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Die Legende vom heiligen Trinker

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Beschreibung

Produktdetails

Family Sharing

Ja

Gesprochen von

Michael Schrodt

Spieldauer

1 Stunde und 19 Minuten

Abo-Fähigkeit

Ja

Erscheinungsdatum

01.10.2024

Hörtyp

Lesung

Fassung

ungekürzt

Medium

MP3

Anzahl Dateien

15

Verlag

Buchfunk Verlag

Sprache

Deutsch

EAN

9783868470789

Beschreibung

Produktdetails

Family Sharing

Ja

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Michael Schrodt

Spieldauer

1 Stunde und 19 Minuten

Abo-Fähigkeit

Ja

Erscheinungsdatum

01.10.2024

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Fassung

ungekürzt

Medium

MP3

Anzahl Dateien

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Buchfunk Verlag

Sprache

Deutsch

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9783868470789

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Bewertung (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 15.10.2023

Bewertungsnummer: 3029516

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Paris, 1934: Durch eigenes Verschulden ist Andreas Kartak auf der Straße gelandet und schläft von nun an unter den Brücken der Seine. Als ihm eines Tages ein Fremder 200 Franc leiht, verpflichtet sich Andreas – ein Mann von Ehre –, diesen Betrag wieder zurückzugeben. Doch anstatt seinem Vorsatz nachzukommen, vertrinkt er das Geld. Getrieben von schlechtem Gewissen verdient er es durch ehrliche Arbeit erneut, aber auch dieses Mal vertrinkt er das Geld erneut. Doch Andreas scheint das Glück gepachtet zu haben, denn die Wunder häufen sich – aber wie lange kann das Glück wirklich anhalten? (Verlagsbeschreibung) Zum Thema “Legende” meint Wikipedia: “Die Legende ist eine mit dem Märchen und der Sage verwandte Textsorte bzw. literarische Gattung, in der historische Ereignisse durch spätere Hinzufügungen überhöht oder verfälscht wurden. Legenden haben meist wie Sagen einen wahren Kern, der fantastisch ausgeschmückt wird.” Tatsächlich erinnert der letzte Text des Schriftstellers Joseph Roth (bekannt durch Romane wie “Hiob” oder auch “Radetzkymarsch”) an ein Märchen. Und zwar an das vom “Hans im Glück” - nur deutlich melancholischer. Wie “Hans im Glück” wirkt der Antiheld Andreas recht naiv und kann das Gute, das im widerfährt, nicht festhalten. Eines Tages begenet ihm unter einer der Seinebrücken, wo er als Clochard lebt, ein gutsituierter Herr, der ihm einfach so 200 Francs überlässt. Andreas ist erstaunt und erfreut, will das Geld jedoch eines Tages zurückzahlen, weshalb der reiche Herr vorschlägt, dass er es dann der heiligen Therese von Lisieux spenden soll in der Ste Marie des Batignolles.  Trotz des festen Vorsatzes von Andreas will diese Spende jedoch einfach nicht gelingen. Er vertrinkt das Geld, verdient es sich durch harte Arbeit wieder, gibt es erneut mit vollen Händen aus, findet eine stattliche Summe Geldes, wird über den Tisch gezogen, wieder geschieht ein Wunder… Andreas lebt in den Tag hinein, ob er nun Geld hat oder nicht - und wenn es weg ist, ist es eben so. Gutgläubig und schicksalsergeben ist dieser Andreas, was geschieht, das geschieht eben, und man muss das Beste daraus machen. Auch wenn er weiter an sein Wunder glaubt. Doch wie lange kann das gutgehen? Der Schreibstil wirkt leichtfüßig und besticht durch seine altertümliche und gelassene Art des Erzählens, was mir außerordentlich gut gefiel und mich gleich in die Geschichte zog. Doch trotz der vermeintlichen Leichtigkeit durchzieht ein melancholischer Ton die Erzählung, was nicht Wunder nimmt, denn der alkoholkranke Joseph Roth nimmt in dieser seiner letzten Erzählung im Grunde seinen eigenen Tod (mit gerade einmal 44 Jahren) poetisch vorweg. Im informativen Nachwort wird zudem darauf hingewiesen, dass der mysteriöse gutsituierte Herr auch einem Vorbild in Roths Leben entspricht: “Denn der wohlgekleidete, ebenfalls heimatlose Herr ist ihm vielfach begegnet. Und jedes Mal hat er dem Trinker Joseph Roth 200 Francs zugesteckt. Sein Name (…) ist Stefan Zweig.” (S. 97f.) Eine leise Erzählung, die mich trotz ihres märchenhaften und damit distanzierten Anstrichs auch berühren konnte. Und die mich nun neugierig gemacht hat auf weitere Werke von Joseph  Roth…   © Parden                                

Wie gewonnen...

Bewertung (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 15.10.2023
Bewertungsnummer: 3029516
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Paris, 1934: Durch eigenes Verschulden ist Andreas Kartak auf der Straße gelandet und schläft von nun an unter den Brücken der Seine. Als ihm eines Tages ein Fremder 200 Franc leiht, verpflichtet sich Andreas – ein Mann von Ehre –, diesen Betrag wieder zurückzugeben. Doch anstatt seinem Vorsatz nachzukommen, vertrinkt er das Geld. Getrieben von schlechtem Gewissen verdient er es durch ehrliche Arbeit erneut, aber auch dieses Mal vertrinkt er das Geld erneut. Doch Andreas scheint das Glück gepachtet zu haben, denn die Wunder häufen sich – aber wie lange kann das Glück wirklich anhalten? (Verlagsbeschreibung) Zum Thema “Legende” meint Wikipedia: “Die Legende ist eine mit dem Märchen und der Sage verwandte Textsorte bzw. literarische Gattung, in der historische Ereignisse durch spätere Hinzufügungen überhöht oder verfälscht wurden. Legenden haben meist wie Sagen einen wahren Kern, der fantastisch ausgeschmückt wird.” Tatsächlich erinnert der letzte Text des Schriftstellers Joseph Roth (bekannt durch Romane wie “Hiob” oder auch “Radetzkymarsch”) an ein Märchen. Und zwar an das vom “Hans im Glück” - nur deutlich melancholischer. Wie “Hans im Glück” wirkt der Antiheld Andreas recht naiv und kann das Gute, das im widerfährt, nicht festhalten. Eines Tages begenet ihm unter einer der Seinebrücken, wo er als Clochard lebt, ein gutsituierter Herr, der ihm einfach so 200 Francs überlässt. Andreas ist erstaunt und erfreut, will das Geld jedoch eines Tages zurückzahlen, weshalb der reiche Herr vorschlägt, dass er es dann der heiligen Therese von Lisieux spenden soll in der Ste Marie des Batignolles.  Trotz des festen Vorsatzes von Andreas will diese Spende jedoch einfach nicht gelingen. Er vertrinkt das Geld, verdient es sich durch harte Arbeit wieder, gibt es erneut mit vollen Händen aus, findet eine stattliche Summe Geldes, wird über den Tisch gezogen, wieder geschieht ein Wunder… Andreas lebt in den Tag hinein, ob er nun Geld hat oder nicht - und wenn es weg ist, ist es eben so. Gutgläubig und schicksalsergeben ist dieser Andreas, was geschieht, das geschieht eben, und man muss das Beste daraus machen. Auch wenn er weiter an sein Wunder glaubt. Doch wie lange kann das gutgehen? Der Schreibstil wirkt leichtfüßig und besticht durch seine altertümliche und gelassene Art des Erzählens, was mir außerordentlich gut gefiel und mich gleich in die Geschichte zog. Doch trotz der vermeintlichen Leichtigkeit durchzieht ein melancholischer Ton die Erzählung, was nicht Wunder nimmt, denn der alkoholkranke Joseph Roth nimmt in dieser seiner letzten Erzählung im Grunde seinen eigenen Tod (mit gerade einmal 44 Jahren) poetisch vorweg. Im informativen Nachwort wird zudem darauf hingewiesen, dass der mysteriöse gutsituierte Herr auch einem Vorbild in Roths Leben entspricht: “Denn der wohlgekleidete, ebenfalls heimatlose Herr ist ihm vielfach begegnet. Und jedes Mal hat er dem Trinker Joseph Roth 200 Francs zugesteckt. Sein Name (…) ist Stefan Zweig.” (S. 97f.) Eine leise Erzählung, die mich trotz ihres märchenhaften und damit distanzierten Anstrichs auch berühren konnte. Und die mich nun neugierig gemacht hat auf weitere Werke von Joseph  Roth…   © Parden                                

Bittersüßes Gebräu in giftgrünem Gewand

Christian1977 aus Leipzig am 09.10.2023

Bewertungsnummer: 2040125

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Paris, 1934: Andreas ist ein obdachloser Alkoholiker und lebt irgendwo unter den Brücken an der Seine. Als ein gut gekleideter Herr ihm begegnet, scheint sich das Glück auf seine Seite zu schlagen. Schließlich schenkt ihm der Mann 200 Francs und fordert sie nicht einmal zurück. Doch Andreas sieht sich als Ehrenmann und besteht auf die Rückzahlung. Der Herr lässt sich darauf ein, fordert Andreas aber auf, nicht ihm das Geld zurückzugeben, sondern es der Heiligen Thérèse von Lisieux in einer Pariser Kirche zu widmen. Kein Problem für den Ehrenmann Andreas - wäre da nicht der permanente Alkoholdurst... Doch auch wenn die 200 Francs schnell ausgegeben sind, scheint Andreas das Glück plötzlich gepachtet zu haben. Ein Wunder der kleinen Thérèse? Doch wie lange kann man sich auf Wunder verlassen? Joseph Roths Erzählung "Die Legende vom heiligen Trinker" erschien erstmals 1939, kurz nach dem Tode des damals gerade einmal 44-jährigen österreichischen Schriftstellers. Es ist somit die letzte Veröffentlichtung Roths und nimmt nicht nur deshalb eine besondere Rolle im Werk des Autors ein. Gemeinsam mit seinen Romanen "Radetzkymarsch" und "Hiob" begründet auch diese Novelle Roths Rang als einen der wichtigsten deutschsprachigen Autoren des frühen 20. Jahrhunderts. Nun ist sie in einer Neuauflage der Penguin Edition erschienen. Mit der 2021 gestarteten Klassikerreihe in knallbunten Farbtönen wollte Penguin laut eigener Aussage "Farbe ins Bücherregal" bringen. Eine Aktion, die vollends aufgegangen ist. Denn mittlerweile konnte man mit Neuausgaben wie Melvilles "Bartleby, der Schreibgehilfe" oder Emily Brontës "Sturmhöhe" nicht nur herausragende Klassiker einer jüngeren Generation schmackhaft machen, sondern ganz nebenbei auch den German Brand Award 2022 gewinnen. Roths "Legende vom heiligen Trinker" erscheint wohl nicht von ungefähr in giftigem Grün. Denn nicht nur Andreas' Galle wird in der gerade einmal knapp 80 Seiten langen Erzählung über die Maßen gefordert, sondern auch die Leserschaft, der hier ein bittersüßes Gebräu präsentiert wird. Ins Auge sticht dabei nicht nur die Farbe des Buches, sondern auch die äußerst einfache, fast naive Sprache, mit der es Joseph Roth gelingt, von Beginn an Empathie für seinen Antihelden Andreas aufzubauen. Dabei ist "unser Andreas", wie es in der Erzählung liebevoll heißt, kein Kind von Traurigkeit. Nach und nach erfahren wir nämlich, was ihn an den Rand seiner Existenz geführt hat. Andreas hat einen Mann totgeschlagen, einen Rivalen im Kampf um eine Geliebte. Doch Roth und die Leser:innen verzeihen es ihm vollständig. Damit hat unser Andreas einen Bonus im Vergleich zu anderen Trinkern der Literatur. Hat Ole Jastrau aus Tom Kristensens wundervollen Roman "Absturz" jemals einen Menschen körperlich verletzt? Dazu war er gar nicht in der Lage. Dennoch war man von ihm permanent enttäuscht, fast wütend auf ihn. Unser Andreas hingegen kann sich alles erlauben. Und so freut man sich mit ihm über das Glück, das ihn so plötzlich auf all seinen Wegen begegnet. Sei es das viele Bargeld, das er in einer gebraucht gekauften Geldbörse findet. Seien es die wohlmeinenden Menschen, die ihm immer wieder mit Geld aus der Patsche helfen, obwohl Andreas es genauso regelmäßig versäuft wie Ole Jastrau. Es ist ein Märchen. Oder sogar noch mehr, denn die häufigen Satzanfänge mit "Und" in Verbindung mit dem Wörtchen Legende und der allseits beliebten Thérèse von Lisieux machen aus der Erzählung fast etwas Biblisches. Auch die zahlreichen Wiederholungen erinnern durchaus daran. Das ist von Roth ebenso klug konzipiert wie hintersinnig und mit feinem Humor hinterlegt. Doch ganz am Ende - man ahnt es früh - bleibt einem das Lachen im Halse stecken und Roth dekonstruiert die gesamte Legende mit einem einzigen bitteren allerletzten Satz. Das ist sehr berührend, besonders wenn man im Hinterkopf hat, dass dies die letzte Erzählung Roths und er dem Alkohol letztlich erlegen ist. Garniert wird die Legende mit einem zwar informativen, aber nicht besonders originellen Nachwort, denn es handelt sich dabei lediglich um ein paar Auszüge der Roth-Biographie von Wilhelm von Sternburg aus dem Jahre 2009. Da die Penguin Edition aber von Beginn an eher auf ein hervorragend kuratiertes Programm in Verbindung mit einem frischen Design und einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis setzte und das Nachwort dabei ein wenig vernachlässigte, ist es auch diesmal nichts, was besonders negativ ins Gewicht fallen würde. Mit Roths "Legende vom heiligen Trinker" gelingt es der Penguin Edition abermals, einen sehr lesenswerten Klassiker der Weltliteratur in ansprechender Form und Aufmachung wieder ins Interesse einer breiten Leserschaft zu rücken. Mit der Figur seines Andreas hat Roth einen klassischen, aber dennoch liebenswerten Antihelden erschaffen, der lange im Gedächtnis bleiben wird.

Bittersüßes Gebräu in giftgrünem Gewand

Christian1977 aus Leipzig am 09.10.2023
Bewertungsnummer: 2040125
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Paris, 1934: Andreas ist ein obdachloser Alkoholiker und lebt irgendwo unter den Brücken an der Seine. Als ein gut gekleideter Herr ihm begegnet, scheint sich das Glück auf seine Seite zu schlagen. Schließlich schenkt ihm der Mann 200 Francs und fordert sie nicht einmal zurück. Doch Andreas sieht sich als Ehrenmann und besteht auf die Rückzahlung. Der Herr lässt sich darauf ein, fordert Andreas aber auf, nicht ihm das Geld zurückzugeben, sondern es der Heiligen Thérèse von Lisieux in einer Pariser Kirche zu widmen. Kein Problem für den Ehrenmann Andreas - wäre da nicht der permanente Alkoholdurst... Doch auch wenn die 200 Francs schnell ausgegeben sind, scheint Andreas das Glück plötzlich gepachtet zu haben. Ein Wunder der kleinen Thérèse? Doch wie lange kann man sich auf Wunder verlassen? Joseph Roths Erzählung "Die Legende vom heiligen Trinker" erschien erstmals 1939, kurz nach dem Tode des damals gerade einmal 44-jährigen österreichischen Schriftstellers. Es ist somit die letzte Veröffentlichtung Roths und nimmt nicht nur deshalb eine besondere Rolle im Werk des Autors ein. Gemeinsam mit seinen Romanen "Radetzkymarsch" und "Hiob" begründet auch diese Novelle Roths Rang als einen der wichtigsten deutschsprachigen Autoren des frühen 20. Jahrhunderts. Nun ist sie in einer Neuauflage der Penguin Edition erschienen. Mit der 2021 gestarteten Klassikerreihe in knallbunten Farbtönen wollte Penguin laut eigener Aussage "Farbe ins Bücherregal" bringen. Eine Aktion, die vollends aufgegangen ist. Denn mittlerweile konnte man mit Neuausgaben wie Melvilles "Bartleby, der Schreibgehilfe" oder Emily Brontës "Sturmhöhe" nicht nur herausragende Klassiker einer jüngeren Generation schmackhaft machen, sondern ganz nebenbei auch den German Brand Award 2022 gewinnen. Roths "Legende vom heiligen Trinker" erscheint wohl nicht von ungefähr in giftigem Grün. Denn nicht nur Andreas' Galle wird in der gerade einmal knapp 80 Seiten langen Erzählung über die Maßen gefordert, sondern auch die Leserschaft, der hier ein bittersüßes Gebräu präsentiert wird. Ins Auge sticht dabei nicht nur die Farbe des Buches, sondern auch die äußerst einfache, fast naive Sprache, mit der es Joseph Roth gelingt, von Beginn an Empathie für seinen Antihelden Andreas aufzubauen. Dabei ist "unser Andreas", wie es in der Erzählung liebevoll heißt, kein Kind von Traurigkeit. Nach und nach erfahren wir nämlich, was ihn an den Rand seiner Existenz geführt hat. Andreas hat einen Mann totgeschlagen, einen Rivalen im Kampf um eine Geliebte. Doch Roth und die Leser:innen verzeihen es ihm vollständig. Damit hat unser Andreas einen Bonus im Vergleich zu anderen Trinkern der Literatur. Hat Ole Jastrau aus Tom Kristensens wundervollen Roman "Absturz" jemals einen Menschen körperlich verletzt? Dazu war er gar nicht in der Lage. Dennoch war man von ihm permanent enttäuscht, fast wütend auf ihn. Unser Andreas hingegen kann sich alles erlauben. Und so freut man sich mit ihm über das Glück, das ihn so plötzlich auf all seinen Wegen begegnet. Sei es das viele Bargeld, das er in einer gebraucht gekauften Geldbörse findet. Seien es die wohlmeinenden Menschen, die ihm immer wieder mit Geld aus der Patsche helfen, obwohl Andreas es genauso regelmäßig versäuft wie Ole Jastrau. Es ist ein Märchen. Oder sogar noch mehr, denn die häufigen Satzanfänge mit "Und" in Verbindung mit dem Wörtchen Legende und der allseits beliebten Thérèse von Lisieux machen aus der Erzählung fast etwas Biblisches. Auch die zahlreichen Wiederholungen erinnern durchaus daran. Das ist von Roth ebenso klug konzipiert wie hintersinnig und mit feinem Humor hinterlegt. Doch ganz am Ende - man ahnt es früh - bleibt einem das Lachen im Halse stecken und Roth dekonstruiert die gesamte Legende mit einem einzigen bitteren allerletzten Satz. Das ist sehr berührend, besonders wenn man im Hinterkopf hat, dass dies die letzte Erzählung Roths und er dem Alkohol letztlich erlegen ist. Garniert wird die Legende mit einem zwar informativen, aber nicht besonders originellen Nachwort, denn es handelt sich dabei lediglich um ein paar Auszüge der Roth-Biographie von Wilhelm von Sternburg aus dem Jahre 2009. Da die Penguin Edition aber von Beginn an eher auf ein hervorragend kuratiertes Programm in Verbindung mit einem frischen Design und einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis setzte und das Nachwort dabei ein wenig vernachlässigte, ist es auch diesmal nichts, was besonders negativ ins Gewicht fallen würde. Mit Roths "Legende vom heiligen Trinker" gelingt es der Penguin Edition abermals, einen sehr lesenswerten Klassiker der Weltliteratur in ansprechender Form und Aufmachung wieder ins Interesse einer breiten Leserschaft zu rücken. Mit der Figur seines Andreas hat Roth einen klassischen, aber dennoch liebenswerten Antihelden erschaffen, der lange im Gedächtnis bleiben wird.

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