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War Deutschland nicht eben noch das beliebteste Land der Welt, beneideter Exportweltmeister und begehrter Investitionsstandort mit einer funktionierenden Verwaltung und bestens ausgebildeten Fachkräften? Der Dreiklang aus Demokratie, Marktwirtschaft und Arbeitsdisziplin hat „Made in Germany“ zum Weltkulturerbe gemacht. Trotz aller Krisen galten die 16 Merkel-Jahre als goldene Epoche von Wachstum und pragmatischer Staatsführung, doch zwei Jahre später zeigt sich das wahre Erbe der Ex-Kanzlerin: verteidigungsunfähige Bundeswehr, verfehlte Energiepolitik, Stagnation bei Integration, Digitalisierung, Bildung oder Wohnungsbau. Im Land fehlt es buchstäblich an allem, besonders die tragende Mitte der Gesellschaft ist betroffen.
Die Autoren resümieren mit viel Humor und Liebe zum Detail, was in diesem merkwürdigen Land vorgeht und viele ratlos oder wütend zurücklässt: einen größenwahnsinnigen Moralismus, realitätsferne Illusionen, Angst vor der Freiheit, dazu eine Vollkasko-Mentalität und eine Wohlstandsverwahrlosung mit einer kräftigen Portion Geschichtsvergessenheit, die sich als „Lehre aus der Geschichte“ tarnt.
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Zur vierten Auflage, 2024: Es…
LichtundSchatten am 22.01.2024
Bewertungsnummer: 2836992
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Zur vierten Auflage, 2024: Es war letztes Jahr schon mein Lieblingsbuch und mit den neuen Inhalten der 4. Auflage wird es noch besser. Man kann sich die aktuelle politische Lage nur noch mit viel Glauben schön reden und erfährt in diesem Buch die mehr oder weniger nackte Wahrheit - auf sarkastisch, humorvolle Art und Weise. Hass gibt es in diesem Buch nicht, dafür liebevolle Einseifungen für Minderleister. Der grünrote Sinkflug flattert gelb durch die Lüfte - ein schmerzhafter Zusammenprall von Ideologie und Wirklichkeit. Die öffentlich rechtlichen Medien assistieren noch, aber schon gibt es Kommentatoren, die Front machen dagegen und den einen oder anderen Schuss der Vernunft abgeben. Ab Seite 222 gibt es neue, zusätzliche Kapitel: Nicht mehr mein Land, Clash of Civilizations im Oerstufenzentrum Anna Freud, Die zehn Glaubenssätze der Lauchbourgeioisie, Notlage auf Vorrat, Und morgen digitalisieren wir die Vulkaneifel, Wo liegt eigentlich der globale Süden?, Atemlos durch die Nacht, Größenwahn der Riesenzwerge, So wird der Betriff der Zivilgesellschaft ad absurdum geführt. Aus den Glaubenssätzen der Lauchbourgeoisie gefällt mir das am besten: „Die neoliberale Schuldenbremse ist Gift für unser Land, denn mehr Schulden bedeuten mehr Zukunft!“ Ich behaupte, wer dieses Buch über Monate täglich hört und wieder hört oder liest, kann sich befreien aus dem Narrativ der Angstmacher und Vorschriftenbücher, er atmet besser und ruhiger, er ist immunisiert gegen den aktuell grassierenden therapeutischen Wahn und alle Erzählungen, die Hass säen wollen gegen andere, ohne sachliche Argumente anzuführen. Meine Rezension zur ersten Auflage 2023: Ich habe dieses Buch inzwischen einmal gelesen und dreimal gehört. Es ist die gekonnte Durchlüftung einer irren Republik, deren woker Einheits-Schmalz so zum Kochen gebracht wird. Was ich immer schon dachte, wenn ich aus Versehendas Morgenmagazin einschalte, die Ideen fließen von hier ab wie von mir selbst gedacht, nur viel gekonnter in Szene gesetzt und mit treffenden Vergleichen unterfüttert. Ich würde mir wünschen, dass dieses Buch in Fortsetzungen im Anhang zum heute Journal oder der Tagesschau gelesen wird. Denn die Vernunft kann langfristig nicht aufgehalten werden. Der König früher hatte dafür die Hofnarren, heute allerdings sind Comedians dazu da, die Regierenden abzusichern. Gestern Abend interviewte Frau Slomka den Bundeskanzler mit Augenklappe, die Satire hat längst in die Realität Einzug gehalten. Ganz sanft befragte sie den Rekonvaleszenten und irgendwie mit einem tränenden Auge. Ein vergesslicher älterer weißer Herr hat das bestimmt verdient! Ich kann mir vorstellen, wie Herr Bruder die Augenklappe in dieses Buch aufgenommen hätte. Das Besondere ist ein hintergründiger Humor, der einem Zugang verschafft zu Verbindungen, die sonst im Dunklen geblieben wären. Beim Lesen und hören beobachte ich mich selbst und stelle fest: Lächeln, laut und leise, Dankbarkeit für die Analysen, gut, dass es noch aufrechte, vernunftbetonte Ansichten gibt. Besonders gefallen haben mir die Ausführungen über Frank Walter Steinmeier und Frau Wissler sowie Frau Hayali. Das Sturmgeschütz der Demokratie und früherer Arbeitgeber von Herrn Broder, Der Spiegel, wird ebenso treffend charakterisiert. Statt den täglichen Nachrichten dieses Buch hören, dieses Kontra dem Zeitgeist ist mehr als man verlangen kann, eine Aufmunterung, die hoffen lässt.
Deutschlands Ist-Zustand in 2023
Jennifer am 26.11.2023
Bewertungsnummer: 2076515
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Ich kannte Henryk M. Broder bisher ausschließlich aus dem TV. Dort nimmt der Reporter und Autor nach wie vor kein Blatt vor den Mund, wenn es um Deutschland geht. Der Titel seines neuesten Buches "Durchs irre Germanistan. Notizen aus der Ampel-Republik" spricht für sich und hat mich unweigerlich an Asterix-Titel denken lassen. Zielsicher und unumwunden legt er darin nun gemeinsam mit dem Journalisten Reinhard Mohr die Schwächen des politischen Systems, aber vielmehr noch der Regierenden offen. Der Werte- und Ansehensverfall im In- und Ausland ist überall greifbar, doch die Ampelregierung hält stur an ihrem Schlingerkurs fest. Klimakleber, Genderwahn, Digitalisierung und Diversitybestrebungen sind nur die bunte Spitze des Eisbergs. Die wirklichen Probleme, wie Wohnungsnot, Inflation und Migration, werden nicht angegangen, weil Wärmepumpen und Auslandsbesuche nun mal wichtiger sind. Broders Vergleich mit Heines "Deutschland, ein Wintermärchen" ist keineswegs weithergeholt, sondern aktueller denn je.
Wer nach einem zeitaktuellen Lagebericht Deutschlands Ausschau hält, sollte zu dieser pointierten Lektüre greifen. Sie fast auf 224 Seiten zusammen, was viele TV- und Presse-Formate bewusst verschweigen. Die literarische Form von kurzen zwei- bis dreiseitigen Notizen liest sich flott und erkenntnisreich. Beide Autoren lieben ihr Land und berichten seit Jahren über dessen (Negativ-)Entwicklung. Ihre Ausführungen sind stets am Puls der Zeit orientiert und fußen auf Fakten. Mit ihrer eigenen Meinung halten sie sich nicht zurück und sparen ungern an Ironie.
Ich bin gern mit beiden Autoren durch mein Heimatland gereist und habe dabei sowohl herzlich aufgelacht als auch empört mehr Verstand von den Oberen eingefordert. Es ist m. E. ungemein wichtig, dass es noch unabhängige Stimmen wie Broder und Mohr gibt, die sich ihre Überzeugungen nicht nehmen lassen und kritisch hinterfragen.
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