Irgendwann in naher Zukunft: Alle Tiere sind ausgestorben und eine neue Spezies wird eigens für die Fleischproduktion gezüchtet. Der menschenähnliche Homo Cibus ist kein Individuum, sondern ein Produkt. Doch wo genau verläuft die Linie zwischen Mensch und Cibus? Wer entscheidet, welche Lebensform mehr wert ist, als die andere - und vor allem, nach welchen Maßstäben?
Hannah arbeitet als Sekretärin an einer Schule und versucht ihren Platz im Leben zu finden, als ein junger Lehrer ihre Denkweise komplett auf den Kopf stellt. Sie begleitet ihn auf eine Exkursion zu einer der Zuchtfarmen und beginnt, sich Fragen zu stellen. Als plötzlich Schülerinnen spurlos verschwinden, gibt es auch für Hannah kein Zurück mehr und sie muss eine Entscheidung treffen, die auch für sie selbst Leben oder Tod bedeuten kann…
»Carnivora« ist eine dystopische Zukunftsvision, die ethische Fragen aus völlig neuer Perspektive beleuchtet.
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Wo hört Menschsein auf?
xxholidayxx am 10.11.2025
Bewertungsnummer: 2650617
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Caroline Stadsbjerg, Jahrgang 1994, hat Psychologie studiert und mit Carnivora (übersetzt von Justus Carl, erschienen bei Edition W Verlag) ein bemerkenswertes Debüt vorgelegt. Die dänische Autorin verbindet psychologische Präzision mit dystopischer Vision und das Ergebnis ist ebenso beunruhigend wie faszinierend.
Die Geschichte spielt in einer nahen Zukunft, in der alle Tiere ausgestorben sind. Fleisch gibt es trotzdem, gezüchtet aus Homo cibus, einer menschenähnlichen Spezies. Hannah, Sekretärin an einer Schule, gerät durch einen charismatischen Lehrer in eine moralische Abwärtsspirale: Wo endet Menschlichkeit? Und wer entscheidet, welches Leben lebenswert ist?
Meine Meinung
Schon nach wenigen Seiten war ich völlig gefesselt und ehrlich gesagt auch verstört. Ich wollte das Buch mehrfach weglegen, konnte aber nicht. Als Veganerin hat mich diese Geschichte auf einer tiefen Ebene berührt, weil sie so klug den Spiegel vorhält: „›Homo cibus ist ein Konzept, das wir geschaffen haben, um die Menschen zu dehumanisieren, die wir essen‹“ (S. 40). Die psychologische Raffinesse zeigt sich in Hannahs zunehmender Zerrissenheit. „Ich war die Sklaventreiberin, die Vergewaltigerin, die Mörderin.“ (S. 40).
Besonders stark fand ich die Passagen, die das sogenannte „Fleischparadox“ thematisieren: Wie wir Tiere lieben und gleichzeitig verdrängen, dass unser Konsum Leid verursacht. „Unwissenheit ist eine Entscheidung.“ (S. 47),prägnanter lässt sich unsere Gegenwart kaum zusammenfassen. Der Roman stellt die unbequeme Frage: Wenn man leben kann, ohne jemanden umzubringen, warum tut man es dann nicht?
Gegen Ende hat Carnivora mich ein wenig verloren. Trotzdem hallt die Geschichte nach. Ich würde mir eine Fortsetzung wünschen, weil dieses Thema zu groß ist, um hier zu enden und das Ende für mich persönlich noch zu offen ist :D
Fazit
Ein einzigartiges Buch, wie ich es noch nie gelesen habe, kompromisslos, mutig und zutiefst verstörend. Für Leser:innen, die Dystopien mit philosophischer Tiefe und ethischer Relevanz lieben. Nichts für Zartbesaitete, aber ein Muss für alle, die bereit sind, unbequeme Fragen zu stellen.
Danke an Edition W Verlag & an netgalley.de für das Rezensionsexemplar und an Caroline Stadsbjerg für dieses Debüt, das unter die Haut geht.
Hätte mehr sein können
Bewertung am 29.11.2025
Bewertungsnummer: 2665540
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Der, nennen wir es Öko-Thriller behandelt ein Thema, das uns alle betrifft. Unser Essen. Wie wir es erzeugen, welche moralischen und ethischen Grundsätze damit in Verbindung stehen und welche Konsequenzen unser Konsum hat. Ohne allzu viel aus dem Buch zu verraten, möchte ich trotzdem das Szenario schildern. In einer Zukunft sind die Tiere durch diverse Krankheiten und den Klimawandel als Nahrungsquelle für die Menschen ausgefallen. Durch die Züchtung einer neuen Art, wird der Fleischverzehr aufrecht erhalten. Doch dieses Fleisch ist nicht tierischer, sondern menschlicher Herkunft.
Das reicht, um neugierig zu machen, oder? Mir ging es ähnlich. Beim Lesen des Buches, das so vermute ich, von einer Veganerin, zumindest Vegetarierin geschrieben wurde, wird dieses scheinbar Undenkbare als Metapher auf unseren tierischen Fleischverbrauch gebraucht. Durch die Idee, satt Tieren Menschen zu essen, entsteht sehr schnell ein ziemlicher Ekelfaktor. Ob aber durch diese Überspitzung der Genuss von Fleisch beim Leser überdacht wird, darf bezweifelt werden. Denn wie gesagt, geht es hier um Menschen. Diese Eskalation hebt das Buch, ob gewollt oder nicht, eher in den Bereich Science fiction mit Horrorelementen. Dies lässt das traurige Thema der Massentierhaltung und wirtschaftlicher Fleischproduktion vor allem in der zweiten Hälfte des Buches eher in den Hintergrund treten. Doch genau hier will das Buch eher greifen. Denn setzt man statt menschlichen Fleischlieferanten Tiere ein, sind wir bei der aktuellen Problematik unserer Ernährung. Nur würde ein solches Buch nicht diese Aufmerksamkeit erregen. Beim Lesen entsteht tatsächlich ein sehr unangenehmes Gefühl und lässt den einen oder anderen Konsumenten innehalten. Allerdings wird meiner Meinung nach aus dem Thema zu wenig gemacht. Irgendwann ist die Moralkeule ausgeschwungen und übrig bleiben die bekannten Versatzstücke eines Thrillers, inklusive einer Liebesgeschichte und etwas Sex. Schade, denn daraus hätte man mehr machen können. Das Ende des Buches lässt viele Fragen offen, eine wirkliche Lösung oder politische Diskussion kommen zu kurz. Nun ja, vielleicht sollte es auch so sein, letztendlich ist es ein Thriller, nicht mehr oder weniger.
Dies ist eine Privatrezension ohne KI erstellt. Kopie, auch in Auszügen, unterliegt dem Urheberrecht.
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