Die Somalierin Amal wird Nanny für Zeldas Kinder und entpuppt sich nicht nur als eine Bereicherung für die gesamte Familie, sondern auch als phänomenale Sängerin, weshalb Zelda sie bei der Talentshow ›Die Stimme‹ anmeldet. Nach einem glanzvollen Auftritt nimmt Amal dort vor laufender Kamera ihr Kopftuch ab. Dieser Akt der Befreiung bleibt nicht ohne Folgen. Zeldas Familie möchte Amal beschützen und gerät damit in einen Konflikt, der ihre Welt aus den Angeln hebt.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
bolie
aus Langscheid
5/5
07.10.2022
eBook (ePUB 3)
Es sollte ein ganz besonderer…
Es sollte ein ganz besonderer Tag werden. Endlich hatte Bor um ihre Hand angehalten und heute, am 11.09. 2001 wird geheiratet. In New York, direkt neben den Zwillingstürmen. Doch mitten in der Zeremonie ein lauter Knall. Die Zeit steht still. Ein Flugzeug fliegt in einen Turm des World Trade Centers. Nur zwei Blocks von den Jungvermählten entfernt. So beginnt das Buch „Die Stimme“ und zeigt, welche Auswirkungen Fanatismus haben kann. Eine junge Muslimin mit dem Namen Amal mit ausdrucksstarker Stimme, gewinnt einen Gesangswettbewerb. Gleichzeitig wendet sie sich öffentlich gegen alles, was ihr bisheriges Glaubensleben ausmacht. Sie legt während einer Fernsehsendung ihren Schleier ab. Es folgen Drohungen und Stalking. Nicht nur sie ist davon betroffen. Auch das mit ihr befreundete Ehepaar Bor und Zelda mit ihren drei Kindern. Die Ich-Erzählerin Zelda schreibt von sich: „Meine Erinnerungen sind nicht chronologisch. Lauter Fetzen.“ Ja, das stimmt und es ist nicht immer einfach, diesen „Fetzen“ zu folgen. Das Buch ist nicht nur spannend, es zeigt ebenfalls wie gefährlich es ist, sich gegen die Lehre Mohammeds und seiner Anhänger zu stellen. Das Schicksal Amals ähnelt sehr dem des Autors Salman Rushdie. Gegen ihn gab es ebenfalls eine Fatwa. Es machte mich nachdenklich und ja, es empörte mich auch. Meine Leseempfehlung gilt ohne Einschränkung.
Bewertung
5/5
21.09.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein intensiver und kluger Roman über unsere Zeit!
Spannend wie ein Krimi, berührend wie ein Familienroman und aufrüttelnd wie ein Gesellschaftsdrama erzählt die Niederländerin Jessica Durlacher die Geschichte einer jüdischen Familie, die eine geflüchtete Muslimin bei sich aufnimmt, sie unterstützt und fördert, aber in einer globalen Welt der unterschiedlichen Glaubenskriege einen hohen Preis dafür bezahlen muss.
Es geht um Glaube und Fanatismus, Mut und Vertrauen, Freiheit und Toleranz, Familie und Loyalität -ein intensiver, kluger und nachdenklich machender Roman über unsere Zeit!
Lia48
4/5
10.06.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Dramatisch, lässt einen nachdenklich zurück.
TW: Terroranschläge; Erwähnung von Depression & Suizid)
INHALT:
11.09.2001: Zelda, Psychotherapeutin und Bor, Anwalt, sind seit zehn Jahren ein Paar. Gemeinsam mit ihren drei Kindern verbringen sie eine Woche in New York, als Bor spontan vorschlägt, auf einem der Wolkenkratzer zu heiraten.
Zelda ist erst wütend, sicherlich hält Bor das nur für eines seiner Projekte! Sie hatte sich das immer gewünscht, aber eben mit einer großen Feier und nicht innerhalb einer halben Stunde.
Doch sie liebt ihn und so stehen sie kurze Zeit später etwas abgehetzt auf der Dachterrasse der 31. Etage. Als der Rabbi gerade dabei ist, sie zu trauen, hören sie einen gewaltigen Donner und die Erde fängt an zu beben. Und da sehen sie es, nur zwei Blocks von ihnen entfernt: „Ein riesiges Flugzeug hatte sich ins höchste Gebäude der Stadt gebohrt (…) und die Rauchwolken, die von dort aufstiegen, wo wir noch gestern die oberste Etage erkundet hatten, sahen unheilvoll aus.“ Es brennt. Menschen „fallen vom Himmel“. Doch es sind keine Fangnetze da. Als die Twin Towers einstürzen, sieht man nur noch Staubwolken, alles ist dunkel. Und auf den Straßen schreien Menschen, teilweise unter Schutt begraben…
Jahre später, zurück in den Niederlanden: „Vor New York war das Neue und Fremde einfach nur aufregend und interessant gewesen, jetzt schien es erst einmal angsteinflößend zu sein, eine Gefährdung meiner Sehnsucht nach Kontinuität. (…) Nach New York hatte ich neu lernen müssen, dem zu vertrauen, was ich nicht kannte oder erkannte.“
Das damalige Ereignis hat tiefe Spuren bei ihnen hinterlassen. Wie kann jemand im Namen Allahs zu solchen grausamen Taten in der Lage sein? „Und das alles, weil Allah es angeblich befohlen hatte.“
Als die Familie eine neue Nanny für ihre Kinder sucht, treffen sie auf Amal. Sie lebt im Flüchtlingsheim und ist ihrer Zwangsehe in Somalia entflohen. Ihre Abaya verhüllt ihren Körper – Amal ist eine Muslima.
„Würde ich es wirklich wagen, meine jüdischen Kinder von einer Muslima betreuen zu lassen? Was war das überhaupt für eine Frage? Hatte ich in meinem Leben jemals in solchen Kategorien gedacht? Meine Haltung war in jeder Hinsicht gespalten.“
Als sie Amals Gesangstalent entdecken, melden sie sie in der Talentshow „Die Stimme“ an, ohne zu ahnen, dass Amal einen großen Befreiungsschlag plant und welche schwerwiegenden Folgen dies für sie alle nach sich ziehen wird…
MEINUNG:
Auch ein Tag später, nachdem ich das Buch zum letzten Mal zugeschlagen habe, bin ich immer noch etwas sprachlos. Aber ich versuche mal mein Leseerlebnis in Worte zu fassen:
Der Anfang war unglaublich dramatisch! Ich war absolut gefesselt davon, wie die Familie während der Trauung auf der Dachterrasse in New York, die schrecklichen Ereignisse vom 11.09.2001 live miterleben musste! Mir wurde nochmals richtig bewusst, welche Angst die Menschen in der Umgebung nach den ersten beiden Anschlägen hatten, dass da noch weitere folgen könnten. Und was für ein Chaos und Leid danach auf den Straßen herrschte – schrecklich!
Dieses Ereignis ist im Buch als eine Art Prolog platziert. So kann man die Gefühle und Gedanken der Figuren anschließend besser nachvollziehen.
Danach fand ich es nicht ganz einfach, in die eigentliche Handlung hineinzufinden, welche einige Jahre später stattfindet. Es hat ein paar Seiten gedauert, um erfassen zu können, wie das nun mit dem Prolog alles zusammenhängt und, dass weiterhin aus Zeldas Sicht berichtet wird.
Nach dem ersten Kapitel fragt man sich dann, was es mit dieser Sängerin auf sich hat, was geschehen ist. Und was ist mit Bor?
Während diese Fragen auf den anschließenden Seiten nach und nach beantwortet werden, geht es im Buch insgesamt viel um den Kampf für Selbstbestimmung, (Religions-) Freiheit und freie Meinungsäußerung, religiöse Überzeugungen, Sicherheit, Verfolgung, Terror und Unterdrückung.
Die Figuren sind interessant gezeichnet und durch Jessica Durlachers schönen, sehr angenehmen Schreibstil, bin ich vor allem am Anfang und am Ende richtig durch die Seiten geflogen.
Insgesamt war es trotzdem für mich ein Buch, für das ich Zeit gebraucht habe und welches ich nicht so einfach mit einem Schwung von vorne nach hinten durchlesen konnte, was auch mit an der nicht immer einfachen Thematik lag.
Wenn ich dem Roman eine Spannungskurve zeichnen müsste, dann würde diese am Anfang direkt schnell und spitz nach oben schießen, nach 44 Seiten (nach dem Prolog) mit einem plötzlichen Fall wieder unten etwas über dem Boden ankommen, sich dann ca. 350 Seiten lang relativ geradlinig auf niedrigem Spannungsniveau halten, um bei ca. den letzten 100 Seiten nochmals rasant zur Höchstform aufzulaufen und wieder abzuflachen.
Tatsächlich mochte ich diese spannenden Phasen, während es sonst für mich immer wieder einige Längen gab. Hier hätte ich mir noch ein paar Zwischentöne gewünscht.
Am Ende wurde für meinen Geschmack etwas zu dick aufgetragen. Hätte man hier vorsichtiger dosiert, hätte die fiktive Handlung wohl noch authentischer gewirkt.
FAZIT: Trotzdem war das Buch insgesamt spannend, bewegend und regt vor allem durch die Thematik auch danach noch eine ganze Weile zum Nachdenken an. Denn es passiert so viel auf dieser Welt… Leseempfehlung und 4-4,5/5 Sterne!
Bewertung
aus Oberursel
3/5
24.12.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Spannende Thematik, ein bischen zu viel Schwermut
Ich hatte das Buch in meiner Überraschungs-Buchabo-Box der Büchergilde gehabt, und ich fand spontan: das klingt gut. Vom Cover her hätte ich wohl eher weniger zu dem Buch gegriffen (weder das Original noch die Lizenzausgabe finde ich optisch wirklich gut).
Okay, etwas ausführlicher zum Inhalt: Zelda Wagschal, Tochter jüdischer Holocaust-Überlebender, ist die Ich-Erzählerin. Sie erzählt aus ihrer Erinnerung heraus von Ereignissen, die ihr Leben entscheidend geprägt haben, und im Fokus steht hierbei immer wieder die Zeit, in der sie Amal, eine Flüchtlingsfrau aus Somalia, bei sich als Kindermädchen aufgenommen haben. Wobei aufgenommen jetzt auch nicht wirklich stimmt; Amal hat im lokalen Amsterdamer Flüchtlingsheim gewohnt und kam stundenweise bei der Familie vorbei, um sich hauptsächlich mit den beiden kleineren Kindern, Sam und Pol, zu befassen. Sam ist das musikalische Wunderkind, und mit seinen etwa 8 Jahren ein virtuoser Pianist. Amal, das stimmliche Ausnahmetalent, und er finden sich in der Musik zusammen.
Ja, und dann meldet Zelda Amal bei der Castingshow „Die Stimme“ an (ich nehme an, wir reden von der niederländischen Version von „The Voice“ – wir kriegen hier nebenbei ganz interessante Einblicke in den Ablauf dieser medial aufgebauschten TV-Gesangsshows), und Amal nutzt die Show, um sich zu befreien – vom Kopftuch, vom religiösen Zwang, von allem, was auf ihr lastet. Das hat Folgen. Amal wird zur Befreiungsikone hochstilisiert, und löst eine Fatwa aus. Damit müssen jetzt auch Zelda und ihre Familie klarkommen….
Mein Leseeindruck: Ich bin hier ein wenig zwiegespalten. Einerseits finde ich die Thematik spannend. Eine muslimische Frau, die sich befreit; das mediale Spektakel, das damit einhergeht, die Dinge, die angestoßen werden, und die - einmal losgelassen - niemand mehr unter Kontrolle hat; das fand ich interessant. Zelda und ihre Familie haben auch ansonsten nicht unbedingt ein ruhiges Leben gehabt; gleich zu Beginn des Buches sind wir mit den Wagschals in New York, als Zelda und Bor heiraten – just am 9. September, und kaum getraut, stürzen die Zwillingstürme ein….das Buch hat schon Action und immer wieder ein hohes Spannungslevel. Andererseits hatte ich das literarische Luxusproblem, dass mit Zelda nicht unbedingt sympathisch war. Sie seziert alles und jedes, und hat nicht unbedingt eine positive Grundeinstellung zum Leben. Irgendwie passt ihr unterschwellig nix. Vielleicht ist das eine Grundproblematik von den Nachfahren von Holocaust-Überlebenden, aber wie man es dreht und wendet, ein sonniges Gemüt kann man Zelda nicht nachsagen, und das fand ich etwas anstrengend.
Im Buch wird viel sinniert und diskutiert über Religion und Tradition, das waren interessante Einblicke, vor allem, weil weder Amal noch die Wagschals ihrer Religion tatsächlich anhängen, aber unterschwellig war mir das oftmals zu negativ angemalt.
Es geht übrigens in den knapp 500 Seiten nicht nur um Amal und die Castingshow – das hätte ich nach dem Klappentext erwartet – sondern Zelda tastet sich da langsam heran. Das Amal der Dreh- und Angelpunkt in ihrem leben ist, wird relativ schnell klar, aber Amal selbst taucht erst nach einer ganzen Weile im Leben der Wagschals auf.
Ja, wie auch immer. Ich fand das Buch war flüssig geschrieben, man kann es sehr gut weglesen, ist trotzdem literarisch anspruchsvoll, die Thematik war, ich wiederhole mich, spannend, aber ich konnte mich mit den Protagonisten nicht wirklich identifizieren. Dadurch, dass Zelda eher negativ gepolt ist, kommen ihre Beschreibungen zu den anderen Leuten natürlich auch nicht locker-flockig-humorig rüber, da ist einfach zu viel Schwere im Gemüt, und das macht es streckenweise etwas anstrengend. Finde ich.
Trotzdem eine empfehlenswerte Lektüre, wenn auch mit leichten Abstrichen,
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5/5
18.07.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine starke Stimme mit starker message
Eine somalische Nanny bei einer jüdischen Familie in den Niederlanden. Als Geflohene aus dem Flüchtlingsheim aufgenommen in die Familie, gegen alle Vorurteile und entgegen aller Ängste die auf schrecklichen Erinnerungen beruhen. Ihre Starke Stimme nutzt die junge Frau um sich von den Zwängen ihrer Kultur und Religion zu befreien, doch setzt sie damit nicht nur ihr Leben aufs Spiel sondern auch das der ganzen Familie. Eine Geschichte die mit Ängsten, Vorurteilen, erahnten Grauen und dem unerbittlichen Wunsch nach Freiheit vollkommen vereinnahmt.
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