September 1946 in Baden-Baden, Amalie hat ihre kleine Tochter Nadja zur Betreuung bei Bauern abgegeben und sucht Arbeit. Ihr Mann gilt als vermisst. Ein junger Franzose der Militärregierung vermittelt ihr Arbeit in einem von der Besatzungsmacht requirierten Café. Wenig später wird Amalie seine Geliebte und erträumt sich ein Leben mit Julien, aber der ist verheiratet und kehrt 1947 nach Frankreich zurück. Amalie ist schwanger. Im Oktober kommt Roman zur Welt. Nun muss sie Nadja zu sich holen, doch ist sie mit beiden Kindern und der Arbeit völlig überfordert. Die französische Verwaltung betreibt aktiv die Suche nach Besatzungskindern von französischen Vätern mit deutschen Frauen, um sie zur Adoption nach Frankreich zu holen. Amalie gibt Roman weg und geht mit Nadja ins zerstörte Mannheim, mittellos, ohne Bleibe und Arbeit. Bei einem Schieber verdingt sie sich, bis sie endlich ihre Kusine Margarethe wiederfindet.
In den Jahren darauf arbeitet Amalie sich parallel zur neuen Bundesrepublik langsam nach oben. Aber der Verlust von Roman lässt sie nicht los.
Anke Feuchter beschreibt in ihrem Roman voller Spannung das Leben einer jungen Frau in einer zerstörten Stadt nach dem Krieg, der noch lange nachwirkt.
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Amalie auf der Windseite
Bewertung aus Quickborn am 10.02.2025
Bewertungsnummer: 2409113
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Anke Feuchter hat einen sehr emotionalen und berührenden Roman über eine Frau geschrieben, die viele Jahre ihres Lebens nicht nur auf der Windseite, sondern auch auf der Schattenseite ihr Leben lebte. Amalie. 1918 geboren, hat im Bombenhagel Eltern und Schwestern verloren. Nachdem ihr Ehemann nicht aus dem Krieg zurückkehrt, verlässt sie mit ihrer Tochter Nadja das schwiegerelterliche Zuhause und will ihr Glück allein versuchen. Um arbeiten zu können, gibt sie Nadja in Pflege, und beginnt in Baden-Baden eine Tätigkeit in einem Café, den Weg ebnet ihr der französische Besatzungsoffizier Julien. Amalie wird seine Geliebte, zu spät begreift sie, dass er verheiratet ist und als er wieder nach Paris beordert wird, bleibt sie schwanger zurück. Mit einiger Mühe holt sie Nadja zu sich und arbeitet für die Besatzungsmacht, ihre Französischkenntnisse sind ihr von großem Vorteil. Als ihr Baby da ist, erweist sich jedoch alle Mühe als umsonst. Sie erkennt, dass sie mit den zwei kleinen Kindern weder eine vernünftige Unterkunft noch eine geeignete Arbeit finden wird. Ihr einziger Ausweg ist die Zustimmung zur bedingungslosen Übergabe ihres kleinen Sohnes Roman zwecks Adoption an die französischen Behörden. Der Versuch, dies rückgängig zu machen, scheitert kläglich.
Amalie verlässt mit Nadja das vertraute Baden und geht zu ihrer Kusine Margarete ins zerbombte Mannheim. Wie sie sich durchschlägt, was sie erlebt und ertragen muss, das ist sehr aufwühlend beschrieben. Noch stärker haben mich aber ihre seelischen Schmerzen berührt. Der Verlust des Kindes ist nicht wieder gutzumachen, die Schuldgefühle, die sie umtreiben, sind schrecklich. Mehr will ich über den Inhalt nicht schreiben, ich versichere jedem potenziellen Leser, dass dieses Buch fesselnd ist bis zur letzten Seite.
Durch diese Lebensgeschichte erfährt der Leser aber auch einiges über die Nachkriegsjahre in Deutschland, über geschichtlich prägende Ereignisse wie die Einführung der D-Mark oder das Abkommen zur Freilassung der letzten Kriegsgefangenen durch den Einfluss Adenauers. Wie tief das Gedankengut der Nazis ins deutsche Alltagsleben eingedrungen war, wie schwer es war, Hoffnung zu finden in diesem auch seelisch und moralisch verwüsteten Land.
Der Schreibstil der Autorin lässt ein schnelles Lesen zu, das kam mir sehr entgegen, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Dass es mich persönlich an mein eigenes Leben und das meiner Kinder erinnerte, kam noch hinzu. Amalie wurde auf nur 298 Seiten für mich so vertraut wie eine Schwester im Geiste. Und das nicht nur, weil sie Böll las und gern ins Kino ging, sondern besonders, weil sie eine „Kratzbürste“ war und trotzdem so sensibel und verletzlich.
Fazit: Es ist ein Roman, aber die Geschichte könnte genauso passiert sein. Amalies Suche nach dem Glück habe ich gern begleitet. Der Roman endet im Jahr 1964, ich wäre nicht böse, würde er irgendwann einmal weitergeschrieben.
Ein packender Roman über die Nachkriegszeit
Bewertung am 15.12.2024
Bewertungsnummer: 2364706
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Die Autorin beleuchtet in ihrem Roman ein eher unbekanntes Kapitel der deutsch-französischen Nachkriegsgeschichte und beschreibt einen Ausschnitt des Lebens einer jungen Deutschen, die sich mit aus diesem Verhältnis erwachsenden Komplikationen auseinandersetzen muss. Der Charakter der Hauptfigur ist vielschichtig, aber gerade das macht die Geschichte interessant. Spannend von der ersten bis zur letzten Zeile!
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