Eine Karnevalskönigin wird zur Kindsmörderin, ein junger Mann erlebt eine Teufelsaustreibung, ein Dorf übt von der Polizei geduldete Lynchjustiz, und Mel Gibson sucht ein Gefängnis wie im Hollywood-Film. Was in diesem Buch geschieht, hätte überall passieren können, aber aus irgendwelchen Gründen konnte es doch nur hier passieren: in Veracruz.
Ausgehend von realen Ereignissen und Alltagsmythen erzählt Fernanda Melchor von ihrer tropischen Heimatstadt am Meer: von den Florida-Träumen karibischer Migranten, von der Herrschaft der Narcos und den Legenden, hinter denen sich die Abgründe der Gewalt, besonders gegen Frauen, verbergen.
Melchor erfindet nichts und meidet doch billige True-Crime-Effekte. »Das hier ist nicht Miami« ist der furchtlose Versuch, zu ergründen, welche Begierden, Vorurteile und sozialen Umstände Verbrechen hervorbringen - und warum das Böse in jede Ritze der mexikanischen Realität hineinzukriechen scheint.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
Bewertung
4/5
29.09.2025
eBook (ePUB 3)
Ein Blick in eine raue…
Ein Blick in eine raue Wirklichkeit Fernanda Melchors Geschichten haben mich immer wieder mitten hinein in eine fremde, doch seltsam vertraute Welt gezogen. Die Erzählungen sind hart, ehrlich und schonungslos – manche Szenen haben mir richtig wehgetan, und trotzdem konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen. Besonders beeindruckt hat mich die Mischung aus wahren Begebenheiten, Gerüchten und Erinnerungen. Es wirkt, als könnte vieles genau so geschehen sein. Gewalt und Angst sind allgegenwärtig, aber auch der ganz normale Alltag zwischen Hoffnung und Enttäuschung zieht sich wie ein roter Faden durch die Seiten. Gerade diese Mischung macht das Buch so intensiv. Die Autorin verzichtet auf billige Schockeffekte. Stattdessen zeigt sie, wie Armut, Vorurteile und die Macht der Drogenbosse das Leben prägen. Das macht die Geschichten glaubwürdig, nah und manchmal erschütternd. Nicht jedes Kapitel hat mich gleichermaßen gepackt, manches blieb auf Distanz. Trotzdem hinterlässt das Buch einen bleibenden Eindruck bei mir. Es hat mich betroffen zurückgelassen und in etlichen Momenten sprachlos gemacht. Für mich sind vier Sterne genau richtig.
Shilo
aus Ulm
4/5
29.09.2025
eBook (ePUB 3)
Ein Blick in eine raue Wirklichkeit
Fernanda Melchors Geschichten haben mich immer wieder mitten hinein in eine fremde, doch seltsam vertraute Welt gezogen. Die Erzählungen sind hart, ehrlich und schonungslos – manche Szenen haben mir richtig wehgetan, und trotzdem konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen.
Besonders beeindruckt hat mich die Mischung aus wahren Begebenheiten, Gerüchten und Erinnerungen. Es wirkt, als könnte vieles genau so geschehen sein. Gewalt und Angst sind allgegenwärtig, aber auch der ganz normale Alltag zwischen Hoffnung und Enttäuschung zieht sich wie ein roter Faden durch die Seiten. Gerade diese Mischung macht das Buch so intensiv.
Die Autorin verzichtet auf billige Schockeffekte. Stattdessen zeigt sie, wie Armut, Vorurteile und die Macht der Drogenbosse das Leben prägen. Das macht die Geschichten glaubwürdig, nah und manchmal erschütternd.
Nicht jedes Kapitel hat mich gleichermaßen gepackt, manches blieb auf Distanz. Trotzdem hinterlässt das Buch einen bleibenden Eindruck bei mir. Es hat mich betroffen zurückgelassen und in etlichen Momenten sprachlos gemacht. Für mich sind vier Sterne genau richtig.
MarieOn
5/5
09.09.2025
Buch (Taschenbuch)
Mitreißend reale Ausdrucksform
Das hier ist nicht Miami
Eisiger Nordwind, die Temperaturen würden bis 12 Grad runtergehen, hatte sein Vater prophezeit. Seine Schicht begann um 10 Uhr am Abend und endet um 6 Uhr früh, aber vielleicht werden die Verladearbeiten am Pier wegen des schlechten Wetters verschoben. In dieser Nacht sollten sie Stahlrampen auf- und abbauen und zu den riesigen Transportern bringen, in denen die Autos befördert werden. Eigentlich arbeitet Paco samstags nicht, aber er braucht ein paar Sonderschichten, um seine Schulden zu tilgen. Nach acht Transportern warten sie auf den letzten, hocken sich eng aneinander am Pier auf den Boden, um dem Wind zu trotzen. Ein Kastenwagen der Einwanderungsbehörde und zwei Pick-ups voller Hilfspolizisten rasen über den Kai, das Blaulicht erhellt zuckend die Nacht. Sie halten quietschend und stürmen den Schiffsbug einige Anleger weiter. Etwa zwanzig Schwarze vor sich hertreibend kommen die Männer auf den Pier. Sie verladen die Leute und verlassen das Gelände, vom neunten Transporter noch keine Spur.
Königin, Sklavin oder Ehefrau
Im Zentrum von Veracruz geistern viele Gespenster, die manchmal die Seelen im Hafen heimsuchen. Der sagenumwobene kopflose Mönch oder die Frauen, die während der Kolonialzeit von den Männern des Piraten Laurens de Graaf vergewaltigt und getötet wurden. Möglicherweise spukt auch die Mutter, die in einem Anfall von Raserei ihre Kinder getötet, sie zerstückelt und in dem Blumentopf auf ihrem Balkon vergraben haben soll, hier rum. Erst der Gestank ließ ihren Bruder die Abwesenheit seiner beiden Neffen mit dem Mief in Verbindung bringen. Seine Schwester soll voll auf Kokain gewesen sein. Sie war Karnevalskönigin, hing schon mit dreizehn mit Jungs ab, rauchte Marihuana, aber erst nach den Partys und der Aufmerksamkeit drehte sie ab. Evangelina Tejera, 1965 geboren, erlebte verbale und psychische Gewalt im Elternhaus, bis die Ehe zerbrach. Auf Druck der Mutter musste sie die Schule frühzeitig abbrechen, um Geld zu verdienen.
Fazit: Fernanda Melchor, eine der größten lateinamerikanischen Stimmen, hat hiermit ihren ersten Erzählband geschaffen. Als Journalistin in Veracruz schrieb sie die Crónicas, eine einzigartige Mischform aus subjektiver Reportage, Investigativjournalismus und Fiktion. Diese Crónicas flossen in den Erzählband mit ein. Das Buch lebt von 12 Geschichten, die wie eine reale Berichterstattung durch Augenzeugen wirken. Das faszinierende ist, dass der Tenor aller Geschichten die Macht der Drogenkartelle, politisches Versagen, Misogynie und die Einwanderungskrise zeigen. Die Stimmung, die sich durch die Geschichten zieht, ist ergreifend. In mir machte sich Aussichtslosigkeit und betretene Nachdenklichkeit breit, weil nahezu jeder irgendwann mit der Mafia in Berührung gerät. Sei es durch Arbeitslosigkeit (dann muss man eben in irgendwelchen Kellern Kokain eintüten, um zu überleben) Frauen, deren Männer mit den Kartellen in Berührung kommen, getötete Kinder, misshandelte Frauen. Mexiko ist kein lebenswertes Land, ist meine Erkenntnis. Die Autorin hat eine mitreißende Ausdrucksform für ihre Stimme gefunden. Und jetzt kann auch ich nicht mehr sagen, das habe ich nicht gewusst. Ein Buch für alle, die die Welt verstehen wollen.
begine
aus Lemwerder
5/5
14.08.2025
Buch (Taschenbuch)
Wahre Begebenheiten
Die mexikanische Schriftstellerin Fernanda Melchor schreibt über die Menschen ihrer Heimat.
Der Roman, Das Hier ist nicht Miami, zeigt die verschiedenen Schicksale mexikanischer Bürger.
Es beginnt ganz friedlich mit zwei Brüdern, die den Ufo Wahnsinn miterleben.
Aber dann kommen einige schwerere Themen zu Wort. Da lesen wir über die Rauschgiftvertreibung.
Dann werden die Schrecken von Emigranten erzählt, die eigentlich nach Miami wollten.
Schlimm ist die Korruption der Polizisten und die herrschende Gewalt.
Man erfährt von den Legenden Mexikos. Teufelsaustreibung und anderen
Das hat die Autorin authentisch zu Papier gebracht.
Es ist ein wichtiges Buch, das ich gerne weiter empfehle.
kaffeeelse
aus D
4/5
15.12.2025
Buch (Taschenbuch)
Das hier ist Veracruz!…
Das hier ist Veracruz! Fernanda Melchor „Das hier ist nicht Miami“. Ein weiteres Buch über Mexiko, welches sich vor meine Augen schlich und damit mexikanische Lebenswelten sichtbarer macht. Wenn ich mal von den ganzen Büchern über Frieda Kahlo absehe, gab es in der letzten Zeit noch einige Bücher mehr, die mich über Mexiko informierten. Seien es geschichtliche und daraus resultierende Wahrnehmungen im Jetzt, die man im Buch „Jetzt ergebe ich mich, und das ist alles“ von Álvaro Enrigue findet oder Blicke aus dem weiblichen Jetzt von Mexiko in „Reservoir Bitches“ von Dahlia de la Cerda und ein Blick aus einer möglichen Zukunft von Mexiko in „Diese brennende Leere“ von Jorge Comensal. Viele verschiedene Blicke auf Mexiko. Und Fernanda Melchor liefert in „Das ist nicht Miami“ ihren Blick auf Mexiko, auf ihre Heimat, auf den Bundesstaat Veracruz. Nun ist „Das hier ist nicht Miami“ kein Roman, es sind Erzählungen in diesem Buch vereinigt. Sehr interessante Erzählungen. Die einzeln betrachtet perfekt sind. Jedoch nur in der Verortung zueinander finden. Was ich etwas schade fand. Aber das sind Erzählungen halt auch. Sie sind einzeln zu betrachten. Ermöglichen in ihrer Fülle verschiedene Blicke. Und hier sind das eben Blicke auf den karibischen Bundesstaat Veracruz. Blicke auf die Menschen in Veracruz, auf ihr Leben, auf ihr Sein. Blicke auf die Provinz. Blicke auf weibliches Sein. Blicke auf das Vergeistigte, auf den Glauben, auf die Geisterwelt. Wobei hier die Geschichte um ein Haus, welches einen namenlosen Schrecken beheimatet, schon im Buch heraussticht, mich hachtig die Seiten umblättern ließ. Was für ein Schauer! Was für eine Kraft in dieser Geschichte! Wobei dieser namenlose Schrecken vielleicht auch als ein Sinnbild zu verstehen ist. Doch dieses Noir in der Geschichte, der Schauer, nun, ich war verzaubert. Blicke auf die Gewalt, auf die Kartelle, auf das Morden folgen. Wie auch über das Tun der westlichen Welt in Mexiko berichtet wird. Und auch das Thema Flucht in die vermeintlichen Segnungen der westlichen Welt wird thematisiert. Wobei ich hier die Veränderung in der Welt mal benennen möchte. Hier ist Miami noch ein Ziel der Migration. Ob das wohl heute immer noch so ist, wo doch Unmenschliches mehr und mehr das Sagen übernimmt in unserer westlichen Welt. Momentan könnte es zumindest auch ein glücklicher Umstand für manche sein, nicht in Miami zu sein. Nur mal so am Rande. Fernanda Melchor hat mich auf jeden Fall neugierig werden lassen auf ihr Werk mit diesem Buch hier. Ich besitze ja noch zwei Bücher von ihr. Mal schauen, wann ich zur Lektüre komme. Ich schreibe hier ja nun öfter, dass ich weitere Bücher in meinen heiligen Regalen habe. Das leidige Thema von uns sammelwütigen Büchermenschen. Hach ja. Ich weiß, kennen wir wohl alle. Und das ist auch gut so. Denn für etwas brennen, Leidenschaften zu kennen, bedeutet halt auch dem Negativen im Leben besser begegnen zu können. Ein Lesettipp. Wer an Mexiko interessiert ist, sollte zu diesem Buch hier greifen. Aber auch zu den am Anfang genannten Büchern. Unbedingt! ❤
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