Nach 30 Jahren als Mangaredakteur kündigt Kazuo Shiozawa – unvermittelt, von einem Tag auf den anderen. An seinem letzten Arbeitstag nimmt er den Zug, wie hunderte Male zuvor, um einen Mangaautor zu besuchen und ihm ein letztes Mal Rat zu geben. Doch damit scheint es nicht getan: Ein junger Redakteur bittet ihn in eine Buchhandlung, weil er Hilfe bei einem unverbesserlichen Mangazeichner benötigt, der früher von Shiozawa redigiert wurde und sich nun weigert, mit jemand
anderem zusammenzuarbeiten. Für Shiozawa ist Tokyo dieser Tage voller Erinnerungen – eingebettet in die unausweichlichen Bande zwischen Mangaschöpfern, ihren Redakteuren, der Kunst und dem Leben selbst.
In seinem aktuellen dreiteiligen Werk TOKYO DIESER TAGE beschäftigt sich Taiyo Matsumoto mit den Beziehungen zwischen Mangaredakteur:innen und -autor:innen, die in Japan so eng verflochten sind wie in keinem anderen Comicmarkt der Welt, und nutzt dieses Thema zu einer Betrachtung von Lebensgefühl und -rhythmus im Tokyo von heute.
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Tiefgründiger und literarischer Manga
lauras_garden_of_books am 22.04.2026
Bewertungsnummer: 3116903
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Band 1 von 3 - abgeschlossen ✔️
Genre: Seinen, Drama, Slice-of-Life
„Ich mag aus dieser Welt geflohen sein, weil sie mich am Ende angewidert hat…aber so richtig gelebt habe ich eigentlich nur, wenn ich Manga gezeichnet habe.“
„Tokyo dieser Tage“ ist ein tiefgründiger Manga über das Manga-Zeichnen und die Manga-Vermarktung, die Zusammenarbeit von Redakteur und Mangaka und alles was dahintersteht: und damit eben auch der Druck und die Erwartungen.
Den etwas eigenwilligen Zeichenstil von Taiyo Matsumoto kannte ich nun schon von seinem anderen Werk „Ping Pong“ und ich muss sagen, dass ich diesen mittlerweile richtig schätzen gelernt habe. Die Zeichnungen sind unglaublich ausdrucksstark und atmosphärisch und besitzen einen erzählerischen Sog, der einen gewissen qualitativen Anspruch hat. So wirkte dieser Manga für mich wie ein literarisches Werk, in dem tiefe Charakterstudien betrieben werden und wichtige Themen ihren Platz finden und zum Nachdenken anregen. In dieser Geschichte bewegen wir uns viel auf den Straßen Tokyos und bekommen auch einige Aussichtsbilder über die Stadt, die besonders toll anzuschauen sind. Diese Vogelperspektive spielt auch ein bisschen auf den Mitbewohner von dem Hauptprotagonisten Shiozawa an, der einen Vogel als Haustier hat, mit dem er sich auch immer unterhält und der auch auf dem Cover Platz findet. Shiozawa kündigt nach 30 Jahren überraschend seinen Job als Mangaredaktuer, denkt intensiv über sein Leben nach und möchte dieses ganze Kapitel für sich beenden. Nachdem er erst seine gesamte Manga-Sammlung verkaufen möchte, merkt er jedoch, dass er seine Leidenschaft doch nicht so einfach aufgeben kann und nimmt Kontakt zu Künstlern auf, deren Werke ihm besonders viel gegeben haben und startet ein neues privates Projekt.
Der Kontakt zu den verschiedenen Künstlern zeigt uns verschiedene Blickwinkel in dieser Branche und den schmalen Grad zwischen der Ausübung dieser Passion und dem Zufriedenstellen der Ansprüche der Lesenden. Für mich ein beeindruckendes Werk, das in dieser hochwertigen gebundenen Ausgabe seine Würdigung findet.
Einfach mal was anderes...
steffi_heavy_fun aus Pasching am 06.08.2025
Bewertungsnummer: 2560215
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Für mich war es das erste Werk des Mangakas und für mich war es nicht nur eine nette Abwechslung, sondern auch eine positive Überraschung da hier wesentlich mehr in der Geschichte steckt als man zunächst vermuten würde. Man spürt die Nostalgie sowie die Poesie nicht nur durch einige Zitate, sondern durch die vielen Details, die es sonst noch zu entdecken gilt. Hier wurden sich sehr viele Gedanken rund um die Manga Welt gemacht und mich konnte der Titel durchaus zum Grübeln anregen was für mich einen guten Manga ausmacht, welche Erwartungen ich an dieses Hobby habe und wie wohl die Hintergrundarbeiten aussehen könnten. Taiyo Matsumoto scheint einige persönliche Erfahrungen in diese Reihe eingebracht zu haben und auf mich wirkten viele Szenen sehr authentisch, weswegen ich das direkt glaube. Der Blick hinter die Kulissen war genauso irre wie interessant und dass es sicher nicht leicht ist einen Manga zu zeichnen und zu veröffentlichen sind Umstände, die ich auch schon ohne dieses Werk gewusst habe, wobei es nochmal neuen Input liefert und einen wieder ins Gedächtnis ruft, dass hinter den Bänden auch echte Menschen stecken. Und genau das ist der Punkt, an den viele oftmals nicht denken, die Leute sind keine Maschinen und haben genauso Ängste, Wünsche, Zweifel und Hoffnungen, wobei sie von allen Seiten unter Druck geraten und selbst oftmals hinten anstehen nur um ihr Werk in den Vordergrund zu stellen. Ob das gesund ist? Wie man das auf Dauer aushält? Das sind nur einige der Aspekte, denen wir hier begegnen und ihr solltet die Antworten dazu am besten selbst herausfinden.
Im Band selbst werden wir mit einigen Farbseiten belohnt und auch wenn der Zeichenstil zunächst gewöhnungsbedürftig war, zeugte er von tiefer Leidenschaft und konnte mich damit erreichen. Gegen Ende eines jeden Kapitels präsentierte sich uns eine Stadt, ein Gebäude oder eine Landschaft und dieses Konzept fand ich sehr ansprechend da ich so gedanklich das Kapitel schließen konnte, um mich frisch auf das Nächste einzulassen. Alles in allem war es für mich ein rundum gelungenes Leseerlebnis und auch wenn ich nicht immer allen Gedankengängen oder Handlungen folgen konnte, tat dies meinem eigenen Empfinden keinerlei Abbruch. Ich glaube das man sich auf dieses Werk nur einlassen sollte, wenn man wirklich an der grundlegenden Thematik interessiert ist und nicht auf Action oder Spice aus ist, denn ich würde den Band eher als ,,Slice-of-Life" beschreiben. Es war auf jeden Fall in vielerlei Hinsicht mal was anderes als die sonstigen Werke, die ich lese und ich hatte auf alle Fälle eine gute Zeit, weswegen ich es durchaus weiterempfehlen würde. Mein persönliches Highlight war die Botschaft ,,Gib nicht auf was du liebst und wofür du brennst, sondern finde neue Wege, um die Leidenschaft am Leben zu erhalten”. Keine Ahnung, ob ich zu viel hinein interpretiere oder was sehe was gar nicht da ist, aber Gedanken sind ja bekanntlich frei und deswegen verbinde ich diesen Auftakt mit diesem leidenschaftlichen Gefühl von Freiheit. In diesem Sinne wünsche ich euch viel Spaß bei dem beschwerlichen, aber dafür auch erfüllenden Alltag eines Mangakas.
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