Y2K-Panik, Debatte um die Einführung des Dosenpfands, Michael Schumacher wird Weltmeister. Und wie ergeht es Martin Schlosser um die Jahrtausendwende? Den zieht es in die Großstadt, nach Hamburg, wo er mit dem Journalisten Rayk Wieland die Veranstaltungsreihe „Toter Salon“ ins Leben ruft, die erst im Hamburger Schauspielhaus und dann im Thalia Theater auf großen Bühnen steht. Und seine Literaturkarriere startet endlich richtig durch, als er bei einem gewissen Hamburger Verlag namens Hoffmann und Campe seinen ersten Buchvertrag unterschreibt.Doch das Leben besteht nicht nur aus Arbeit, das weiß auch unser Held, der erst Hochzeit und dann die Geburt seines Sohnes feiert. Das 21. Jahrhundert verspricht, ein gutes zu werden.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Alrik Gerlach
aus NordWestMecklenburg
4/5
04.12.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Millenniumsglanz und müde Tage — eine literarische Liebeserklärung
Vor meinem inneren Auge öffnet die Stadt ihre Türen, und der Geruch von Kaffee mischt sich mit dem Versprechen einer neuen Zeit. Martin Schlosser stolpert nicht nur ins neue Millennium, er tappt in all die kleinen Katastrophen und glücklichen Fügungen, die ein Leben in der Großstadt ausmachen. Die Sprache trägt Bilder: Abende im Theater, das Flackern von Anzeigenlicht, Gespräche, die in verrauchten Kneipen zu Mythen anwachsen. Dabei bleibt der Ton warm und manchmal verletzlich, als würde eine Freundin mir bei einem Glas Wein ihre verwegenen Hoffnungen anvertrauen.
Ich spüre das Ringen zwischen Kunst und Alltag, wie Erfolg und Familienglück aneinander reiben. Henschel gelingt es, die Zeit um die Jahrtausendwende mit liebevoller Genauigkeit zu treffen — nicht als Retro-Postkarte, sondern als atmende Gegenwart. Manche Kapitel dehnen sich in kleine Essays, die gelegentlich die Handlung ausbremsen; wer knallenden Plot erwartet, wird hier eher seelische Wahrnehmungen finden. Am Ende steht dennoch ein versöhntes Bild: Ein Mann, ein Theater, ein Kind, und diese unerschütterliche Zuversicht, dass das 21. Jahrhundert vieles bereithält — vielleicht nicht das, was man plant, aber das, was bleibt.
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