Eine scheinbar ganz gewöhnliche Familie: Vater, Mutter, zwei Söhne, zwei Töchter. Der Vater Damián ist Anwalt, sozial engagiert, verehrt Gandhi und verachtet Redensarten. Als Mann klarer Vorstellungen erzieht er seine Frau Laura und die Kinder Damián, Rosa, Martina und Aqui zu Disziplin und Sparsamkeit, Rücksichtnahme und lückenloser Offenheit.
Die Konsequenz: Alle anderen versuchen auf je ihre Weise, sich der ungelüfteten Atmosphäre von Kontrolle und angespannter Stille zu entziehen. Sie proben stumm den Aufstand, suchen Auswege, entwickeln Geheimcodes oder unterlaufen die starren Regeln durch Übererfüllung.
In doppelbödigen Szenen und aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt Sara Mesa davon, wie familiäre Beziehungen ein Leben lang prägen. Ein hypnotischer Roman über ernste Versteckspiele, die Lügen der Eltern, den sanften Terror des Gutgemeinten und die Scham, die bleibt: »Die Familie« werden wir nicht los.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Boockpicker
Book Circle Community
5/5
31.07.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Moralinsaures Familienleben
In der wohlgesitteten Familie hat der Vater alles im moralischen Griff. Nichts entgeht seiner sittsamen Überwachung. So entsteht ein etwas abstruses Familienleben, die Kinder sind hin- und hergerissen zwischen Anpassung, heimlichem Unterlaufen der Direktiven oder ignorieren der Ideale des Oberhaupts. Dieses zieht sich allerdings allzu oft in sein Studierzimmer zurück und überlässt die Bewältigung des Familienalltags der Mutter.
Überzeugend und scharfsinnig ist dargestellt, was moralisierende Tyrannei in den Lebensgeschichten der Kinder bewirken kann, wie sich die Anpassungsstrategien dann in deren erwachsenen Leben auswirken. Das offene Ende des Romans entspricht ganz der tragischen Auswirkungen des moralinengen Familienlebens. Einzelne Abschnitte gehen sehr unter die Haut, machen betroffen bis wütend. Absolut lesenswert.
Kaffeeelse
Thalia Book Circle Community
5/5
02.05.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Dysfunktionale Familie
Die Familie. Mutter, Vater, zwei Töchter, zwei Söhne. Eine vollkommen durchschnittliche Familie. Mitnichten. Sara Mesa durchleuchtet diese Familie, öffnet die Zimmer der Wohnung, erhellt die Dunkelheit darin, zeigt das, was niemand sehen soll, niemand sehen darf. Und dies passiert in einem grandiosen Ton, der von einem schwarzen Humor durchzogen ist, den ich feiere, den ich liebe. Denn diese äußerlich so perfekten Familien, sie haben dunkle Räume, in die niemand blicken sollte und die den perfekten Schein sofort zerstören.
Ein hehrer Familienvater mit recht hohen Ansprüchen an das Leben und an seine ach so geliebten Mitmenschen. Von Empathie scheint er wenig, bis gar nichts zu verstehen, dafür baut er einen Druck auf, der Folgen hat. Denn natürlich regt dieser Druck den Widerspruchsgeist der Umgebung an, wie dieser Druck natürlich auch zerstört. Und natürlich lassen sich seine geliebten Familienangehörigen Auswege einfallen.
Sara Mesa blickt auf die Familienangehörigen zu unterschiedlichen Zeiten, die in den verschiedenen Kapiteln chronologisch nicht geordnet erfolgen. Durch diese variablen Blicke und das zeitlich versetzt Geschilderte erfolgt ein intensiver und aussagekräftiger Blick auf die verschiedenen Familienmitglieder, auf das Gefüge innerhalb der Familie. Der Vater mit seiner Herrschsucht und seiner Manipulation beeinflusst das Geschehen massiv. Und die anderen Familienangehörigen reagieren.
Von Sara Mesa ist auf den 256 Seiten des Buches „Die Familie“ eine perfekte Sezierung des Geschehens in ihrer Romanfamilie erfolgt. Der bissige Ton lässt das Geschehen für mich besser klingen, besser ertragen, denn dieser Vater, nun, der reizt mich schon massiv.
Sara Mesa ist ein wunderbares Psychogramm der beteiligten Personen gelungen und das finde ich schon sehr bewundernswert, schließlich sind sechs Menschen in dieser Familie und das Buch hat „nur“ 256 Seiten. Dies muss man erst einmal schaffen.
Von Sara Mesa kenne ich schon den Vorgänger „Eine Liebe“, ebenso ein sehr gutes Buch. Aber hier triggerte mich der Hauptcharakter massiv, so dass ich nicht so in den Genuss des Gelesenen kam.
Das ist hier bei diesem Buch „Die Familie“ vollkommen anders. ich brannte lichterloh bei der Lektüre. Perfekt ausgeleuchtete Charaktere und ein dunkles Geschehen, was einerseits abstößt, andererseits aber auch ungeheuer fasziniert.
Ein wunderbares Buch, ein 5 Sterne Kandidat, ein Lese-Muss. Also Leute, holt euch dieses Buch hier und bitte unbedingt Lesen. Ich habs geliebt, habs geliebt, habs geliebt!
kaffeeelse
aus D
5/5
02.05.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Dysfunktionale Familie Die…
Dysfunktionale Familie Die Familie. Mutter, Vater, zwei Töchter, zwei Söhne. Eine vollkommen durchschnittliche Familie. Mitnichten. Sara Mesa durchleuchtet diese Familie, öffnet die Zimmer der Wohnung, erhellt die Dunkelheit darin, zeigt das, was niemand sehen soll, niemand sehen darf. Und dies passiert in einem grandiosen Ton, der von einem schwarzen Humor durchzogen ist, den ich feiere, den ich liebe. Denn diese äußerlich so perfekten Familien, sie haben dunkle Räume, in die niemand blicken sollte und die den perfekten Schein sofort zerstören. Ein hehrer Familienvater mit recht hohen Ansprüchen an das Leben und an seine ach so geliebten Mitmenschen. Von Empathie scheint er wenig, bis gar nichts zu verstehen, dafür baut er einen Druck auf, der Folgen hat. Denn natürlich regt dieser Druck den Widerspruchsgeist der Umgebung an, wie dieser Druck natürlich auch zerstört. Und natürlich lassen sich seine geliebten Familienangehörigen Auswege einfallen. Sara Mesa blickt auf die Familienangehörigen zu unterschiedlichen Zeiten, die in den verschiedenen Kapiteln chronologisch nicht geordnet erfolgen. Durch diese variablen Blicke und das zeitlich versetzt Geschilderte erfolgt ein intensiver und aussagekräftiger Blick auf die verschiedenen Familienmitglieder, auf das Gefüge innerhalb der Familie. Der Vater mit seiner Herrschsucht und seiner Manipulation beeinflusst das Geschehen massiv. Und die anderen Familienangehörigen reagieren. Von Sara Mesa ist auf den 256 Seiten des Buches „Die Familie“ eine perfekte Sezierung des Geschehens in ihrer Romanfamilie erfolgt. Der bissige Ton lässt das Geschehen für mich besser klingen, besser ertragen, denn dieser Vater, nun, der reizt mich schon massiv. Sara Mesa ist ein wunderbares Psychogramm der beteiligten Personen gelungen und das finde ich schon sehr bewundernswert, schließlich sind sechs Menschen in dieser Familie und das Buch hat „nur“ 256 Seiten. Dies muss man erst einmal schaffen. Von Sara Mesa kenne ich schon den Vorgänger „Eine Liebe“, ebenso ein sehr gutes Buch. Aber hier triggerte mich der Hauptcharakter massiv, so dass ich nicht so in den Genuss des Gelesenen kam. Das ist hier bei diesem Buch „Die Familie“ vollkommen anders. ich brannte lichterloh bei der Lektüre. Perfekt ausgeleuchtete Charaktere und ein dunkles Geschehen, was einerseits abstößt, andererseits aber auch ungeheuer fasziniert. Ein wunderbares Buch, ein 5 Sterne Kandidat, ein Lese-Muss. Also Leute, holt euch dieses Buch hier und bitte unbedingt Lesen. Ich habs geliebt, habs geliebt, habs geliebt!
Buchbesprechung
aus Bad Kissingen
4/5
27.08.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Beklemmende Familiengeschichte
REZENSION – Die spanische Schriftstellerin und Lyrikerin Sara Mesa (49) zählt zu den wichtigsten zeitgenössischen Autorinnen ihres Landes, deren Romane und Erzählungen prämiert und vielfach übersetzt wurden. So wurde ihr Roman „Eine Liebe“ (2018) in Spanien zum besten Buch des Jahres gekürt und 2021 mit dem Preis des unabhängigen Buchhandels ausgezeichnet. Weniger bekannt ist sie dagegen noch in Deutschland. Doch sollte sich dies bald ändern, nicht zuletzt nach Erscheinen ihres im Februar beim Verlag Klaus Wagenbach auf Deutsch veröffentlichten, beklemmenden Episodenromans „Die Familie“, der bereits 2022 über Wochen auf der spanischen Bestsellerliste stand. Darin schildert die Autorin das Alltagsleben eines konservativen Familienhaushalts und zeigt, wie die Erziehung einen Menschen nachhaltig prägen kann.
Nach außen hin ist es eine ganz gewöhnliche Familie mit Vater Damián, Mutter Laura, den beiden Söhnen Damián und Aqulilino, der Tochter Rosa und der adoptierten Nichte Martina. Vater Damián erscheint uns als sozial engagierter Anwalt. Er hält nichts von Religion, ist stattdessen ein Anhänger der humanistischen Lehren Gandhis. Er führt seine Familie als „vorbildlicher“ Patriarch alter Schule streng, aber ohne jede körperliche Gewalt. Er erzieht seine Kinder zu Disziplin und Ordnung, Bescheidenheit und Sparsamkeit, Rücksichtnahme und vor allem zu lückenloser Offenheit. Diese „Hausgesetze“ gelten auch für seine Frau, die sich dem Ehemann und Familienpatriarch in klassischem Rollenverständnis unterordnet und ihn in seiner Erziehungsmethodik unterstützt.
Individuelle Bedürfnisse der einzelnen Familienmitglieder werden ebenso missbilligt wie Geheimniskrämerei. Innerhalb der Familie darf es keine Geheimnisse und keine Privatsphäre geben. Rückzüge in die Kinderzimmer sind deshalb verboten. Alle haben sich im Wohnzimmer am Tisch der Familie zu versammeln, sollen sich dort gemeinsam unterhalten, ihre Hausaufgaben erledigen, ihren Hobbies nachgehen oder lesen. Welche Literatur allerdings gelesen werden darf, bestimmt allein der Vater im Sinne einer guten Erziehung. Folge dieser Erziehungsmethode ist zwangsläufig, dass die Kinder – je nach individuellem Charakter und zunehmendem Alter – lernen, sich vor den Eltern zu verstellen, ihnen etwas vorzumachen, sie wo nötig sogar anzulügen und auszutricksen, um sich mit allen Mitteln der elterlichen Kontrolle durch stille Rebellion oder innere Flucht zu entziehen.
Autorin Sara Mesa schafft es auf interessante Weise, mittels einzelner Episoden und jeweils wechselnden Protagonisten die Entwicklung eines jeden Familienmitglieds in dieser patriarchalisch geprägten Gemeinschaft vom Kind zum Erwachsenen aufzuzeigen und aus diesen fragmentarischen Szenen ein Mosaik zusammenzustellen, das uns Leser bald statt der vermeintlich „heilen“ eine in Wahrheit brüchige, wenn nicht letztlich sogar zerrüttete Familie erkennen lässt. Dabei ist es vor allem dieser nüchterne Erzählstil Mesas über die anhaltende Wirkung familiärer Zwänge – ohne jeglichen Pathos oder Melodramatik –, der gerade wegen seiner emotionalen Distanziertheit uns zu wachsendem Mitgefühl zwingt. Man spürt förmlich von Seite zu Seite die alles durchdringende Gefühlskälte innerhalb dieser Familie.
Anhand der unterschiedlichen Charaktere zeigt Mesas lesenswerter Roman auf beklemmende Weise, wie diese Art der Erziehung, auch wenn sie vom Vater wohlgemeint und absolut gewaltlos ist, dennoch unterschwellig, aber tiefgreifend wirken und für das spätere Leben langanhaltende psychologische Folgen haben kann. „Die Familie“ ist wahrlich kein unterhaltsamer, sondern in seiner ernsthaften Thematik ein recht anspruchsvoller, nachhaltig wirkender Roman, zu dessen Lektüre man bereit sein muss. Es empfiehlt sich deshalb, das Buch ohne längere Unterbrechungen zu lesen, um die in seinen Episoden allmählich aufbauende Dramatik besser erfahren und das trotz nüchterner Erzählweise langsam aufkommende Mitgefühl mit den durch falsche Erziehung in gewissem Maß lebensuntüchtigen und leidenden Protagonisten besser spüren zu können.
Bewertung
4/5
21.04.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Familie
Eine fast normale Familie, Eltern, zwei Töchter, zwei Söhne. Der Vater wirkt nach außen super freundlich, engagiert. Er ist recht straight was seine Vorstellung von Erziehung angeht. Geheimnisse, gibt es nicht, wütend darf niemand sein und er sagt was richtig und was falsch ist. Hier gibt es keine Gewalt, dafür ganz viel Kontrolle. Die Kinder dürfen kaum raus, kennen keinen Fernseher, bekommen nicht das Spielzeug, das sie sich wünschen. Jedes Kind entwickelt hier eigene Strategien damit umzugehen, doch diese familiären Beziehungen prägen ein Leben lang.
Ein Roman, der durch ganz viele leise Zwischentöne besticht. Die Kinder wissen genau wie die Eltern ticken, beobachten ganz genau. Das ist erschreckend aber auch in vielen Familien so üblich. Als Erwachsene hängen sie oft noch in falschen Denkmustern fest, haben Probleme ihre eigene Identität zu erkennen. Die Charaktere waren toll beschrieben, alle authentisch und nahbar. Ich fand den Roman super gelungen.
Ein leises, kraftvolles Buch über die Macht der Familie. Empfehle ich gern weiter.
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