"Ich hoffe auf Zeichen, Erkenntnis, irgendwas. Aber hier fährt nur die Straßenreinigungsmaschine auf und ab." Mely Kiyak spaziert aufmerksam durch die Zeit. Mit unnachahmlich gewitzter Stimme und poetischem Blick begegnet sie dem Leben und schreibt mit: Gespräche mit Handwerkern, Freude in der Philharmonie, große Lust auf Landschaft, Lyrik und andere Lektüren. Auch Veränderungen im gesellschaftlichen Klima nimmt sie wahr, ohne zu beschönigen - und bleibt ihrem Schreibauftrag immer treu. Nicht verzagen, nicht verhärten. Gute Momente sind eine fabelhafte Hymne auf den Alltag und ein großes Lob der Menschlichkeit.
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Wort-Spaziergänge mit Mely Kiyak
Bewertung (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 17.05.2026
Bewertungsnummer: 3140698
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Seit ich das berührende Buch „Frausein“ von Mely Kiyak gelesen habe, bin ich ein großer Fan!
Daher habe ich mich sehr auf ihre neueste Veröffentlichung „Gute Momente“ gefreut.
In ihrem unverkennbaren Stil versammelt die Autorin hier persönliche Geschichten und Texte, die teilweise auch aus ihrer ZEIT-Kolumne stammen. Diese literarischen „Wort-Spaziergänge“ nehmen uns Leser*innen mit in ihren Alltag: Ob persönliche Beobachtungen über ihren Vater, Begegnungen mit Handwerkern, Reiseerlebnisse oder gesellschaftspolitische Stimmungsbilder - all das fügt sich zu einem vielschichtigen, stimmigen Mosaik zusammen.
„Da sind sie ja wieder, die guten alten Zeiten, wo die Führer der Welt Worte von vorgestern ausgraben und alle leeren Versprechen nach hinten zeigen. Und erneut sind es die Schriftsteller, die den Lügen hinterherräumen und Schicht für Schicht den Schutt abtragen, weil irgendwo darunter verborgen liegt, welche Ungeheuerlichkeiten aus der Vergangenheit Vorlage fürs Heute sind.
[…]
Längst nicht alle haben das Glück, fliehen zu können. Und also hören wir auch die Gefängnisketten wieder rasseln, damit aus Schreibenden Schweigende werden. Was die Staaten lenkenden Analphabeten jedoch nie begreifen werden, ist: Auch das Schweigen schreibt Bände. So wandern wir die Weltliteratur Buchrücken für Buchrücken ab, lesen, wie es war, und wissen, was wird. Nur ein Rätsel, das sich nie ganz lösen ließ, bleibt. Wer folgt eigentlich wem? Die Wirklichkeit der Fiktion oder umgekehrt?“
„Wie war ich als junger Mensch? Mit vierzehn oder fünfzehn. Wenn man glaubt, dass zwanzig noch ewig hin ist? Ich kann mich erinnern, was ich von meiner Tante zu Weihnachten bekam (einen Föhn von Braun). Aber wie habe ich gefühlt? Wie dachte ich über das Glück nach? Und darüber, wie es wohl ist, wenn man Schulden hat oder ein Kind verliert. Was dachte ich über Helmut Kohl? Dachte ich irgendwas über ihn? Meine Vergangenheit ist wie ein Buch, von dem ich weiß, dass ich es schon viele Male las, aber ich habe die Details vergessen. Ich kenne noch ungefähr den Plot.“
Die Texte sind ein gelungener Mix aus feinsinnigem Humor („Ich hoffe auf Zeichen, Erkenntnis, irgendwas. Aber hier fährt nur die Straßenreinigungsmaschine auf und ab.") und tiefgründigen Gedanken. Auch wenn mich (wie bei solchen Textsammlungen wohl üblich) nicht jeder Beitrag gleichermaßen angesprochen hat, waren etliche Hightlighs dabei.
„Deshalb: mit Worten gegen Worte wehren. […]
Das Hadern hat hier keinen Platz. Es ist ein Luxus für bessere Zeiten. Hadern ist ein Ausdruck von Ohnmacht. Erzählen ist Macht.“
Vielen Dank an Mely Kiyak für diese wunderbare Mischung aus tiefgründigen Impulsen und herrlich amüsanten Momenten!
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