Vom Aufwachsen im Dazwischen – berührend, komisch und täuschend leicht erzählt von Safia Al BagdadiLaylas Eltern sind das glamouröseste Liebespaar der Welt – oder zumindest Saarbrückens. Ihr irakischer Vater hat ständig neue spektakulär scheiternde Geschäftsideen und verspricht seiner staunenden Familie zugleich Umzüge nach New York, ein Haus mit Rutsche in den Tigris, eine große Zukunft. Ihre französische Mutter dagegen stammt aus dem nobelsten Bürgertum, rebelliert gegen ihr Elternhaus und trägt dabei doch Chanel Nº5. Alles in dieser Familie kann nur schiefgehen und ist dennoch für einige Kindheitsjahre ungeheuer leicht und wunderschön. Dann bricht 1991 der Golfkrieg aus. Eingeholt von der Realität, wird Laylas Vater ein Fremder. Ein tragikomischer Familienroman über das Leben zwischen den Kulturen, in dem man jede Figur umarmen will.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
11.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Familie
Diese Familie hat es in sich. Schon beim Lesen der kurzen Inhaltsbeschreibung war ich sehr neugierig auf die Familie. Den Vater, der in einer Traumwelt von immer neuen Geschäftsideen und Reichtum lebt und die Mutter, die gegen ihre eigenen Familie rebelliert und dennoch unverkennbar ihren Stempel trägt. Auch bei ihrer Herkunft prallen Welten aufeinander. Einerseits der Irak, andererseits Frankreich. Mitteldrin ist Layla - ihr Kind, die aber dennoch eine wunderschöne Kindheit hat. Doch der Golf-Krieg wird alles in dieser Familie verändern. Mit einem wunderbaren Schreibstil wird hier eine Familie skizziert, der man gerne beim Lesen über die Schulter schaut. Er ist detailreich und flüssig und lässt einen mit dem Buch verweben. Auch das Cover finde ich sehr schön und auch passend. Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter.
rallewu
aus Niedersachsen
5/5
28.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Berührende Familiengeschichte mit autobiografischen Zügen
Die Autorin Safia al Bagdadi hat mit "Unser Haus mit Rutsche" ein sehr emotionales Buch mit sicherlich jeder Menge autobiografischen Zügen vorgelegt.
Einfühlsam und jederzeit unterhaltsam erzählt al Bagdadi die Geschichte von Layla Beni Sayed, in Saarbrücken geborene und aufwachsende Tochter eines irakischen Vaters, der in der 1980/90er Jahren von großen Geschäften mit den arabischen Länder träumt, und einer französischen Mutter aus dem gehobenen "Geldadel", auf zwei Zeitebenen.
Ihre Eltern sind damals ein - so kommt es Layla zumindest vor - glamouröses Paar. Ihre Mutter eine elegante, unnahbare Schönheit, ihr Vater ein "Menschenfänger" mit vielen Freunden und Bekannten. Laylas Vater hat große Pläne, er steht mit seinen Karriereplänen als großer Geschäftemacher jederzeit unmittelbar vor dem Durchbruch. Bis irgendwann die Golfkrise 1990 im Nahen Osten alles ändert.
Heute ist Layla Künstlerin. Sie lebt seit einiger Zeit in Paris und wird regelmäßig von den "Dämonen" der Kindheit - in erster Linie der Enttäuschung über Ihren Vater und dessen allmählicher Radikalisierung heimgesucht. Sie hat Erfolg, großen Erfolg sogar, aber psychische Probleme, wahrscheinlich Bindungsangst und Angst vor dem Erfolg. Diese Ängste - das wird im Verlaufe der Geschichte immer deutlicher - haben ihren Ursprung in der Beziehung zu ihrem Vater.
"Unser Haus mit Rutsche" erzählt die hochspannende Geschichte von Layla Beni Sayed ruhig, flüssig, teils kindlich naiv, teil aber auch sehr tiefgründig intensiv. Obwohl viele Zusammenhänge nur angedeutet werden, kann der Leser zwischen den Zeilen eine intensive, leider auch gestörte Verbindung zwischen allen Protagonisten herauslesen. Im Klappentext steht "Irgendwann und irgendwo hat ihr (Laylas) Leben die falsche Abzweigung genommen". Das sehe ich nicht so - es ist einfach das Leben, das gradlinig diese Richtung eingeschlagen hat und das Layla erst jetzt, wo sie seit Ewigkeiten keinen Kontakt mehr zu ihrem einstmals über alles geliebten "Babe" hat, langsam zu verstehen beginnt.
Ein wunderbares, sehr tiefgründiges Buch.
Bewertung
5/5
25.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Berührende Familiengeschichte
Mir hat das Buch „Unser Haus mit Rutsche“ von Safia Al Bagdadi sehr gut gefallen. Erzählt wird aus zwei Perspektiven der Protagonistin Layla. In der Gegenwart lebt sie in Paris und versucht sich als Schauspielerin und Schriftstellerin, gegen Ende dann mit großem Erfolg. Trotzdem leidet sie unter psychischen Problemen und muss regelmäßig eine Psychologin aufsuchen.
Dazwischen gibt es viele Rückblicke auf ihre Kindheit und Jugend in Saarbrücken, mit einer französischen Mutter und einem irakischen Vater, also einem Aufwachsen in völlig verschiedenen Welten. Der Vater exportiert in den Irak und träumt davon, mit der ganzen Familie nach Bagdad zu ziehen, in ein schönes Haus mit Rutsche. Dazu kommt es aber nie. Nach und nach werden die dramatischen Ereignisse aufgedeckt, an denen der Vater schließlich zerbrochen ist und die auch Leyla geprägt haben. Gerade angesichts der aktuellen Ereignisse im Nahen Osten hat mich die Geschichte sehr mitgenommen. Solche Schicksale und damit verbundene Schuldgefühle sind kein Einzelfall.
Den Schreibstil fand ich sehr angenehm, die Personen sind gut beschrieben und erscheinen nahbar. Ich habe gut in die Geschichte gefunden und das Buch innerhalb kurzer Zeit fertig gelesen. Die Familenkonstellation der Autorin ähnelt der von Layla und daher stellt sich mir die Frage, wieviel Autobiographisches der Roman wohl enthält…
Bewertung
5/5
23.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Kindheit
Die Autorin beschreibt zwischenmenschliche Beziehungen nüchtern durch die Augen eines kleinen Kindes. Die hoffnungsvolle Naivität ist oft spürbar, ich fand die Gedanken der kleinen Layla wirkten allerdings manchmal auch etwas zu erwachsen. Der Schreibstil ist dabei sehr bildlich und flüssig, stellenweise auch humorvoll.
Besonders fand ich, wie es der Autorin gelingt jedes Mal wenn die Protagonistin Layla als Kind mit einem Satz konfrontiert wird, den man als Kind noch gar nicht verstehen kann, diese kindliche Assoziation zu finden und dann daraus ein Bild zu zeichnen.
Im besten gefallen hat mir der Teil, in dem die Familie in den Irak reist. Die Eindrücke und Erlebnisse werden so lebhaft geschildert.
Es macht Spaß das Buch zu lesen, regt aber auch zum Nachdenken an.
Die Geschichte würde mich außerdem auch aus der Perspektive von Laylas Mutter interessieren.
Bewertung
aus Freiburg
5/5
22.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vielversprechender Titel
Ich fand den Titel des Buches witzig und vielversprechend. Welches Kind wünscht sich nicht ein Haus mit Rutsche? Genau das verspricht Laylas Papa der Familie: irgendwann ein Haus mit Rutsche direkt in den Tigris. Aber man ahnt es schon, dass es wohl nicht dazu kommt. In Laylas Kindheit wohnt die Familie in Saarbrücken. Der Vater ist aus dem Irak. Er ist neben der Icherzählerin Layla die Hauptperson in dem Buch. Er ist viele Jahre lang derjenige, der Lebenslust und Hoffnung in die Familie bringt. Die Mutter dagegen, die aus einer vornehmen französischen Familie stammt, ist kühl und kontrolliert. Layla erzählt von ihrem Heranwachsen in dieser ziemlich chaotischen Familie. Dazwischen kommen Kapitel, in denen sie von ihrem gegenwärtigen Leben als Erwachsene erzählt und überlegt, wie es wohl dazu kam, dass sie in einer deprimierenden Situation feststeckt.
Ich habe das Buch sehr gerne gelesen. Der Schreibstil ist locker und witzig. Besonders gefielen mir die Erinnerungen Laylas an ihre frühe Kindheit mit den phantasievollen Spielen ihres Vaters und an die angespannten Familienbesuche bei der französischen Grossmutter. Gar nicht mochte ich es, wenn sie über ihre Suizidgedanken schreibt.
Ich fragte mich immer wieder, wieviel vom tatsächlichen Leben der Schauspielerin und Schriftstellerin Safia Al Bagdadi in dem Roman steckt.
Eine "Lehre" oder "Moral" konnte ich jetzt nicht aus dem Buch ziehen, höchstens, dass ich ein bisschen erfahren habe, wie es sein kann, in oder zwischen verschiedenen Kulturen zu leben.
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