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Der große Roman einer weitverzweigten Familie – von einer der gefeiertsten Schriftstellerinnen Italiens
Wie erzählt man die Geschichte einer Familie, wenn die gemeinsame Sprache in der Diaspora verloren geht? Wenn die Erinnerungen trügen und geliebte Verwandte seit Generationen in die ganze Welt zerstreut leben? In ihrem gefeierten autofiktionalen Roman geht die große italienische Erzählerin Igiaba Scego auf Spurensuche zwischen Mogadischu und Rom. Sie erzählt von verloren geglaubten Müttern und wiedergefundenen Brüdern, von einer Kindheit als Hirtin und der Schule in Rom-Nord, von Verletzungen der Kolonialgeschichte, die sich über die Generationen tragen – und von der großen Hoffnung, die im Erzählen liegt.
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Lebensgeschichte Meine…
Arietta am 05.10.2024
Bewertungsnummer: 2892336
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Lebensgeschichte Meine Meinung zur Autorin und Buch Es ist mein erster Roman von Igiaba Scego , sie erzählt die Geschichte Ihrer Familie die aus Somalia stammte über viele Generationen. Wir begeben uns mit ihr auf die Spurensuche ihrer Familie von Rom bis Mogadischu. Tauchen tief in die Vergangenheit ihrer Familie ein, erfahren viel über die Kolonialgeschichte die nicht nur ihre Familie sondern ihr Herkunftsland Somalia betrifft. Ihr Schreibstil ist sehr flüssig, tiefgründig und sehr interessant und bildlich erzählt. Die Protagonisten und ihre Charaktere sind real, ebenso die Hintergründe. Scego hat mich tief beeindruckt und auch erschüttert beim Lesen die Geschichte ihrer Familie und ihres Herkunftslandes Somalia. Man erlebt vieles hautnah in dem sie ihrer Leser an der Hand nimmt und uns alles erleben lässt. Eine Familie die auseinander gerissen ist, das nach dem Kriegsbeginn über die Erde verstreut in anderen Kontinenten lebt. Ihre Verwandtschaft spricht noch nicht einmal die gleiche Sprache , die Kinder haben sie größtenteils nicht mehr gelernt und sprechen jetzt die Sprache in dem Land in den sie aufgewachsen sind. All das passiert 1990 in Italien in Rom , als die jungen Mädchen sich für eine Party fertig machen, sie sind jung und gehen aus , obwohl in ihrem Herkunftsland Somalia der Bürgerkrieg ausgebrochen ist. Sie ist in Rom geboren eine echte Italienerin und fühlt sich auch so. Das Buch ist sehr gut aber schwer als Rezension zusammen zu fassen ohne zu viel Preis zu geben. Es geht teilweise tief unter die Haut.
Vom Jirro in der Diaspora Der…
Bories vom Berg aus München am 14.12.2025
Bewertungsnummer: 2975369
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Vom Jirro in der Diaspora Der erste Roman der italienischen Schriftstellerin mit somalischen Wurzeln Igiaba Scego erschien voriges Jahr unter dem Titel «Kassandra in Mogadischu» auch auf Deutsch, er wurde nun mit dem Premio Strega 2025 ausgezeichnet. Als autofiktionales Werk beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Migration aus der Sicht einer farbigen Italienerin. Deren somalische Eltern hatten wegen des andauernden Bürgerkriegs und dem Zerfall des afrikanischen Staates das Land auf Dauer verlassen und sind endgültig Staatsbürger der ehemaligen Kolonialmacht Italien geworden, wo später dann auch Ibiaga geboren wurde. Die Kolonial-Geschichte dieses bis heute bettelarmen Landes wirkt auch in der Gegenwart immer noch nach. Sie wird sehr gekonnt in dem Familien-Geschehen dieses Romans gespiegelt, der nach dem Beginn des Krieges 1990 zeitlich eine ganze Generation umfasst. Der riesige Familienclan der Scegos ist in alle Welt zerstreut und hält über die verschiedensten Medien nur lose Kontakt miteinander. Dementsprechend ist dieser Roman denn auch als Brief verfasst, in dem die inzwischen achtundvierzigjährige Ich-Erzählerin Igiaba Scego, die in Rom lebt, ihrer Nichte Soraya von der wechselvollen Vergangenheit der Familie berichtet. Soraya, die weit entfernt in Kanada wohnt, hat als Schauspielerin in der Verfilmung des weltberühmten Bestsellers «Wüstenblume» von Waris Dirie die Rolle der jungen Waris gespielt, sie ist zudem künstlerisch und politisch vielseitig engagiert. Gleich zu Beginn wendet sich die Briefschreiberin dem Thema «Jirro» zu, einer der vielen, in italienischer Lautmalerei geschriebenen somalischen Begriffe des Romans, der den Schmerz von Zerrissenheit in der Diaspora meint, - aus dem sich denn auch die vielfältigsten Fragen ergeben. Wer ist man, wenn einen Entwurzelung prägt, Bürgerkrieg und Traumata bis in die Diaspora hinein wirksam werden und das seelische «Ich» formen? Wie wirkt es sich aus, wenn die Geschichte des Landes, aus dem die gesamte Familie ursprünglich herstammt, so eng verwoben ist mit der Geschichte des Landes, in dem man jetzt lebt? Was macht es mit einem, wenn diese Lebens-Geschichten allesamt durch Gewalt und brutale Ausbeutung geprägt sind, wenn das erlittene Unrecht zum Himmel schreit? Und wie kommuniziert man in einer weltweit verstreut lebenden Familie miteinander, in der ein halbes Dutzend verschiedene Sprachen gesprochen werden, in der also ohne Dolmetscher gedanklich, -selbst unter den Somalis mit ihren vielen Dialekten -, ein Austausch kaum mehr möglich ist? Ähnlich der «Kassandra» im gleichnamigen Roman von Christa Wolf sucht auch Igiaba Scego als Berichterstatterin, der man wenig Glauben schenkt, eine Sprache zu finden, die dem Unheilvollen und Bösen Worte entgegensetzt, die deeskalierend wirken sollen oder gar versöhnend. Eine immer wieder aufscheinende Hoffnung der Autorin liegt in der Wirkmacht des Erzählens selbst, und damit vor allem in der Literatur! Dementsprechend gibt es in diesem Roman unzählige Verweise und Zitate nicht nur zur Literatur selbst, sondern auch zum Spielfilm, zu Musik, Malerei und anderen Gattungen der Kunst. All das wirkt sehr bereichend, untermauert den Plot metaphorisch und lockert das Geschriebene angenehm auf. Die schreibwütige Tante des Romans kämpft einen unbeirrten Kampf gegen die lähmende Sprachlosigkeit innerhalb des verloren gegangenen Familien-Verbundes mit seiner traditionell somalischen Prägung. Sie webt, quasi als literarische Widerstands-Kämpferin, aus den Erzählfäden des politischen und familiären Geschehens eine Erzählung der Hoffnung. Leider erweist sich die eisern durchgehaltene Briefform des Romans immer dann als kleines Manko, wenn es um die Nachvollziehbarkeit des Erzählten geht. Und auch die schiere Überfülle des in allen Einzelheiten wiederholt Erzählten wirkt mit der Zeit ermüdend. Zumal ja der Stoff selbst, in der sehr speziellen, den meisten Lesern wohl kaum geläufigen, somalisch-italienischen Gemengelage, vielen denn doch relativ abseitig erscheinen dürfte. Sprachlich affine Leser kommen allerdings stilistisch voll auf ihre Kosten. Ein Pfund, mit dem die in Italien hoch angesehene Autorin auch hierzulande ja durchaus wuchern kann!
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