»Lovrenski zu lesen ist, als belausche man einen Fremden bei seiner nächtlichen Beichte – ein zartes, brutales, wahres Buch.« Tijan SilaSie sind jung, voller Ängste, Pillen und Hoffnung. Ihre Eltern leben in der Peripherie, Polizei und Jugendamt sitzen ihnen im Nacken, die Schule ist ein Angebot, das sie dankend ausschlagen. Ivor, Marco, Jonas und Arjan sind rastlos, zwischen den schicken Bars und hyggeligen Cafés Oslos gibt es keinen Platz für sie. Also treiben sie sich auf den Straßen, in improvisierten Gyms und einem maroden Einkaufszentrum herum und geraten Tag für Tag, line für line tiefer in eine Welt des Rauschs, der Gewalt und Kriminalität. Die Liebe zueinander macht sie unbesiegbar – bis einer von ihnen zu weit geht und ihre unheile Welt vollends zerbricht. Oliver Lovrenski, der zwanzigjährige Sensationsautor aus Norwegen, zieht uns hinein in eine atemlose, brutale Jugend und offenbart Zärtlichkeit, wo niemand sie erwartet.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Bewertung
5/5
05.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Harte Realität
„bruder, wenn wir nicht family sind, wer dann“ schildert den Alltag von vier Osloer Jungs mit Migrationshintergrund. Ivor, der Ich-Erzähler, Marco, Arjan und Jonas, sind die Protagonisten, die in den Außenbezirken Oslos, sozialen Brennpunkten, aufwachsen. Sie haben unterschiedliche Wurzeln, aber die gleichen Probleme. Zerrüttete Familien, die keinen Rückhalt bieten, fehlendes Geld, ständige Ablehnung – der Weg vom Schulschwänzer zum gewaltbereiten Drogendealer ist nahezu unausweichlich; Zukunftsträume werden wohl Träume bleiben.
Der Autor, Oliver Lovrenski, geboren 2003, wuchs in Oslo als Sohn kroatisch-norwegischer Eltern auf. "bruder, wenn wir nicht family sind, wer dann", ist sein autobiographischer Debütroman, den er teilweise auf dem Handy schrieb.
Der Text besteht aus kurzen, fast fragmentartigen Kleinstgeschichten, verzichtet auf Groß- und Kleinschreibung und korrekte Grammatik, die Zeichensetzung ist kreativ, so dass der Leser das Gefühl hat, die Handynotizen eines Jugendlichen zu lesen. Auch die Sprache ist eine echte Herausforderung, es ist der „Sound der Straße“, rau und ungeschliffen, ein Slang gespickt mit arabischen, kroatischen und somalischen Begriffen.
Sprache und Stil lassen die Geschichte krass authentisch erscheinen und haben mich so in den Bann gezogen, das ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.
Der Roman schildert brutal ehrlich die unschöne, harte Realität und die Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit dieser Jugendlichen am Rande der Gesellschaft. Da fragt man sich schon, ob in unserer Gesellschaft nicht irgendetwas so richtig schief läuft!
Eric
aus Dresden
5/5
15.06.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein anderer Blick auf Oslo
Oliver Lovrenski, geboren 2003, aufgewachsen in Oslo. Sohn mit kroatischen und norwegischen Wurzeln. „bruder, wenn wir nicht family sind, wer dann“ ist Lovrenski Debütbuch. Teilweise hat er dieses Buch auf dem Handy geschrieben.
250 Seiten umfasst dieses Buch.
250 Seiten mit mehr oder weniger Text.
250 Seiten mit mehr oder weniger Zeilen.
250 Seiten mit sehr wenigen Satzzeichen, maximal Frage-, Ausrufezeichen, Komma oder Semikolon. 250 Seiten ohne Großbuchstaben.
Was ungewöhnlich klingt, ist ungewöhnlich zu lesen. Der Klang der Sprache ist anfangs anstrengend. Wo ist ein Satz zu Ende, wo fängt ein neuer an. Der besondere Rhythmus der Sprache muss gefunden werden. Das Buch wird in 3 große Blöcke geteilt und die Seiten mit dicken Überschriften, teilweise nummeriert, versehen. Was mitunter sehr hilfreich ist. Hinzu kommt die Jugendsprache die Lovrenski nutzt. Ich bin jetzt noch nicht so alt, aber auch ich musste im Glossar spicken, was das eine oder andere Wort bedeutet.
Die Handlung wird linear erzählt. Änderungen der Sichtweisen der Protagonisten macht es den Roman einfacher zu verstehen. Die Liebe zwischen den Menschen in der Clique treibt sie an. Status ist wichtig und muss ausgebaut werden. Träume sind schön. Sind Träume zum Greifen nah?
Lovrenski verarbeitet harte Themen. Alkohol – und Drogenmissbrauch, Gewalt und Kriminalität. Mit diesen werden sie tagtägliche konfrontiert. Durch die alltägliche Konfrontation wird das Einschätzen der Gefahr (teilweise) spät erkannt.
Oliver Lovrenski hat ein ungeschöntes, sprachlich geniales und ungewöhnliches Buch geschrieben. Als ich das Buch gelesen habe, war ich in Oslo und habe es noch einmal anders wahrgenommen!
Bewertung
5/5
04.05.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Überwältigend
Wow, also wirklich wow!!
'' Bruder wenn wir nicht Family sind, wer dann '' war wirklich eine Erfahrung. Ich habe mich vom Titel zum Kauf verleiten lassen, schließlich sieht man selten Bücher dessen Titel im '' Slang '' sind.
Zuhause habe ich mir dann den Klappentext nochmal in aller Ruhe durch gelesen. In den Buch geht es um eine Gruppe junger Männer die sich durch das leben im Schicken Oslo mogeln. Zwischen Drogen, Gewalt und einem maroden Einkaufszentrum leben Ivor, Jonas, Marco und Arjan ihren '' Traum '' von Freiheit.
Ich war wirklich überwältigt von dem Buch. Sowohl der Schreibstil als auch die Geschichte an sich war sehr interessant. Es fühlte sich nicht an wie ein Roman sondern eher als würde man in einem Tagebuch der jungen Männer lesen. Ich denke dennoch, dass es nicht für jeden was ist, da der Schreibstil doch recht Makaber ist, besonders dass alles klein geschrieben ist machte das '' Tagebuch feeling'' noch stärker.
Bewertung
5/5
11.04.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
außergewöhnlich
Ehrlich und brutal erzählt Lovrenski die Geschichte von vier Jungs auf den Straßen Oslos. Drogen und Gewalt sind ihr Alltag, dennoch stecken in ihnen auch Ängste und Sehnsüchte. Schonungslos berichtet Loverenski von deren Leben, von tiefer Freundschaft geprägt und durch jedes einzelene Erlebnis näher zusammengeschweißt. Dieses Debüt hat mich mit all seinen Emotionen umgehauen. Auch sprachlich ist dieser Roman unfassbar interessant und außergewöhnlich, wie verschriftlichte Sprachnachrichten.
Theresa Gruber
aus Bayern
5/5
09.04.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein geniales Buch Der Titel…
Ein geniales Buch Der Titel verrät schon viel über dieses kleine Meisterwerk. Ivor, Marco, Jonas und Arjan sind Brüder, also nicht wirklich, aber sie bezeichnen sich so. Vereint sind sie durch die Straße und die Drogen. Sie dealen und teilen auch schon einmal gerne Prügel aus. Auf ihre richtigen Familien können sie jedenfalls nicht zählen. Ihre Jugend scheint verloren, die Drogen werden mehr, die Wahl der Waffen schärfer. Der junge Autor lässt Ivor die Geschichte erzählen und dieser schreibt so, wie er spricht. Ganz kurze Abschnitte in Kleinschreibung in feinster Jugendsprache. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen, ist dieses Buch so wahnsinnig authentisch. Ich gebe zu, dass ich nicht alles verstanden habe, aber das hätte ich im "real life" wahrscheinlich auch nicht. Ich fühlte mich auf jeden Fall sofort mitten drin und habe auch teilweise echt gelitten, als die Geschichte mit Jonas erzählt wurde, der von seinem Vater geschlagen wird und so gerne wieder zu seiner Mutter und seinen kleinen Bruder ziehen würde. Ein großes Lob auch an die Übersetzerin Karoline Hippe. Diese Art der Sprache aus dem norwegischen zu übersetzen muss schon eine ziemliche Herausforderung gewesen sein. Ich habe dieses Buch wirklich sehr gerne gelesen und kann es nur jedem weiterempfehlen, der sich für das Leben und die Sprachen der Jugend interessiert. Beeindruckend und bewegend!
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5/5
02.05.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wenn das nicht gelungene experimentelle Literatur ist, was dann?
Geschrieben mit einem pausenlosen Slang, strukturiert wie die sprunghaften Gedanken einer getriebenen jungen Seele. Oliver Lovrenski erzählt vom Leben auf Oslos Straßen, wo unter Leid und Schmutz nur selten, aber dafür mit umso größerer Wucht, auch mal Zusammenhalt und Schönheit hervorbrechen. Die Schreibweise mag nicht jedem gefallen, doch meiner Meinung nach ist die Wirkung dieser Lektüre bewundernswert.
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