Über Einsamkeit, den Wunsch nach Selbstbestimmung und den Mut, sein Leben zu verändern
Akiko hat sich getraut, wovon andere in ihrer Firma kaum zu träumen wagen: Ihren sicheren und gut bezahlten Job zu kündigen. Seitdem ist sie frei - und erst einmal orientierungslos. Ihr einziger Freund, der Hikikomori Kento, ist zu sehr mit sich und seinen Ängsten beschäftigt, um ihr eine große Hilfe zu sein. Akiko macht sich allein auf die Suche nach ihrem Vater, der die Familie kurz nach ihrer Geburt verließ. Sie reist in das ländliche Japan, weit weg von der pulsierenden Großstadt Tokio. Hier lebt der Mann, den ihre verstorbene Mutter einst geliebt hat. Als Akiko vor ihm steht, erwartet sie zunächst eine bittere Enttäuschung: Nichts ist wie erhofft. Doch dann nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung. Akikos Reise ist lang und voller Umwege, doch mit jedem Schritt, jeder neuen Herausforderung entdeckt sie etwas mehr von der Kraft, die in ihr steckt. Ein kraftvoller Roman über eine Reise zu den eigenen Wurzeln, über Einsamkeit, Liebe und das stille Glück vom Autor des Weltbestseller »Das Herzenhören«.
Ungekürzte Lesung mit Leonie Landa
2 MP3-CDs, 8h 16min
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Eine stille Reise voller Mut und Empathie
Esther N. (Mitglied der Book Circle Community) am 04.01.2026
Bewertungsnummer: 2692238
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Akikos lange Reise von Jan-Philipp Sendker ist der zweite Band einer Reihe, die mit Akikos stilles Glück begann. Wieder nimmt uns der Autor mit nach Japan und öffnet eine Tür zu einer Welt, die vielen von uns fremd ist – und doch so nah wirkt. Es ist ein stiller, poetischer Roman, der von Mut, Empathie und der Suche nach innerem Frieden erzählt.
Sendkers Sprache ist klar und zugleich voller feiner Nuancen. Er versteht es, die japanische Kultur respektvoll und atmosphärisch einzufangen, ohne jemals belehrend zu wirken. Besonders beeindruckend ist die Charakterzeichnung der Hauptfigur: Akiko ist bodenständig, mutig und voller Verständnis für andere. Sie urteilt nicht vorschnell, sondern hört zu, versucht zu begreifen – eine Haltung, die in unserer schnelllebigen Welt fast schon revolutionär wirkt. Ihre Gedanken und Gefühle sind so authentisch beschrieben, dass man sich leicht mit ihr identifizieren kann.
Die Stärke des Romans liegt in seiner Ruhe. Wer Action und rasante Wendungen sucht, wird hier nicht fündig. Doch wer bereit ist, sich auf eine kontemplative Reise einzulassen, wird reich belohnt: mit Einsichten über das Leben, über menschliche Nähe und über die Kraft des Zuhörens. Für mich war es ein Geschenk, dank Sendker in eine fremde Kultur einzutauchen und dabei etwas über Japan zu lernen.
Von alten Mustern und neuen Wegen
Bewertung (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 14.12.2025
Bewertungsnummer: 2677710
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Akikos lange Reise von Jan-Philipp Sendker knüpft nahtlos an den Vorgänger an. Akiko hat ihren Job aufgegeben und damit Zeit gewonnen – doch diese Freiheit ist zunächst eine Leerstelle. Sie findet keinen Rhythmus, auch das Schreiben will nicht gelingen. Schritt für Schritt wird deutlich: Freiheit ist kein Zustand, sondern etwas, das gestaltet werden will.
Im Zentrum steht Akikos Auseinandersetzung mit ihrer Herkunft. Die Suche nach ihrem leiblichen Vater ist weniger eine biografische Notwendigkeit als ein innerer Zwang. Sie erkennt, dass Herkunft prägt, aber nicht definiert, und dass Wahrheit immer vom Blickwinkel abhängt. Der Roman urteilt nicht, er umkreist; er nähert sich vorsichtig, im Bewusstsein, dass es keinen eindeutigen Kern gibt.
Eine eindrucksvolle Parallele zwischen Akiko, ihrem Vater und Kento offenbart die psychologische Tiefe der Geschichte: Alle drei kämpfen mit dem Gefühl von Unzulänglichkeit. Kreativität – Schreiben, Musik, Handwerk – spiegelt ihre inneren Ansprüche, doch was entsteht, scheint nie zu genügen. Erst Kento gelingt es, diesen Kreislauf zu durchbrechen. Seine Erkenntnis, dass Zufriedenheit nicht das Ziel, sondern womöglich das Ende von Entwicklung wäre, markiert einen Wendepunkt – für ihn selbst, aber auch für Akiko. Die Rollen verschieben sich: Aus dem Zurückgezogenen wird ein Mutmacher, aus der Vorsichtigen eine, die sich tastend vorwärts bewegt.
Die Beziehung zwischen Akiko und Kento bleibt wohltuend unaufgeregt. Nähe entsteht nicht aus Bedürftigkeit, sondern aus gegenseitigem Respekt. Kento erweitert Akikos Blick, stellt Fragen, ohne Antworten zu verlangen. Er drängt nicht, sondern traut ihr etwas zu – eine leise, aber nachhaltige Form von Unterstützung. Auffällig ist, wie stark er sich seit dem ersten Band verändert hat: Er tritt wieder in die Welt hinaus, reflektiert seine Vergangenheit, stellt sich seinen Ängsten und arbeitet konsequent an sich selbst. Wie genau dieser Wandel zustande kommt, bleibt offen, was seine Entwicklung umso eindrucksvoller macht. Auch Akiko wirkt auf ihre Umgebung – etwa auf ihre Freundin Naoko – und inspiriert so andere, eigene Schritte zu wagen.
Ein weiteres zentrales Motiv ist Freiheit. Immer wieder stellt der Roman die Frage, was sie bedeutet – und für wen. Was für den einen Schutz ist, kann für den anderen ein Käfig sein. Akiko durchläuft dabei eine intensive emotionale Entwicklung: Von anfänglicher Wut, Enttäuschung und Unsicherheit – besonders im Umgang mit ihrer Familie – gewinnt sie allmählich Klarheit über sich selbst. Schritt für Schritt lernt sie, ihre eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen.
Am Ende ist Akikos lange Reise ein stiller Selbstfindungsroman – von Umwegen, vom Aushalten widersprüchlicher Gefühle, von Wut und Dankbarkeit, Enttäuschung und Akzeptanz. Ein Buch, das sanft nachklingt, voller Weisheit und Wärme, und das zeigt, wie man in der Welt, in der Familie und im eigenen Herzen ankommen kann. Zwar ist Akiko noch nicht angekommen – aber sie ist unterwegs, und man möchte sie weiter begleiten.
Meinung aus der Buchhandlung
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„Akikos lange Reise" ist ein sehr gelungener zweiter Band und ein stimmiger Nachfolger von „Akikos stilles Glück". Im Mittelpunt steht Akikos Weiterentwicklung und ihre Suche nach ihrem Vater. Besonders schön ist, wie sich die Freundschaft zu Hakimoto weiter vertieft. Wie schon zuvor erzählt Jan-Phillip Sendker vom japanischen Leben. Ein Buch, in dem die Selbstfindung klar im Vordergrund steht - insgesamt sehr gelungen und lesensewert.
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