Ein Dorf in dunklen Zeiten. Ein Mädchen, dessen Spur sich verliert. Eine Freundin, die sich erinnert.
Es ist ein milder Frühsommer, als Dora nach vielen Jahrzehnten in ihren Heimatort Hausen zurückkehrt. Stundenlang wandert sie durch die fremd-vertrauten Straßen – zu ihrem Elternhaus, aber auch zu dem Fachwerkhaus, in dem einst ihre beste Freundin wohnte.
Vom Wissen und Wegschauen: Ein berührender Roman über Zerbrechlichkeit und Hoffnung in dunklen Zeiten.
Als sie entdeckt, dass vor diesem Haus Stolpersteine verlegt wurden, ist Dora fassungslos. Denn dort liegen nur vier Steine, sie weiß aber genau, dass es fünf sein müssten. Einer fehlt, nämlich der ihrer ehemals besten Freundin Fanny. Was ist damals mit ihr geschehen?
Die Dorfgemeinschaft in Zeiten der Judenverfolgung: ein neuer, spannender Blick auf die düstere deutsche Geschichte. Emotional, glänzend recherchiert und mitreißend erzählt.
Dora ging auf das Haus zu. Mit jedem Schritt wurde sie ein bisschen langsamer. Mit jedem Schritt sank ihr Kopf ein bisschen tiefer. Noch konnte sie nicht hingucken. Ob das Haus ihrer Freundin wohl entstellt worden war wie so manch anderes im Dorf? Ob sie es wiedererkennen würde?
Als sie endlich den Kopf hob, wäre sie fast in Tränen ausgebrochen. Es war ganz und gar unglaublich. Es sah genauso aus wie damals. Als wäre die Zeit nicht vergangen. Dora stand und stand, konnte sich gar nicht sattsehen. Gleich musste die Freundin aus dem Haus kommen. Oder aus dem Fenster gucken. Oben links. Und rufen: »Ich komme.«
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Bewertung
aus Quickborn
5/5
19.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Nicht schwarz, noch weiß, manchmal leuchtend blau
Dieser Roman von Ute Mank hat mich sehr bewegt, Erinnerungen können böse Folter sein, Scham und Schuld ein Leben lang schlummern, aber nie vergehen. Diese Erfahrung macht Dora, als sie mit Mitte achtzig ihren Lebensmittelpunkt zurück nach Hausen verlegt, in ein Seniorenheim, in das Dorf, in dem sie aufgewachsen ist und in das sie nie zurückwollte. Aber das Leben spielt seine eigenen Stücke, nicht alle sind Wunschkonzerte.
Dora, großgeworden in der Nazizeit, erzogen zu Pflicht, Gehorsam und dem Willen, alles gut und richtig zu machen, hat eine Schulfreundin Fanny, die Jüdin ist. Zu Beginn ihrer Freundschaft sieht weder Dora noch jemand anderes darin ein Problem, aber je härter und unnachgiebiger die neuen Gesetze angewendet werden, umso gefährdeter ist Doras Freundin, ist deren Familie, sind es alle jüdischen Familien im Ort. Und so kommt es, dass Dora sich zurückzieht, immer seltener zu Besuch geht und dann vollkommen aus Hausen verschwindet, um Lehrerin zu werden. Was derweil in Hausen geschieht, kümmert sie nicht mehr so sehr, sie ist mit dem Studieren beschäftigt, sieht eine große Zukunft vor sich. Als das Nazireich zusammenbricht, endet auch ihre Studienzeit und sie kehrt nach Hausen zurück, erfährt, was im Dorf während ihrer Abwesenheit geschehen und auch, dass Fanny verschwunden ist. Kurz nagt das schlechte Gewissen an ihr, aber wieder ist es das eigene Wohl und Wehe, das bei Dora im Vordergrund steht, sie verlässt Hausen, am liebsten auf Nimmerwiedersehen. Das ist das, was der Leser weiß, das Dorfleben wird geschildert, die Schulzeit, die kleinen Freuden, aber auch der Druck durch das Naziregime. Alles andere liegt im Dunkeln, tief im Inneren der noch Lebenden versteckt.
70 Jahre später wird bei Dora plötzlich alles wieder aufgewühlt, sie lernt das Mädchen Pina kennen, das herausgefunden hat, dass sie in jenem Jokop’s Haus wohnt, in dem Fannys jüdische Familie lebte, dass sie sogar ihr ehemaliges Zimmer bewohnt, dass ihre Großeltern dieses Haus „günstig“ erworben haben. Dora sieht, dass vor dem Haus vier Stolpersteine liegen, zwei Erwachsene, zwei Kinder. Aber es waren drei Kinder, ein Stolperstein für Fanny fehlt. Hier treffen Dora und Pina das erste Mal aufeinander, daraus wird eine ungewöhnliche Freundschaft. Im Dorf aber sehen nicht alle mit Begeisterung auf die plötzlich entfachte Recherchelust, schon die Beschreibung der Widerstände gegen die Verlegung der Stolpersteine machte klar, dass viele die Vergangenheit lieber ruhen lassen würden. Aber es gibt auch die anderen, die sich erinnern und die Erinnerung bewahren wollen.
Beim Lesen empfinde ich immer wieder die eine Frage als bedeutend, wie hätte ich mich verhalten während der Nazizeit? Als die Mauer fiel, war ich 35 Jahre alt, für mich gab es eigentlich nur gut und böse, schwarz und weiß. Vater, 10 Jahre KZ, war gut; Mutter, ausgegrenzt wegen ihrer jüdischen Abstammung, war gut; Großmutter, hat meine Mutter gerettet, war gut; mein Großvater wurde in Auschwitz ermordet, war gut; ehemalige Wehrmachtsangehörige oder SS-Leute kannte ich nie, ehemalige NSDAP-Mitglieder auch nicht. So dachte ich jedenfalls. Eine aus heutiger Sicht recht ärmliche Einstellung, aber seit 1989 habe ich die Gelegenheit genutzt, recherchiert und gelernt, viel gelesen, vieles neu bewertet. Dazu gehört auch die Erfahrung, dass zwei Brüder meines Vater seine kommunistische Widerstandarbeit nicht guthießen, einer fiel später bei Stalingrad, der andere wurde am 1. Mai 1933 Mitglied der NSDAP (da war mein Vater gerade bei der SA in Schutzhaft und wurde gefoltert). Recherchen können sehr schmerzhaft sein und viele Überraschungen bergen. Aber wie ich mich in der Nazizeit verhalten hätte, wäre ich ein deutsches BDM-Mädel gewesen, ich weiß es bis heute nicht zu beantworten. Und wäre ich rechtzeitig geflohen vor der Deportation, wenn ich damals ein jüdisches Mädchen gewesen wäre? Alles hypothetisch. Jeder sollte ehrlich genug sein, denn nicht in jedem steckt ein Held.
Fazit: Das Buch „Und mittendrin der Birnbaum“ zeigt mit feinen Charakterisierungen der Hauptpersonen, aber auch der im Hintergrund bleibenden „Alltagshelden“, wie kompliziert das Leben und das Entscheiden zu damaliger Zeit war. Das Blau in Fannys ehemaligem Zimmer ist Pinas Blick auf eine bessere Zukunft. Eines der ehrlichsten Bücher, das ich zu dieser Thematik gelesen habe. Ich empfehle es sehr! 5 Sterne.
Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.
Bewertung
5/5
18.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Geschichte über Erinnerung, Schuld und Verantwortung
Im Mittelpunkt des neuesten Romans von Ute Mank steht Dora, die nach dem Tod ihres Mannes in ihren Heimatort Hausen zurückkehrt. Vor dem Haus ihrer jüdischen Freundin entdeckt sie vier Stolpersteine, der Name ihrer Freundin Fanny fehlt. Gemeinsam mit der jungen Pina, begibt sich Dora auf eine Reise in die Vergangenheit und lässt die schmerzlichen Erinnerungen und Schuldgefühle zu, die sie lange Jahre verdrängt hat. Dank der Hilfe eines Dorfbewohners offenbart sich Dora allmählich was mit Fanny passiert ist. Es ist auch nach so vielen Jahren immer noch unbegreiflich, wie die Nazis eine ganze Nation manipulieren konnten. Wie jüdische Menschen als Feinde deklariert wurden, ihnen Hab und Gut weggenommen wurde und sie zum Schluss auch noch ihr Leben lassen mussten. Und die Dorfgemeinschaft hat ignoriert und geschwiegen. Nur wenige haben ihre Menschlichkeit bewahrt und sich nicht verblenden lassen. Ein Buch das unter die Haut geht und dem ich viele Leser wünsche
Teddy12
aus Viernheim
5/5
17.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
längst vergangene Aufarbeitung
Das Buch "Und mittendrin der Birnbaum" von Ute Monk hat mich mit seinem sanften und einfühlsamen Schreibstil auf Anhieb in seinen Bann gezogen. Er basiert auf zwei Zeitebenen und nach und nach, wie bei einem Puzzle erahnt man das hinter der Geschichte sehr viel mehr steckt. Es ist kein Buch das große Action verbreitet sondern eher mit leisen Zwischentönen berührt. Nach dem Tod ihres Mannes kehrt Dora in ihr Heimatdorf zurück. Dort erinnert sie alles an ihre frühere Freundin Fanny und sie erfährt erst jetzt nach vielen Jahrzehnten was damals wirklich passiert ist. Mit der jungen Pina begibt sie sich auf Spurensuche und nach und nach decken sie die Geschehnisse über Fanny auf. Der Roman ist sehr tiefgründig und bewegend. Ein sehr gelungenes Werk über tiefe Freundschaft, deutsche Geschichte, Verrat, Verdrängen und Wegschauen.
Bewertung
5/5
16.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Fürś Herz
Ute Manks Roman „Und mittendrin der Birnbaum“ erzählt von Menschen, ihren Beziehungen und den kleinen und großen Veränderungen, die das Leben mit sich bringt. Vom wegsehen und vertuschen. Von Judenverfolgung und der Frage von Gerechtigkeit inerhalb der Dorfgemeinschaft. Im Mittelpunkt steht dabei Dora und ihre Erinnerungen an Fanny und ihre gemeinsame Geschichte.
Besonders gut gefallen hat mir der Schreibstil der Autorin. Ute Mank schreibt ruhig, und ich habe das Gefühl mit in der Geschichte zu sein. Sie beschreibt Situationen und Gefühle, ohne sie unnötig auszuschmücken. Dabei lässt dabei viel Raum für meine Vorstellungskraft. Leider war diese oft bedrückend was dem Thema geschuldet war.
„Und mittendrin der Birnbaum“ ist für mich ein Roman der nicht durch große Dramatik, sondern durch die Geschichte unseres Landes überzeugt. Der mein Herz zusammenzog und mich oft kopfschüttelnd zurückließ.
Leseeule 1963
Thalia Book Circle Community
4/5
19.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das schlechte Gewissen!
Die Protagonistin Dora verbringt Ihren Lebensabend in einem Seniorenheim in dem Dorf wo sie als Kind aufgewachsen ist. Die Erinnerungen an der damaligen Zeit läßt auch die Erinnerung an Ihre beste Freundin Fanny wachwerden, die Gedanken an Fanny,die Dora bis dato immer erfolgreich verdrängen konnte.
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Dora fühlt sich schuldig ,das sie damals als junges Mädchen nichts dafür getan hat um der Freundin und Ihrer Familie beizustehen, als diese wegen Ihres jüdischen Glaubens deportiert worden waren.Beim Spaziergang durch Ihrem Heimatdorf entdeckt sie vor dem ehemaligen Haus Ihrer Freundin das dort Stolpersteine verlegt worden sind,nur der Name von Fanny fehlt! Was hat das zu bedeuten?
Die Autorin beschreibt mit leisen Tönen eine unmenschliche Zeit,die von den meisten die alles miterleben mussten totgeschwiegen wurde.Aber doch gab es Menschen die nicht wegschauten und sich nicht von der Ideologie der Nazis haben blenden lassen! Ein Buch das zum Nachdenken anregt!
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