Gewaltdrohungen, digitale Hetzkampagnen, hämische Bildmontagen – was nach den dunklen Rändern des Internets klingt, ist für viele Politikerinnen bitterer Alltag geworden. Ingrid Brodnig legt in ihrem neuen Sachbuch schonungslos offen, wie systematische Einschüchterung Frauen aus der politischen Öffentlichkeit drängen soll und was das für unsere Demokratie bedeutet. Sie hat mit Abgeordneten und hochrangigen Politikerinnen aus Deutschland und Österreich gesprochen, dokumentiert konkrete Angriffe und analysiert, wie digitale Gewalt funktioniert – oft angeheizt durch rechte Netzwerke, die Logik von Social-Media-Plattformen und opportunistische Medienmechanismen.
Doch Brodnig geht über die Analyse hinaus: Sie zeigt Wege auf, wie Betroffene sich schützen können – rechtlich, technisch, strategisch. Und sie appelliert an uns alle, als Bürgerinnen und Bürger Verantwortung zu übernehmen. Denn wer schweigt, überlässt das Wort den Lautesten. Ein mutiges, kluges und hochaktuelles Buch – für alle, die Demokratie nicht den Angstmachern überlassen wollen.
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Wichtiges Buch zu einem leider sehr relevanten Thema
Bewertung aus Hamburg am 21.06.2026
Bewertungsnummer: 3174308
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Digitale Gewalt im Internet ist kein neues Thema, aber leider ein immer aktueller werdendes.
Ingrid Brodnig nähert sich der Thematik in ihrem Buch zunächst beschreibend und analysierend und gibt dann auch Hinweise zum persönlichen Umgang mit beleidigenden und unangemessenen Inhalten genauso wie zu juristischen Möglichkeiten. Illustriert werden die Aussagen durch Fallbeispiele und Interviews mit betroffenen Politikerinnen, Juristinnen und z.B. einer der Geschäftsführerinnen von HateAid. In kompakten Kapiteln werden verschiedene Formen, direkte und indirekte Folgen und die Motivation hinter digitaler Gewalt beleuchtet. Die Mischung aus wissenschaftlichen Erkenntnissen, Erfahrungen der Autorin und die Fallbeispiele passt gut, sodass ich das Buch gerne gelesen habe. Dazu hat auch der angenehme Schreibstil beigetragen. Meistens habe ich jedoch nur ein Kapitel am Stück gelesen, um das Gelesene zu verarbeiten.
Insgesamt habe ich einiges gelernt, auch wenn mir natürlich bereits doch schon recht viel bekannt war. Vieles war aber auch neu bzw. spannend, nochmal fundiert eingeordnet zu bekommen. Es wurde wieder einmal deutlich, dass doch einiges im Argen liegt, es aber Möglichkeiten gibt, dem zu begegnen.
Dabei hat mir besonders gefallen, wie die Autorin den Spagat geschafft hat, zwischen individuellen Bewältigungsstrategien bzw. dem Umgang mit digitaler Gewalt und dem Schwerpunkt auf der Problematisierung: Digitale Gewalt existiert, nimmt zu und darf nicht als individuelles Problem der davon betroffenen Person akzeptiert werden.
Ingrid Brodnig zeigt sowohl auf, was es an Präzedenzurteilen gibt oder wie man sich im Kleinen engagieren kann, aber auch, dass wir uns in Europa am Scheideweg befinden. Die Tech-Industrie mitsamt eines sie protegierenden Donald Trump setzt die EU-Kommission sowie den Digital Services Act massiv unter Druck. Insofern trifft die Autorin den richtigen Ton, um die Aktualität und Relevanz des Themas zu verdeutlichen. Gleichzeitig zeigt sie, wo gesetzliche Lücken bestehen, wie diese aber auch behoben werden könnten.
Generell gelingt es ihr gut, die Ambivalenz und Komplexität von persönlichen Entscheidungen im Vorgehen gegen Beleidigungen, Deepfakes, Verleumdungen, Drohungen usw. deutlich zu machen. Das bezieht sich sowohl auf eigene Aktivitäten in Reaktion auf Kommentare im Netz, aber auch auf rechtliche Schritte, die wichtig sein können, aber gut durchdacht sein sollten.
Wer sich mit dem Thema auseinandersetzen möchte oder vielleicht leider durch eigene Betroffenheit auch muss, dem oder der kann ich Ingrid Brodnigs Buch sehr empfehlen.
Digitale Gewalt gegen Frauen ist keine Nebensache
Julia am 11.06.2026
Bewertungsnummer: 3165065
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ingrid Brodnig beleuchtet in ihrem Buch "Feindbild Frau" wie Frauen im digitalen Raum systematisch massiver Hass entgegengebracht wird. Sie findet in ihren Ausführungen einen guten Mittelweg zwischen der Darstellung erschütternder Erfahrungen von Betroffenen und erhält gleichzeitig die Lesbarkeit des Buches, ohne zu unsägliche Beispiele aufzuzeigen.
Besonders wichtig fand ich, dass Frau Brodnig auf den Aspekt des Humors im Zusammenhang mit digitalem Hass eingeht. Sie fasst sehr gekonnt zusammen, warum man frauenfeindliche Hasskommentare eben nicht als Humor bezeichnen kann. Zudem zeigt sie auf, wie sich digitale Gewalt, die oftmals als kein nennenswertes Problem abgetan wird, eben auch auf das echte Leben auswirken kann. Die Beispiele fand ich an dieser Stelle sehr eindrucksvoll. In diesem Zusammenhang würde mich ebenfalls interessieren, inwiefern sich Hassnachrichten gegenüber Frau Brodnig nach der Veröffentlichung dieses Buches entwickelt haben.
Insgesamt ist das Buch eine absolute Leseempfehlung und regt dazu an, den Umgang mit digitalen Medien und deren gesellschaftliche Auswirkungen kritisch zu hinterfragen. Besonders gelungen finde ich, dass die Autorin nicht nur auf das bestehende Problem eingeht, sondern auch Lösungsansätze präsentiert, wie man sich gegen digitale Gewalt wehren kann.
Abschließend möchte ich noch die hochwertige Verarbeitung des Buches hervorheben. Die Fadenbindung sowie die dicken Seiten ohne durchleuchtenden Druck sorgen für ein sehr angenehmes Lesen.
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