Hannover 1979. Koffer packen, die Schule benachrichtigen – Thomas, 16 Jahre, macht sich buchstäblich bei Nacht und Nebel mit seiner Familie auf den Weg in die DDR. Der Grund für den hastigen Aufbruch ist nicht der todkranke Opa in Usedom, wie Thomas' Vater behauptet. Er ist ein „Kundschafter des Friedens“, ein Spion der DDR, wurde enttarnt und muss sich nun in den Osten absetzen. So findet sich Thomas unvermittelt in einem falschen Leben wieder: in Ost-Berlin, an einer Schule mit Fahnenappell und Wehrkunde, von der Stasi bespitzelt. Alle Versuche der Familie, in den Westen zurückzukehren, misslingen. Thomas und seine Eltern landen im berüchtigten Stasi-Gefängnis Bautzen II …
Eine wahre Geschichte aus der Zeit des geteilten Deutschland, von Maja Nielsen packend erzählt.
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Mal von der anderen Seite
Carina am 03.01.2026
Bewertungsnummer: 2691051
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ich bin durch Zufall auf dieses Buch gestoßen und muss ehrlich sagen, trotz eigener Kindheit und mittlerweile langer Zeit seit dem Ende, war ich doch teils überrascht. Meist sind es die Geschichten und Schicksale, die mit einer Flucht aus oder einem Leben in der DDR verbunden sind, die man liest aber diese ganz spezielle Familiengeschichte zeigt noch ganz andere Seiten. Ich fand es gut geschrieben, ohne Schnörkel, einfach klar und deutlich und es las sich schnell weg, weil spannend.
Klare Empfehlung!
Eine wahre Geschichte, Flucht in die DDR
lesenmitausblick am 12.10.2025
Bewertungsnummer: 2623636
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Meine Kollegin Susann hat heute wieder einen Buchtipp für all jene, die sich gern mit historischen Themen befassen. Ganz konkret geht es hier um Spionageaktivitäten von DDR-Bürgern im westlichen Ausland. Susann hat mich sehr neugierig auf das Buch gemacht. Lest selbst:
Mit „Das falsche Leben“ führt Maja Nielsen ihre Reihe von Kinder- und Jugendbüchern zu interessanten, häufig historischen Themen fort. Die gebürtige Hamburgerin arbeitet seit 1998 als Autorin und wurde vielfach ausgezeichnet.
In diesem Buch aus dem Gerstenberg Verlag von 2025 erfahren wir etwas über die eher nicht so bekannten Spionageaktivitäten von DDR- Bürgern im westlichen Ausland und deren Folgen für die häufig ahnungslosen Familienmitglieder, hier im Buch sogar für die in der DDR lebenden Großeltern, die in ihrem Dorf wie Aussätzige behandelt wurden, nachdem die Verhaftung durch die Stasi bekannt wurde.
Familie Raufeisen war 1979 überstürzt aus Hannover zurück in die DDR geflüchtet, weil dem Vater, Spion für die DDR in der BRD, die Enttarnung drohte. Ab dem Moment des Grenzübertrittes steht die Familie unter ständiger Kontrolle der Stasi. Nach relativ kurzer Zeit findet sich der jüngste Sohn Thomas in Untersuchungshaft in Berlin-Hohenschönhausen und dann im Bautzener Gefängnis wieder, worüber er als Zeitzeuge aktuell in der politischen Bildungsarbeit bei Vorträgen und Führungen berichtet. Seine Erlebnisse sind erschreckend und entwürdigend zugleich, bleiben im Gedächtnis und wirken hoffentlich gegen die Verklärung der DDR-Zeit.
Für diesen Jugendroman arbeitete Maja Niesen mit der Hauptfigur, nämlich Thomas Raufeisen, eng zusammen, um seinen über 5 Jahre andauernden Aufenthalt in der ehemaligen DDR anschaulich und verständlich für über 14 Jahre alte Leser niederzuschreiben.
Maja Nielsen gliederte den Text in 36 Kapitel von durchschnittlich 4 bis 6 Seiten und versah diese mit kurzen Überschriften. Das kommt den Lesern sicher sehr entgegen. Insgesamt umfasst das Buch 189 Seiten, wobei ein umfangreicher Anhang den Jugendlichen helfen kann, über die realen Personen, über die DDR-typischen Begriffe sowie über bestimmte wichtige Orte und Gebäude nachzulesen. Anschließend listet sie Museen, Bücher und relevante Webtipps auf, die dieses Thema vertiefen. Unter anderem das Buch von Thomas Raufeisen von 2017, in dem er seine tragische Geschichte selber zu Papier brachte. Also an Anregungen zur weiteren Beschäftigung mit diesem Teil der deutschen Geschichte mangelt es nicht. Positiv möchte ich auch die persönlichen Fotos sowie die der Haftanstalt Bautzen hervorheben, welche ich für einen Gedenkstättenbesuch nur empfehlen kann. Im Innendeckel am Anfang befinden sich außerdem 2 Landkarten, die durchaus hilfreich sind für die Generation, die nach der Wiedervereinigung geboren wurde. Eine kleine Kritik meinerseits ist, dass man bemerkt, dass die Autorin auf Grund ihrer Herkunft schon einmal zu Aussagen kommt, die nicht ganz stimmen, zum Beispiel, dass Mandy von den Jungpionieren zur FDJ aufgestiegen sei ... korrekterweise wurde man erst einmal Thälmannpionier. (S.160)
Das handliche und in Deutschland gedruckte Buch mit Hardcover im Wert von 15 € kann ich sehr empfehlen für alle, die sich mit einer weniger bekannten Seite der DDR-Geschichte beschäftigen wollen.
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