Jeder kannte die Mädchen. Aber was wurde aus den Frauen, zu denen sie heranwuchsen? ¿ 'Das Buch der Saison und eines der besten Bücher des Jahres.' Prima
Zum Zeitpunkt ihres Todes hat die Presse viel über Ingrid Olssen geschrieben: Sie war eine weltberühmte Künstlerin. Sie war eine furchtbare Mutter für ihre Töchter Mattie und Nora. Und ihr Vermächtnis würde für immer weiterleben. Doch es ist unwahrscheinlich, dass die Welt jemals eine weitere Ingrid Olssen-Ausstellung sehen wird - ihr letzter Wunsch war, ihre Asche in den Canyon und ihre Bilder ins Meer zu werfen. Olssons Töchter Mattie und Nora wuchsen unter den Augen der Öffentlichkeit auf und leben völlig unterschiedliche Leben. Um ihrer Mutter den letzten Wunsch zu erfüllen, brechen sie zu einer Reise quer durch die USA auf. Sie werden mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, mit den Menschen, die ihnen einst nahe standen und mit den Lebensentscheidungen, die sie getroffen haben. Und sie wissen, ihre Geschichte ist noch nicht zu Ende geschrieben.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
begine
aus Lemwerder
5/5
04.12.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Berührend
Die britische Schriftstellerin Kirsty Capes hat in ihrem Roman Girls eine tragische Familiengeschichte gestaltet.
Mit großartigem Ausdruck zeichnet sie die das Leben der Töchter einer Künstlerin auf.
Die Malerin Ingrid Olsen lebt für ihre Kunst. Da ist kein Platz für ihre Töchter. Erschüttert liest man, wie allein die Girls sind. Als die Ältere auszieht, bleibt die Jüngere Nora oft tagelang allein im Haus. Da ist es kein Wunder das die erwachsene Nora nicht zurechtkommt.
Ich hoffe das so eine Kindheit nur aus der Feder der Autorin kommt. Leider gibt es solche Zustände wohl wirklich, das ist erschütternd.
Der Roman hat mich gefesselt. Das ist mal ein intelligentes Werk, das ich gerne weiter empfehle.
Die Buchprüferin
5/5
11.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Von der Kunst und von der Gewalt
Dieses Buch liest man nicht leicht. Es handelt von einer genialischen Künstlerin, die ihr eigenes Leben und das ihrer Töchter im Rausch ihrer Arbeit abfackelt und (fast) nichts davon übrig lässt außer ein paar lodernden Resten. Sie schwelgt in jahrzehntelanger Selbstzerstörung (Süchte aller Sorten, manisches Sexleben und besessene Verfolgung ihrer Kunst, radikale Abwendung von Heilungsmöglichkeiten ihrer späteren Erkrankung etc) und vernachlässigt ihre zwei Töchter Matilda und Nora auf eine Art, die jenseits von Gut und Böse ist. Tatsächlich derart katastrophal, dass Nora zigmal versucht, sich umzubringen.
Und so steigen wir in diesen Roman ein: Die gefeierte Künstlerin Ingrid Olssen ist unlängst gestorben, die Töchter sind zurückgeblieben. Matilda, selbst längst Mutter, hat kaum noch Kontakt zu Nora, vor allem auch, weil sie mit ihrem überwältigenden Schuldgefühl kämpft - sie hat die zehn Jahre jüngere Nora einst allein bei der Mutter gelassen, während sie selbst, ebenfalls noch sehr jung, mit dem Vater ihrer Tochter Beans wegzog. Um die Asche der Mutter, wie von dieser gewünscht, in einem Canyon zu verstreuen, begeben sie sich auf einen Roadtrip durch die USA: Nora, nach dem jüngsten Selbstmordversuch frisch aus der Psychiatrie entlassen, Matilda und Beans.
Bis wir mit den dreien zusammen auf Tour sind, vergeht knapp die Hälfte des Buchs, das aus Matildas Ich-Perspektive erzählt wird; unterbrochen wird das nur von Einschüben aus einer Olssen-Biografie, die Matildas derzeitiger Freund Richard schreibt. Die Interviewausschnitte und beschreibenden Passagen daraus geben noch mal zusätzlich erhellende Einblicke in die Geschichte und bilden einen spannenden Kontrapunkt zu Matildas Erzählung. Nicht dass es mehr Spannung bräuchte - einmal angefangen, hängt man an diesem Buch, als wäre man selbst süchtig geworden, so ein Skandalon ist es, was hier geschildert wird, so (buchstäblich) unglaublich entsetzlich sind die Schmerzen, die die Töchter durch diese Mutter erleiden.
Mein Zorn auf diese Frau wird nur dadurch abgemildert, dass sie keine reale, sondern eine fiktive Figur ist. Sie lässt die einjährige Nora auf den Asphalt fallen, weil sie stockbesoffen ist und nicht auf Matildas Warnungen hört. Für das Bild "Girls" vernutzt sie ihre Töchter als Modelle; die im Wachsen befindliche Nora muss hinterher ein Korsett wegen der verkorksten Haltung während dieser Sitzungen tragen. Soundso oft verschwindet sie sang- und klanglos über Monate, sodass die selbst noch junge Matilda oder Ingrids Schwester Karoline oder notfalls das Internat sich um Nora kümmern muss. Sie droht der (erwachsenen) Matilda damit, sie umzubringen, beschimpft ihre Töchter bei jeder sich bietenden Gelegenheit ... Und das ist nur die absolute Spitze des Eisbergs, eines Verhaltens, das mit Elternschaft nicht das Geringste zu tun hat.
Die Psychologie dieses Buchs ist hervorragend, und zwar bis in die Details. Die Autorin selbst wertet nicht oder kaum, das lässt sie ihre Figuren machen und natürlich uns als LeserInnen. In großartiger (und hervorragend ins Deutsche übertragener) Sprache lässt Kirsty Capes weiter und weiter die Abgründe aufklaffen zwischen hoch gelobter Künstlerin und Ingrid Olssen als Mensch, der ...
Nein, dafür fehlen mir die Worte. Zweifellos ist die Figur Olssen schwerst gestört, und zweifellos handelt es sich hier um emotionalen Missbrauch - aber diese nüchternen Begriffe können einfach nicht erfassen, wie allumfassend und vernichtend sich Olssen auf ihre Töchter auswirkt. Wie man angesichts dessen die große Kunst Olssens einordnen soll, bleibt ein peinigender Widerspruch, eine offene Frage, denn nichts, wirklich nichts kann in meinen Augen hier einen Ausgleich, eine Balance, eine Rechtfertigung schaffen.
Man verlässt das Buch heftig erschüttert - und zugleich von der Heldinnenreise der Protagonistinnen zutiefst bewegt. Kindheiten wie diese erleben Menschen auf der ganzen Welt, und ein Buch allein darüber wäre schon ergreifend. Die Autorin hat es allerdings geschafft, die großen Themen dieses Buchs - Schuld, (Eigen-)Verantwortung, Tod, Suizid, Beziehungsunfähigkeit, Ausbeutung, Entfremdung vom eigenen natürlich Körper, bis er nur noch als monströs wahrgenommen wird - auf eine Weise miteinander zu verweben, dass ein echtes Kunstwerk daraus entstanden ist. Und weil Kunst zu schaffen unter anderem bedeutet, auf Metaebenen zu sprechen und über die bestehenden Fakten hinaus immer noch mehr von uns zu erfassen und zu berühren, ist ihr mit "Girls" etwas ganz Besonderes gelungen.
Die Buchprüferin empfiehlt daher allen, die es sich zutrauen, so dicht in die Nähe dieser speziellen Thematiken zu geraten, voller Überzeugung: Unbedingt lesen!
Bewertung
5/5
01.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Girls
Dieses Buch hat mich auf eine ganz eigene Art berührt. Es geht nicht nur um zwei Schwestern, die nach dem Tod ihrer berühmten Mutter eine Reise antreten, sondern auch um all das, was Familie kompliziert und gleichzeitig unersetzlich macht.
Matilda und Nora könnten unterschiedlicher kaum sein, und trotzdem merkt man auf jeder Seite, wie eng sie miteinander verbunden sind selbst da, wo Verletzungen und unausgesprochene Dinge zwischen ihnen stehen. Besonders mochte ich, wie ehrlich die Autorin zeigt, dass das Erwachsenwerden in einer Familie mit so viel Schattenseiten Spuren hinterlässt, aber eben auch Stärke.
Manchmal war die Geschichte für mich fast schwer auszuhalten, weil die Mutterfigur so übermächtig bleibt selbst nach ihrem Tod. Aber genau das macht den Roman so intensiv. Die Roadtrip-Atmosphäre durch den Westen der USA hat das Ganze etwas leichter gemacht, fast wie eine zweite Ebene neben all dem Schmerz.
Girls ist kein Roman, den man mal eben zwischendurch liest. Er bleibt nach dem Zuklappen im Kopf und regt dazu an, über die eigenen Familiengeschichten nachzudenken. Für mich ein stilles, eindringliches Buch, das nicht laut sein muss, um Wirkung zu entfalten.
lielo99
aus Bad Münstereifel
5/5
27.08.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein weiteres Highlight in meinem Lesejahr 2025
Bei der Beisetzung der Mutter war Matilda eine der Trauerrednerinnen und wurde für ihre Worte von den Gästen gelobt. Schwester Nora glänzte mit Abwesenheit. Warum das so war, konnte Matilda nur ahnen. Beide Mädchen hatten es mit ihrer Mutter nicht leicht. Zudem gab es viele Spekulationen über deren ausschweifenden Lebensstil. Was ist bei solchen Eskapaden schlimmer als die Paparazzi? Nichts.
Girls hat mit ausgesprochen gut gefallen. Der Wechsel zwischen aufgezeichneten Interviews, Blicke in die Vergangenheit und Geschehnisse in der Gegenwart waren nicht ohne aufmerksame Konzentration zu lesen. Das fiel mir aber leicht. Der Schreibstil sowie diese stets anschauliche Sprache ließen mich teilnehmen am Schicksal der Schwestern. Zumal der Roman tiefsinnig ist. Fragen wie, „Warum wollte Nora sich umbringen?“ oder „Warum fällt es beiden so schwer, sich auf einen Partner dauerhaft einzulassen?“ sind nur zwei, die sehr gut beantwortet werden.
Es stellt sich die Frage, in welcher Weise Kinder unter dem Leben ihrer Mütter leiden. Und wie lange dieses Leiden auch noch nach dem Tod der Mutter anhält. Das Schicksal Noras und Matildas berührten mich sehr. Leider gibt es diese Schicksale häufig und nicht alle Kinder finden ihren eigenen Weg in die Zukunft.
Nicht nur der Inhalt des Buches gefiel mir. Das Cover fand ich außergewöhnlich und den Farbschnitt in Grün gehalten, ebenfalls. Der Sternenregen und die Leseempfehlung kommt von Herzen.
Bewertung
aus Dettelbach
5/5
27.08.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Stark erzählt
Kirsty Capes hat mit ihrem Roman Girls eine fantastische Familiengeschichte geschaffen. Ausdrucksstark erzählt mit griffigen, großartigen Charakteren und einer ergreifenden Geschichte.
Kirsty Capes erzählt die Geschichte zweier Schwestern, die im Schatten ihrer berühmten und exzentrischen Mutter aufwachen. Jede der beiden - Nora und Matilda - muss ihren eigenen Weg im Umgang mit der eigenen Geschichte finden und jede hat ihre eigene Art wie sie mit den Traumata der Vergangenheit umgeht.
Der Tod der Mutter bringt die beiden wieder zusammen und lässt längst Vergessenes wieder aufbrechen und ans Tageslicht kommen.
Es ist eine Geschichte tiefer Gefühle, die die Autorin gekonnt schafft auf den Leser zu übertragen und damit zu fesseln.
Das Buch hat mich sehr berührt, es hat mich zum Schmunzeln gebracht und bewegt. Eine rundum gelungene Geschichte.
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