Die schweizerische Demokratie ist geprägt von stetem Wandel. Das Parteiensystem hat sich mit dem Aufstieg der SVP und mit dem Zerfall des Bürgerblocks völlig verändert. Neue Kräfteverhältnisse führen zu wechselnden Mehrheiten im Parlament. Die politische Polarisierung teilt das Land und stellt die Konkordanz in Frage. Gesellschaftliche Spaltungen vertiefen sich, auch zwischen Stadt und Land. Ohne Mitglied der EU zu sein, europäisiert sich die Schweiz in raschem Tempo. Das alles hat tiefgreifende Folgen für die Institutionen, Prozesse und Perspektiven schweizerischer Politik.
Die neuste Auflage dieses Studienbuchs – vollständig aktualisiert, umfassend überarbeitet und in Teilen erweitert – erklärt die Grundlagen und zeichnet diesen Wandel nach. Es bleibt damit für Studierende, Medienschaffende und politisch Interessierte ein Referenzwerk zur schweizerischen Demokratie.
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Ein bisschen skeptisch war…
VolkerM am 20.06.2024
Bewertungsnummer: 3010032
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein bisschen skeptisch war ich schon: Anbau von Nutzpflanzen im Waldgarten? Ist das nicht ein Widerspruch in sich? Nein, ganz und gar nicht. Die Autoren verweisen sowohl auf historische Nutzungsformen in Mitteleuropa als auch auf die Tropen und Subtropen, wo Waldgärten noch weit verbreitet sind. Nicht kompatibel sind sie aus nachvollziehbaren Gründen mit der industriellen Landwirtschaft. Ein Waldgarten erfordert umfassendes Wissen über die natürlichen Abläufe, genannt Sukzession. Bestimmte Pflanzengesellschaften sind typisch für bestimmte Altersstufen eines Biotops, angefangen von einem frisch gepflügten Acker mit schnellwachsenden Ackerunkräutern bis zur Endphase, dem für Mitteleuropa typischen Hochwald. In jeder dieser Phasen gibt es Möglichkeiten, essbare Pflanzen anzubauen und wer eine langfristige Planung zugrundegelegt, kann jede dieser Entwicklungsstufe gezielt ausnutzen. Dabei betonen die Autoren, dass die permanente Kontrolle sehr wichtig ist, denn sich änderndes Klima, Konkurrenzdruck oder Schädlinge erfordern nicht selten aktive Eingriffe. Der Waldgarten wirkt auf den ersten Blick „wild“, ist es aber nicht. Die hohe Strukturvielfalt ist Teil des Konzepts, das sich nach ökologischen und pflanzensoziologischen Prinzipien richtet. Vielfältige Lebensräume sind automatisch artenreich und Biodiversität fördert die Resilienz. Waldgärten sind weniger empfindlich gegen Störungen aller Art, allerdings sind sie flächenbezogen deutlich ertragsärmer als die industrielle Landwirtschaft. Das Buch ist inhaltlich gut strukturiert, indem es zunächst die Prinzipien vermittelt und anschließend durch Tabellen und Artensteckbriefe für die einzelnen Entwicklungsstufen und Standorte die praktische Umsetzung erleichtert. Besonders hervorheben möchte ich die zahlreichen „Exoten“, die hierzulande noch weitgehend unbekannt sind, aber besonders im Konzept des Waldgartens eine echte Zukunft haben. Die fundierten Beschreibungen sparen auch nicht mit kritischen Anmerkungen, wenn sich in der Praxis Probleme ergeben haben, z. B. mit invasivem Wachstum, unzuverlässiger Ernte oder geschmacklich nicht überzeugenden Sorten. Es sind jedenfalls einige unerwartete Überraschungen dabei. Ein besonderes Kapitel ist dem Anbau von Pilzen gewidmet. Ich habe schon einmal ein Buch über Pilzkultur gelesen, dort war die Vermehrung allerdings problematisch. Kranz und Deemter nutzen deutlich einfachere Verfahren, wahrscheinlich unterstützt durch das feuchtere Mikroklima, das in einem Waldgarten herrscht. Es sind jedenfalls erstaunlich viele Kulturversuche gelungen. Ausdrücklich hinweisen möchte ich auf den kurzen Absatz am Ende des Buches, mit einer gesundheitlichen Warnung: Einige der vorgestellten Pflanzen sind in größeren Mengen oder für bestimmte Bevölkerungsgruppen möglicherweise gesundheitsschädlich. Sie sind in den Tabellen und Beschreibungen zwar jeweils markiert, aber grundsätzlich sollte man bei „unbekannten“ Pflanzenarten vorsichtig sein. Manchmal entwickeln Pflanzen auch erst im Alter toxische Eigenschaften. Vermisst habe ich das Thema Terra preta, das aus meiner Sicht ideal zum Waldgarten passt, alleine schon, weil man im Waldgarten meist auf Düngung verzichtet. Das Terra preta-Verfahren kommt auch aus den Tropen und erhält dort über Jahrhunderte die Fruchtbarkeit auf den oft extrem mageren Urwaldböden. „Praxisbuch Waldgarten“ zeigt eine faszinierende Alternative zum konventionellen Nutzpflanzengarten. Auf den ersten Blick ein ungesteuertes „Laissez-faire“-Konzept, in Wirklichkeit aber ein Gartentyp, der viel pflanzenökologisches Wissen erfordert und bei dem man ständig neu prüft und plant. Aber das ist für Gärtner ja eigentlich der Normalfall. (Das Buch wurde mir vom Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Auf meine Rezension wurde kein Einfluss genommen, der Inhalt stellt meine persönliche Meinung dar.)
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