Deutliche Gebrauchsspuren z.B. Notizen. Könnte ein Mängelexemplar sein, aber voll funktionsfähig und lesbar. Die gelieferte Auflage und das Cover können ggf. abweichen.
Temeswar/Rumänien 2014: Ioan Cozma hat abgeschlossen mit der Welt. Der Kripo-Kommissar hat nur noch ein paar Jahre bis zur Pensionierung, und wenn er nicht groß auffällt, wird er sie erreichen, ohne dass jemand in seiner heiklen Vergangenheit wühlt. Doch die Welt will ihn nicht in Ruhe lassen. Ausgerechnet Cozma wird die Ermittlungsleitung in einem brutalen Mordfall übertragen: Die junge Lisa Marthen, eine Deutsche, wurde erstochen aufgefunden. Ihr Vater ist einer der vielen Großgrundbesitzer in Rumänien, und so fällt der Verdacht schnell auf einen Feldarbeiter, der in Lisa verliebt war und seit ihrem Tod verschwunden ist. Als eine Spur nach Mecklenburg-Vorpommern führt, macht Cozma sich auf den Weg und muss feststellen, dass er dort nicht der Einzige ist, der für Gerechtigkeit sorgen will – und dass er der eigenen Vergangenheit nicht entkommen kann.
Oliver Bottini zeigt den Menschen in seiner radikalen Einsamkeit. Einer Einsamkeit, die er durch Gier und Starrsinn selbst noch verstärkt. Doch eines bricht sich immer wieder Bahn – der Glaube an etwas Gutes und an Menschlichkeit. Die Spannung zwischen diesen Polen ist es, durch die ›Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens‹ eine existenzielle Wucht entfaltet.
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Interessanter Kriminalroman
Lucy B. Kamp am 13.06.2021
Bewertungsnummer: 1496689
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
„Wie hab ich das gefühlt was Abschied heißt. Wie weiß ichs noch: ein dunkles unverwundnes grausames Etwas, das ein Schönverbundnes noch einmal zeigt und hinhält und zerreißt.“
Rainer Maria Rilke – „Abschied“
Dieses Zitat hat Oliver Bottini seinem Roman „Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens“ vorangestellt.
1989, das Jahr der Wende. Was hat es mit den Menschen gemacht oder aus ihnen?
2014 - Lisa, Tochter des Gutsbesitzers Jörg Marthen wird tot aufgefunden. Vergewaltigt. Maik Winter, der Freund von Marthen hat vor Jahren seine Familie bei einem Autounfall verloren. Beide hat es von Deutschland nach Rumänien verschlagen. Sie leben in der Nähe von Temesvar. Der Autor erzählt mit Spannung die Geschichte von der Suche nach dem Mörder von Lisa.
Ioan Cozma, der Ermittler, an seiner Seite ein Freund, Cippo. Beide träumen eher vom Ruhestand, statt in eine Mordermittlung gezogen zu werden. Dazu noch eine, die politisch Brisantes aufwirft. Ebenso entfaltet sich irgendetwas aus Cippos Vergangenheit, was nicht so hell und klar ist, wie es wünschenswert wäre. Aber darum kümmert sich die Antikorruptionsbehörde Directia Nationala Anticoruptie.
Betrügereien der LPG, das Regime Ceausescus und seine Schergen, Dekretkinder, Landraub. Groß gegen Klein, ein immerwährendes Desaster. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob der Tod von Lisa Marthen irgendwie mit all dem zu tun hat, und welche Verbindung das womöglich mit dem Tod Winters Familie hat.
Schnell ist ein Schuldiger gefunden. Blutspuren der Toten an seiner Kleidung. Eindeutig, aber ist er tatsächlich der Mörder? Der Verdächtige flieht nach Deutschland, nach Prenzlin. Eine Verbindung zwischen Rumänien und Deutschland. Emotional, ermittlungstechnisch, aber auch politisch. Eine Kriminalgeschichte, die nachdenklich macht. Sie macht die Wichtigkeit deutlich, genau hinzuschauen und das Kleine nicht zu übersehen. Industrie, Subventionen, Landkauf, Investoren, billige Arbeitskräfte. Was verbirgt sich in den stillen Winkeln? Jede Figur hat ihr Päckchen zu tragen und irgendwie ist alles miteinander verwoben. Freud und Leid. Trauer und Schmerz. Liebe und Hoffnung.
Ein Buch, das sich auch dadurch auszeichnet, dass es nachhallt. Abgesehen von einem spannend erzählten Handlungsverlauf, ist der politische Hintergrund überaus interessant. Insofern sehr lesenswert und vielleicht dazu ein Glas Cantus Primus.
"Den traurigen Lauf der Dinge aufhalten"
Dr_ M aus Sachsen am 18.06.2018
Bewertungsnummer: 1110910
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Maik Winter konnte das nicht. Er verlor 2011 seine Frau und seine Kinder bei einem Unfall, ausgelöst durch einen Sandsturm auf der A19, nicht weit von seinem Heimatdorf. Nun hat es ihn nach Rumänien verschlagen, wohin er seinem Freund Jörg Marthen gefolgt ist. Marthen, der bei der Umwandlung der LPG in seinem Dorf in eine Gesellschaft nach westdeutschem Recht schwer betrogen wurde, hat sich in seiner neuen Heimat viel Land gekauft, dessen Wert sich inzwischen vervielfacht hat. Den Rumänen ergeht es nicht anders als einst den Ostdeutschen – sie besitzen nicht die Mittel, um sich gegen kapitalkräftige Auswärtige zu wehren. Vor diesem Hintergrund inszeniert Oliver Bottini einen sehr gut recherchierten Kriminalfall, den man so irgendwie nicht erwartet. Nicht bei diesem Cover, diesem Titel und dem ganzen Drumherum.
Marthens Tochter wird am Fluss erstochen. Jeden Morgen geht sie dort schwimmen. Schnell fällt der Verdacht auf einen Landarbeiter. Hauptkommissar Cozma bekommt diesen Fall zugeordnet. Kurz vor der Rente und mit einer dunklen Vergangenheit, die er gerne für sich behalten würde. Mit dieser Konstellation kommt eine Figur ins Spiel, die zwei Leben hat, eines vor 1989 und eines danach. Damit gibt es genug Stoff für Zusammenhänge, die mancher Leser bisher wohl kaum kannte. Bottini gelingt es auf diese Weise in eines der vielen dunklen Kapitel der Wendezeit einzudringen, die es eben nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern, sondern auch in ganz Osteuropa gegeben hat. Im vorliegenden Fall gestalten sich die Parallelen überraschend deutlich.
Bei diesem Titel hätte ich alles erwartet, aber nicht diesen Inhalt. Bottini schafft es, in den folgenreichen wirtschaftlichen Kontext einen Mordfall einzubetten, der diese Parallelen nicht nur aufdeckt, sondern auch plastisch erklärt. Spannend ist er auch noch, wenngleich man gelegentlich (und das besonders am Anfang) den Überblick verlieren kann. Glücklicherweise hilft dann ein Namensregister am Ende des Buches wieder auf den richtigen Pfad. Dass Bottini gut schreiben kann, ist sicher kein Geheimnis mehr. Wenn man etwas an diesem Buch kritisieren will, dann vielleicht die nicht besonders gut herausgearbeitete Motivlage der Strippenzieher in diesem Fall. Man hätte bei einem so langen Anlauf vielleicht Größeres und Genaueres erwartet. Aber vielleicht wollte es Bottini mit seiner politischen Botschaft auch nicht übertreiben.
Ein sehr solider, nicht völlig unrealistischer Krimi mit einer eindeutigen Botschaft, zu der übrigens auch der Sandsturm auf der A19 gehört. Schließlich gab es den mit all seinen Folgen tatsächlich.
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