kommt gewissen Fragen und Beschuldigungen nicht mehr aus. Doch dem entzieht er sich dann raffiniert. Als dann die moderne Technik in das Berufsleben Einzug hält, muß Bernhard passen, Vera hat sich ihre eigene Welt aufgebaut. Das Buch führt uns wirklich in eine Zeit, da der Mann noch das Sagen hatte. Die Frauen ordneten sich dem unter. So, wie Bernhard sich verhält, so stellt man sich einen knöchernen starren Beamten vor, der sich streng an die Gesetze und Vorschriften hält. Doch dann holt auch ihn die Vergangenheit ein, da er während des Kriegs unrecht auf sich geladen hat. Der Autor schreibt hier ohne viel Floskeln, trocken, bürokratisch. Dieser Stil paßt haargenau zu dem Buch und läßt uns die ganze Geschichte sehr realistisch erscheinen. Hat man einmal zu Lesen begonnen, kann man nicht mehr aiufhören und ist in den Szenen mittendrin. Ich konnte mich mit diesem Stil sofort anfreunden und sah Bernhard vor mir, grauer Anzug, weißes Hemd, Krawatte, glänzend geputzte Schuhe, kurz geschnittenes Haar mit akkuratem Seitenscheitel. Ein Blick in das Leben dieser Zeit.
Bewertung
5/5
28.04.2025
Buch (Taschenbuch)
In guten Händen
Das Cover mit dem verschwommenen Zugfoto sehe ich passend als Synonym für manche undurchsichtige Berufe und Beschäftigungen während des 2. Weltkrieges.
Vera ist Kriegswitwe und schlägt sich auf ihre recht entschlossene und resolute Art anfangs der 1950 Jahre mit ihrem kleinen Sohn durch. Die Gelegenheit lässt nicht auf sich warten und in Gestalt eines höherrangigen Beamten namens Eberhard findet sie einen geeigneten Ehemann und Stiefvater für das Kind. Gesellschaftlicher Aufstieg und sorgenfreies Leben sind zu erwarten und obwohl der Gatte über manch gewöhnungsbedürftige Eigenschaften verfügt, kommt Vera mit seiner verschwiegenen Art und dem Patriarchat recht gut zurecht. Ihr intelligenter, gebildeter Ehemann erzählt ihr zwar nichts über seine berufliche Laufbahn, aber wenn denn das Haushaltsbudget stimmt, macht sie sich keine Sorgen. Das Buch lässt einen Einblick in Familienalltage der 1950 bis 1960 er Jahre zu.
Mir gefällt der klare, aussagekräftige Schreibstil mit Wortwitz und realen Aussagen dieser Zeit des Autor sehr gut und ich kann den Roman gern weiterempfehlen.
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