Vollautomatisiert, supersmart … und tödlich. Aiki Miras visionärer SF-Thriller über die Zukunft unserer Städte.
In Frankfurt am Main sind Dank der ersten Krypto-Milliardärin Deutschlands Polizei, Transport und Stadtverwaltung privatisiert. Ein künstliches neuronales Netzwerk unterstützt alle Institutionen und ist auch Teil des Hirn-Stadt-Interface: implantierte Chips, die eine intuitive Interaktion mit Gebäuden, Straßen und Transportsystemen der Stadt ermöglichen. Das KNN sorgt für ein reibungsloses Funktionieren der Infrastruktur und das größtmögliche Glück aller Bürger. Als es zu Problemen kommt und ein obdachloser Teenager stirbt, machen sich eine Coderin und ein Bot auf die Suche nach der Ursache für seinen Tod. Sie stoßen auf Ungeheuerliches, doch bevor sie irgend jemandem davon erzählen können, schaltet sich das Militär ein …
»Dieses Buch ist ein sehr neuartiges Tier, das Ideen ausatmet, die wir bald brauchen werden.« Dietmar Dath
»›Denial of Service‹ ist eine literarische Droge – man sieht die Welt hinterher mit anderen Augen.« Andreas Eschbach
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Fürsorge ist die Kunst unserer Gegenwart
Mari aus Weimar am 04.01.2026
Bewertungsnummer: 2692090
Bewertet: Buch (Paperback)
Denial of Service ist eines dieser Bücher, das ich nicht einfach nur gelesen, sondern, dass mich begleitet hat. Still, intensiv und fordernd.
Es ist kein Sci Fi Thriller, der alle Antworten liefert oder klare moralische Urteile fällt. Stattdessen öffnet er Räume. Möglichkeitsräume, in denen Gedanken fließen dürfen, sich verheddern, neu zusammensetzen.
Was mich sehr abgeholt hat, ist Aikis Umgang mit Intimität. Nähe, geistig wie körperlich. Aiki schreibt Gefühle schnürkellos und trotzdem zart, schön. Schönheit entsteht in Aikis Büchern in Details: eine Beinprothese, spitze Schultern wie abgeschnittene Flügel, Blicke, die sich wie GIFs zwischen Menschen bewegen. Formulierungen, in denen für mich etwas stattfindet, das ich so noch nicht gedacht oder gefühlt habe und genau darin liegt für mich ihre Kraft. Diese Sprache ist an manchen Stellen ein bisschen Total-Alien-Syndrom. Entkoppelte Sprachwirklichkeit.
Ein Satz des Botmädchens hat sich besonders bei mir eingebrannt:
„Dingen Bedeutung zu verleihen, darin seid ihr gut. Euch darum zu kümmern – weniger.“
Dieser Gedanke zieht sich für mich durch das ganze Buch. Und er erinnert mich stark an Mary Shelley: nicht an das Staunen über die Schöpfung, sondern an die Verantwortung, die mit ihr einhergeht. Es geht nicht um die Großartigkeit der Erfinder:innen, sondern um die Folgen des Erfindens. Genau deshalb liebe ich Aikis Blick auf Technik, KI, Bots, Hybride und Synths. Sie sind hier keine reinen Werkzeuge, keine Monster, kein „slop“, sondern lebendiger Teil einer Welt, die Verantwortung einfordern.
Und ich mag Jov sehr, weil ich mich in ihrem Empfinden, ihrem Suchen und Zweifeln wiederfinde. In ihrer schroffen, manchmal ungeschickten Art sich auszudrücken und dem Wunsch nach Verbindung, die eine andere Ebene als reine körperliche Anziehung meint.
Überhaupt fühlen sich Aikis Bücher für mich ein bisschen wie Ghibli-Filme an: Es gibt kein klares Gut und Böse. Niemand ist einfach nur böse. Weder Feldmann noch Omono noch Lele noch das Botmädchen. Selbst Entscheidungen, die falsch oder verletzend sind, entstehen aus Kontexten, Bedürfnissen, Begrenzungen. Alles ist in Bewegung. Alles ist immer im Fluss.
Die Vielzahl an Figuren: Chala, Zuzie, Tad, Per und Fatma, Omono, Sasha, Hugo, Lele, Beexone II, weben ein dichtes, lebendiges Netz. Wir bekommen so viele verschiedene Realitäten von Leben und Erleben und Überleben präsentiert, die so unterschiedlich und alle auf ihre Weise faszinierend sind.
Frankfurt selbst wird dabei zur Kreatur: aus Stahl, Glas und modularer Architektur, vollautomatisiert, KI-autonom, atmend.
Und dann ist da Chala. Ein Kid, das stirbt. Und dessen Tod nichts auslöst. Denial of Service. Protokolle greifen nicht. Mechanismen versagen. Und genau darin beginnt etwas. Keine Explosion, kein lauter Umbruch, sondern eine leise, tiefgreifende Verschiebung. Frankfurt verändert sich. Nicht nur äußerlich, sondern in seinem Wesen.
Denial of Service ist für mich aufregend unaufgeregt. Trotz Mord, Angst, Prekarität. Trotz der geistigen Anstrengung, den einzelnen Realitäten und Gedankenströmen zu folgen. Oder vielleicht gerade deswegen. Aikis Bücher fordern mich, aber sie überfordern mich nicht. Sie laden mich ein, mitzudenken, mitzuspüren, mich treiben zu lassen. Dieses Denkanegbot ist besonders und für mich liegt die Stärke des Buches nicht in den Antworten, die gegeben werden, sondern in den Fragen die gestellt werden und auf die ich mich einlassen kann. Denn wie das Botmädchen sagt: “Es gibt kein Zurück mehr. Nur die Zukunft.”
Wie schon Proxi hat mich auch dieser Roman überrascht. Anders. Leiser. Aber nicht weniger kraftvoll. Eine Zukunft, die unausweichlich ist (in welche Form auch immer wir die unsrige erleben werden) und die mehr sein kann als nur Verlust. Denn zurück gehen wir nicht mehr. Aber vielleicht lernen wir, besser hinzusehen. Und uns dann zu fragen: Was würde es für uns bedeuten, all diese Wesen, die mit uns leben, wahrzunehmen?
Werden wir bald von KI beherrscht?
ReadingFoxy aus Leipzig am 25.01.2026
Bewertungsnummer: 3024525
Bewertet: Buch (Paperback)
Werden wir bald von KI beherrscht?
Wir befinden uns in einem futuristischen Frankfurt am Main. Polizei, Verkehr und Stadtverwaltung durch die erste deutsche Krypto-Milliardärin privatisiert. Ein allgegenwärtiges künstliches neuronales Netzwerk steuert die gesamte Stadt, ist mit implantierten Chips direkt an die Bürger gekoppelt und soll Infrastruktur und allgemeines Glück optimieren. Als technische Störungen auftreten und ein obdachloser Teenager stirbt, beginnen eine Coderin und ein Bot, die wahren Ursachen zu untersuchen.
Ich fand es super, dass das Setting nicht irgendwo im Ausland ist oder ausgedacht. Sondern hier bei uns und in einer Stadt, die man kennen kann. Es ist zudem mein erstes Buch der Autorin, aber sicher nicht mein letztes. Ich mag diese Art von Dystopien und war auch hier direkt in der Geschichte drin.
Was ich auch mochte, ist, dass man zwischendurch Transkripte lesen kann und somit das Gefühl hat, wirklich dabei zu sein. Solche kleinen Zwischenteile lockern zudem das Buch etwas auf.
Den Schreibstil fand ich sehr bildhaft und stark. Ich hatte immer Bilder vor Augen und konnte mir alles vorstellen. Auch die Grundidee hat mir wirklich gut gefallen und man kann eigentlich immer auf die eigene Zeit ansetzen. Nach außen wird alles toll gezeigt, doch innen ist es nie so.
Das einzige, was mir nicht so gefallen hat, war die Charakterentwicklung bzw.-beschreibung. Ich fand sie etwas zu unnahbar und teilweise etwas unsympathisch. Durch die restliche Geschichte war es diesmal aber noch im Rahmen für mich.
ISBN: 978-3596711826
Autorin: Aiki Mira
Verlag: TOR
ET: 29.10.25
Umfang: 256 Seiten
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