Babas schwarze Augen musterten Sadia ernst. "Menschen richten Schlechtes an, indem sie versuchen, Gutes zu tun. Ein paar der furchtbarsten Dinge auf Erden geschehen genau deshalb. Merke es dir, kleine Blume." Lena Kohler, eine vierzehnjährige Deutsche, wird von Präsident Hamdan Walid Ibrahim adoptiert. Er gilt als Despot und Kriegsverbrecher, Lena jedoch bietet er ein liebevolles Zuhause. Als Sadia Hamdan Walid wächst sie im sunnitisch geprägten Herrscherhaus auf und verliebt sich in Ali, Schiit und künftiger Regent des Nachbarlandes. Über die Jahre gerät sie immer tiefer in einen Sog aus familiären, religiösen und politischen Konflikten, bis es kein Entkommen mehr gibt.
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„Die Wüste ist Herrin über Traum und Wirklichkeit“ Ein spannender, cleverer und ungewöhnlicher Liebesroman.
Bewertung am 27.12.2025
Bewertungsnummer: 2685618
Bewertet: eBook (ePUB)
Die meisten (modernen) Romane, in denen es um Liebe geht, gefallen mir nicht. Diesen hier habe ich gleich dreimal gelesen. Ein spannender, cleverer und ungewöhnlicher Liebesroman.
Worum geht es?
Es geht um Lena. Sie ist zu Beginn des Romans 14 Jahre und lebt mit ihren Eltern und Geschwistern als Professorenkind in einem mittelständischen Haushalt. Doch die gutbürgerliche Fassade trügt, denn ihr Vater ist gewalttätig, die Mutter ohnmächtig. Ihr Leben verändert sich von heute auf morgen, als sie durch eine Freundin in das Land Al-Hamdan kommt und Zugang zum Herrscherhaus erhält. Hier ist alles genau andersherum. Hamdan Walid Ibrahim gilt weltweit als Kriegsverbrecher, als despotischer Diktator. Lena lernt einen ganz anderen, privaten, Hamdan kennen. Den liebevollen Vater, den klugen Ratgeber, den eigenwilligen Beduinen und Pferdenarren. Um das Mädchen vor ihrem gewalttätigen Vater zu schützen, adoptiert er sie und wird als Sadia Hamdan Walid Teil einer großen Familie. Und so lernt sie Ali Faisal Maktub kennen, den zukünftigen Regenten des schiitischen Nachbarlandes und verliebt sich ihn. Doch die Väter sind seit Jahren zerstritten. Zudem droht ein großer Krieg.
Warum hat mir der Roman so gut gefallen?
In diesem Roman geht es um die Liebe. Die erste Liebe von Lena, als sie das Land Al-Hamdan kennenlernt, ist die zur Wüste.
„Die Wüste ist Herrin über Traum und Wirklichkeit, Lena. An manchen Tagen schaust du in die Ferne und glaubst, das Meer zu sehen, obwohl dort in Wahrheit nur Sand und Steine sind. An anderen zeichnet sie die Wirklichkeit so scharf und klar, dass sie wiederum wie ein Traum erscheint.“ (38).
Die Landschaft von Al-Hamdan erscheint beim Lesen wie eine Fata Morgana vor meinen Augen. Ich erlebe sie mit Lena. Es geht um alle Formen der Liebe, zur Natur, zu Menschen, zu Tieren, zu Geschwistern, zu Freunden, es geht um Vertrauen, um Loyalität, um die Konflikte zwischen den Erfordernissen, die eine hohe politische Stellung mit sich bringt, und den privaten Wünschen und Begierden. Was, wenn der der Prinz Cinderella nicht hätte heiraten dürfen? Ein bisschen klingt das Märchenhafte an, das ja auch einfach zum Orient gehört, aber die Autorin schreibt nicht so simpel. Der Roman ist nicht kitschig, auch wenn ich mich über einige romantische Szenen gefreut habe. Al-Nasiri zeichnet liebevoll komplexe Charaktere, gibt einen lebendigen Einblick in die arabische Welt und baut die Konflikte, in die Lena, ohne es zu wollen, hineingezogen wird, geschickt auf, so dass der Roman auf keiner Seite langweilig wird. Unaufdringlich, ohne zu predigen, ist das Buch zudem ein starkes Plädoyer für Toleranz, Freundschaft, Loyalität und Liebe, gegen Hass und Gewalt.
Eine Liebe im Schatten der Diktatur
Bewertung am 13.02.2025
Bewertungsnummer: 2411316
Bewertet: eBook (ePUB)
Worum es geht:
"Lena Kohler, eine vierzehnjährige Deutsche, wird von Präsident Hamdan Walid Ibrahim adoptiert. Er gilt als Despot und Kriegsverbrecher, Lena jedoch bietet er ein liebevolles Zuhause. Als Sadia Hamdan Walid wächst sie im sunnitisch geprägten Herrscherhaus auf und verliebt sich in Ali, Schiit und künftiger Regent des Nachbarlandes. Über die Jahre gerät sie immer tiefer in einen Sog aus familiären, religiösen und politischen Konflikten, bis es kein Entkommen mehr gibt."
Hinter einem hübschen Cover und dekorativen Kapitelzierden verbirgt sich eine Geschichte, die in mir arbeitet und mich nicht mehr loslassen will, im positiven wie im negativen Sinne. Sie beginnt harmlos, ja, beinahe romantisch. Die Schatten von Diktatur und Gewalt, die über dem wunderschönen orientalischen Al-Hamdan und dessen Nachbarland Al-Faisal liegen, werden nur vage am Horizont angedeutet. Dann wird man als Leser, gemeinsam mit den Protagonisten, in einen Strudel aus religiösen und politischen Konflikten gerissen, der die beiden Länder schließlich in die Hölle auf Erden verwandelt.
Selten hat mich ein Buch so gefesselt und mitgenommen. Das Schicksal dieses Liebespaares, das so eng mit dem ihrer Heimatländer verbunden ist, es rüttelt auf, erschüttert und fasziniert.
"Bis ans Ende der Zeit" ist auf keinen Fall geeignet für die Liebhaber seichter Romance-Literatur. Man muss schon einiges an Gewalt und Tragik wegstecken können. Vom Genre her würde ich die Geschichte als Mischung zwischen Liebesroman und Thriller einstufen.
Was Biba al-Nasiri hier in ihrem flüssigen und fesselnden Schreibstil niedergeschrieben hat, ist ein Appell gegen Diktatur, Unterdrückung und Krieg. Zugleich lernt man viel über die Konflikte zwischen den unterschiedlichen islamischen Strömungen, den Gebräuchen und Sitten der arabischen Welt und die Verflechtungen innerhalb politisch agierender Großfamilien.
Mein Fazit:
Ein lesenswerter Roman, der aufrüttelt und zum Nachdenken anregt, allerdings nichts für schwache Nerven und ohne Disney-Happy-End.
Hier einfach nur fünf Sterne zu vergeben, wird diesem außergewöhnlichen Buch kaum gerecht. Ich tue es trotzdem, weil Lena alias Sadia und Ali nicht weniger als diese Bewertung verdient haben.
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