Sechs Wochen, aber gleichzeitig ein halbes Leben, das vor ihr lag. Mit zäh fließenden Honigtagen am See und Radfahrten über Waldbodenteppiche aus Tannennadeln. Mit kühlen Wasserspritzern auf geschlossenen Lidern, Pommes Rot-Weiß, kurz bevor das Schwimmbad schloss, statt dem geplanten Abendbrot drinnen am Tisch, tiefblauem Himmel über dürren Fichten und senfgelben Feldern.
Es ist das erste Mal seit sechs Jahren, dass die alleinerziehende Musiklehrerin Lisa einen Sommer ohne ihren Sohn vor sich hat. Doch die lang ersehnte Freiheit bringt auch Zweifel mit sich. Da ist die Sehnsucht nach ihrem Kind und die Frage, was für eine Frau sie eigentlich ist, wenn sie mal keine Mutter ist. Auf der Suche nach einem Restaurator für ihre alte vernachlässigte Geige begegnet sie der Obstbäuerin Ute in ihrem Kirschgarten, einer Frau, die keine Zeit mehr für Kompromisse hat. Bald wird Lisa klar, dass die Frage nach ihr selbst eng mit all dem verknüpft ist, worüber in ihrer Familie stets geschwiegen wurde. Und sie erfährt die unwiderstehliche Magie eines Sommers zwischen den Abgründen der Vergangenheit und einer neuen flirrenden Freiheit.
Ein schwebend schöner, tiefgründiger Roman von Bestsellerautorin Anne Stern.
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Ein wundervolles Buch über Eltern, Kinder und die Schwierigkeiten, miteinander zu leben
Janina aus Ilvesheim am 07.05.2025
Bewertungsnummer: 2485103
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Dieses Buch hat mich direkt von Anfang an in seinen Bann gezogen.
Beim Lesen werden viele schwere Themen angeschnitten: Scheidung/Trennung, Krankheiten, Tod, Trauer, Selbstzweifel, Ängste und so vieles mehr und trotzdem vermittelt die Autorin uns das mit einer wunderbaren Leichtigkeit, die man selten so erlebt.
Lisa und Ute wachsen einem direkt ans Herz, man hofft schon zu Beginn, dass die Geschichten der beiden Frauen zusammenfinden.
Als Mutter kann man sich sehr gut in Lisa und ihre Beziehung zu Paul hineinversetzen, die unbändige Liebe, die Ängste, der Verlust der Eigenständigkeit... Aber auch die Tochterrolle zu Barbara fühlt man gleich, selbst wenn das eigene Verhältnis zur Mutter anders ist.
Ein bisschen traurig war ich, dass Tobias so sang- und klanglos verschwunden ist, aber man kann ja nicht alles haben ;)
Klare Kauf- und Leseempfehlung, auch das Hörbuch, das ich parallel genutzt habe, ist ganz toll!
Wenn die Tage länger werden
Bewertung am 12.03.2025
Bewertungsnummer: 2436390
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Inhalt siehe Klappentext.
Ich habe schon einige Bücher von Anne Stern gelesen und gerade die Lichterfelde-Reihe gehört - ich mag den Schreibstil der Autorin, egal, ob es ein historischer Roman ist oder etwas Aktuelles, wie das neueste Buch „Wenn die Tage länger werden“. Der Titel ist mir in letzter Zeit öfter begegnet, das hauptsächlich grün gehaltene Titelbild mit der Frau, die auf dem Bauch auf der Wiese liegt und von Äpfeln umgeben ist, fällt einfach auf. Die Geschichte um die alleinerziehende Lisa Fischer, Musiklehrerin Ende 30 mit Fast-Schulkind Paul und kaum Verbindung zu ihrer Mutter Barbara, ist überfordert, weil sie nun 3 Wochen Ferien füllen und rumkriegen muss, idealerweise mit Familienforschung und der Bekanntschaft einiger Menschen, auf die Lisa sonst nicht zugegangen wäre, während Sohn Paul mit Vater Janusz nach Polen reist. Ich selbst hätte keine Probleme, 3 Wochen ohne meine Kinder/Familie „auszuhalten“, da würde mir genug einfallen. Mir tut es leid für Lisa, dass sie seit ihrer Kindheit keinen Draht und auch als Erwachsene kaum Kontakt zu ihrer Mutter hat, und wenn, dann hat diese bereits alles geplant und durchgetaktet und sieht zu, dass die Tochter, die offensichtlich nicht ganz ihren Erwartungen entspricht, bald wieder geht. Zur Musik und der Geige kann ich nichts sagen, da ich weder musikalisch bin, noch ein Instrument spiele. Den Einblick in Hans‘ Geigenbauerwerkstatt finde ich anschaulich beschrieben, der Mann lebt trotz seines hohen Alters für die Instrumente, das merkt man. Ihn interessiert die Geschichte um Lisas Geige, obwohl eine Reparatur vermutlich ausgereicht hätte. Aber so spüren sie in der Vergangenheit nach Geheimnissen, die, warum auch immer, nicht zur Sprache gebracht werden sollten. Barbara ist keine große Hilfe dabei, eher deren Nachbarin Ilse, obwohl sie das nicht tun müsste. Die Hilfe kommt von anderer, unerwarteter Seite und ich finde diesen Kontakt wirklich sympathisch.
Auf den ersten Blick ist Hans‘ Tochter Ute mürrisch, launisch, sicherlich nicht die erste Wahl als beste Freundin. Mag an ihrer Krankheit und der damit verbundenen Angst vor der Zukunft liegen, oder es ist einfach ihre Art. Ich finde, wenn man, in diesem Falle Lisa, sie etwas länger beobachtet, trifft, sich mit ihr unterhält, sofern sie denn etwas preisgeben will, könnte sie tatsächliche eine gute Gesprächspartnerin, Verbündete oder sogar Freundin werden - eine, die sich auf das Wesentliche beschränkt und nicht lange rumlabert, um es direkt auszudrücken. Die gemeinsamen Aktionen scheinen jedenfalls beiden Frauen gutzutun und lenkt beide vor der kommenden Zeit mit Ungewissheit und Angst ab.
Der Schauplatz Freiburg (und Umgebung) mit den Bächlein erinnert mich an einen schönen Urlaub im Schwarzwald, von dort haben wir einen Ausflug nach Freiburg unternommen. Bei uns waren die Rinnen voller Wasser, die Kinder haben, da waren sie noch klein, im Wasser rumgepanscht. Eine schöne Stadt, ich erinnere mich auch an ein ganz besonderes Spielzeuggeschäft, direkt daneben war ein Bach/Fluss mit „Krokodil“. Und auf dem Schauinsland waren wir natürlich auch. Schön, dass diese Orte in Lisas, Barbaras und Utes Geschichte einfließen.
Die Nazi-Vergangenheit von Lisas Großvater überschattet die Freude über die Geige, aber totschweigen bringt im Nachhinein auch nichts mehr (Barbara war da wohl anderer Meinung). Warum wirkt sie immer so kalt und gibt Lisa das Gefühl, nicht ausreichend zu sein? Ein klärendes Gespräch ist dringend nötig und ich finde sowohl die Entwicklung zwischen Tochter und Mutter ziemlich gelungen, wenn auch langsam und in kleinsten Schritten, als auch Lisas eigenes Leben, für das sie sich nach der Sommerpause entschieden hat. Ein flüssig zu lesender Roman mit schönen Momenten, traurigen Stellen, nachdenklichen Passagen, insgesamt sehr „rund“ und Kandidat für eine Leseempfehlung mit 5 Sternen.
Meinung aus der Buchhandlung
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einfühlsame Selbstreflexion einer jungen alleinerziehenden Mutter
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Schon lange ein Fan dieser wunderbaren Autorin, hat mich auch ihr neuestes Werk wieder sofort angesprochen und hineingezogen in eine spannende Auseinandersetzung einer alleinerziehenden jungen Mutter mit ihrer eigenen Identität. Einfühlsam schildert Anne Stern die Gewissenskonflikte und Selbstreflexion der Protagonistin Lisa. Auch die Annäherung zwischen ihr und ihrer Mutter, deren Beziehung zueinander schwierig und von Erwartungshaltungen geprägt ist, haben mich sehr berührt. Eine alte, vom Großvater vererbte Geige, spielt genauso eine interessante Rolle bezüglich der eigenen Familiengeschichte, wie auch die beginnende Freundschaft mit der Obstbäuerin Ute, die in ihrem Leben keine Kompromisse mehr eingehen möchte. Alles in allem ein berührender und sehr einfühlsamer Roman mit Tiefgang inmitten der sommerlichen Kulisse Freiburgs.
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Dieser wundervolle Roman erzählt die Geschichte von Lisa, die nach 6 Jahren einen Sommer ohne ihren Sohn verbringt & sich dabei mit ihrer eigenen Identität & Familiengeschichte auseinandersetzt. Meine wärmste Empfehlung für alle, die sich für zeitgenössische Frauenliteratur begeistern.
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