Wien, Nachkriegszeit – Nach den Jahren der Zerstörung und des Hungers werden die ersten Siegergestalten des Wiederaufbaus an die Oberfläche gespült. Es sind einheimische und zugewanderte Schieber, Schwarzhändler und Unterweltler, die Dor und Federmann in ihrem packenden Roman vorführen, und die atemlos dem schnellen Geld nachjagen. Sie sind es, die sich im noch unsicheren System der Besatzungszeit im aufgeteilten Wien am besten zurechtfinden, die sofort erfassen, mit welcher Besatzungsmacht sich welche Geschäfte abwickeln lassen. Vom Handel mit und dem Schmuggel von Zigaretten geraten sie so fast zwangsläufig in das Spiel der Spionage und schließlich des Menschenraubs. Die sowjetischen Besatzer helfen aktiv bei der Beschaffung des Schmuggelgutes: die erwartete Gegenleistung ist die Auslieferung von 'Feinden der Sowjetunion', die sich in nicht-sowjetischen Sektoren aufhalten.Dors und Federmanns negative Helden, die sich ohne Skrupel und Bedenken an dem Spiel im Wien des Dritten Mannes beteiligen, geraten allerdings bald selbst in das von ihnen ersonnene Netz, in dem sie sich verfangen und an dem sie zugrunde gehen.
Kundinnen und Kunden meinen
3.9/5.0
zeilenlang
5/5
18.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Donau, Kaffeehaus, Schmuggel und Spione.
Heute geht´s mit „Internationale Zone“ ins Wien der frühen 1950er Jahre. Das Buch ist ein faszinierendes literarisches Werk, das seine Leserschaft in eine zwielichtige Welt voller Intrigen und in das internationale Räderwerk des beginnenden kalten Krieges entführt. Ich will sogar sagen, ein wiederentdecktes Juwel der hard-boiled Kriminalliteratur. Die Autoren schaffen es meisterhaft, die komplexen Beziehungen zwischen den Charakteren und den politischen Spannungen der Zeit darzustellen. Jäger werden zu Gejagten, vermeintliche Freunde zu Feinden. Die lebendige Sprache und die detailreiche Beschreibung der Schauplätze ziehen einen sofort in die Handlung hinein. Besonders beeindruckend ist die Fähigkeit der Autoren, tiefgründige Themen wie Identität und Zugehörigkeit aufzugreifen, ohne dabei den Spannungsbogen zu verlieren. Der Roman steht den Werken eines Hammett oder Chandlers in nichts nach. Und das Cover? Der Roman kommt als wunderbar bibliophile Ausgabe daher. Fasst sich sehr hochwertig an, hat ein Lesebändchen – ja was will man da eigentlich mehr! Leseempfehlung!
Bewertung
5/5
08.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Einzigartiger Ausschnitt der Wiener Nachkriegszeit
Das Buchcover mit dem Foto gefällt mir sehr gut. Das Foto spiegelt eine Szene aus der Nachkriegszeit wider und zeigt direkt auf, worum es im Buch geht: Die Gesellschaft zwischen den Besatzungsmächten - auch Zigaretten dürfen hier nicht fehlen. Angenehm ist die strukturierte Oberfläche des Einbands. Das Lesebändchen ist ein nettes Detail.
Die Geschichte selbst ist sehr eindrücklich geschrieben. Es geht um Georges Maine, der als Zigarettenschmuggler auftritt und in der Welt zwischen Illegalem, Spionage und Unsicherheiten über die Runden kommen will. Wie so viele andere auch. Viele weitere Charaktere treten auf und bilden so ein unsicheres Netz, in dem man nie genau weiß, wem man trauen kann. So endet die Geschichte auch für einige böse.
Der Roman ist spannend geschrieben. Es gibt immer wieder Überraschungen in der Handlung. Der Leser kann sich gut in die Charaktere hineinversetzen.
Besonders gut gefällt mir auch das Nachwort, das die Geschichte historisch einordnet und aufzeigt, wie wenig Literatur es aus dieser Zeit gibt, die die damalige Situation darstellt. Bei dem Roman handelt es sich um eine Neuausgabe. Ursprünglich stammt das Werk von 1953. Dass der Picus Verlag diese Eindrücke der beiden Autoren aus der damaligen Zeit weiter verlegt und damit erhält, ist wichtig für die Zeitgeschichte. Insgesamt ist die "Internationale Zone" ein sehr empfehlenswerter Roman, der gekonnt einen Krimi mit der echten Wirklichkeit von damals verbindet.
POR
5/5
06.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Stetig bergab
Aus der Haft vorzeitig entlassen versucht Boris Kostoff rasch wieder Fuß im 1953 viergeteilten Wien zu fassen. Als Anker ist ein großer Geldbetrag in der Schweiz deponiert, doch um diesen zu lukrieren muss er erst an eine Schriftprobe des bereits verstorbenen Kumpans Georgi Maniu aus seiner alten Wohnung abholen. Dies gelingt und wegen des raschen Erfolges feiert er mit alten Freunden im „Casino“. Etwas berauscht erinnert er sich an die Zeit gleich nach dem zweiten Weltkrieg.
Österreich ist von den Besatzungsmächten in vier Teile gegliedert worden. In Wien wird der erste Bezirk – die Internationale Zone – von allen Vieren verwaltet. Die Lebensverhältnisse sind einfach, es herrscht überall Not, um zu überleben wird man zum Schleichhändler. Alles was benötigt wird erhält man im Untergrund (heutige Parallele ist das „dark net“). Aber schon bald geht es aufwärts für die Bevölkerung, für die Strizzis allerding stetig bergab. Amerikanische Zigaretten, einst als Tauschmittel verwendet, werden immer mehr am Schwarzmarkt gehandelt, es müssen neue Einnahmequellen erschlossen werden. Mit den Sowjets kann man Geschäfte machen – Menschenschmuggel. Dabei kommen Menschen ums Leben und Kostoff landet im Zuchthaus. Die Menschen, egal ob Mann oder Frau, sind alle mehr oder weniger in einer Spirale von Verbrechen gefangen, die sie immer weiter in den Orkus zieht.
Dor und Federmann haben den Weltkrieg mitgemacht und überlebt. Sie kennen die Halbwelt in der Strizzis wie Kostoff als Schwarzhändler reich geworden sind. Immer mit einem Fuß im Gefängnis und mit dem anderen unter den „oberen Zehntausend“ wo Geld keine Rolle spielt. Eine Zeit in der fast jeder sein ganzes Hab und Gut in einem Koffer untergebracht hat und man rasch sein Quartier wechseln musste. Der Roman ist 1953 erschienen und war einer der wenigen, die sich mit dem Leben in der besetzten Stadt auseinandergesetzt haben. Sie berichten direkt aus dem aktuellen Leben und nehmen auch Bezug auf aktuelle Ereignisse.
Für alle die sich für das Leben nach dem Krieg in Österreich interessieren. Ein Krimi ohne Polizei, jedoch mit Schwarzhandel, Geheimdiensten und Entführungen. Spannend sowieso und wer den Film „Der Dritte Mann“ kennt, weiß, warum sich die beiden Österreicher diesem Thema angenommen haben.
robertp
aus Guntramsdorf
5/5
06.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Stetig bergab Aus der Haft…
Stetig bergab Aus der Haft vorzeitig entlassen versucht Boris Kostoff rasch wieder Fuß im 1953 viergeteilten Wien zu fassen. Als Anker ist ein großer Geldbetrag in der Schweiz deponiert, doch um diesen zu lukrieren muss er erst an eine Schriftprobe des bereits verstorbenen Kumpans Georgi Maniu aus seiner alten Wohnung abholen. Dies gelingt und wegen des raschen Erfolges feiert er mit alten Freunden im „Casino“. Etwas berauscht erinnert er sich an die Zeit gleich nach dem zweiten Weltkrieg. Österreich ist von den Besatzungsmächten in vier Teile gegliedert worden. In Wien wird der erste Bezirk – die Internationale Zone – von allen Vieren verwaltet. Die Lebensverhältnisse sind einfach, es herrscht überall Not, um zu überleben wird man zum Schleichhändler. Alles was benötigt wird erhält man im Untergrund (heutige Parallele ist das „dark net“). Aber schon bald geht es aufwärts für die Bevölkerung, für die Strizzis allerding stetig bergab. Amerikanische Zigaretten, einst als Tauschmittel verwendet, werden immer mehr am Schwarzmarkt gehandelt, es müssen neue Einnahmequellen erschlossen werden. Mit den Sowjets kann man Geschäfte machen – Menschenschmuggel. Dabei kommen Menschen ums Leben und Kostoff landet im Zuchthaus. Die Menschen, egal ob Mann oder Frau, sind alle mehr oder weniger in einer Spirale von Verbrechen gefangen, die sie immer weiter in den Orkus zieht. Dor und Federmann haben den Weltkrieg mitgemacht und überlebt. Sie kennen die Halbwelt in der Strizzis wie Kostoff als Schwarzhändler reich geworden sind. Immer mit einem Fuß im Gefängnis und mit dem anderen unter den „oberen Zehntausend“ wo Geld keine Rolle spielt. Eine Zeit in der fast jeder sein ganzes Hab und Gut in einem Koffer untergebracht hat und man rasch sein Quartier wechseln musste. Der Roman ist 1953 erschienen und war einer der wenigen, die sich mit dem Leben in der besetzten Stadt auseinandergesetzt haben. Sie berichten direkt aus dem aktuellen Leben und nehmen auch Bezug auf aktuelle Ereignisse. Für alle die sich für das Leben nach dem Krieg in Österreich interessieren. Ein Krimi ohne Polizei, jedoch mit Schwarzhandel, Geheimdiensten und Entführungen. Spannend sowieso und wer den Film „Der Dritte Mann“ kennt, weiß, warum sich die beiden Österreicher diesem Thema angenommen haben.
Bewertung
aus Maria Taferl
5/5
26.02.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der dritte Mann lässt grüßen
Wien in der Nachkriegszeit. Die Stadt ist - wie das ganze Land - in Zonen aufgeteilt, der erste Bezirk steht als internationale Zone abwechselnd unter der Herrschaft einer der Alliiertentruppen.
Der Schwarzhandel blüht. Besonders beliebte Schmuggelware sind Zigaretten, vor allem amerikanische. Um erfolgreich in dem "Geschäft" zu sein, muss man es sich sowohl mit den amerikanischen als auch mit den russischen Besatzungstruppen gutstehen. Man muss vor allem den Russen ein Gegengeschäft bieten. Dieses Gegengeschäft ist Menschenhandel.
Für die zugedrückten Augen beim Warenschmuggel verlangen die Russen die "Beschaffung" von Personen, die auf ihrer Suchliste stehen, aus welchen Gründen auch immer.
König der Schwarzhändler ist Georges Maine alias Georgi Maniu,gebürtiger Rumäne, der seinen Hauptkonkurrenten Freddie Hirsch ausschaltet und sich kurze Zeit als Capo di Capi fühlen kann. Allerdings hat er Mitarbeiter, die Fehler begehen... Da ist zum Beispiel Boris Kostoff, sein Geschäftspartner, ehemaliger Tierarzt und jetzt Alkoholiker, dem die Dosierung einer Betäubungsspritze schon einmal zu hoch geraten kann. Ein zu "überstellender Kunde" stirbt, die Aktion läuft aus dem Ruder und plötzlich werden die Jäger zu Gejagten.
Sehr spannende Geschichte, die natürlich an den dritten Mann erinnert, aber - da sie von Menschen geschrieben wurde, die das selbst in Wien hautnah erlebt haben, umso authentischer ist.
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