Wie führt man ein Leben im Sog der Sucht? Wie fühlt es sich an, am Totenbett der eigenen Mutter besoffen sein zu müssen, weil nichts wichtiger ist als der nächste Schluck? Wie ist es, wenn sich jeder Tag und jede Nacht um die Sucht dreht und man bereit ist, alles zu vernichten, um ihr zu dienen?
In gnadenloser Offenheit schreibt Daniel Wagner von der Hölle und den Monstern, die jahrelang sein Leben definierten. Er gibt einen ungeschönten Einblick in das Innenleben einer Suchterkrankung und wie sie nach außen hin explodiert. Ein bewegendes Buch, das aufdeckt und wachrüttelt: Betroffene, Nahestehende und Antwortsuchende.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
mimitatis_buecherkiste
aus Krefeld
5/5
22.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Am Ende der Vernunft
»Im Grunde kann ich mich an das Gefühl, betrunken zu sein, nur noch erinnern. Meine zum Standard gewordenen drei Promille sind jetzt meine Nüchternheit. Alles, was darüber hinausgeht, vergesse oder verdränge ich.« (Seite 36)
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Beim vorliegenden Buch handelt es sich dem Pressetext des Verlages zufolge um das zutiefst persönliche Debüt eines trockenen Alkoholikers. Mit entwaffnender Ehrlichkeit, brutaler Offenheit und in mal kurzen, mal längeren Abschnitten schildert Daniel Wagner seinen Weg, schreibt bewegend darüber, wie er es nach dreißigjähriger Alkoholabhängigkeit geschafft hat, trocken zu werden und bis heute zu bleiben.
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»Auch wenn ich trocken bin, das Leben, das ich führe, führe ich auf der Basis von Alkohol. Ohne es zu merken habe ich mein Leben in seine Hände gegeben und er wird es mir nie wieder vollständig zurückgeben. Hand in Hand in eine gemeinsame Zukunft. Und ich hasse das.« (Seite 12)
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Dieses Buch hat mir nicht die Augen geöffnet, ich weiß selbst ganz genau um die Gefahren von Alkohol und Drogen. Dennoch hat es mich erschreckt, wie oft ich mich wiedererkannt habe in manchen Beschreibungen, obwohl ich sicherlich kein Alkoholproblem habe. Daniel Wagner zieht sich vor den Leserinnen und Lesern förmlich aus, kehrt sein Innerstes nach außen, und schildert auch Situationen, die absolut beschämend gewesen sein müssen und dies auch im Nachhinein sind. Dies ist richtig und wichtig, um zu verstehen, wie es soweit gekommen ist und wie es passieren konnte, dass er fast gestorben ist. Nicht, dass dies zur Einsicht geführt hätte, die länger auf sich warten ließ. Ein großartiger und mutiger Bericht von einem, der gesundet ist und doch für immer krank bleiben wird. Respekt, Daniel, ich ziehe meinen imaginären Hut vor dir!
Novalie
aus Graz
5/5
15.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Absolute Überraschung
Dass Alkohol in unserer Gesellschaft ziemlich verharmlost wird, wissen wir tief in unseren Herzen wahrscheinlich alle. Was es mit jemandem macht, der tatsächlich abhängig ist und wie extrem das Verlangen nach Alkohol in jede Faser unseres Seins eindringen kann, ist aber nochmal ein ganz anderes Thema.
In „Trocken“ setzt sich Daniel Wagner mit seiner eigenen Sucht auseinander und hat es nicht nur geschafft "trocken" zu werden, sondern auch noch ein echtes Meisterwerk geschrieben.
Ich hatte beim Lesen immer einen Stift in der Hand, um wichtige Aussagen zu unterstreichen und letztendlich hätte ich das gesamte Buch anmalen und kommentieren können.
Er schreibt kompromisslos, ehrlich, voller Feingefühl und trotzdem gnadenlos, ohne etwas zu beschönigen oder ambivalente Gefühle aus Gründen der sozialen Erwünschtheit zu verzerren.
Er schreibt von Höhen und Tiefen, von Depressionen, Ängsten, verpassten Chancen und dem Wunsch zu leben.
Für mich war das Buch eine absolute Überraschung!
„Alkoholsucht ist ein Muster und ich bin nicht der Künstler.“
Eternal-Hope
aus Österreich
5/5
01.10.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eindringliches Plädoyer für einen Wandel im gesellschaftlichen Umgang mit der Droge Alkohol
Zum Glück ist "Trocken", ein außergewöhnlich berührendes, ehrliches Memoir des Autoren und trockenen Alkoholikers Daniel Wagner, auf der "Longlist Debüt" des Österreichischen Buchpreises gelandet. Denn so bin ich auf dieses außergewöhnliche Buch aufmerksam geworden. Aus beruflichem und privatem Interesse habe ich schon viele Bücher Betroffener über Suchterkrankungen und andere psychische Probleme gelesen, doch lange hat mich keines mehr so berührt wie dieses.
Basierend auf Tagebucheinträgen und Rückblicken nimmt der Autor uns mit auf seine Reise durch die Hölle der Alkoholabhängigkeit. Wir erleben, wie auf den hochintelligenten, aber schüchternen, mit Depressionen und Ängsten kämpfenden Teenager an jeder Ecke in Österreich die Verführung zum Saufen lauert. Ja, leider ist Saufen nicht nur normalisiert in diesem Land, es besteht ein regelrechter Druck, mitzumachen, dem nur wenige unter guten Bedingungen standhalten können. Denn wer nicht trinkt, der macht sich zum Außenseiter und wird immer und immer wieder aufgefordert, mitzumachen und doch nicht so langweilig zu sein (das kenne ich als lebenslange Alkoholverweigerin in Österreich nur zu gut aus eigener Erfahrung).
Bei Daniel Wagner braucht es nicht viel, um ihn zum regelmäßigen Saufen zu verleiten: zu wohltuend ist das angenehme Gefühl der Entspannung und Erleichterung, der Enthemmung und Beruhigung, das damit einhergeht. Nur betrunken fühlt er sich wohl, sicher und kommunikativ. So kommt es schnell zu einer Gewöhnung, bis ein dauerhafter Alkoholspiegel von 2 bis 4 Promille im Blut für ihn völlig normal ist. Wozu es hingegen sehr lange braucht, ist das Eingeständnis, ein Alkoholproblem zu haben: viel zu lange verleugnet er dieses, sieht nur seine Depressionen und Angststörungen sowie die Traumata, die er erlebt hat, als seine Probleme an.
Denn zu lange fügt sich auch ein sehr problematisches Trinkverhalten immer noch recht harmonisch in die bestehende Suchtkultur in diesem Land ein: bis ihm sein Leben immer mehr entgleitet: nicht nur ist seine Mutter tragisch viel zu früh an Krebs verstorben, auch wenden sich Freundinnen und Freunde immer mehr von ihm ab, seine Leberwerte sind jenseits von gut und böse, er wandelt am Rande des Suizids und ist am schnellsten Weg zu einem sehr verfrühten Ende. Bis langsam in ihm Einsicht zu wachsen beginnt und er versucht, sich seinem "Monster", dem Alkoholproblem, zu stellen. Aber der Weg zurück wird lange und steinig sein, von Rückschlägen und Schwierigkeiten gepflastert... doch am Ende steht ein Mensch, der es geschafft hat, trocken zu werden und dieses Buch darüber zu verfassen.
Hier noch ein paar eindringliche Zitate aus dem Buch. Es sind außergewöhnlich viele für eine Rezension von mir, und ich habe mir beim Lesen noch viel mehr davon notiert, weil der Autor einfach über eine so eindringliche Sprache verfügt, die seine Gefühle und seinen inneren Kampf, aber auch seine Wut über die gesellschaftlichen Umstände in Österreich, die regelrecht zum Saufen verleiten, so treffend auf den Punkt bringt:
"Ich war betrunken, als du gestorben bist, und ich war betrunken, als du beerdigt wurdest. Es tut mir unendlich leid, Mama. Dei Bua ist jetzt trocken." (S. 5)
"Irgendwann haben wir in Österreich still und heimlich Alkohol als Kulturgut ausgerufen und beschlossen, dass wir uns gemeinschaftlich einfach so lange ansaufen, bis wir kritische Stimmen als kulturfeindlich wahrnehmen. Und wir brauchen dafür nicht einmal eine Lobby, wie die Tabak- oder Waffenindustrie. Überall, in jedem Gasthaus, auf jeder Feier, bei jeder noch so beliebigen Veranstaltung findet man sie, die ehrenamtlichen Lobbyisten..." (S. 12)
"Die Sehnsucht nach einem nüchternen Leben kämpft gegen die Sucht nach Alkohol. Die zerrende Angst und die unendliche Leere in mir kämpfen gegen den anhaltenden Rausch. Der Gewinner steht wie immer schon vorher fest. Aus meiner Trauer wird Aggression." (S. 16)
"Depression - Wenn du da bist, machst du alles andere nichtig. Du trittst meine Türen ein und verbarrikadierst dich in mir, bis ich mich dir ergebe. Bis ich dir gehöre. Bereit, von dir zerbröckelt zu werden. Alle Scheinwerfer sind auf dich gerichtet und dann beginnst du dein scheußliches Lied zu singen. Du singst vom Tod und von der Dunkelheit. Du singst all die Dämonen aus ihren Löchern hervor, die in den dunkelsten Ecken meiner Gedanken auf ihren Einsatz warten." (S. 58)
"ICH WILL LEBEN, durchführt es meinen gesamten Organismus, implodiert in mir und exlodiert aus mir heraus. Ich bekomme Gänsehaut am ganzen Körper und bebe, als würde mich diese Erkenntnis mit aller Kraft wachrütteln." (S. 61)
"Visiten, Therapien, Verlaufsgespräche. Ich fühle mich überlegen und lasse mich nicht wirklich behandeln. Ich stelle dem medizinischen Personal nur eine meiner Masken zur Verfügung, an mein Inneres lasse ich sie nicht ran." (S. 64)
"Na ja, und irgendwann steht man dann beim Billa an der Kassa. Unter Schweißausbrüchen beim Weinregal und pochendem Suchtdruck bei der Bierabteilung hat man es irgendwie dorthin geschafft und ist am Limit des Zumutbaren. Man kann weder vor noch zurück und ist verdammt, an einem Ort zu stehen, der vollgesogen ist mit Scham, Stress und Druck. Und dann stellt's ihr geldgierigen Arschlöcher da allen Ernstes Schnapsflascherln hin? WOFÜR?! Falls man für die Bratensauce am Sonntag seine 0,1 Liter Underberg vergessen hat? Bullshit." (S. 115)
Ich wünsche diesem besonderen und mutigen Buch aus tiefstem Herzen, dass es den Österreichischen Buchpreis, Kategorie Debüt, gewinnt, und damit verbunden viel Aufmerksamkeit erregt, die hoffentlich endlich zu dem längst überfälligen Umdenken führt, das einen Wandel in der österreichischen Gesellschaft bewirkt, wenn es um die Einstellung zu Alkohol geht und dem, was wir Jugendlichen damit antun, wenn wir sie regelrecht in die Arme dieser gefährlichen Sucht, dieses tückischen Monsters, drängen.
Vielleicht kann dadurch eine Bewegung entstehen, die dafür eintritt, dass keinen Alkohol zu trinken als mindestens genauso normal angesehen wird wie zu saufen, dass sich eine Kultur des Feierns, der Gemeinsamkeit und der Freude jenseits der Sauferei entwickelt und dass auch die kleinen Alkoholflaschen an den Supermarktkassen, die offensichtlich so eine Gefahr für viele trockene ehemalige Alkoholikerinnen und Alkoholiker sind, endgültig der Vergangenheit angehören. Möge es so sein!
Christopher Bahn
Book Circle Community
5/5
05.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Weg aus der Sucht
Ein beklemmendes Buch und zugleich ein wichtiger Einblick in das Leben eines Mannes, der von seiner Alkoholsucht beherrscht wird. Neben der Sucht beschreibt er auch den langen Weg zur Genesung und macht damit Betroffenen Mut. Ich fand das Buch sehr informativ und zugleich spannend zu lesen. Sehr empfehlenswert.
Bewertung
5/5
18.08.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein beeindruckendes Buch!
INHALT
Das Buch ist kein klassischer Suchtbericht. Dieses Buch ist so viel mehr. Es geht um den Autor selbst, Wegner schreibt von seiner eigenen Alkoholsucht und der schlimmsten Zeit seines Lebens. Wir begleiten ihn nicht nur in seinem typischen Alltag, sondern auch beim zerbrechen seiner Beziehung.
EINDRUCK UND FAZIT
Sucht ist und bleibt mein Thema! Dieses Buch hat mich sehr beeindruckt, es kommt recht unscheinbar daher - das Cover trügt. Es geht um Selbsthass und 3 Promille Pegel. Wegner schreibt ehrlich, authentisch unf ungeschönt. Genau das macht es so lesenswert. Wegner und ich sind etwa im selben Alter, dieser Aspekt lässt mich immer noch mehr innehalten.
Er ist mittlerweile seit 8 Jahren trocken, meinen größten Respekt!
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