"Ombra" erzählt die Geschichte einer Wiederkehr aus großer Todesnähe: Im Sommer 2019 wird bei Hanns-Josef Ortheil eine schwere Herzinsuffizienz festgestellt. Die anschließende Operation verläuft nicht ohne Komplikationen, es folgt der lange Aufenthalt in einer Rehaklinik. Das Leben des höchst produktiven Autors, der sich selten schont, steht am Scheideweg - der Körper hat die Herrschaft übernommen und lässt nicht mit sich verhandeln. Doch in das Gefühl der Ohnmacht und Angst hinein kehrt allmählich das Schreiben zurück. Stück für Stück setzt Hanns-Josef Ortheil in seinem wohl persönlichsten Buch aus Wahrnehmungen, Erinnerungen und Reflexionen sein Leben neu zusammen. Wer ist er gewesen vor der Krankheit? Und wer kann er danach einmal sein?
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
9 Bewertungen
5 Sterne
4 Sterne
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Sterne
(0)
Sein zweites Leben anpacken
Boockpicker (Mitglied der Book Circle Community) am 05.03.2026
Bewertungsnummer: 3067183
Bewertet: eBook (ePUB)
Müde und niedergeschlagen kämpft sich Johannes nach einer schweren Herzoperation in die Rehaklinik. Mindestens ein Jahr werde es dauern, bis er wieder annähernd derselbe sein werde. Aber soll sein neues, zweites Leben dasselbe sein wie das um ein Haar zu Ende gegangene? Er kämpft, mit Gymnastik, Krafttraining, Anti-Stress Übungen, im Gespräch mit der Klinikdirektorin und der Psychologin. Schreiben? Geht nicht mehr. Klavierspielen? Die Finger versagen. Wo bin ich geblieben? Doch das Leben lockt, und Johannes will es packen.
Realistisch beschreibt er die inneren Kämpfe, Zweifel und Ängste nach einem Beinahe-Herztod. Alle vermeintlichen Gewissheiten sind verschwunden, alles muss neu erarbeitet, erkämpft werden, vor allem das Vertrauen ins Leben und in den eigenen Körper. In Rückblenden erfährt man von seinen wilden und beängstigenden Träumen im Koma, von Erinnerungsfetzen an seine Kindheit, an Vater und Mutter, die ihm in inneren Gesprächen erscheinen. Auch Doktor Freud tritt hinzu, so dass Gegenwart, Erinnerung und Fantasie kaum zu unterscheiden sind. Doch Johannes begegnet allem je länger je mehr mit Humor, Charme und Entschlossenheit, er befreit sich aus dem straffen Stundenplan der Reha und beginnt Schritt für Schritt ein neues, genussvolleres Leben zu entdecken, wagt sich wieder hinaus in die Welt, nach Köln, trinkt ein Kölsch oder zwei, beginnt alte Freunde zu treffen.
Ein gelungener Roman einer Wiedergeburt!
«Benimmt sich das Herz ordentlich»? (136)
«Du befindest dich im Primärstadium des Versuchs, ein zweites Leben zu organisieren. Ein Leben nach dem ersten, das abgelaufen ist und normalerweise zum Tod geführt hätte. Behalte das im Blick und reagiere darauf». (157) «Das zweite Leben ist eine komplett neue Erahrung. (…) Vergiss aber nicht, das zweite Leben auch wirklich zu leben». (158)
«Leo steht auf. Komm, sagt er, das Essen wartet, wir gehen zu unserem Italiener. – Ich werde nicht viel hinunterbekommen, antworte ich. – Nimm nicht immer alles vorweg, sagt Leo, lass dich wieder mehr auf die Welt ein». (202)
Wirklich ein ergreifendes Buch, das einen in seiner stillen Tiefe packt!
Der Kampf, zurück ins Leben, in sein Leben mit dem geschriebenen Wort
Bewertung am 12.12.2021
Bewertungsnummer: 1622073
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Hanns-Josef Ortheil ist ein renommierter deutschsprachiger Schriftsteller, ein Mann, der mit und für das Wort lebt, für den Sprache ein ganz entscheidender Bestandteil seines Lebens ist. Und sein Leben war voll, prall gefühlt mit Literatur und auch mit der Musik. Bis zu dem Tag, der ihn zu einer schweren Herzoperation zwang, mit vielen Wochen auf der Intensivstation, teilweise im Koma.
Dieses Buch nun ist die Geschichte, seine Geschichte zurück, zurück ins Leben, in eine Gegenwart, eine Existenz, die er so erst einmal schwer akzeptieren kann. Er ist traumatisiert von dieser Zeit, in der er schon um sein Leben kämpfen musste und er hat 'Einbußen' erlitten. Alles ist schwer, physisch und psychisch. Jeder Schritt muss bedacht sein. Alle Leichtigkeit, die Selbstverständlichkeit, ist verloren und die Fähigkeit zu schreiben, ganz real mit einem Stift einen Text aufs Papier zu bringen, sie ist ihm vorerst zumindest genommen. Er begibt sich in eine Rehaklinik. Jeden Morgen kommt er mit dem Zug, sein Zuhause ist nicht weit und er lernt, bekommt Gedankenanstöße, kommuniziert, ersetzt das Schreiben durch Bilder und ein Diktiergerät, ist das ein oder andere Mal fassungslos und gleichzeitig auch irgendwie fasziniert, was er nun ist und wer er (wieder) werden könnte.
Persönlicher kann ein Roman nicht sein, dieser Roman einer Wiedergeburt und vielleicht gerade deshalb löst er bei seinen Lesern etwas aus. Man will dabei sein, den Gedanken des Autors folgen, seine Empfindungen verstehen, Freude haben, wenn er selbst beginnt, wieder solche Gefühle zu entwickeln und sehr wohlwollend zu verfolgen, wenn er in seinen Gesprächen doch wieder mit dem Wort arbeitet, damit spielt und so seinem Gegenüber auch neue Erfahrungen bietet und manchmal auch eine Herausforderung.
Dieses Buch überrascht, gerade weil es einen nicht mehr loslässt und das ist schon irgendwie ein wenig faszinierend und sehr positiv besonders.
Ich kann es nur empfehlen.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.