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Mit »Boswell«, ihrer alten Tiefkühltruhe, sind sie vor zwanzig Jahren nach Frankreich gezogen: Mirandas Vater, pensionierter Oxford-Professor, der keine Diskussion scheut. Und ihre Mutter, die jede Gelegenheit nutzt, über den Krieg zu sprechen, den sie selbst nie erlebt hat. Nach fünzig Ehejahren haben sie die ein oder andere Eigenart entwickelt, und die Besuche bei ihnen stellen für Miranda immer öfter eine emotionale Herausforderung dar. »Ich könnte sie beide umbringen«, schreibt sie dann an ihre Schwester. Dabei empfindet sie eigentlich keine Wut, sondern Mitgefühl und Liebe? Und sie fragt sich, ob es nicht einen guten Grund für die Widerspenstigkeit ihrer Mutter gibt. Englische Exzentriker, irritierte Töchter und zwei Lamas. Großartig.
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Eigentlich eine ganz normale Familie – doch diese Ehe hat es in sich
Renas Wortwelt am 12.06.2026
Bewertungsnummer: 3165881
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Roman, in dem nicht viel geschieht, der aber doch fesselt wie ein guter Krimi – das zu schreiben ist schon eine Kunst. Gelungen ist dies der in Paris lebenden Engländerin Camilla Barnes direkt mit ihrem Debüt.
Auch wenn sich nicht alles um ihn dreht, den Gefrierschrank mit Namen „Boswell“, so ist er doch symptomatisch für diese Familie, diese Ehe. Seit 20 Jahren leben die britischen Eheleute nun bereits in Frankreich, er pensionierter Oxford-Professor, sie widerspenstig, stets mäkelnd und immer wieder den Krieg erwähnend, als hätte sie ihn miterlebt.
Aus der inzwischen 50 Jahre bestehenden Ehe sind zwei Töchter hervorgegangen. Charlotte lebt in England, ist beruflich sehr erfolgreich und Mutter zweier erwachsener Söhne. Miranda, von Beruf Schauspielerin, hat eine Tochter und arbeitet in Paris am Theater, sie hat gerade ein erstes Drehbuch verfasst auf Basis von „König Lear“.
Immer wieder fährt sie mit der Bahn zu den Eltern, was sie stets Überwindung kostet. Von dem, was sie dort erlebt, erzählt sie Charlotte in unterhaltsamen Briefen, die Zeugnis davon ablegen, was zwischen den Eheleuten abläuft. Das ist wirklich skurril, absurd und doch so realistisch, dass man beim Lesen meint, mit am Tisch zu sitzen, wenn Mann und Frau komplett aneinander vorbeireden, fast immer genau das Gegenteil dessen tun, was der andere möchte.
Wie beispielsweise die Tierhaltung des Vaters, die von der Mutter nicht nur nicht unterstützt wird, sondern irgendwann regelrecht sabotiert. Wie die uralten Vorräte in besagtem „Boswell“, die für immer aufgehoben werden, weil „im Krieg wäre man dankbar dafür gewesen…“.
Zwischen die aus Sicht von Miranda geschilderten Ereignisse eingefügt sind Rückblicke aus der Perspektive der Mutter. Hier wird ihre Geschichte erzählt, ihr Aufwachsen in einer sehr konservativen Familie, ihr erstes Ausbrechen für das Studium, ihre ersten Beziehungen zu Kommilitonen, ihre Begegnung mit ihrem späteren Ehemann. Anhand dieser Rückblicke beginnt man, sie zu verstehen, ahnt, warum sie heute so ist wie sie ist.
Das Ganze liest sich sehr flüssig, man hat Spaß an den Wordduellen der Eltern, ist fasziniert von der Weltsicht der jungen Frau in den 60er Jahren, genießt die unterhaltsamen Briefe Mirandas und nimmt so Teil am Leben einer doch eigentlich ganz normalen Familie.
Dass dieser Roman dennoch so fesselt, dass man die Seiten nicht schnell genug umblättern kann, ist da verwunderlich, denn viel geschieht nicht. Vieles innerhalb des Handlungsstrangs der Gegenwart spielt sich in Gesprächen und Dialogen ab, während die Vergangenheit erzählt wird in Form von Briefen der Mutter an eine Kitty, die sie Schwester nennt.
Dieses Buch kann ich vollumfänglich empfehlen, zumal es so angenehm aus dem üblichen Einerlei der Lektüren heraussticht.
Camilla Barnes - Keine Kleinigkeit
Originaltitel: The Usual Desire to Kill
aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren
Piper, April 2026
Gebundene Ausgabe, 253 Seiten, 24,00 €
Gar nicht so eine einfache Family-Affair
IrinaR_2605 am 17.05.2025
Bewertungsnummer: 2492600
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
KEINE KLEINIGKEIT ist ein exzellenter Roman über eine komplexe familiäre Beziehung eines alten Ehepaares und dessen Kinder. Scharfzüngige Dialoge, die mit Leichtigkeit und Witz gespickt sind, treten hier hervor. Dabei erkennt man deutlich Missverständnisse und unausgesprochene Gefühle, die über Generationen hinweg nachwirken können. Ach, die Tücken der teilweise bissigen Kommunikation sind immer wieder hochspannend und brisant! Trotz der leichten Oberflächlichkeit hat dieser Roman einen nachdenklichen Unterton und eine ziemlich traurige Tiefe.
Ein weiteres einzigartiges Plus (aus meiner Sicht) ist der Aufbau des Romans auf verschiedenen Erzählebenen, wie Dialoge, E-Mail-Verkehr, Briefe.
Für mich gehört dieses Buch zu den bisher gelesenen Highlights dieses Jahr.
Meinung aus der Buchhandlung
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... das Leben. Zwei Schwestern, die sich in Mails herrlich ungezwungen, einander zugewandt, nur in Bezug auf die Eltern hinreissend bissig austauschen , im Aufeinandertreffen jedoch sehr sperrig miteinander umgehen und es im Umgang mit den Eltern nicht an Zuneigung und wachsendem Verständis mangeln lassen. Die Eltern, klassisch britisch, sind vor Jahren der Schauspielertochter nach Frankreich gefolgt. Mit Bothwell. Mehr sollte hier nicht verraten werden. Auch nicht über Verfallsdaten. Keine glückliche Ehe, aber eingespielt bis ins letzte Detail. Die Dialoge für Aussenstehende köstlich. Das Geschehen von Barnes gekonnt in Szene gesetzt.
Und dann wieder die "Briefe" der sehr jungen Mutter an "Kitty". Eine andere Zeitebene. Eine Dimension hinter der Ehe.
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