Tacloban, Leyte, Philippinen. Der Super-Taifun Haiyan, der »perfekte Sturm«, hat die Insel heimgesucht. Ann kehrt nach 20 Jahren im Auftrag einer NGO in ihre Heimatstadt zurück – und wird überrollt von Kindheitserinnerungen, denen sie inmitten der Trümmer auf den Grund zu gehen versucht: einem großen, düsteren Familiengeheimnis, Gruselgeschichten von einer Bestie, die umgeht in Tacloban, Menschen, die plötzlich in ihr Leben traten und ebenso schnell wieder verschwanden. Gleichzeitig widmet sie sich der Aufgabe, in der völlig zerstörten Stadt nach jenen Fragmenten zu forschen, die vom Leben der Menschen übrigbleiben, wenn ihre Existenz fast vollständig vernichtet wird: ihren Erinnerungen.
Mitreißend, alltagsnah, ungewöhnlich authentisch: Es fühlt sich an wie mittendrin. Mittendrin in der Klima-Katastrophe, dort, wo sie schon längst da ist. Mittendrin in einer Kindheit in der Diktatur, zwischen Licht und Schatten, Wahrheit und Lüge, ganz oben und ganz unten, wo nicht einmal die eigenen Lieben sind, was sie scheinen. Mittendrin in der Realität der Überlebenden: Sieben in die Handlung eingewobene Original-Interviews gehen unter die Haut, indem sie erst richtig fassbar machen, was der Taifun für die Menschen bedeutet: den Schmerz und den Verlust, aber auch die Hoffnung auf ein – vielleicht besseres – Leben danach.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
12 Bewertungen
5 Sterne
4 Sterne
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Sterne
(0)
Überreste
Bewertung aus Schönebeck am 28.08.2025
Bewertungsnummer: 2580056
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch verbindet auf eindrucksvolle Weise dokumentarische Genauigkeit mit literarischer Kraft. Ausgangspunkt ist der Super-Taifun Haiyan, der die philippinische Stadt Tacloban verwüstet hat – doch der eigentliche Sturm, den die Autorin beschreibt, tobt im Inneren ihrer Protagonistin Ann. Nach zwanzig Jahren kehrt sie in ihre Heimat zurück und wird mit der zerstörten Stadt ebenso konfrontiert wie mit den eigenen, lange verdrängten Erinnerungen: ein Familiengeheimnis, kindliche Ängste, flüchtige Begegnungen und die Frage nach dem eigenen Platz zwischen Heimat und Fremde.
Besonders stark ist die Erzählweise, die persönliche Geschichte und kollektives Erleben verwebt. Sieben Originalinterviews mit Überlebenden verleihen dem Text eine dokumentarische Schwere, die den Schmerz und die Verluste spürbar macht – und zugleich Momente von Hoffnung zulässt. Gerade diese Stimmen, die nicht fiktional überformt sind, öffnen den Blick für die Realität jener Menschen, die eine Naturkatastrophe nicht nur als Schlagzeile, sondern als Zäsur ihres Lebens erfahren.
Die Sprache ist bildhaft, nah an den Menschen, oft atmosphärisch dicht, sodass man als Leserin oder Leser das Gefühl hat, selbst durch die Trümmer Taclobans zu gehen. Das Nebeneinander von Erinnerungen an eine Kindheit in der Diktatur und den Erlebnissen der Taifun-Überlebenden schafft dabei ein spannungsvolles Panorama: Es geht nicht nur um Katastrophe, sondern auch um Macht, Wahrheit, Zugehörigkeit – und darum, wie Erinnerungen unsere Identität prägen.
Ein Buch, das bewegt, verstört und gleichzeitig bereichert. Wer verstehen will, was der Klimawandel für Menschen in besonders betroffenen Regionen wirklich bedeutet, findet hier keine abstrakten Zahlen, sondern unmittelbare Geschichten.
Ein Roman, der unter die Haut geht – und ins Herz
KöB Wallhalben aus Südwestpfalz am 05.07.2025
Bewertungsnummer: 2531905
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Für mich war „Überreste“ von Daryll Delgado ein ganz besonderes Leseerlebnis, das mich tief bewegt hat. Schon das Cover, das auf leise Weise Zerstörung und Neubeginn spiegelt, hat mich neugierig gemacht. Die Geschichte führt nach Tacloban auf den Philippinen, wo Ann nach Jahrzehnten in ihre Heimat zurückkehrt, um nach dem verheerenden Taifun für eine NGO Überlebende zu interviewen. Dabei dringt sie immer tiefer in ihre eigene Vergangenheit ein, in alte Familiengeheimnisse und Kindheitsängste.
Delgado erzählt mit einer unglaublich authentischen Stimme, die mitten hineinzieht in diese fremde, zugleich so menschlich vertraute Welt. Besonders die eingestreuten Interviews haben mich nachhaltig beeindruckt. Sie zeigen unverblümt, was Naturkatastrophen wirklich bedeuten: nicht nur Zahlen und Schlagzeilen, sondern das Zerbrechen ganzer Leben – und gleichzeitig einen kleinen Funken Hoffnung.
Auch sprachlich ist das Buch ein Genuss: poetisch, manchmal hart, dann wieder von einer fast zärtlichen Beobachtungsgabe. Die Figuren wirken dabei so echt, dass man meint, ihnen tatsächlich begegnet zu sein. Mich hat beeindruckt, wie Delgado die großen Themen – Klimakatastrophe, Armut, Diktatur – ganz nah an den Menschen erzählt, ohne jemals ins Pathetische abzurutschen.
Für mich war „Überreste“ nicht nur ein perfekter Sommerroman, weil er so tief ins Leben eintaucht, sondern auch, weil er mir zeigte, wie sehr uns alle dasselbe berührt: Verlust, Angst, Liebe, Erinnerung. Ein Buch, das ich von Herzen weiterempfehle – an alle, die Literatur suchen, die Spuren hinterlässt.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.