Marlene Streeruwitz' Roman »Auflösungen.« entwirft ein Bild des heutigen New York
New York im März 2024, wenige Monate vor der Wiederwahl Donald Trumps. Die Wiener Lyrikerin Nina Wagner hat die Sorgen um den richtigen Umgang mit ihrer Tochter und die Lügen ihres Ex-Mannes in Wien zurückgelassen und unterrichtet für ein Semester an einer New Yorker Universität. Doch die Umstände in den USA haben sich mit der Pandemie weiter zugespitzt. Die Freunde sind einem noch schärferen Lebenskampf ausgesetzt, und alle Kultur droht verdrängt zu werden. »Auflösungen.« ist ein Nachruf auf verloren gegangene Wünsche und die Bestandsaufnahme zerstörter Hoffnungen.
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Eine Reisende
Clara am 23.08.2025
Bewertungsnummer: 2575212
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Nina Wagner verläßt Wien und landet in New York, um sich neu zu ordnen, sich möglicherweise zu ändern. Sie kennt Amerika bzw. die Stadt von vorherigen Aufenthalten. Schon bei der Einreise wird sie mit einer bizarren, befremdlichen und unheimlich anmutenden Situation konfrontiert. Sie kann und darf in diesem Moment keine Hilfe leisten.
Humanitäre und politische Themen sind inhaltliche Teile des Buches. Weiters geht es um die Bereiche Frau-sein, Mutter-sein, Partnerin-sein, Elternschaft, Liebe, Sexualität, Nähe und Distanz, Vertrauen, Geborgenheit, die Suche nach Beziehungen und emotionaler und sozialer Unterstützung. Die Loslösung bzw. Trennung führt beinahe zur Auflösung der gesamten Persönlichkeit von Nina Wagner. Doch im Wort Auflösung ist u.a. auch "Lösung" enthalten, also die Bewältigung von Problemen.
Der zweite Teil des Buches erschien mir eine logische Folge des ersten Teils. Nun widerfährt der Protagonistin ein Unglück. Während sie versucht - vielleicht naiv versucht - menschlich und hilfsbereit zu sein, wird ihr Gewalt angetan. Sie muß aus dieser Situation entkommen, bevor es für sie kein Entkommen mehr gibt. Schafft sie es, wird ihr geholfen? Dies wird hier nicht vorweggenommen.
Meiner Meinung nach, ein sehr lesenswertes Buch in der für Frau Streeruwitz eigen-artigen Schreibweise.
Zwischen Pandemie, Politik und privatem Wahnsinn
Alrik Gerlach aus NordWestMecklenburg am 28.08.2025
Bewertungsnummer: 2579411
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Manchmal fühlt es sich an, als würde man in einen Mixer steigen, auf Stufe „Weltuntergang“ gestellt, und trotzdem noch hoffen, dass am Ende ein Smoothie rauskommt. Genau so liest sich „Auflösungen.“ – nur dass der Mixer hier New York ist und der Smoothie eher ein Cocktail aus Pandemie, Politik und privaten Katastrophen. Marlene Streeruwitz schickt uns mitten hinein in die Großstadthitze, den Wahnsinn einer zerfledderten Gesellschaft und das Kopfchaos einer Frau, die eigentlich nur Literatur lehren will, aber plötzlich mit den Absurditäten des Lebens jongliert.
Nina Wagner stolpert von Alltagskrisen in philosophische Gedankenspiralen, und das alles mit einer Mischung aus Verzweiflung, Scharfsinn und lakonischem Humor. Manchmal habe ich gedacht: „Mensch, entspann dich doch mal!“ – aber gleichzeitig konnte ich nicht aufhören, weiterzulesen, weil ihre Perspektive so gnadenlos ehrlich ist. Da werden nicht nur politische Zustände zerpflückt, sondern auch zwischenmenschliche Beziehungen mit chirurgischer Präzision seziert.
Natürlich ist das Ganze nicht leichte Kost. Streeruwitz schreibt so, dass man ständig das Gefühl hat, zwischen den Zeilen lauert noch ein zweiter, dritter, zehnter Text. Wer hier eine flauschige Feel-Good-Story erwartet, hat die falsche U-Bahn erwischt. Aber gerade dieses sperrige, ungeschönte Erzählen macht den Reiz aus.
Am Ende bleibt ein schräger Mix aus Melancholie, Wut, Hoffnung und dieser Art von Lachen, das man raushaut, obwohl einem eigentlich gar nicht danach ist. Vier Sterne von mir, weil es manchmal zu verkopft und verkünstelt daherkommt – aber hey, wenn Literatur nicht auch mal Kopfgymnastik sein darf, was dann?
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