Ein außergewöhnlicher Roman über eine verspielte Liebeserklärung … Der Titel „Ping“ legt eine interessante Fährte und tatsächlich muss man ihn nur gedanklich vervollständigen, um mit Pong bei der umgangssprachlich vertrauten Bezeichnung von Tischtennis zu landen. Ein temporeicher Roman über Tischtennis? Gewiss. Die Geschichte einer Vater-Tochter-Beziehung? Durchaus. Nun wäre Thomas Heimgartner nicht der Autor raffinierter Textkonstruktionen, hätte er nicht auch für diese elegant-verspielte Geschichte eine besondere formale Lösung entwickelt, die auch die Gestaltung der Buchseiten einbezieht. Ein Zweiseitenspiel mit wechselnden Aufschlägen und Erzählperspektiven, das auf der einen Seite die Geschichte des 15-jährigen Ralphs und seiner Tischtennis-Clique im Jahr 1989 erzählt. Auf der anderen Seite tritt die 25-jährige Valérie in der Gegenwart mit ihrem weit entfernten Vater in einen Dialog, der sich Seite um Seite so aufregend entwickelt wie ein gutes Tischtennismatch. Mit einem Nachwort von Manfred Papst.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Bewertung
aus Alfter
5/5
27.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wussten Sie, dass Ping ein chinesischer Vorname ist?
Nicht nur das erfährt der Leser in Thomas Heimgartners „Zweiseitenspiel“, sondern auch jede Menge über Tischtennis. Doch gleich vorweggenommen, der Roman ist nicht nur etwas für eingefleischte Tischtennisexperten oder die, die es noch werden wollen und denen das eingeflochtene Glossar zum sportiven Fachvokabular gute Dienste leisten kann.
Das Schöne an dem schmalen Bändchen ist, dass man ihn als Hommage an eine Tischtennisjugend lesen kann. Als leichtfüßige, vielleicht ein wenig nostalgische Retrospektive in eine von nichts als vielleicht ein wenig Liebeskummer belastete Sommerferienzeit der späten 80er. Als anregenden Generationenroman im Gespräch zwischen Tochter und Vater, die beide auf der Suche sind nach ihrem Platz im Leben und die beide indirekt um das Verständnis des anderen werben: Der Vater, indem er von seiner Jugend im Sommer 1989 erzählt, seiner Leidenschaft für Tischtennis, seiner Sehnsucht nach Zugehörigkeit und seiner ersten zarten Liebe zu Ping, einem chinesischen Mädchen, das verschwindet, bevor er es überhaupt kennenlernen kann. Die Tochter, die sich vom Vater verlassen fühlt, der Frau, 25jähriges „Kind“ und Heimat hinter sich gelassen hat, um in Bangkok herauszufinden, wer er ist – oder vielleicht findet er es heraus in dem sich dadurch neu eröffnenden Gespräch mit seiner Tochter. Die Tochter fordert Antwortnt, provoziert in pointiertem, (selbst)ironischem Stil und offenbart damit auch sich selbst als Suchende nach einem eigenen Ort, an den sie gehört, nach einem passenden Beruf, einem passenden Partner, denn der ihr bekannte Ort von Zuhause oder Heimat ist ihr mit der Flucht des Vaters ja auch ein Stück weit genommen worden, unabhängig davon, dass ihr Alter diesen Schritt ins Leben von ihr verlangt.
Und so kann man dieses „Zweiseitenspiel“ auch lesen als literarisches Experiment mit der Metapher des Ping-Pong-Spiels, wie der Laie es nennt, die nicht nur für die unberechenbaren Bälle steht, die einem das Leben zuspielt, sondern auch für eine Form des Dialogs und damit die strukturelle Form des Textes: ein Hin und Her, ein Schlagabtausch zwischen Vater und Tochter mit je eigenem Spielstil und wechselnder Intention. Scheint es zu Beginn noch um Sieg und Niederlage, Angriff (der Tochter) und Verteidigung (des Vaters) zu gehen, so wird daraus bald eine Zu(sammen)spiel, das bemüht ist, die Bälle möglichst lange in der Luft zu halten. Kunstvoll und fast unmerklich – den genauen Leser fordernd – webt der Text in die zwei zunächst zusammenhanglos nebeneinander stehenden Nachrichten – die Tochter schreibt über sich in Reaktion auf das Verlassenwerden vom Vater, der Vater hält scheinbar zusammenhanglos seine Jugendgeschichte dagegen – erste zarte Bezüge, Antworten ein, die sich immer mehr zum echten Dialog auswachsen. Die Tochter schreibt im inkohärenten Stakkato-Stil einer digital geprägten Short-Message-Generation (mit herrlich selbst- und medienkritischen Exkursen), der Vater erzählt behäbiger, mit der Muße eines Jungen, der sechs Wochen sorgenfreie Ferien und jede Menge – fast schon zu viel – freie Zeit vor sich hat.
Meine Ausführungen zeigen schon das, was für mich die absolute Freude an dem kleinen Büchlein ausmacht: Man kann sich Tochter und/oder Vater nahe fühlen, sich in ihre Situationen hineinversetzen, ohne das man viel von ihnen erfährt, womit sich gleichzeitig eine Offenheit ergibt, die Anregungen gibt und Platz lässt für ganz viele Gedanken und Bezüge, die sich herstellen lassen. Das zum Teil rasante Ping-Pong des Dialogs – Ping ist wohl auch ein Maß für die Zeitspanne eines digital gesendeten Nachrichtenpakets und der darauf folgenden Antwort („Paketumlaufzeit“) – erzeugt beim Lesen das Gefühl, da noch einmal genauer hinschauen und noch mal nachlesen zu müssen, um einen flüchtigen Gedanken aufnehmen und weiter denken zu können.
Was will man mehr von einem Buch, das einen gut unterhält, mit dessen Figuren man sich gerne austauschen mag, als dass es – man verzeihe mir diese Schülerinterpretationsaufsatzpauschalphrase – zum Nachdenken anregt und fast zwangsläufig zum Reden über sich bringt.
leseleucht
aus Alfter
5/5
27.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wussten Sie, dass Ping ein…
Wussten Sie, dass Ping ein chinesischer Vorname ist? Nicht nur das erfährt der Leser in Thomas Heimgartners „Zweiseitenspiel“, sondern auch jede Menge über Tischtennis. Doch gleich vorweggenommen, der Roman ist nicht nur etwas für eingefleischte Tischtennisexperten oder die, die es noch werden wollen und denen das eingeflochtene Glossar zum sportiven Fachvokabular gute Dienste leisten kann. Das Schöne an dem schmalen Bändchen ist, dass man ihn als Hommage an eine Tischtennisjugend lesen kann. Als leichtfüßige, vielleicht ein wenig nostalgische Retrospektive in eine von nichts als vielleicht ein wenig Liebeskummer belastete Sommerferienzeit der späten 80er. Als anregenden Generationenroman im Gespräch zwischen Tochter und Vater, die beide auf der Suche sind nach ihrem Platz im Leben und die beide indirekt um das Verständnis des anderen werben: Der Vater, indem er von seiner Jugend im Sommer 1989 erzählt, seiner Leidenschaft für Tischtennis, seiner Sehnsucht nach Zugehörigkeit und seiner ersten zarten Liebe zu Ping, einem chinesischen Mädchen, das verschwindet, bevor er es überhaupt kennenlernen kann. Die Tochter, die sich vom Vater verlassen fühlt, der Frau, 25jähriges „Kind“ und Heimat hinter sich gelassen hat, um in Bangkok herauszufinden, wer er ist – oder vielleicht findet er es heraus in dem sich dadurch neu eröffnenden Gespräch mit seiner Tochter. Die Tochter fordert Antwortnt, provoziert in pointiertem, (selbst)ironischem Stil und offenbart damit auch sich selbst als Suchende nach einem eigenen Ort, an den sie gehört, nach einem passenden Beruf, einem passenden Partner, denn der ihr bekannte Ort von Zuhause oder Heimat ist ihr mit der Flucht des Vaters ja auch ein Stück weit genommen worden, unabhängig davon, dass ihr Alter diesen Schritt ins Leben von ihr verlangt. Und so kann man dieses „Zweiseitenspiel“ auch lesen als literarisches Experiment mit der Metapher des Ping-Pong-Spiels, wie der Laie es nennt, die nicht nur für die unberechenbaren Bälle steht, die einem das Leben zuspielt, sondern auch für eine Form des Dialogs und damit die strukturelle Form des Textes: ein Hin und Her, ein Schlagabtausch zwischen Vater und Tochter mit je eigenem Spielstil und wechselnder Intention. Scheint es zu Beginn noch um Sieg und Niederlage, Angriff (der Tochter) und Verteidigung (des Vaters) zu gehen, so wird daraus bald eine Zu(sammen)spiel, das bemüht ist, die Bälle möglichst lange in der Luft zu halten. Kunstvoll und fast unmerklich – den genauen Leser fordernd – webt der Text in die zwei zunächst zusammenhanglos nebeneinander stehenden Nachrichten – die Tochter schreibt über sich in Reaktion auf das Verlassenwerden vom Vater, der Vater hält scheinbar zusammenhanglos seine Jugendgeschichte dagegen – erste zarte Bezüge, Antworten ein, die sich immer mehr zum echten Dialog auswachsen. Die Tochter schreibt im inkohärenten Stakkato-Stil einer digital geprägten Short-Message-Generation (mit herrlich selbst- und medienkritischen Exkursen), der Vater erzählt behäbiger, mit der Muße eines Jungen, der sechs Wochen sorgenfreie Ferien und jede Menge – fast schon zu viel – freie Zeit vor sich hat. Meine Ausführungen zeigen schon das, was für mich die absolute Freude an dem kleinen Büchlein ausmacht: Man kann sich Tochter und/oder Vater nahe fühlen, sich in ihre Situationen hineinversetzen, ohne das man viel von ihnen erfährt, womit sich gleichzeitig eine Offenheit ergibt, die Anregungen gibt und Platz lässt für ganz viele Gedanken und Bezüge, die sich herstellen lassen. Das zum Teil rasante Ping-Pong des Dialogs – Ping ist wohl auch ein Maß für die Zeitspanne eines digital gesendeten Nachrichtenpakets und der darauf folgenden Antwort („Paketumlaufzeit“) – erzeugt beim Lesen das Gefühl, da noch einmal genauer hinschauen und noch mal nachlesen zu müssen, um einen flüchtigen Gedanken aufnehmen und weiter denken zu können. Was will man mehr von einem Buch, das einen gut unterhält, mit dessen Figuren man sich gerne austauschen mag, als dass es – man verzeihe mir diese Schülerinterpretationsaufsatzpauschalphrase – zum Nachdenken anregt und fast zwangsläufig zum Reden über sich bringt.
Bewertung
aus Claußnitz
5/5
23.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vater-Tochter-Beziehung
Das wunderbare Buch hat eine ganz besondere Innengestaltung. Der Konflikt zwischen Vater und Tochter wird intensiv aufgearbeitet. Vater Ralph beschreibt seinen Sommer 1989 als Jugendlicher. Er hat damals viel Tischtennis gespielt. Wenn seine Freunde da waren, wurde das Spiel als Rundlauf gestaltet. In den Ferien, wenn seine Freunde verreist waren, hat er Aufschläge geübt oder gegen eine Wand gespielt. Seine Tochter Valerie erzählt, wie sie ihren Vater erlebt hat, auch seine Abwesenheit, durch die Trennung ihrer Eltern. Es gestaltet sich ein Hin und Her, also Ping und Pong, wie beim Tischtennis. Die Übertragung der Geschichte auf diese Sportart ist prima gelungen. Das Nachwort von Manfred Papst macht das Buch komplett.
ullap64
aus Kleve
5/5
19.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Hin und Her der Gefühle
Zunächst möchte ich dieses wunderbare Cover loben, das direkt so toll mit Titel und Untertitel spielt, die Aufmachung im Innern und die Aufteilung der Kapitel schließt direkt dort an, zuviel soll aber hier noch nicht vorweggenommen werden. Allein schon die Haptik des Buches rechtfertigt trotz des geringen Seitenumfangs den Preis.
Ping oder Pong, Pingpong oder Tischtennis: Wie beim Sport schlagen sich in einem gegenseitigen Wechselspiel in dieser Geschichte Tochter und Vater gegenseitig die Bälle zu. Dabei geht es um ihrer beider Verhälltnis, auch um die die Vergangenheit und, wen wundert es: um Tischtennis. Man muss aber weiss Gott keine Sportliebhaber sein, um an diesem Roman Gefallen zu finden. Der Autor spielt hier auf diesen wenigen Seiten mit der Sprache, den Worten, mit Doppeldeutigekeiten, dass es nur so eine Freude ist, den beiden Protagonisten bei ihrem Dialog quasi zuzuhören. Für mich eine schriftstellerische Meisterleistung, bei der ich nur sagen kann: Spiel, Satz und Sieg!
Bewertung
aus Rösrath
5/5
11.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Pong!
Thomas Heimgartner steht halt für das Besondere, das wissen all diejenigen, die den Literaturförderer seit Jahren begleiten. Und diesesmal - mit "Ping - Ein Zweiseitenspiel" - ist er, was die Gestaltung dieses Büchleins betrifft, regelrecht über sich selbst hinaus gewachsen. Konsequent verfolgt er eine Kompositionsidee, ausgehend vom Bild des 'Tischtennisspiels. Es gibt ein Gegenüber, ein graphisch untermaltes Hin & Her zwischen Vater und Tochter; dieser Vater-Tochter-Dialog ist 'hineingegossen' in ein 21-Punkte-Match; es gibt die (fantasierte) Liebe und das Spiel - der Protagonist in seiner Jugend, der den Aufschlag macht ('ping') und das angebetete Liebesobjekt ('pong'), deren returnierter Ball nicht ganz so leicht zu nehmen ist... weil er ausbleibt; es gibt die Jugenderzählung des Vaters (1989) und den Erwachsenendialog mit der Tochter(35 Jahre später) - durchweg Ping-Pong als Strukturprinzip dieses Kleinods. Natürlich musste ich mir als Leser zunächst einiges selbst zusammenreimen, was mich zu einer weiteren Kompetenz des Autors führt - nämlich zur Kunst der Weglassung... eine Weglassung, welche Räume aufschließt für eigene Bilder und Fantasien (weil auch ich hatte in meiner Jugend meine 'Pong'... wo ich mich immer wieder frage, was wohl aus ihr geworden sein mag). Diese Rezension hat nicht den Anspruch, den Inhalt wiederzugeben; und wer sich für dieses Büchlein entscheidet, hat zumindest ein kleines Maß an Anstrengungsbereitschaft mitzubringen, wird dafür am Ende aber reich belohnt!
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