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Das Überraschungsdebüt 2019: Shortlist Deutscher Buchpreis, Shortlist Österreichischer Buchpreis, ausgezeichnet mit Theodor-Körner-Preis.
Der Unfalltod ihrer Eltern stellt die Wiener Physikerin Ruth vor ein nahezu unlösbares Paradox. Ihre Eltern haben verfügt, im Ort ihrer Kindheit begraben zu werden, doch Groß-Einland verbirgt sich beharrlich vor den Blicken Fremder. Als Ruth endlich dort eintrifft, macht sie eine erstaunliche Entdeckung. Unter dem Ort erstreckt sich ein riesiger Hohlraum, der das Leben der Bewohner von Groß-Einland auf merkwürdige Weise zu bestimmen scheint. Überall finden sich versteckte Hinweise auf das Loch und seine wechselhafte Historie, doch keiner will darüber sprechen. Nicht einmal, als klar ist, dass die Statik des gesamten Ortes bedroht ist ...
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Bewertung
5/5
13.10.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das flüssige Land - tiefer als so mancher glaubt
Der neue Roman "Das flüssige Land" von Raphaela Edelbauer ging mir unter die Haut. Im Inhalt steckt so viel Tiefe und Recherche, dass kein Charakter oder Ort ohne Grund an dem Platz steht, wo er steht. Kein Wort ist ein Füllwort, mit dem nur Platz geschaffen werden soll, für die wirklich wichtigen Wörter.
Als Ruth am Ende nochmal zurückblickt, rührte mich dies zu Tränen und ich brauchte erstmal Zeit, die vergangenen Seiten zu verarbeiten. Dieses Gefühl habe ich nicht oft bei Büchern. Es hat wirklich einige Zeit gebraucht, bis ich mich an ein neues Buch gewagt und meine Angst, davon enttäuscht zu werden, bewältigt hatte.
Ich kann dieses Buch wirklich nur weiterempfehlen und vor allem jedem und jeder nur ans Herz legen, sich auch über die Hintergründe dieses Buches zu informieren.
Bewertung
5/5
13.04.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine fantastische, sprachlich...
Eine fantastische, sprachlich starke Geschichte in der die Grenzen ins Surreale verlaufen- so wie der Erdboden der kleinen Stadt in der die Protagonistin die ihr unbekannte Herkunft der Eltern ergründet.
SternchenBlau
5/5
04.11.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Absurdität und Lethargie…
Absurdität und Lethargie angesichts der drohenden Katastrophe. Zeit und Physik lösen sich in Edelbauers faszinierendem Roman auf. Unschärfe als Prinzip „Das flüssige Land“ von Raphaela Edelbauer hat mich mit jeder Zeile fasziniert. Einerseits passiert nichts, andererseits aber so viel: Menschen sterben, alten Verbrechen werden vertuscht, die Heimat bricht auseinander. Das Buch präsentiert uns als Leser*in nicht offensichtlich, wozu wir hiermit gebeten sind. Meist nervt mich das in Büchern tierisch, hier bekam das Mäandernde eine eigene Qualität, weil ich mich so mit der Protagonistin ganz auf das Verwirrspiel Groß-Einland einlassen konnte. Ich möchte nicht zu viel vom Plot verraten, nur so viel: Die Ich-Erzählerin Ruth verliert beide Eltern bei einem Autounfall und macht sich auf die Suche nach Groß-Einland, weil die beiden dort begraben werden wollten. Und dieser Ort folgt seinen ganz eigenen Gesetzen, aber zu allererst kämpft er gegen sein Verschwinden angesichts eines monströsen Loches. Lethargie, Absurdität und Grauen Die Lethargie und die Absurditäten angesichts der drohenden Katastrophe ist das, was die Autorin so meisterlich schildert. Anfangs klingt dies alles nur an, aber dann werden die Bezüge zur drohenden Klimakrise, der Vernichtung der Umwelt, unaufgearbeiteter Vergangenheit, Antisemitismus, Rassismus, Verschwörungstheorien und der Sehnsucht nach einfachen politischen Lösungen immer deutlicher. Und dann das Grauen. „Siebenhundertfünfzig verschwundene Menschen und eine Gemeinde, die quasi über Nacht zur Monarchie zurückgekehrt war.“ „Das flüssige Land“ folgt einer kafkaesken Tradition, in der die Absurdität die Norm ist. Gleichzeitig bedient sich Edelbauch beim Fantasy-Genre, oder vielleicht doch bei Science Fiction, weil sie für ihre Welt Erklärungen in der Physiktheorie findet. Das macht sie so geschickt, dass ich mich zwischendrin schon fragte, ob das Doppelspaltexeriment nun nur ihre Erfindung sei oder doch eine physikalische Realität. (Es ist eine, falls Ihr Euch das auch fragen solltet.) Selbst die Blockuniversumstheorie, über die Protagonistin Ruth ihre Habilitation verfasst, ist eine reale physikalische Theorie. „‚Es handelt sich dabei um eine alternative Theorie über die Zeit. Stellen Sie sich Folgendes vor: Wenn die Zeit irreal ist, wie wir heute wissen, dann sind Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eigentlich gleichzeitig vorhanden. Ähnlich einem dreidimensionalen Block lassen sich die vermeintlich aufeinanderfolgenden Momente lesen als nahe aneinanderliegend. Das heißt, die Zeit wird eher zu einer Raumrichtung als zu etwas, das die Dinge je verändern würde. Es ist kompliziert.’“ Die Zeit löst sich auf, eben war es noch 2009, plötzlich 2012. Spielt es eine Rolle? Wir sind hier ebenso verloren wie dort. Das „Drum herum“ Ich kann verstehen, dass manche Leser*innen dieses Buch vielleicht abgrundtief hassen könnten. Edelbauer gibt uns wenig zum Festhalten. Eigentlich halten wir uns an einem Nichts fest, dem Loch, dass sich unter Groß-Einland hindurch frisst. Ich musste an eine Kindergeschichte der beiden philosophischen Schweine Piggeldy und Frederick denken, die u.a. in „Die Sendung mit der Maus“ zu sehen sind. Da heißt es: „‚Es wird nie ein Loch geben ohne was drum herum‘, sagte Frederick. ‚Aha‘, freute sich Piggeldy, ‚ein Loch ist nur deshalb ein Loch, weil immer was drum herum ist.‘“ Ich habe Edelbauers Roman dafür geliebt, dass sie dieses „Drum herum“ so genial in ihrem klugen und sprachlich toll geschriebenen Roman packt. Und dazu diese treffenden pointierten Beobachtungen wie zu Beginn von Ruths Abenteuer: „Pensionistengruppen, die ausgerüstet sind, als wollten sie den K2 besteigen, pendeln den ganzen Tag vom einen Eiscafé ins nächste.“ Fazit Lesen!!!! Wenn man als Leser*in gerne mal ausgetretene Pfade verlässt. 5 von 5 Sternen.
Edith Berger
aus 3istau
5/5
21.09.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
fesselndes Lesevergnügen
"Das Fahrzeug musste sich nach dem Aufprall in unendlicher Langsamkeit auf den Abhang zugeschoben haben, sich behäbig wie ein sterbendes Insekt in die Rückenlage drehend, um schließlich sanft schmirgelnd über den Bergrücken in die Tiefe zu gleiten". Ruths Eltern sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Ihr letzter Wunsch - sie möchten in ihrem Heimatort Groß-Einland begraben werden. Weder kennt Ruth den Ort, noch haben ihre Eltern je davon erzählt. Die Suche ist mühsam. Es ist purer Zufall, dass Ruth doch irgendwie dort ankommt. Und diese kleine Stadt ist anders. Auch die Bewohner sind eigen. Mit einem unfassbar kindlichen Leichtsinn ignorieren sie die Bedrohung, der sie alle ausgesetzt sind.
Tany Bee
5/5
27.08.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein sehr außergewöhnliches Buch
Ruths Eltern sind gestorben und ihr letzter Wunsch war es angeblich, an dem Ort beerdigt zu werden, an dem sie aufgewachsen sind: Groß-Einland. In ihrer Trauer macht Ruth sich überstützt auf dorthin auf und stellt erst auf dem Weg fest: dieser Ort ist nirgend verzeichnet, es scheint sie gar nicht zu geben. Doch schließlich findet sie einen Weg, indem sie einem Mann folgt, der auch nach Groß-Einland will. Es ist wie bei Alice und dem weißen Kaninchen, denn Ruth fährt über einen schwer zugänglichen Weg, ihr Auto wird dabei zerstört und dann kommt sie an einem Ort an, der mich ein bisschen ans Wunderland erinnert hat. Es gibt dort seltsame Regeln und eine strenge Gräfin, die über alles Bescheid weiß, was in der Stadt geschieht. Dinge, die für die Einwohner dort völlig normal sind, klingen überaus verrückt für unsere Ohren.
Doch das außergewöhnlichste an Groß-Einland ist: unter der Stadt gibt es eine riesige Mine, das Loch. Das Loch hat schon oft Menschen verschluckt und nach und nach sackt die ganze Stadt ab. Der Marktplatz liegt schon einen halben Meter tiefer, die Gebäude haben Risse, der Kirchturm steht schief.
Nach dieser Inhaltszusammenfassung (die dem Buch noch nicht annährend gerecht wird), ahnt man es schon: es ist ein recht seltsame Handlung. Und sie hat mich von der ersten Seite an in ihrem Bann gezogen. Es erging mir sogar wie Ruth: ich hing in Groß-Einland fest und bin nur sehr widerwillig daraus aufgetaucht. Nun habe ich keine Seiten mehr übrig und vermisse es richtig. Groß-Einland schwirrt aber weiter durch meine Gedanken. Manche Botschaften sind mir erst in Nachhinein so richtig klar geworden. Ich weiß nicht, ob ich das wirklich ALLES verstanden habe, aber ich weiß, dass ich ein sehr gutes Buch gelesen habe. Lest es am Besten selbst! Lasst euch darauf ein und taucht ab in die Geheimnisse von Groß-Einland. Es lohnt sich.
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5/5
22.07.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Nach dem Tod ihrer Eltern bemüht...
Nach dem Tod ihrer Eltern bemüht sich Physikerin Ruth, dem Wunsch ihrer Eltern nach einer Beisetzung im Ort ihrer Kindheit nachzukommen. Allerdings findet sich dieser Ort auf keiner Straßenkarte. Verwirrende Geschichte, sehr interessant zu lesen!
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