Ein mitreißender Familienroman voller Schmerz und Trost, der im Werk des Autors an seinen großen internationalen Erfolg Patriaanknüpft.Jeden Donnerstag geht der alte Nicasio zum Friedhof und besucht das Grab seines Enkels Nuco. Er spricht mit ihm, erzählt dem Jungen, was vor sich geht in der Welt. Am 23. Oktober 1980 gab es im Keller der Schule, die der sechsjährige Junge besuchte, eine gewaltige Propangasexplosion, die das gesamte Erdgeschoss zerstörte. Fünfzig Kinder und drei Lehrer kamen bei dem Unglück ums Leben; darunter auch Nuco. Der ganze Ort Ortuella steht unter Schock. Die Eltern des Jungen verarbeiten das Ereignis auf unterschiedliche Weise. Während José Miguel alle Erinnerung kappen und nach vorne schauen will, um nicht an Trauer zu zerbrechen, lässt Mariaje das Geschehene nicht los. Irgendwann versuchen die beiden wieder ins Leben zu kommen. Doch eines Tages verschwindet José Miguel.Eine bewegende Geschichte voller Menschlichkeit, die erzählt, was wir voreinander verbergen, worauf wir hoffen, wie wir noch einmal von vorne anfangen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Bewertung
Book Circle Community
5/5
17.07.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ungewöhnlich und überzeugend
Bereits der Anfang dieses Buches, der mit der Vormerkung des Autors beginnt, hat mich persönlich neugierig gemacht. Darin wird darauf hingewiesen, dass der Roman in 10 Passagen selbst zu Wort kommt. Ein für mich richtig gelungenes Stilmittel, um Dinge nochmals aus einem anderen Blickwinkel zu präsentieren.
Das Buch beschreibt die Ereignisse des tragischen Unglückes im Baskenland im Oktober 1980, bei dem zahlreiche Kinder und drei Erwachsene bei einer Gasexplosion in einer Schule ums Leben kamen. Dabei beleuchtet der Autor vor allem eine Familie, die mit dem Verlust des Sohnes umgehen muss. Ich fand die Personen sehr eindrücklich gezeichnet, allen voran der Grossvater.
Ein trauriges Buch, welches den Umgang mit Trauer auf eindrückliche Weise schildert und einmal mehr zeigt, wie wichtig es ist, miteinander zu reden - auch wenn es nicht immer leicht ist.
Seitenrascheln
5/5
05.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Trauer um den Verlust eines Kindes
„Nicasio geht gewöhnlich donnerstags zum Friedhof.“
Mit diesem Satz beginnt der Roman. Am 23. Oktober 1980 wurde durch eine Propangasexplosion das gesamte Erdgeschoss einer Schule zerstört. Dabei kamen fünfzig Kinder und drei Erwachsene ums Leben. Dieses schreckliche Unglück gab es tatsächlich, der Roman baut darauf auf und zeigt die Trauer um den entsetzlichen Verlust exemplarisch an einer Familie.
Zunächst bekommt man einen ersten Eindruck der Familie nach dem Unglück. Vom Großvater Nicasio, der jeden Donnerstag zum Friedhof geht, um mit seinem Enkel Nuco zu sprechen. Nuco der gerade mal 6 Jahre alt wurde. Erfährt von Nucos Mutter, Mariaje, wie sie mit dem Verlust umgeht, wie sehr die Liebe ihres Mannes ihr geholfen hatte die ersten Tage zu überstehen. Und von Nucos Vater, José Miguel, ein einfacher Arbeiter, der sich für seine Familie aufopfert, der sein Kind abgöttisch liebt und in tiefer Trauer verfiel.
Man erfährt den Ablauf des Unglücks und wie die Familienmitglieder mit dem Verlust umzugehen lernten. Das Ganze ist sehr sensibel erzählt, ohne jegliche Effekthascherei. Man sieht die Personen fast schon plastisch vor sich. Jeder Mensch trauert auf seine Weise und dies wurde mir hier wieder vor Augen geführt. Am einprägsamsten war mir da der Großvater.
Der Roman besteht aus drei Erzählerstimmen. Einmal die des Erzählers, dann die der Mutter und als dritter und etwas überraschend der Roman selbst. Letzteres war im ersten Moment etwas gewöhnungsbedürftig, fast schon experimentell. Brachte aber immer den Vorteil, dass man aus dem Erzählfluss herausgerissen wieder Distanz zu dem Geschehen und zusätzliche Informationen bekam.
Für mich war es berührend zu beobachten, wie die Protagonisten einen so tragischen Verlust jeder für sich auf seine Weise verarbeitet hatte und wie ihr Leben weiterging. Normalerweise schreibt Aramburu seitenstarke Romane, hier ist es ihm aufs feinste gelungen so vieles auf verhältnismäßig wenigen Seiten auszudrücken. Es war buchstäblich greifbar wie sich die Angehörigen wieder zurück in ihr Leben kämpften, ohne den Verlust zu verdrängen. Ganz großartig gemacht! Ohne ein Wort zu viel oder zu wenig. Die Übersetzung aus dem Spanischen ist von W.Zurbrüggen.
Ein ganz besonderer Roman, den ich wirklich empfehlen kann.
Rita
aus Wolframs-Eschenbach
5/5
19.02.2025
eBook (ePUB 3)
Ein baskischer Ort muß eine Tragödie verarbeiten
Am 23.10.1980 gibt es in der Marcelino Ugalde Schule von Ortuella/Spanien eine Gasexplosion und 50 Kinder und 3 Lehrer verlieren dabei ihr Leben. Von einem Tag auf den anderen ist nichts mehr wie zuvor, das Leben stockt, der Ort und die Menschen sind paralysiert. Auch der 6jährige Nuco war unter den Opfern. Um ihn trauern seine Eltern Mariaje und José Miguel sowie sein Großvater Nicasio.
Wie sie mit ihrem unendlichen Schmerz und der Trauer umgehen, das wird im Buch thematisiert. Es geschieht sehr unterschiedlich – Nicasio, der Großvater, und Nuco waren ein Herz und eine Seele. Er geht regelmäßig zum Grab, führt Gespräche mit dem Jungen, will ihn nicht aufgeben und verliert dabei den Verstand. Mutter Mariaje will nur einige Fotos aufbewahren, aber sie möchte keine Gespräche mit anderen Leuten und deshalb, will sie raus aus dem Ort und unerkannt unter die Leute. Aus diesem Grund fährt sie nach Bilbao. Vater José Miguel blickt in die Zukunft, will mit Nicos Sachen abschließen und denkt an ein weiteres Kind mit Mariaje. Dieser Wunsch erfüllt sich nicht schnell genug und eines Tages kommt José Miguel von einem Angelausflug mit seinen Freunden nicht mehr heim.
Es war für mich das erste Buch des Autors und er konnte mich damit voll und ganz überzeugen. Seine Leser hat er mit einer Einleitung auf ein Experiment vorbereitet. Er hat zehn Passagen dazwischengeschaltet und läßt es jedem freigestellt, ob er diese lesen möchte oder nicht. Sie nicht zu lesen, wäre nach meiner Meinung ein echter Verlust. Das angekündigte andere Schriftlayout konnte ich beim eBook leider nicht feststellen.
Es ist eine Geschichte voller Tragik, Emotionen, es beschreibt diesen unendlichen Schmerz und das Trauma, das sich Außenstehende nicht annähernd vorstellen können. Die Eltern mußten ihre Kinder identifizieren und dann diese brutale Dramatik bei der Beerdigung mit farbenfrohen Kränzen – einfach grausam!
Dem Autor ist damit ein großartiges, berührendes Buch gelungen, das trotz des Themas nicht nur deprimierend ist, sondern am Ende hoffnungsvoll in die Zukunft blickt. Ich werde es auf jeden Fall weiter empfehlen!
clematis
5/5
18.02.2025
eBook (ePUB 3)
Bagatellen Der sechsjährige…
Bagatellen Der sechsjährige Nuco sitzt gemeinsam mit etlichen anderen Kindern in der Schule, als eine dramatische Propangasexplosion am 23. Oktober 1980 nicht nur das Erdgeschoss erschüttert, sondern dieses völlig zerstört und auch fünfzig Schüler und drei Erwachsene das Leben kostet. Wie Nucos Eltern und sein Großvater mit dem tragischen Tod des Kindes umgehen, erzählen die Bagatellen und Belanglosigkeiten, welche Autor Fernando Aramburu hier festhält. Ruhige, kurze Kapitel führen durch die Handlung, welche abseits einer chronologischen Abfolge dahinfließen und den Leser teilhaben lassen am Leben von Großvater Nicasio, Vater José Miguel und Mutter Mariaje. Der Tod des Jungen trifft sie gleichermaßen, ihr Umgang mit dem Schicksalsschlag ist jedoch höchst unterschiedlich. Einzelne Episoden erläutern auf nüchterne und gleichzeitig so bewegende Art, was passiert ist im Dörfchen Ortuella und wie es danach weitergeht. Während Nicasio jeden Donnerstag zum Friedhof pilgert und mit Nuco spricht, als wäre er noch am Leben, möchte Mariaje ein paar Erinnerungsstücke aufbewahren und José Miguel am liebsten alles hinter sich lassen und nur nach vorne blicken. Trauer und Schmerz holen die drei wichtigsten Menschen aus Nucos Leben immer wieder ein, Fernando Aramburu beschreibt Alltägliches, um mit und zwischen seinen Zeilen eine große Bandbreite an Emotionen darzustellen. Zwischen die eigentliche Handlung streut er erläuternde Kapitel, welche man (siehe Vorbemerkungen) auch auslassen könnte, wer das tut, beraubt sich aber selbst wesentlicher Informationen, welche die Geschichte aus dem spanischen Baskenland erst so richtig authentisch werden lassen. Bagatellen, so spricht der Autor selbst (kindle, Pos. 1799), sind die Bausteine dieses außergewöhnlichen Romans rund um Tod und Weiterleben, gerade diese Bagatellen aber sind es, welche das Buch so lesenswert erscheinen lassen und zutiefst menschliche Gefühle an die Oberfläche bringen. Ein kühler Bericht, der trotzdem – oder gerade deshalb – seine Leser bewegt und mit dem offenen Ende eine tröstende Zukunft bereithalten kann. „Der Junge“ ist das erste Buch, welches ich von Fernando Aramburu gelesen habe, aber sein einzigartiger Schreibstil (die Ich-Erzählerin wendet sich immer wieder an ihre Leserschaft) hat mich von Anfang an gefesselt und mit ihrer tragischen Geschichte sehr berührt. Leseempfehlung!
yellowdog
5/5
18.02.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der 23.Oktober 1980
Fernando Aramburu ist in San Sebastian geboren, lebt aber schon lange in Deutschland. Doch seine Romane sind ganz und gar Spanien.
Ein schreckliches Ereignis 1980 in Spanien und wie die betroffenen Menschen damit umgingen, ist das Thema dieses großartig gemachten Buches. Durch eine Explosion gab es 50 Tote in einer Schule, überwiegend Kinder.
Stellvertretend wird die Familie des sechsjährigen Nuco, der unter den Todesopfern war, gezeigt. Für die Eltern Mariaje und Jose Miguel ein Schock. Sie versuchen auf verschiedene Art, mit dem Verlust umzugehen. Nicos Großvater schließt nicht mit dem Tod ab. Regelmäßig besucht er den Enkel auf dem Friedhof und scheint eine Verbindung aufrecht zu erhalten. Auf andere wirkt er deswegen wunderlich.
Fernando Aramburu ist ein Autor, der es versteht, die Psyche seiner Figuren auf realistische Weise zu untersuchen und er verdeutlicht die Probleme, die entstehen, wenn man die Gefühle aufgrund von Verlusten nicht auf- und verarbeitet.
Es gibt eine ungewöhnliche zusätzliche Ebene, in dem sich das Buchmanuskript selbst zwischenschaltet und Absichten des Autors kommentiert. Solche Schreibmethoden mit Ironie kennt man von Fernando Aramburu. Manche Leser kann das irritieren, ich finde es originell.
Der Junge ist verglichen mit anderen Romanen dieses Autors relativ kurz, ist aber dem Stoff angemessen und absolut passend.
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