»Ich kann mich an kein Buch von derart furchtloser Ehrlichkeit erinnern, was den Neuanfang einer Frau angeht. Hier ist jeder Satz mutig, kostbar, einzigartig.« Elke Heidenreich
Nach dem Tod ihres Mannes räumt Christien Brinkgreve das gemeinsame Haus um. Was wie eine äußere Routine erscheint, stößt bei ihr eine innere Bewegung an: Eine Frau blickt zurück – auf ihr Leben, ihre Ehe, ihre Rolle in der Familie und in der Welt. Was bleibt von den gemeinsamen Jahrzehnten? Wer war sie in der Beziehung, wer ist sie ohne sie? Und wie kann es sein, dass sie sich als selbstbestimmte Frau zwischen Liebe und fremden Erwartungen verloren hat? Brinkgreves mutiges Buch findet Worte für Schlüsselerfahrungen, die viele Frauen teilen. Eine radikal persönliche Rückschau, eine große und schonungslose Erkundung des Frauseins, des Alterns und der Lebensentscheidungen, die wir aus Liebe treffen.
Kundinnen und Kunden meinen
3.7/5.0
113 Bewertungen
5 Sterne
4 Sterne
3 Sterne
2 Sterne
1 Sterne
(0)
Boiling Frog Syndrome
Bewertung am 14.04.2026
Bewertungsnummer: 3109639
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Geschichte vom Frosch, der in einem Topf sitzen bleibt, während das Wasser zum Kochen gebracht wird ist zwar unwahr, aber leider eine gute Parabel für den Verlauf vieler Beziehungen. So auch für die Ehe der Autorin, einer emeritierten Soziologieprofessorin, mit einem gleichermaßen brillanten wie schwierigen Mann. Die Beziehung und das Haus des Paares nehmen einen eigentümlich synchronen Verlauf. So wie die Ehe zunehmend schwer zu ertragen ist, wird das Haus des Paares immer unbewohnbarer. Eine ausgeprägte Sammelleidenschaft füllt es mit Ballast, der die Bewohner unter sich zu begraben droht. Selbst ein Wassereinbruch im Keller wird nicht behoben, als bräuchte es noch eine Metapher für die Kapitulation vor den Beziehungsproblemen. Nach dem Tod des Mannes beginnt die Witwe langsam das Haus zu entrümpeln und für sich passend zu machen, parallel dazu analysiert sie offen und selbstkritisch ihr eigenes Verhalten. Während das Haus wieder wohnlicher wird, vervollständigt sich nach und nach das Bild ihrer Ehe. Zum Eindruck der schwierigen späten Phase treten nun auch Erinnerungen an schöne Momente und Zeiten. Diese versöhnliche Entwicklung ist Christien Brinkgreve von Herzen zu gönnen - ihre ehrliche Selbstbefragung berührt.
Selbstbestimmung ist ein Kampf, den selbst Expertinnen oft verlieren
zeilen_echo am 08.04.2026
Bewertungsnummer: 3102965
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
„Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen“ von Christien Brinkgreve ist ein ehrliches Protokoll darüber, wie wenig theoretisches Wissen vor den Fallstricken gelebter Beziehungen schützt und wie hartnäckig patriarchale Muster selbst dort wirken, wo man sie eigentlich längst durchschaut hat.
Ausgangspunkt ist der Tod ihres Ehemannes. Doch Brinkgreve schreibt hier keinen klassischen Trauertext. Sie seziert, was von ihr als Ehefrau übrig bleibt und vor allem: WER sie eigentlich war, innerhalb dieser Ehe. Das zentrale Thema Verlust und Trauer wird hier sehr schnell zu einer Frage der Identität. Und die ist unangenehm! Wie viel von dem, was wir für „uns selbst“ halten, ist in Wahrheit Anpassung?
Gerade bei Brinkgreve wirkt das fast paradox, denn sie selbst ist Professorin für Frauenforschung. Eine Intellektuelle, die sich ihr Leben lang mit Emanzipation und Feminismus beschäftigt hat. Trotzdem landet sie in genau den Rollen, die sie analysiert: die sich aufopfernde Partnerin, die emotionale Versorgerin, die Frau, die sich am Wohlergehen des Mannes ausrichtet. Das ist kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem. Dieses Buch zeigt sehr klar: Patriarchale Dynamiken sind keine Frage von Bildung oder Bewusstsein. Sie sind eingeübt, internalisiert und leider auch verdammt wirksam.
Was das Buch für mich so stark macht, ist die Präzision, mit der Brinkgreve diesen Widerspruch aufdröselt. Sie romantisiert nichts, aber sie verteufelt auch nicht. Die Ehe war nicht einfach „falsch“. Sie war komplex, ambivalent, teilweise liebevoll, teilweise einengend. Gerade diese Gleichzeitigkeit war für mich so überzeugend. Beziehungen scheitern selten an einem Punkt, sondern an schleichenden Verschiebungen, die man oft erst im Rückblick erkennt.
Emotional hat mich das Buch weniger überwältigt als vielmehr irritiert und zwar im besten Sinne. Es zwingt zur Selbstprüfung. Nicht, weil es belehrend ist, sondern weil es unangenehme Parallelen aufzeigt. Dieser leise, analytische Ton wirkt nachhaltiger als jede pathetische Zuspitzung.
Das Entscheidende ist jedoch etwas anderes: Brinkgreve liefert keine Auflösung. Kein „So hätte ich es besser gemacht“, kein sauberer Schlussstrich. Der Prozess bleibt offen, unfertig. Und genau das ist konsequent.
Fazit: Dieses Buch entlarvt die Illusion, man könne sich allein durch Erkenntnis aus gesellschaftlichen Rollen befreien. Es zeigt, wie tief diese Strukturen greifen und wie widersprüchlich wir selbst darin agieren. Meine Haupterkenntnis: Selbst wer es besser weiß, lebt nicht automatisch freier.
Meinung aus der Buchhandlung
Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.
Titel, Cover und Thema des Buches hatten mich angesprochen, wie gestaltet sich das Leben nach dem Tod des Partners.
Christien Brinkgreve beginnt nach dem Tod ihrers Mannes das gemeinsame Haus auszuräumen. Zumindest startet sie den Versuch. Sie erzählt offen und oft sehr schmerzhaft von ihrer Ehe. Für mich war es keine Partnerschaft auf Augenhöhe. Man kam kaum glauben, dass sich eine Frau, die selbst emeritierte Professorin ist, alles rund um die Familie allein stemmt sich dermaßen ihrem Mann unterordnet.
Christien Brinkgreve geht nach dem Ordnen ihrer Liebe in eine eigenständiges Leben
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.